Verlag Langgaffe 21
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Zreitag, 5. Januar 1917.
Oer Krieg Rumäniens.
*^er amtliche bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia» 4. Jan. Bericht des Generalstabs vom 1. Januar:
Mazedonische Front: Im Cernabogen und an der Struma lebhaftere Artillerietötigkeit. Eine feindliche Kompagnie mit einem Zng Kavallerie versuchte zweimal gegen das Dorf Kuprin in der Ebene von Serres vorzurückrn» wurde aber durch unser Feuer verjagt.
Rumänische Front: In der Dobrndscha wurde
nach einem äußerst erbitterten Kampf der verzweifelte Widerstand der Russen in dem Abschnitt Macin-Jijila gebrochen. Teile der 4. Preslav-Division nahmen Jijila im Bajonettkampf. Die verbündeten bulgarischen» deutschen und türkischen Truppen zogen nach einem blutigem erbitterten Kampf in Macin ein. Bisher wurden 1v Offiziere und 7 0 0 Mann als Gefangene und 6 Maschinengewehre als Beute eingebracht.
*
Der deutsche Abendbericht vom 4. Januar.
W. T.-B. Berlin» 4. Jan.» abends. (Amtlich.)
Im Osten und Westen keine besondere Gefechtstätigkeit.
In Rumänien sind längs des S e r e t h die Kämpfe aufgelebt.
Panikartige Flucht aus Galatz und Braila.
Berlin, 6. Jan. (zb.) Die Flucht der rumänischen Bevölkerung aus den von dem Feinde bedrohten Gebieten nimmt einen ungeheuren Umfang an. Die meiste» Flüchtlinge sollen nichts zu essen haben. Die Bevölkerung von Galatz, so wird berichtet» verläßt die Stadt in panikartiger Flucht. In Braila sollen die Behörden gleichfalls b e - reitS geflohen fein.
Ereignisse zur §ee.
Ein englischer Truppentransportvampfer im Mittelmeer versenkt.
155 Mann vermißt!
W. T.-B. London» 4. Jan. (Drahtbericht.) Amtliche englische Meldung: Der Ersatzdampfer „Tveruia" <14278 Bruttoregistertonnen) ist im Mittelmeer bei schlechtem Wetter am 4. Januar von einem feindlichen Unterseeboot versenkt worden. 120 Soldaten und 35 Mann Besatzung weiden vermißt.
Versenkt.
W. T.-B. Kopenhagen, 4. Jan. „Berlingske Tidendc" meldet aus Bergen: Hier sind heute Offiziere des ruffischeu Dampfers „T u n k a r" eingetroffen» der auf der Fahrt von Archangel nach London von einem deufichen Unterseeboot versenkt wurde. Das Schiff sank bei schwerem Wetter sofort. Das eine Rettungsboot kenterte und auch die Lage der übrigen war gefährlich. Schließlich wurden die Schiffbrüchigen von dem norwegischen Motorschiff „Talkvard" ausgenommen und in Bergen gelandet.
W. T.-B. London, 4. Jan. Lloyds meldet: Der französische Dampfer „Leon" ist versenkt worden. Die Besatzung wurde an Land verbracht.
W. T.-B. London» 5. Jan. (Drahtbericht.) Lloydmeldung: Die griechischen Dampfer „D i m i t r o s", „G o u l a s d r i s" und „Aristoteles" und der spanische Dampfer „S a n Lcandro" sind versenkt worden. Man glaubt» daß auch der norwegische Dampfer „O d d a" versenkt wurde. Ferner ist der norwegische Dampfer „B o r n e" versenkt worden.
Überfällige Dampfer.
W. T.-B. London, 5. Jan. (Drahtbericht.tz. Lloydmeldüng: Der Dampfer „Frederick" (1872 Tonnen) aus New Dork gilt als verloren. Der spanische Dampfer „P e l a h o" (1641 Tonnen) und der britische Dampfer „S erb ist an" ,(2934 Tonnen) sind stark überfällig.
Die Ereignisse in Griechenland.
Die Erregung in Griechenland.
