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Mittwoch, 27. Dezember 1916.
Morgen'klusgabe.
formen, daß unsere prompte Antwort siu Zeichen von
Nr. 628. «• 64. Jahrgang.
Deutschland; Antwort aus wvsonr Note.
W. T.-B. Berlin, 26. Dez. (Amtlich.) Ter Staats- setretär des Auswärtigen Amtes hat heute dem Botschafter der Bereinigten Staaten von Amerika in Beantwortung des Schreibens vom 21. Dezember folgende Note übergeben:
„Die Kaiserliche Regierung hat die hochherzige Anregung des Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerika, Grundlagen für die Herstellung eines dauernden Friedens zu schaffen, in dem freundlichen Geiste ausgenommen und erwogen, der in der Mitteilung des Herrn Präsidenten zum Ausdruck kommt. Der Herr Präsident zeigt das Ziel, das ihm am Herzen liegt uud läßt die Wahl des Weges offen. Der Karserlichen Regierung erscheint ein unmittelbarer Gedankenaustausch als der geeignetste Weg, um zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen. Sie beehrt sich daher, im Sinne ihrer Erklärung vom 12. d. M., die zu Friedensverhandlungen die Hand bot, den alsbaldigen Zusammentritt von DelcgiertendcrkriegführcndenStaaten an einem neutralen Orte vorzuschlagen. Auch die Kaiserliche Regierung ist der Ansicht, daß das große Werk der Verhütung künftiger Kriege erst nach Beendigung des gegenwärtigen Völkerringens in Angriff genommen werden kann. Sie wird, wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, mit Freuden bereit sein, zusammen mit den Vereinigtoen Staaten von Amerika an dieser erhabenen Aufgabe mitzu- arbeite«."
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volle Wahrung des deutschen Standpunktes.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
I*. Berlin, 26. Dsz. (Eig. Dvwhtbsr. zsb.) Um die Mittagsstunde des Kvc'teu Weihmrchtstages hat das Auswärtige Amt dom Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin die deutsche Antwort auf WAsonS FrlÄdensnode überreichen lassen. Prompt wie mit dem Bichzug bei der Friedens i>Lion, wie bet der Offensive in Rumänien ! Das Schriftstück zeichnet sich durch feine Kürze und seine Klarheit aus. Die kaiserliche Regierung nennt die Anregung dos amerikanischen Präsidenten ,ch o ch h e r z i g". Sie Hot sie in „freundschaftlichem Geiste ausgenommen und erwogen". Und da der Präsident zwar das Ziel gegeizt hat, das ihm am Herzen Wogt, aber die Mittel offen ließ, durch die man es erreichen kann, schlägt Deutschland den alsbaldigen Zusammentritt einer Konferenz von Delogierten der kriegführenden Staaten an oin>em neutralen Orte vor uud erklärt sich bereit, seinerseits Vertreter zu entsenden. Aus der noch unbeantworteten Rate an den Bierverband erfuhr die Welt, daß wir zu „Vorschlägen" bereit sind: jetzt weiß sie mehr: daß wir eine Konferenz von Abgesandten der kviegführeudon Staaten wollen. Die Neutralen werden außerhalb dieser Konferenz am nützlichsten wirken lärmen. Die deutsche Antwort au 'Wilson sagt weiter: Die kaiserliche Regierung ist ganz der Meinung der Regic- nung der Bereinigten Staaten, daß nach Beendigung des gegenwärtigen Krieges alles getan werden muß, um eine Wiederholung zu verhüten und erklärt sich bereit, mit den Vereinigten Staaten Amerikas zur Erreichung dioses hohen Zieles mitzuarbeiten, mit 'anderen Worten: Nach der Friedenskonferenz der kriegführenden Mächte mutz die Konferenz aller Nationen kommen, die über internationale Friedenssichrrungen befinden soll.
