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Donnerstag, 28. Dezember 19Z6.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 63k. . 64. Jahrgang.
Zwei Jahre Dmchdruchsversuche im Westen.
Die Erkenntnis unserer Feinde, daß es einer besonderen Krastanstrengung bedürfen .würde, um dem „Schützengrabenkrieg" ein Ende zu bereiten, führte am 1. Dezember 1914 im Hauptquartier des Generals 3f r e n d) zum ersten Male zn einer großen Kriegsrats- tagung. an der auch Poincarch Viviani, Jofsre und König Georg teilnahmen. Dieser Kriegsrat leitete die erste jener großen westlichen G e s a m t a n st r e n g u n- gen ein. die sich seitdem durch zwei blutige Jahre hindurch in fünf deutlich erkennbaren Abschnitten wiederholt haben, stets mit einem ungeheuren, immer sich steigernden Einsatz an Menschenleben und Kriegsmaterial und mit dem Ergebnis eines im Verhältnis zu dem feindlichen Aufwand fast lächerlich geringen, aus Karten großen Maßstabes kaum erkennbaren Geländegewinns.
Fast ans der ganzen Front versuchten unsere Feinde, Engländer wie Franzosen, Offensivstöße, die allerdings für heutige Begriffe völlig unzureichend vorbereitet waren nnd deshalb unseren Feinden nur schwere Verluste brachten.
Die Gesamthandlung hat dem Feind bei stärksten Verlusten kaum merkbare Gewinne eingebracht. Auf dem nördlichen Ufer des Aserkanals bei Nieuport konnte der Feind mit stärkeren Kräften Fuß fassen und nördlich deS Flusses uns das Dörfchen Saint Georges entreißen. Östlich Souain in der Champagne ging eine noch nicht fertig ausgebaute Stellung verloren. Im Gegensatz zu diesen völlig belanglosen Gewinnen haben unsere Gegenstöße uns an. mehreren Punkten örtliche Forffchritte gebracht, von denen die Erkämpfung der Höhe 60, nördlich des Mer- kanals, und die Erstürmung des Bois brüI6 bei Apre- mont besonders bemerkenswert sind.
Das Gesamtergebnis dieses ersten großen Vorstoßes unserer westlichen Feinde, der gegen Jahresschluß 1914 sein Ende erreichte, ist ein völliger F e h l s ch l a g.
Die englisch-französische Heeresleitung mußte zu der Überzeugung kommen, daß eine derartige sich auf die ganze Front erstreckende „T a st o f f e n s i v e" gegenüber der Festigkeit unseres sich unter den Erfahrungen des örtlichen Kleinkriegs immer mehr vervollkommnenden Verteidigungssystems ein durchaus unzulängliches Angriffsmittel sei. Schon die nächste große Offensivhandlung trägt einen völlig anderen Charakter und läßt den Übergang zu einem Grundsatz erkennen, der von Stunde an allen späteren Vorstößen gemeinsam ist, nämlich den Grundsatz des Durchbruchsversuchs cm einer einzelnen Stelle auf verhältnismäßig schmaler Front nnd mit Einsatz allerstärkster Kampfmittel.
Am 19. Februar 1915 setzten gegen die Stellungen zweier rheinischer Divisionen in der Champagne äußerst heftige Angriffe der Franzosen ein. Sechs geschlossene Armeekorps und noch eine weitere Division, also eine mehr denn sechsfache Übermacht stürmte gegen eine Frontbreite von 8 Kilometern zwischen Perthes und Le Mesnil an mit der ausgesprochenen Absicht, den Durchbruch nach Vouziers zu erzwingen. Vorbereitet und unterstützt wurde dieser Versuch durch einen Munitionsanfwand der Artillerie, wie er bisher im Laufe der Kriegsgeschichte noch niemals erlebt worden war. Das „Trommelfeuer" trat zum erstenmal in die Erscheinung. Tie zwei ange- griffenen Divisionen troyten mannhaft der Übermacht und schlugen in Verbindung mit herangezogenen Teilen zweier anderer Korps der dritten Armee alle Angriffe bei außerordentlichen feindlichen Verlusten siegreich ab, so daß das gewaltige französisch? Unternehmer mit einem Verlust von 60000 Mann völlig z u- sammenbrach. Unsere Stellungen wurden vollkommen behauptet und dem Feind noch zweiundein- halbtausend nnverwundete Gefangene entrissen.