Br. Lugano» 5. Jan. (Eig. Drahtbevicht. K.) „Corriere della Seva" meldet aus Athen: Nach genauer Kenntnisnahme der Note setzt über diese kr Unmut der Zeitungen und der öffentlichen Meinung ein. Gegen das Ministerium, besonders .gegen den Ministerpräsidenten Lambros, ist der Beginn einer Strömung zu verzeichnen. Man wirft Lambros zu große Nachgiebigkeit vor.
Alle Parteiführer für ein „Unannehmbar".
W. T.-B. Paris» 4. Jan. Dem „Journal" wird aus Athen gemeldet, die ffüheren Ministerpräsidenten und Parteiführer seien von dem König empfangen worden. Alle seien der Ansicht gewesen» daß die Note der Entente unannehmbar sei.
Der griechische Mobilisierungsplan gegen die Entente.
Größte Erbitterung der Bevölkerung von Athen.
Berlin» 5. Jan. (zb.) Das „B. T." schreibt: Durch die Enteutepreffe Lang die Absicht» diesmal mit der griechischen
Kbenö-klusgabe.
Frage reinen Tisch zu machen. Es scheint» daß auch bei den Griechen die gleiche Absicht besteht. Jedenfalls würde das auch der Fall sein» wenn sich die Nachrichten bestätigen, daß der Gedanke erwogen wird» das Parlament cinzuberufen und ihm den Plan einer Mobil!- s i e r u n g gegen die Entente vorzulegen. Dann hätte schließlich die Gewaltpolitik der sogenannten Schutzmächte das genaue G e g e n t e i I dessen erreicht, was von Anfang an ihr Ziel war. Sie hätte zwar von Griechenland das Aufgeben seiner Neutralität erzwungen, aber in umgekehrtem Sinne» wie es von ihr geplant und mit Venizelos vereinbart war. Ob der große K ri egs rat in Rom» zu dem sich außer Lloyd George auch Briand. Liautey und der englische Generalstabschef nach der italienischen Hauptstadt begeben haben, mit diesen Dingen in Zusammenhang steht? — In verschiedenen Blättern heißt es, der Reise Lloyd Georges würde größere Bedeutung für die Orientfrage als für die Friedensfrage beigemessen und die Fortsetzung des Salonikiunternehmens als in Frage stehend bezeichnet. — In anderen Blättern liest man» die Bevölkerung von Athen sei auf dem h ö ch st e n P u n k t der Erbitterung wegen der von der Entente verhängten Blockade angelangt und sie verlange jetzt von der Regierung eine ultimatumartige Note an den Zehnerverband» in welcher die Einst e I l u n g der Blockade sofort gefordert werde.
Eine Beilegung noch nicht ausgeschlossen?
Br. Amsterdam, 5. Jan. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach englischen Blättermeldungen aus Athen vom Diensiag empfing König Konstantin nacheinander alle früheren Ministerpräsidenten» um deren Ansicht über die Verba,idsnote entgegenzunehmen. Die Athener Blätter sagen» daß diese in der Hauptsache die Forderungen militärischen Charakters ablehne n. Mau glaubt jedoch nicht» daß eine Beilegung unmöglich ist. Der Minister des Auswärtigen Zalacastas benachrichtigte die Zeitungen» daß die Regierung die Beantwortung der Ententenote beschleunigen werde» um die baldige Aufhebung der Blockade herbeizuführen. Er erklärte ferner» daß er mit den Ententegesandten die Bedingungen der Note besprechen werde» ehe der Entwurf der Antwort fertiggestellt werde. Der König hatte auch eine Besprechung mit den Parteiführern.
Nach weiteren Berichten haben der griechische Gesandte bei der belgischen Regierung und der griechische Generalkonsul in der Türkei den Abschied eingereicht; dieser stellte sich der Regierung des V e n i z e l o s' zur Verfügung.
Zunehmende englische Abneigung gegen die Saloniki-Expedition?