Die deutsche Regierung erkennt also rückhaltlos die v o r - trefflichen Absichten WLsons an und gibt ihm das Mittel in die Hände, ohne Zögern unseren Feinden den Weg zur Eröffnung praktischer Verhandlungen zu weisen. Wir fragen nicht lange, ob das amerikanische Interesse, das jetzt zweffellos in der baldigen Wiederherstellung des Friedens biegt, öder der rein menschenfreundliche Gedanke in Washington ü L e r w o g. Wir sind bereit, den Präsidenten die Rolle des ersten FriedenS- verm-rtlers spielen zu lassen, die darin bestcht, die Kämpfenden zvm grü'nem Tisch zu führen, ohne ihm .darein zu reden, worin die wahre Unparteilichkeit uud Neutralität bestehn Dieses freie offene Ja!, das auf die Frage der Vereinigten Staaten bei uns ertönte, mutz jenseits des Atlantischen Ozeans ein frohes Echo finden. Es wird den Amerikanern zeigen, daß wir nicht die kriegswütigen Unholde sind, als die uns der tolle Verleumdungsfeldzug hin- HchtcLt hat. Ihnen wird man nicht mehr eiuretzen
Schwäche sei. Sie sehen aus der Kante, aus der Räumung Siebenbürgens, der Walachei, der DcLrudscha, wozu die Heere der Mittelmächte fähig sind — nach solchem Tri» r-mph braucht man 'bei uns keine feige Friedens sehnsacht vorauszusetzen.
Ws wir unser Friedensangebot an den Menverband richteten, zogen die offiziösen Organe in London und Paris besondere Schlüsse aus dem Umstande, daß die Rote der Mittelmächte von den neutralen Vermittlern ohne ein Begleitwurr überreicht wurde. „Die neutralen Staaten sollen sich nicht mit dom perfiden Streich der Kaiserreiche identifizieren", schrieb der „Demps". Die neutralen Staaten taten mehr: Sie liehen eigene Fniedensnoten folgen. Die Note der Schweiz, von edler Msicht eingegüben, zeugt von einem gewissen Mut. Man erkennt bei uns an, daß der kleine Staat, der unter dem Kriege von allen neutralen Ländern am meisten zu leiden hatte, auch hier w ü r d i g seiner humanitären Rolle gehandelt hat. Die wütenden Ausfälle, die ider Bundesrat von seiten der Pariser Presse jetzt 'deswegen erdulden muß, ehren ihn doppelt. Endlich erfahren die Franzosen und die anderen belogenen Entente- Völker, daß die Neutralen nicht eiuwilligen, die Deutschen und Österreicher aus der menschlichen Gesellschaft auszuschließen, daß sic nach beiden Seiten mit der früheren Freundschaft verkehren wollen. Das ist die erste vortreffliche Wirkung unseres Friedensangebotes, daß es die Berleumdungshetze unschädlich macht. Wir kommen auch mit keinem Erobererprogvamm zu der Konferenz der Kriegführenden. Wir haben keine Hintergedanken: Unser Friedenswunsch ist aufrichtig! Mer genau so unsere Entschlossenheit, die härtesten Schläge auszuteilen, wenn der Feind, der offenbar mit seinen Friedensvorschlägen nicht hevausrücken kann, unser Angebot und die Mahnungen der Neutralen ablehnen sollte: Dre letzten stkachrichten aus den feindlichem Ländern
lassen nicht darauf schließen, daß dort der Weiche Wunsch bei den Regierungen besteht, dem Blutvergießen ein Ende zu machen, weshalb man im deutschen Volke gut tun wird, bis auf weiteres skeptisch zu sein, was die Ibckldige Verwirklichung der Friedcnswünsche aubetrisft,
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Die gleichzeitige Wiener Antwort.
