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Kbend-klusaabe

Nr. 635. . 64. Jahrgang.

Samstag. 30. Dezember 1916,

Zsrtfchreitender veffolgungffampf tu der Gjtwalachei auf der gauzeuKsut.

Nach an der siebenbürgifche« Moldaufront weitere ZorMrritte. wieder 669 Gefangene,7 Maschinengewehre erbeulet.

Oer Tagesbericht vom 30. Dezember.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Dezember. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Hecresgrnppe Kronprinz Rupp recht.

Nordwestlich vor Lille, an der Somme — vorÄiufig auf dem Nordufer — und in einzelnen Abschnitten der Aisne-- front nahm zeitweilig das Feuer zu. Mehrfach wuröeu Vor­stöße englischer und französischer Patrouillen abgewiesen.

Heeresgruppe Kronprinz.

Aus dem linken Maasufer führten die Franzosen gegen die von uns gewonnenen neuen Linien am „Toten Mann" im Laufe des Tages mehrere, durch st a r k e Feuer­wellen eingeleitete Angriffe, die sämtlich abgewiesen wurden.

östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Bei ungji rstiger Witterung die gewölmliche Grabenkampf- tätigkeit.

Front des Generalsbersten Erzherzog Joseph.

In den verschneiten Waldkarpathen erfolgreiche PatrouÄlengänge deutscher Niger.

Im siebenbnrgischen Grenzgebirge drangen die deutsche» und österreichisch-ungarischen AngriffStrnppen trotz hartnäckigen Widerstandes in verschanzte« SteAungen und trotz starker Gegenstöße, bei denen der Ruße 10 Offi­ziere, 650 Mann und 7 Maschinengewehre in unserer Hand ließ, weiter vorwärts.

Heeresgruppe des GeneraiseMnarschalls v. Mackensen.

Unsere unermüdlichen Truppen folgen dem auf der ganzen Front zwischen Gebtoge und Donau weichende» Feinde. Sie stehen im fortschreitenden Kampfe in der Liuie nordöstlich Vizirul - Sntrsti- sam Buzaul)- S e l v b o - z i a (halbwegs- Nrmaicul Sarat-Magenesti).

Mazedonische Front.

Nur kleinere Gefechte von Streifabteilungen in der Strnmaebene.

Der erste Geaeralguartiermeister: Ludendorff.

Oer Kern der Lage.

O Berlin, 28. Dezember.

Das diplomatische Hinundher wird in die- sen Tagen einer Spannung, die aber doch die letzten Ergebnisse ohne Neugier erwartete, noch bunt genug sein Spiel treiben, wir werden die Antwortnote der Vierverbandsmächte zu lesen bekommen, und dann werden wieder wir und unsere Verbündete Stellung zum Inhalt dieser Note zu nehmen haben, auch Amerika wird sich wohl weiter rühren. Das alles wird gewiß sehr wichtig sein, aber schwerlich kann es etwas brin­gen, was über den sichtbaren gegenwärtigen Tatbestand hinaus neue Erkenntnisse vermitteln wird. Denn das ist nun einmal der entscheidende Gegensatz zwischen uns und den Feinden: Der Vi erb und erstrebt den Frie­den auf einer Grundlage, die es belds» kriegführenden Parteien ermöglicht, ihr politisches und natio- nales Leben ungestört fortzusetzen; dep Vierverband dagegen will nur einen Frieden, der uns als Besiegten selbstherrlich diktiert werden kann und soll. Wie rönnen diese beiden sich ausschlietzendsr Standpunkte vereinigt werden? Darauf gibt weder unser Friedensangebot eine Antwort noch auch die ame­rikanische und die schweizerische und nordische Anregung. Man ist ja gern geneigt, die Erwartung zu teilen, daß die bösartigen Reden der feindlichen Staatsmänner nur die Maskierung für ein doch noch erfolgendes Ent­gegenkommen sein soll, und solange die Antwortnote nicht vorliegt, braucht man diese Erwartung nicht ganz aufzugeben, zumal uns Lloyd iHeorge schon hat wissen lassen, daß wir in irgendeiner Form nach unseren Frie­densbedingungen werden gefragt werden. Auch das ist gewiß richtig, daß der Friedensgedanke, nachdem wir ihn einmal ausgesprochen haben, nicht wieder ver­schwinden kann, und daß die moralische Wirkung unseres Entschlusses unverlierbar auch in dem GefühlSbomche der stindüchnr Witter, erst recht aber