Lugano, 4. Jan. (zb.) Der „Secolo" bringt eine Londoner Depesche über den zunehmenden W i d e r w i I l e n der Londoner Kreise gegen das Saloniki unter nehmen» das sich immer mehr als ein zweites Gallipoli entpuppe. Der „Secolo" gibt ausführlich das vom Leiter des neuen englischen Kabinetts inspirierte vernichtende Urteil der „Daily Mail" über S a r r a i l wieder und fragt, wie es komme, daß 200 000 Bulgaren genügten» um ein- halbe Million Enteutetruppeu in Schach zu halten? Es wäre besser, das Salonikiheer für die bevorstehende große Offensive im Westen zu verwenden» zumal da der für die Verproviantierung notwendige ungeheure Frachtrau in besser für die Versorgung der notleidenden Ententevölker dienen würde. „Daily Mail" meint sodann, daß es an der Zeit sei» den von Asquith begangenen s ch w e r e n I r r t u m der Salonikiexpediiion w i e d e r g u t zu machen, was Sache Lloyd Georges sei.
Auch ein russischer Geschäftsträger bei der „nationalen Regierung".
W. T.-B. Saloniki, 4. Jan. Wie die Blätter melden, hat Rußland einen Geschäftsträger bei der nationalen Regierung ernannt.
*
Der „Manchester Guardian" über Italiens Ansprüche auf dem Balkan.
W. T.-B. London, 4. Jan. Der „M anche stU Guardian" schreibt in einem Leitartikel über Italien und den Osten: Die NoteJtaliens an Gr i ech e n lasid sei das erste diplomatffche Dokument» in dem einer der Alliierten sich von dem anderen l o s m a ch e. Italien habe keine Sympathie für die jetzige Regierung in Griechenland» es habe aber auch niemals Bewunderung für BeBizelos an den Tag gelegt. Italien brauche weder ein offizielles noch ein unofft- zielles Bündnis mit Griechenland. Es wünsche nur» daß Griechenlmid neutral bleibe. Für Italien sei ein Krieg in erster Lime eine Frage des Balkans und des östlichen Teils des Mittelmeers. D.e italienischen Staatsmänner seien der Ansicht» daß die diesbezüglichen Forderungen Italiens zu einem Konfiikt mit Griechenland sichren könnten. Es sei vielleicht kein Zufall» daß Italien den gegenwärtigen Augenblick wähle» um offen 'dem Unterschied zwffchen seinen eigenen Interessen und denen Griechenlands am Balkan und im östlichen. Mittelmeer zu 'betonen. Über die Zukunft der Türkei sei noch kein Vertrag der Alliierten bekannt gewovden außer dem» nach dem Rußland K o n - stantinopel und die Meerengen bekommen solle» wenn es sie erobern könne. (!) Die Alliierten müßten aber möglichst rasch ihre Pläne bezüglich die Türkei näher um- schreibAl. Die Anzeichen mehrten sich» daß die Türkei an den
Nr. 8. . 65. Jahrgang.
I letzten Phasen des Kriegs aufs engste beteiligt sein werde. Es sei also selbstverständlich» daß Italien bei Zeiten seine Ansprüche geltend machen wolle.
Var abgelehnte Friedensangebot.
Die bevorstehende Entente-Antwort an Wilson.
(Drahtbericht unseres Ni.-SonderberichterstatterS.)
Ni. Wien, 5. Jan. (zb.) Wiener neutrale Kreise glaube», die Antwort der Entente an Wilson wird praktisch die gleiche sein wie die an die Mittelmächte abgegebene. Sie wird von dieser sich nur im Umfang und Ton unierscheiden. Man nimmt hier nicht an» daß die Entente ihre Frisdensbe- dingungen formulieren wird.
Englische Erörterungen zum Friedensthema
^cayroericht unseres 17-Sonderberichkerstatters.)
17. Rotterdam» 5. Jan. (zb.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet: Die englische Presse beschäftigt sich weiter mit den Friedensaussichten. Die „Times" erklärt > heute» aus der Haltung Spaniens» Hollands sowie dxr wich- ' tigsten amerikanischen Republiken sei zu schließen» daß die wirklichen unabhängigen Neutralen wenig geneigt sind» sich dem Schritte Wilsons anzuschließen» der nur den Mittelmächten Vorteile bringen würde. — „Manchester Guardian" glaubt» daß trotz der Ablehnung der Friedensnote die Mittelmächte ihre Versuche» die Frie- densverhandlungen in Fluß zu bringen» fortsetzen werden. Das Blatt bemerkt, daß der nächste Schritt Deutschlands die Bekanntgabe der Friedensbedingungen sein werde» um so indirekt Wilson entgegenzukommen.