W. T.-B. Wien» 26. Dez. (Dcahtbericht.) Die K. und K. Regierung hat, wie das Wiener K. und K. Telegraphen-Korre- stondenz-Bureau mitteilt, die hier übermittelte Kundgebung des Prüsidente r der Vereinigten Staaten von Amerika folgendermaßen beantwortet: „In Beantwortung der vom
22. Dezember von Sr. Exzellenz dem Herrn amerikanischen Botschafter hier überreichten Mitteilang, welche Vorschläge des Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerika fiir einen Gedankenaustausch unter den gegenwärtig im Kriegszustand besindlichen Staaten behufs möglicher Herstellung des Friedens enthält, legt die K. und K. Regierung vor allem Gewicht oacaaf, zu betonen, daß sie sich von demselben Geiste der Freundschaft und des Entgegenkommens, welcher in der Anregung des Herrn Präsidenten zum Ausdruck kommt, auch ihrerseits bei Beurteilung derselben leiten ließ. Der Herr Präsident hat das Ziel vor Augen, Grundlagen für die Herstellung, eines dauernden Friedens zu schaffen, wobei er die Wahl des Weges und der Mittel nicht zu präjudiziecen ivünscht. Der K. und K. Regie- rung erscheint als der geeignetste Weg zu diesem Ziele ein unmittelbarer Gedankenaustausch zwischen den kriegführenden Staaten. Im Sinne ihrer Erklärung vom 12. l. M., in welcher sie fick) zum Eintritt rn Friedensverhandlungen bereit erklärte, beehrt sie sich, den baldigen Zusammentritt von Vertretern der kriegführenden Staaten an einem Orte des neutralen Auslandes vorzuschlagen. Die K. und K. Regierung stimmt gleichfalls der Auffassung des Herrn Präsidenten zu, daß es erst nach Beendigung des Krieges möglich sein wird, sich dem großen und wünschenswerten Wecke, der Verhütung künftiger Kriege, zuzuwenden. Im gegebenen Zeitpunkt wird sie gern bereit sein, mit den Vereinigten Staaten von Amerika ihre Mitarbeit zur Verwirklichung dieser erhabenen Aufgaben zu leihen.
Einstweilen freundliche Aufnahme in Wien.
W. 7-B. Budapest, 25. Dez. Der „Bester Lloyd" meldet aus Wien: Dem Unternehmen Wilsons steht man in hiesigen diplomatischen Kreisen nicht grundsätzlich unfreundlich gegenüber, und zwar schon deshalb, weil man zu der Annahme berechtigt zu sein glaubt, daß Wilsons Vorschläge ernstlich gemeint sind und nicht etwa, wie es nach der bisherigen Haltung der Bereinigten Staaten zu besorgen war, cnglandstenndlichen Strömungen entsprungen sind. Da die Mittelmächte und iyre Verbündeten bereits de» ersten Schritt zum Frieden rn aller Aufrichtigkeit getan, ist ihnen zcde Handlung Neutraler willkommen. Bezüglich des zu erwartenden Erfolges von Wilsons Rote äußert man sich einiger
maßen skeptssch da die bisherigen Kundgebungen feindlicher Staatsmänner und Zeitungen geradezu Wider wilten gegenüber einem Frieden bekundet haben. Mit Genugtuung wird hier der Schritt der Schweiz ausgenommen. Darin, daß auch die Schweiz den, amerikanischen Vorschläge zur Seite getreten ist, erblickt man ein Anzeichen dafür, daß mindestens bei einem Teil der Neutralen die Aufrichtigkeit Wilsons nicht bezweifelt wird, da die Schweiz immer eine ehrliche Neutralität bewahrte und bisher kclnen Anlaß gegeben hat, ihren guten Willen in Frage zu stellen.
Rückhaltlose Zustimmung des schweizerischen Bundesrats.
Dir schweizerische Rote an die - Kriegjührendrü.
IV- T--B. Bern, 23. Dez. Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentur. Gestern, den 22. Dezember 1913, hat der schweizerische Bundesrat an die Regierungen der kriegführende» Staaten folgende Itote gerichtet: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, mit welchen! der schweizerische Bundesrat vor geraumer Zeit m Fühlung getreten ist, hatte die Freundlichkeit, dem Bunbesrat von der den Regierungen der Zentral- und Ententemächte zugestellten Friedcnsnvte Kenntnis zu geben. In dieser Note erörtert Präsident Wilson die hohe W ü n s ch b a r - keit internationaler Abmachungen zum Zwecke sicherer und dauernder Vermeidung von Katastrophen, wie die es ist, unter der heute die Völker leiden. Er betont im Zusammenhang damit vor allem die Notwendigkeit, das Ende des gegenwärtigen Krieges hcrbeizuführen. Ohne selbst Friedensvorschläge z,i machen oder die Vermittelung anzübieten, beschränkt er sich daraus, zu sondieren, ob die Menschheit hassen darf, sich den Segnungen des Friedens genähert zu haben. Die überaus verdienstliche Person licke Initiative von Präsident Wilson wird einen mächtigen Widerhall in der Schweiz finden. Treu den Berpslich- tnngen, die sich aus der Einhaltung strengster Neutralirät ergeben, in gleicher Freundschaft mit den Staate» der leider im Krieg stehenden Mächtegi uppen verbunden, wie eine Insel inmitten der Brandung des schrecklichen Bölkerkrieges gelegen und in seinen ideellen und materiellen Interessen auf das empftlldllchstc bedroht und verletzt, ist unser Land von einer tiesgeyenden Friedeirsschnjucht erfüllt und bereit. mit seinen schwachen Kräften mitzuhelfen, um den unendliche» Leiden des Krieges, welche ihn» durch tägliche Berührung mit den internierten Schwerverwundeten und Evakuierten vor Augen geführt werden, ein Ende zu bereiten und dir Grundlagen zu einem segensreichen Zusammenwirken der Volker zn schassen. Der schweizerische Bundesrat ergreift daher freudig die Gelegenheit, die Bestrebungen des Präsidenten der Per- einigten Staaten zu unterstützen. Er würde sich glücklich schätzen, wenn er in irgend einer auch noch so bescheidenen Weise sür die Annäherung der rm Kriege stehenden Völker und für die Errichtung emes dauerhaften Friedens tätig sein könnte.