der neutralen, bleiben wird. Nur läuft jede Betrach­tung notwendigerweise auf die Kernfrage hinaus, ob der Vierverband noch glaubt, uns v e r n r ch- ten zu könnnen, oder ob er durch die Erfahrungen des Krieges hinlänglich belehrt ist und deshalb einer Verständigung zuneigt, wie sie unser Friedens­angebot doch schließlich als Möglichkeit erkennen läßt. Zweifellos ist viel BIuffvolitik im Spiele, gleichwohl müssen wir damit rechnen, daß sie alle immer noch an ihren ursprünglichen Zielen fest halten und sich durch die Kriegslage nicht zum Nachlassen gezwungen sehen. Ihre Zuver­sicht stützt sich vielleicht mehr auf unsere wirtschaftliche und tatsächliche Aushungerung als auf die Kraft ihrer Waffen, aber im Endergebnis käme es auf das­selbe hinaus, ob sie so oder so zu siegen hoffen. Bei alledem muß man indessen unterscheiden zwischen den feindlichen Mächten. Man kann sich nicht vorstellen, daß die Russen wirklich noch die Möglichkeit unserer Hinausdrängung aus ihren westlichen Grenzgebieten in Betracht ziehen; man kann sich erst recht nicht den­ken, daß die Franzosen unsere Vertreibung aus ihren nördlichen Departements und die Überschwemmung unserer westlichen Landstriche bis über den Rhein hin­aus für ausfiihrbar halten. Dagegen mögen die Eng­länder immer noch darauf vertrauen, uns durch end­lose Hinziehung des Krieges so mürbe zu machen, daß wir die Hand von Belgien lassen, an dem der britischen Politik zuerst und zuletzt gelegen ist. Belgien bleibt nun einmal der ausschlaggebende Fak­tor, um den sich dieser Riesenkampf bewegt. Damit ist gewiß nicht gesagt, daß irgendeines der anderen großen Probleme, deren Lösung der Krieg bringen soll, an Be­deutung verliert. Es geht um die M e e r e n g e n - ' frage und um die Balkanfragen, auch um die polnische Frage ebenso wie um die belgische, aber diese ist und bleibt der Mittelpunkt, weil sich in ihr der deutsch-englische Gegensatz am stärk­sten und mit weltgeschichtlicher Wucht aus­drückt. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden wir an dem Tage, wo wir dem englischen Drängen nachgeben und Belgien völlig so wiederherstellen, wie es vor dem Kriege war, dem Frieden beträchtlich näher sein als heute, aber es wäre ei« englischer und kein deutscher Friede, es wäre ein Friede, der. wenn wir sonst auch alles übrige erreichten, den Sieg G r o ß- br i t a n n i e n s bedeuten müßte. Würde man in London erfahren, daß Belgiens wegen keine Besorg­nisse weiter gehegt zu werden brauchten, so würden Frankreich und Rußland wohl bald merken, wie stark das Interesse Großbritanniens an der Erzwingung der französischen wie der russischen Kriegsziele z u s a m- menschrumpken kann. Den Engländern liegt doch nichts an der Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frank­reich, und für die Auslieferung Konstantinopels und der Meerengen an Rußland haben sie vollends nichts übrig. Als Trepow und Pokrowsky die angebliche Ver­pflichtung der Verbündeten' Rußlands, zur Eroberung Konstantinopels mitzuhelfen, der Welt enthüllten, schrieb die Londoner „Nation": „Wir sind einverstan­den, daß Konstantinopel nicht deutsch sein darf; erliegt es den Waffen des Vierverbandes, so wird es Rußland gehören, aber wir können nicht glauben, daß eine Ver­pflichtung besteht, zu kämpfen, bis es genom­men ist. Der wesentliche Bestandteil der russischen Forderung nach den Meerengen muß erfüllt werden, aber das kann ohne buchstäblichen Besitz und ohne Ver­nichtungskrieg geschehen." Man sieht, manchen Eng­ländern wird schwül zumute bei dem Gedanken, dem Zarenreiche alles opfern zu sollen, woran die englische Politik so lange und so unermüdlich festgehalten hatte. Noch einmal: wäre England über Belgien beruhigt, so wäre der große Riß im Bierverbands da. Diese Be­ruhigung aber können, dürfen und wollen wir nicht ge­währen. Wir werden Belgien nicht wieder zum Einfallstor Englands werden lassen, das hat der Reichskanzler erklärt, und weil das für uns eine Frage von Leben oder Sterben ist, sollte endlich bei uns auch die gegenstandslose Furcht auf­hören, als könnte die Reichsleitung an diesenr kritischen Punkte schwach werden und fahren lasten, was wir in feste Hand genommen haben. Solange England er­warten zu können glaubt, daß es uns lahmlegen werde, solange wird deshalb unter Friedensangebot den Weg zur Erreichung unserer Ziele höchstens zeigen, aber nicht eröffnen können. Wir sind der Anregung Wilsons bereitwillig gefolgt, aber auch darauf müssen wir ge­faßt sein, daß die nicht durchwea nur scheinbare, sondern zum Teil auch erheblich wirkliche Übereinstim- m u n g zwischen unseren Bestrebungen und denen des amerikanischen Präsidenten in dem Augenblick z u Ende sein wird, wo wir Herrn Wilson werden mit- teilenmüssen, daß die Behauptung unserer Stel­lung in Belgien und an seiner Küste für uns eine Lebensfrage bleibt, die gewiß nicht in d--r Form der Einverleibung gelüst werd«l soll, di«