Es war Wohl das Bedürfnis, den schwer bedrängten Verbündeten im O st e n Hilft zn leisten, das unsere westlichen Feinde so bald nach dem Einsatz unserer östlichen Offensiv? anfangs Mai 1915 zn einem neuen großen Vorstoß veranlaßte. Im Mai 1915 setzte an der Grenze kwr nordsranzöstschen Departements Flandern und Artais schweres feindliches Artilleriefeuer ans unsere Stellungen zwischen La Basste und Arras ein. Am 9. Mai begannen sowohl aus der englischen als der ffanzöstschen Front heraus Angriffe von beispielloser Heftigkeit.
Der erste Ansturm des Feindes am 9. Mai über- rannte einen Teil unserer ersten Stellungen, konnte aber dann zum Stehen gebracht werden. In den wütenden Kämpfen der nächsten Wochen, die sich bis Mitte .Juni hinzogen, ist es dem Feinde gelungen, uns zur Räumung der vorgeschobenen Dörfer Ablain und Carency zu zwingen. Eizuur LmvIlndUckioreu Ner-
lust erlitten wir durch das Ausgeber! der Lorettohöhe, welche dem Feinde nunmehr Einsicht in das Kohlenbecken zwischen Lille und Douai gewährt. Dagegen konnten die hartumstrittenen Dörfer Souchez und Neuville gehalten werden. Die feindlichen Verluste werden auf etwa 100 000 Mann geschätzt. Das Ziel des Durchbruchs war auch nicht annähernd erreicht, wenn auch örtliche Verschiebungen erzielt worden waren.
Als Ort für den vierten Durchbruchsversuch wurde wiederum unsere Champagnesront zwischen Aubckrive und Bille für Tonrbe gewählt. Unterstützt werden sollte der beabsichtigte gewaltige Vorstoß durch zwei gleichzeitige energische Angriffe an zwei ebenfalls bereits blutgetränkten Stellen der Front, nämlich im Artois und bei N p e r n.
Der Großartigkeit des AngriffZPlans entsprach seine Ausführung. Ein f ü n f u n d s i e b z i g st ü n d i° ges Trommelfeuer von niemals zuvor erhörter Heftigkeit bereitete den Sturm vor. Am 25. September begann auf einer Frontbreite von etwa 35 Kilometer oer Massensturm der Infanterie. Der erste Stoß überflutete unsere vorderste Stellung an zwei Punkten. Zunächst gelang dem Feind der Einbruch in einer Breite von 13 Kilometer zwischen der Straße St. Souplet- St. Hilaire bis südlich Tahure. Ein zweiter Einbruch von 6 Kilometer Breite wurde nördlich der Beau- Schour-Ferme erzielt. Bei Tahnre erreichte die Einbuchtung unserer Front eine Tiefe von 3,6 Kilometer, an der anderen Stelle nur eine solche von 1,8 Kilometer. Noch dreimal erneuerte der Feind seine gewaltigen Anstürme, am 27. September und am 6. und 6. Oktober, dann aber war die Kraft der Offensive im wesentlichen gebrochen.
