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Morgen-Kusgabe.

Donnerstag, 28. Dezember 1916,

Nr. 630. 64. Jahrgang

England Zeldzug gegtn die Neutralen.

Don Anfang an hat England den Krieg ganz offen als Wirtschaftskrieg geführt. Tie völkerrechts­widrigen Erweiterungen des Begriffs der Bannware und die Vergewaltigung der kleinen neutralen Staaten bilden eines der Merkmale der britischen Weltkriegs- Politik. Durch die Drohung mit der Aushungerung und durch methodisch angewandte wirtschaftliche Ab­schnürungsmaßnahmen sollen die Neutralen zu willen­losen Schleppenträgern Englands geruacht rmd dem englischen Gedanken von der völligen Einkreisung Deutschlands untertan werden. Vor keinem erlaubten oder unerlaubten Mittel schreckt die britische Willkür zurück, wenn es den eigenen Vorteil oder die Möglich­keit gilt, dem Feinde, auch aut Kosten Unbeteiligter, Schaden zuzufügen. Es gibt für sie keine Rechte, Ab­machungen oder Verträge, sie kennt nur einen einzigen Leitsatz: wright or wrong, my country!

^ In ganz planmäßiger Weise leitete England diesen Feldzug gegen die Neutralen ein. Bereits am 20. August 1914 hob es durch eine Order in Council die Londoner Seerechtserklärung vom 26. Februar 1909 durch Zusätze und Abänderungen auf, die durch ein wei­teres Edikt vom 21. September 1914 ergänzt wurden. Diese willkürliche Neuregelung, die einen tiefen Ein- griff in das geltende Völkerrecht bedeutete, richtete sich vornehmlich gegen die Neutralen, die durch die Erwei­terung des Begriffs der Konterbande und durch härtere Bestimmungen über die Beschlag- nähme von Schiffen in erster Lime getroffen wurden. Die neutrale Handelswelt, auch die amerika­nische, protestierte dagegen auf das lebhafteste, aber ohne Erfolg. Dieser Protest hinderte England keines­wegs, die neuen Vorschriften whr bald in äußerst schikanöser Weise zur Ausführung zu bringen. Die Untersuchung der angehaltenen neutralen Schiffe wurde aus Gründen der englischen Bequemlichkeit nicht mehr auf hoher See, sondern in einem englischen Hafen vor- genommen, ohne Rücksicht auf dadurch entstehende Zeit­verluste und Kosten.

Die Gefahren für die neutrale Schiffahrt wuchsen, als die britische Admiralität in einem Geheimbefehl vom 3. Februar 1915 Anweisungen ergehen ließ, daß wegen der deutschen U-Bootsgefahr alle britischen ! Handelsschiffe eine neutrale Flagge zu hissen hätten. Die Neutralen protestierten gegen diese Verletzung ihrer Hoheitsrechte ohne Erfolg. Bald ließ England auch die Handelsschiffe für den An­griff gegen U-Boote bewaffnen, eine Maß­nahme, die bei dem befohlenen Mißbrauch der neutralen Flagge unseren U-Booten das korrekte Verhalten bei Anhaltung und Untersuchung von Handelsschiffen aut hoher See sehr erschwerte und daher zu Härten gegen­über wirklich neutralen Schiffen führen konnte. Auch die Minengefahr nahm dauernd zu, da England zum Schutze feiner Küsten gewaltige Minenfelder aus einem Material anlegt, das nicht einwandfrei und nicht gut gesichert war.