aber jedenfalls so gelöst werden muß, daß England nicht wieder seine Hand auf dies Land legen kann. Um das durchzusetzen, was wir wollen und wollen müssen, dazu gehört denn also der Sieg übep England. Wenn Frankreich und Rußland sich immer noch nicht als ge­schlagen ansehen, so tun sie das nur, weil England nicht auf die Knie gezwungen ist. In der Stunde, wo dies geschehen sein wird, wird man in Paris und Peters­burg wissen, daß auch die letzten Hoffnungen zusammen­gebrochen sind. Die belgische Frage ans der einen, die Enffcheidung des Kampfes zwischen uns und England auf der anderen Seite, das sind die beiden Pole, zwi­schen denen die Achse des Weltkrieges schwebt.

Die gemeinsame Note der 3 skandinavischen Staaten.

IV. T.-B. Berlin, 29. Dez. Der schwedische Geschäfts­träger und der dänische und norwegische Gesandte überreichten >m Auftrag ihrer Regierungen heute im Auswärtigen Amt gleichlautende Noten, die wir nachstehend in dent- scher Übersetzung wiedsrgebern

„Die königliche Regierung nahm mit lebhaftestem In­teresse von den Vorschlägen Kenntnis, die der Präsident der Vereinigten Staaten soeben gemacht hat, um die Maßnahmen zur Herstellung eines dauerhaften Frie­dens zu erleichtern. Wenn sie auch jede Einmischung zu vermeiden wünscht, die legitime Gefühle verletzten könnte, so würde die königliche Regierung ihre Pflichten gegenüber ihrem eigenen Volke und gegenüber der gesamten Menschheit nicht zu erfüllen glauben, wenn sie nicht ihre- tiefste Sympathie fiir alle Bestrebungen ausdrücken würde, die der fortgesetzten Steigerung von Leiden sowie von moralischen und materiellen Verlusten ein Ende setzen könntem Sie gibt sich der Hoffnung hin, daß die Initiative des Präsidenten Wilson ein Ergebnis zeitigen wird, würdig der hochherzigen Gesinnung, von der ihr Urheber beseelt ist."