Gleichzeitig mit der Champagneschlacht setzte eine kräftige Nebenoffensive der Franzosen und Engländer im Artois ein. Auch dieser Ansturm wurde durch ein Trommelfeuer eingeleitet, das 50 Stunden lang die deutschen Linien bearbeitete. Im englischen Abschnitt wurde diese Vorbereitung durch Gas» und Rauch- angrifse verstärkt. Vom 21. September bis Milte Oktober liefen 18 französische und 23 englische Divisionen gegen unsere Stellung an. Den Franzosen gelang es, Souchez zu nehmen und bei Loos ein? deutsche Division in die zweite Stellung zurückzudrücken. Die Eng- länder erzielten keinerlei Dauererfolg. Auch ein anfänglicher Erfolg bei Hulluch wurde durch deutschen Gegenstoß ausgeglichen. Auch hier also ein Gewinn, der den Feind seinem strategischen Ziel in keiner Weise näher bracht?.
Eine zweite Nebenoffensive fand am 25. September im Apernbogen statt. Sie blieb völlig erfolglos.
Die feindlichen Opfer auf allen drei Schauplätzen der Herbstosfensive belaufen sich auf 130 000 Franzosen und 60 000 Engländer. Unsere Verluste betragen noch nicht ein Fünftel dieser Zahlen.
Es kann mit Bestimmtheit angenommen werden, daß unsere Feinde, wenn es nach ihrem Willen gegangen wäre, vom Zusammenbruch ihrer Herbstoffensive des Jahres 1916 bis zum Einsetzen des großen, für das Jahr 1916 geplanten Vorstoßes nicht bis zum 1. Juli gewartet haben würden, wenn unsere Offensive bei Verdun nicht ihre Pläne zerstört hätte.
Der letzte große Durchbrnchsversuck an der Somme hat keinen neuen strategischen Gedanken in die Erscheinung tteten lassen., Massenfeuer, Massenstürme, Kavalleriemassen hinter der Front bereitgestellt — alles das zeigt von der Erkenntnis, daß unsere Feinde ihr Ziel nur noch von der Überlegenheit der Zahl erwarteten. Es muß anerkannt werden, daß sie, um sich diese einzige unbestreitbare Überlegenheit zu sichern, eine staunenswerte Energie an den Tag gelegt haben. Weder mit Menschen noch mtt Material haben sie geknausert. Aber es hat ihnen nichtsgeholfen.
Zu gleicher Zeit, als ein T e i l der deutschen Heere die gesamte Heeresmacht Englands und Frankreichs in Schach zu halten vermochte, haben unsere Kämpfer im Osten Schulter an Schulter mit unseren tapferen Verbündeten den Ansturm der B r u s s i l o w - Armeen nnd den räuberischen Überfall des neuen Verbündeten, Rumänien, zum Stehen gebracht, hat ein Teil der Heere Österreichs und Ungarns genügt, um dem Anorall ganz Italiens, ein Teil der Kräfte Bulgariens, um dem Heranfluten der buntscheckigen Saloniki-Armee einen Damm entgegenzusetzen. Danach haben die Mittelmächte noch Kraft gefunden, die t r e u I o s e n R u m ä n e n zu züchtigen.
Unsere Feinde scheinen entschlossen, ibre fruchtlosen Anstürme im kommenden Jahr? zu wiederholen. Wenn ihre Führer vor ihren Völkern nnd der Weltgeschichte einen solchen Versuch verantworten zn dürfen glauben — nunwoül.- Wir lind bereit.
Der volle Sieg über die Russen dir über Rimnicul-Sarot hinaus!
wieder 3000 Gefangene.
22 Maschinengewehre erbeutet.
Fortschritte auch östlich von Maein in der Oobrudscha.
wieder 8 feindliche Flugzeuge im westen erlegt
Der Tagesbericht vom 28. Dezember.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. Dezember. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
^ Einzelne Abschnitte der flandrischen Front und des Sommebogens lagen zeitweilig unter st a r k e m Feuer.
Die Tätigkeit der L u f t st r e i t k r ä f t e war sehr rege. Der Gegner verlor im Luftkampf und durch Abwehrfeuer 8 Flugzeuge.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des GencralfeldmarschallS Prinz Leopold von Bayern.