Bor allen Dingen ging England darauf aus, den Handel der kleineren, schiffahrttreibenden neutralen Staaten in seine Gewalt zu bekommen, um Deutschland die letzten Lebensmittelznfuhren von außerhalb abzu­schneiden und um der eigenen Frachtraumrwt, die durch die Indienststellung des größeren Teiles seiner Han­delsflotte für militärische Zwecke entstanden war/mit den erpreßten neutralen Schiffen abzu­helfen. Eine neu Flut von Handelsvorschriften und -Verboten, dreisteste Handelsspionage, Anhal- ten der Briefpost und ähnliche bedrückende Maß- nahmen sollten widerstrebende Kreise willfährig machen. I Dem neutralen Bauwollenhandel wurden lähmende Be- I schränkungen auferleqt, die Bannwarenliste wurde fort-

(Amtlich.) H

Westlicher Kriegsschauplatz.

Hm Npern bogen und auf dem Norduser der Somme bei mittags guter Sicht starker Feuer- * a mh 1 > "kr abends bei einsekendem Regen wieder nachlreß.

Bei Luftkämpfen büßten die Gegner 9 Flug- zeuge ern.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Im Graberka-Abschnitt, nordwestlich von Zalocze, brachten österreichisch-ungarische Abteilungen von gelungener Unternehmung 32 Gefangene und drei Maschlnengewchre zurück.

Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Außer regem Patrouillengang, der vielfach zu für uns günstig verlaufenen Zusammenstößen mit dem Feinde führte, und zeitweise lebhaftem Artilleriefeuer längs der Hohen auf dem Ostufer der Goldenen B r st r r z genüge Gefcchtstätiqkeit.

.sw Oitos-Tale Artilleriekampf.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Die neunte Armee hat in fünftägigem Ringen die starken aus, mehreren verdrahteten Linien bestehenden, zah vertecdkgtcn Stellungen d e r R u s s e n an mehreren Punkten durchbrochen. Südöstlich von Rtmnlcul-Sarat sind sie in einer Breite von 17 Kuometern völlig genommen.

Auch die Donau-Armee brach durch K^inahme stark verschanzter Dörfer m die Front dc§ Feindes c,n und zwang ihn 3«m Zurück gehen in weiter nördlich vorbereitete Stellungen.

Die Kämpfe waren erbittert. Der Erfolg ist der Tatkraft der Führung und vollster Hingabe der Truppen zu danken. Die blutigen Verluste des'Gegners sind sehr groß. Er ließ außerdem seit dem 22. De­zember insgesamt 7 60 0 Gefangene, 27 Maschinengewehre und 2 M i« e n w e r f e r in der Hand der neunten Armee. Die Gefangcnenzahl bei der Donau-Armee betragt über 1300.

m Dobrudscha sind im Angriff auf ben

o M°cln Fortschritte erzielt.

Luftschiffe und Fliegergeschwader wirkten mit Erfolg rm Rucken des Feindes gegen wichtige Bahn- und Hafenanlagen.

Mazedonische Front.

Keine größere» Kampfhandlungen.

Der erste Generalquartiermeister:

Lndendorff.

Die militärische tage

(von unserer Berliner Abteil» ng.f

L- Berlin, 27. Dez, (Eig. Meldung, zb.) Im Weste n herrschte an den Weihnachtstagen bei regnerischem Weiter ziemlich Ruhr. Im So mm e absch nitt übte die Artillerie, wie in den letzten Wochen, ihr zeitweise aus­setzendes Fenrr. Die Engländer beschossen nachts mit weittragenden Geschützen die Orte östlich B a p a u m e. Am 26. Dezember wurde die gegenseitige Beschießung bei besserer Sicht lebhafter, ohne daß Infanterie eingesetzt wurde.

Von der Ostfront ist ebenfalls wenig zu berichte». Schnee in den Karpathen; an, 26. Dezember im Ludova-Ab- lchnitt regere Artrllerietätigkeit.

In R u m ä »i e n ging nach einer mehrtägigen Pause der Vormarsch weiter. Nördlich des CalmatnjuH griffe» die verbündeten Truppen erfolgreich ausgrbauto Stellungen deö Feinde? an. Ter im Heeresbericht vom 2S» gemeldete Sturmangriff beiderseits der Bahn Buzeu- B r a i l a wurde mit grober Tapferkeit auSoesübrt