Die Debatte über Wilsons Note im amerikanischen Senat.
W. T.-B. Washington, 3. Jan. (Meldung des Reuterscheu Bureaus.) Heute wurde im Senat der Antrag Hitchock» nach dem Wilsons Note zustimmend begrüßt wird» behandelt. Nachdem einige .Redner für den Antrag eintraten» sprach Senator Lodae dagegen. Er sagte» der Kongreß dürfe in einer Angelegenheit von so großer Bedeutung nicht handelnd auftret-n. Ein jetzt geschlossener Friede würde weiter nichts bedeuten als eine Ruhepause» die die Völker dazu benutzen würden, neue Kraft zu sammeln» um den Kampf wieder aufzunehmen, in den dann auch Amerika verwickelt werden könnte. Die Gegnbr Lodges führten aus, daß für das Auftreten Wilsons ein Präzedenzfall in der Rooseveltschen Vermittlung während des russisch-japanischen Krieges vorliegc. Lodge machte dagegen geltend» daß es sich hier nicht um das Recht auf Vermittlung, das durch die Haager Konvention anerkannt sei» handle. Die Note des Präsidenten sei mehr als ein Vorschlag» der bezweckte» die känrpfeuden Parteien miteinander itzi Fühlung zu bringen. Der Präsident habe unzweifelhaft das Recht, eine Note auszusenden» um versuchsweise festzustellen» wie weit es möglich wäre» die kriegführenden Parteien zus.nnmenznbringen. Dieser Versuch sei aber bei einer der beiden kriegführenden Parteien bereits gescheitert. Wenn die falsche Auffaffung der Note» die aus dem Antrag Hitchock spreche» allgemein würde» so laufe Amerika Gefahr, in der ganzen Welt den Eindruck zu erwecken» daß der Kongreß sich auf die Seite einer der beiden Parteien stelle. Hierauf wurde die Debatte auf das Ersuchen Hitchocks neuerdings vertagt.
Bestien.
Von Dr. Karstrdt (Steglitz).
Alls seinerzeit die ersten Berichte über die furchtbare Behandlung der in den französischen Kolonien W e st- afrikas sitzenden gefangenen Deutschen veröffentlicht wurden, als bekannt würde» )vie Deutsche» Weiße» kaum bekleidet» unter derPeiffche schwarzerAuffeher ihr müdes Leben dem Ende entgegenschleppten, da hat man sich bei uns voll Entsetzen gefragt» ob denn das Deutsche Reich nicht Mittel genug in der Hand hätte, um diese bestialischen Roheiten der französischen Regierung kurzerhand und schnell durch Gegenmaßnahmen zu beseitigen. Lange genug hat das damals gedauert, und wenn der Krieg einmal zu Ende ist und dle Opfer des ffanzöjischen Sadismus wieder unter uns weilen und berichten können, dann wird es an der Zeit sein fcstzn- stellen, ob deutscherseits tatsächlich alles geschehen ist, um möglichst schnelle und gerechte Sühne zu erlangen. Über das, ivas unseren Landsleuten damals in Dahomey geschehen ist» ist bisher zwar nur lvenig in die Öffentlichkeit gelangt. Aber was neuerdings wieder unter der Hand bekannt geworden ist, ist so furch t- b a r, daß es die Greuel der ersten Nachrichten noch in den Schatten stellt. Vor mir liegt zum Beispiel die Zeichnung einer D a u ur e n s ch r a u b e, etwa der Art» wie wir sie aus den Museen her kennen. Dieses mittelalterliche Folterinstrument wurde Deutschen auf Geheiß französischer Offiziere in Dahomey angelegt» wenn sie» angekettet, körperlich gezüchtigt wurden! Das war stanzöfische Zivikfatttmf