Lstcrrerchische Stimmen zur Schweizer Note.
W. T.-B. Wien, 24. Dez. Ja Besprechung der Note des schweizerischen Bundesvates sagt das „Neue Wiener Tagblatt": Gerade die Schweiz erscheint berufen, als erster neutraler Staat E u r o v a s die Stimme für den Frieden zu erbeben, denn sie hat durch strengste Bewahrung der Neutralität einen vollkommenen gültigen Rechtstitel fiir ihre Bereitschastsecklärung erworben und sie enthüllt ein ehrendes Geheimnis, da sie mitteilt, daß der Bundesrat vor einiger Zeit mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten in Fühlung getreten sei. Die Note der Schweiz ist ein stilistisches Meisterstück, weil sie nicht stilisiert ist. Man krnn edlen und guten Anschauungen keinen reineren Ausdruck geben als der Schweizer Bundesrat, der an das große Ziel mit einer Bescheidenheit und mit jener klassischen Demut herantcitt, die echte Menschen beseelt, wenn sie vom Pflichtgefühl mächtig erfaßt, für die Gebote der Menschlichkeit wirken.
Auch ein Anschluß Hollands et» Wilsons Borgehen?
(Bon unserem E.-Sonderberichterstatter.)
U. Haag, 22. Dez. (Cig. Drahtbericht, zb.) Verspätet ern- getrossen: In parlamentarischen Kreiseir oerlautet hier, daß man an die Regierung das Ersuchen richten will, sich Wilsons Aktion awzuschlreßen.
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Oie scharfe Ablehnung der Schweizer Note in Zranbrerch.
W. T.-B. Paris, 2 t. Dez. (Meldung der Agencc Havas.) Es ist klar, daß die Abstimmung des Seiats, durch die bestätigt wird, daß Frankreich mit einem Feinde, der sein Gebiet besetzt hält, nicht verhandeln kann, der Regierung neue Kraft und Autorität verleihen wird und unzweideutig zum Ausdruck bringt, daß >i,rrder Sieg den Streiffall beenden wird. Was insbesondere die Schweiz anlangt, so Erkennen die Blätter an, daß die Lage der helvetischen Republik öwohl physisch wie moralisch ungewöhnlich peinlich ist. Aber was, schreibt „Excelsior", sind die Leiden der Schweiz im Vergleich zu denen, die den unmittelbaren Opfern Deutschlands auserlegt sind? DeShrlb kann die Schweiz sich nicht wundern, wenn der Vierdecband, obwohl er ihren guten Absichten Anerkennung zollt, ihrer Kundgeb rag dieselbe Ausnahme und die gleiche Antwort wie dein Schritt Wilsons zuteil werden läßt. — Hecvä bedauert in der „Victmre", daß die Schweiz, die neutral sei, me Belgien, und Zeuge eines fluchwürdigen Angriffs gewesen sei, dem sie rein zufällig entgangen sei, die H e n t e r und ihre Opfer auf die gleiche Stufe stelle.
— „Echo de Paris" meint, zwischen der Lage der 'Schweiz und der der Vereinigten Staaten bestehe ein Unterschied, der eine Verschiedenheit ihrer Haltung rechtfertigen würde. Die Schweiz bedürfe eines Sieges, und zwar eines vollkommenen