An mehreren Stellen der Front wies unsere Grabenbesatzung Borstöße ruffischer Streifabteilungen ab.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.
An der Ludova, in den Waldkarpathen, vertrieben deutsche Jäger starke Patrouillen der Russen im Hand- granatenkampf.
Mesteca iesci-Abschnitt: Mehrfach lebhaftes Geschütz feuer.
In den Bergen im O i t o z - Tale nnd P u t n a - Tal hat sich die Kampftütigkeit erhöht.
Heeresgruppe des Gcneralfeldniarschalls v. Mackensen.
Der 27. Dezember brachte der 9. Armee des Generals der Infanterie von Falkenhayn den vollen Sieg in der Schlacht bei Rimnicul-Sarat über die zur Verteidigung Rumäniens herangeführten Russen.
Der am 26. Dezember geworfene Feind suchte durch Gegen stöße starker Massen den verlorenen Boden z u - r ü ck z u g e w i n n e n. Die Angriffe scheiterten. Preußische und bayrische Infanteriedivisionen stießen dem zurück flutenden Feinde nach, übcrranntcn die in der Nacht neu angelegten Stellringen und drangen über Rimnicul- Sarat hinaus vor.
Gleichzeitig durchbrachen weiter südöstlich deutsche und österreichisch-ungarische Truppen die stark verschanzten Linien der Ruffen, wehrten auch hier heftige gegen die Flanke geführte Gegenangriffe ab nnd kamen kämpfend in nordöstlicher Richtung vorwärts.
Wieder erlitt der Gegner bei seiner Niederlage schwere blutige B e r l u st e. An Gefangenen wurden gestern 3 0 ü 0 Mann, an Beute 22 Maschinengewehre cingebracht. Die Zahl der von der 9. Armee in den Kämpfen bei Rimnicul- Sarat gemachten Gefangenen beträgt im ganzen 19229 Russen. Bei der Donau-Armee fanden gestern nur Teil- kämpfe statt.
In der Dobrudscha gelang es bulgarischen und osmani- schen Truppen, die Ruffen aus befestigten Höhenstellungeu östlich von Mac in zu werfen.
Mazedonische Front.
Nordöstlich des Doiran-Sees griffen nach starker Feuer- Vorbereitung mehrere englische Kompagnien dir bulgarischen Borposten vergeblich an.
Der erste Generalquartiermeistrr:
Lndendorff.
*
Der deutsche Kbendbericht vom 28. Dezember.
W. T.-B. Berlin, 27. Dez., abends. (Amtlich.)
An West- und Ostfront nichts Nenes.
In der Großen Walachei ist R i m n i c u l S a r a t genommen.
Nordöstlich des Dojran-Sees sind englische Angriffe ab. gewiesen worden.
Die Bedeutung des Falles von Rimnicul- Sarat.
(VonunsererBerliner Abteilung.)
Berlin, 28. Dez. (Gig. Dvahtbericht. K.) Die Ein- nähme von Rimnicul-Sarat ist als eine Beute für unser« jüngsten Siege an der Grenz- der Mvldau anzusehen. Mau könne die Einnahme dieses Orts durch deutsche Truppen, ««- abhängig von den vorhergegangenen Ereigniffen betrachtet, kaum begreifen. Denn die russischen Truppen, die hier standen, waren frisch und ausgeruht und befanden sich nicht, wie die in Auflösung begriffenen Rumäne«, unter der demoralisierenden Wirkung irgend welcher Niederlagen, so daß sie wohl imstande sein mußten, eine so günstige Stellung längere Zeit verteidigen zu können. Rimnicul-Sarat war nicht nnr durch die in Eile geschaffene Verteidigungsanlage, sondern vor allem durch den varge- lngerteu Fluß Rimnic geschützt, drffen Bett in der Röhe de-
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