Berlin, 30. Dez. (zb.) Das „93. T." schreibt: Durch die Taffache, daß nicht drei verschieden? Noten abgesaßt worden sind, sondern ein g e m e i n s a m e r Text vereinbart worden fft, soll die volle Übereinstimmung, die zwischen den drei skandinavischen Staaten besteht, dargetan werden. Im Tone unterscheidet sich die Note natürlich etwas von der des schwei­zerischen Bundescates, die ein tiefes eindrucksvolles Zeugnis der schwierigen Situation war, in welche die Schweiz sich'seit Beginn des Krieges versetzt sieht. Wie der Schweizer Bun­desrat das Schriftstück ausdrücklich als eine Unterstützung der Initiative Wilsons bezeichnet hat, so geben mich die skandinavischen Regierungen ihrer Note diesen Charakter. In Deutschland wird niemand etwas anderes empfinden als Dank und Anerkennung für alle diejenigen ,die mithelfe« wollen, den Frieden wiedecherzn.Mlen.

Die Entente-Antwort auf die deutsche Friedensnote bereits in Washington überreicht?

Br. Bern, 30. Dez. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Ans London wird telegraphiert: Die Antwort der Alliierten auf die deuffche Friedensnote ist, wie der diplomatische Mit­arbeiter des „Daily Telegraph" mitteilt, im ganzen ausge­fertigt und von der englischen Regierung durch ihren Bot­schafter dem Präsidenten der Vereinigten Staaten überreicht worden, der sie -.anu den Zentral­mächten übermitteln wird. Aus der Antwort wird hervorge- hcben, daß die Alliierten ihre Siegeszuversicht nicht fiir einen Frieden opfern wollen, bevor nicht die militärische Kraft Deutschlands in einem offenen Kampfe gebrochen sei. In aller Ausführlichkeit werden in der Note die Ziele dargelegt, für die der Vierverband kämpfe, und die „Gewaltakte" Deutschlands neuerdings betont. Erst wenn ma» sichere Garantien für die Einhaltung der Verträge habe, könnten diesen Völkerrechtsverletzungen Einhalt getan werden. Die Antwort auf die Initiative d e r Neu­tralen werde einige Tage später abgegeben werden. In dieser Note werden dir Neutralen daraus aufmerksam ge­macht, daß die Alliierten einen Frieden haben wollen, der der Vorherrschaft ein Ende macht, die Deutschland innerhalb unfr außerhalb Europas ausübe.

Was wird Wilson weiter tun?

Englische Stimmungsmache.

Berlin, 30. Dez. (zb.) Zu englischen Blätter« stimmen, nach denen Wilson jetzt nicht mehr wisse, was er tu« solle und daß er ernsthaft besorgt sei, daß er zum Krieg» führen gezwungen sein würde, statt die Rolle eines Friedensstifters zu spielen, sagt der „B. L.-A.": Daß von de n Notenwechsel nicht viel mehr zu er­warten ist, liegt ausser Hand. Ob sonst etwas Wahres a» der englischen Stimmungsmache ist, bleibt ab« zuwarten.

Englische Tendenzmeldurrgen aus Amerika.

Rotterdam, 30. Dez. (zb.) Die „Times" läßt sich auS New Dork melden, daß die Afforiated Preß — auf Grund boa Mitteilungen des deutschen Botschafters Grafen Bernstorff vermutet der Korrespondent — folgende Zusammen­fassung der deutschen Anschauungen urrd über die Art, wie der Friede zustande kommen könnte, basöffetN

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