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Mrgen-Seilage der Wiesbadener Tagblatts. ^ ■ "->
Nr. 299.
ffreitaa, 22. Dezember.
1916.
(3. Fortsetzung.)
Der Bofar.
Ei« Roman au- Rumänien von Mite Kremnltz.
(Nachdruck »erdeten.)
Ähnliche Szenen waren übrigens schon früher vor- gekommen, doch sie hatten immer damit geendet, Latz er ihr dre Hand küßte. Selbstverständlich! Sie war ja auch inuner im Recht gewesen. ....
Als Nicu nach einer halben Stunde nicht heimkehrte, ging Paula ruhig daran, die Anordnungen selb- Üandrg zu treffen und einige Kisten auszupacken. Plötz- uch stand ihr« Schwägerin Zoe vor ihr. Paula hatte bte neue Anverwandte seit Jahren nicht gesehen, aber sie erkannte sie gleich.
„Das ist Wohl eine neue Mode, eine ausländische", .^agte Zoö spitz, „daß man ankommt, ohne seine Familie du benachrichtigen?"
„ „Wir wollten gleich nach dem Frühstück zu Ihnen
K 'sen, es sollte unser erster Gang sein", erwiderte ula bestürzt.
„Solche Förmlichkeiten waren bisher in unserer Familie nicht Sitte", fuhr foe in demselben Tone fort, „letzt aber wird alles anders werden!"
Paula schwieg. Dann bat sie ihre Schwägerin einzutreten und ein wenig Platz zu nehmen. Zoö sträubte stch. Paula möge doch nur mit ihrer Arbeit fortfahren, sonst hieße es nachher, sie wäre nur gekommen, um zu stören.
„Mein Bruder ist wohl auch beim Auspacken angestellt?"
„Nein, er ist ausgegangen."
, »So, wohin denn? Ich dachte, Ihr erster Gang sollte zu mir sem?"
„Ich weiß wirklich nicht, wobin er gegangen, er sagte, er hätte zu tun", erwiderte die junge Frau verlegen. . . .
„Sie brauchen es mir ja nicht anzuvertrauen, ich kann es mir ohnehin denken... zu seinem Bankier wahrscheinlich, denn er wird Geld brauchen — nach all den Reifen! Die Einrichtung ist ja auch prachtvoll..."
„Wir find lehr einfach eingerichtet", entgegnete Paula. Ihr wurde schwer ums Herz.
„Ihnen mag es einfach scheinen, icb kann Sie aber versichern, daß es weit über meines Bruders Verhält- niste geht!"
„Ich habe mich um meines Mannes Geschäfte nie
S ekümmert", sagte Paula hochmütig. Ihr riß die Ge-
uld.
«Ich gebe Ihnen den wohlgemeinten Rat, sich drum ßu kümmern, wenn Sie nicht eines schönen Morgens gepfändet werden wollen."
Paula schwieg. Sie konnte doch der Schwester ihres Mannes nicht di? Tür weisen.
. Zoö schickte sich an, fortzugehen. „Da Sie mich nrcht auffordern zu bleiben", sagte sie.
„Aber ich bitte Sie ... ich wagte nicht."
.Jetzt würde ich gewiß nickt bleiben, sonst hieße es, -atte mich aufgedrängt."
Als sie aus der Tür gehen wollte, trat Nkcu ein. Zoö umarmte den Bruder mit vieler Heftigkeit, er aber schielte immer nach feiner Frau hinüber.
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„Paula, laß das, du überanstrengst dich beim AuS» packenl" rief er ihr zu.
„Bitte, jetzt sieh mich einmal an!" sägte Zoö. „Dick fmde ich recht elend üussehend."
„Das ist, weil meine Frau mir heute noch keinen Kuß gegeben hat", erwiderte er und ging auf Paula zu.
„Da ick dich nur zu stören scheine", meinte Zoö pikiert, „werde ich lieber fortgehen."
„Du störst mich absolut nicht, bleib' doch bei uns zum Frühstück, falls wir überhaupt etwas zu essen inr Hause haben. Hättest mir übrigens den Gefallen tun können, dich ein wenig lim meine Wirtschaft zu kümmern."
„O nein, ich mische mich nicht ein!" '
Damit rauschte Zoö hinaus.
„Sei nicht ungemütlich", rief ihr Nicu gutmütig nach.
Paula wandte sich kalt an ihren Mann:
„Das ist eine Beleidigung, wenn du fortgehst ui:8 dann wiederkommst und tust als sei nichts zwischen uns vorgefallen, ja, mich sogar küßt. Meinst du, ich bin eine Frau, die deine Zärtlichk-üten dulden muß, wenn du bei Laune, und deine Unhöflichkeit, wenn du verstimmt bist?"
„Laß es gut sein, Kleine", unterbrach er.
„Nein, ich lasse es nicht gut sein! Du gehst fort und ich bin der Ungezogenheit deiner Schwester ausgesetzt, die eine ungebildete Frau ist ..." ,
„Wie gut dir das steht, wenn du heftig bist!"
„Ich bin nicht heftig, ich sage dir kalt und ruhig, daß sich deine Schwester sehr -ungebildet und unhöflich betrug."
„Ach, du mußt ihr etwas Nachsehen, sie hatte immat gehofft, ihre Kinder würden von niir erben."
„Ich lebe gar nicht ein, warum ich ihr solch eine Unfein!) eit Nachsehen soll, und dich finde ich empörend, weil du es von mir verlangst!"
„Finde mich empörend aber gib mir einen Kuß! Ich habe mich so danach gesehnt!"
Paula aber wandte sich um und ging die Treppe hinauf.
Nachmittags wurde ihr Frau Deri gemeldet. Cleopatra Veri hatte gehört, daß Nicu mit seiner Frau angekommen sei. Sie war neugierig, Panla zu sehen. — und sie wollte sich von Anfang an intim mit ihr stellen. ^
Paula hegte eine unbestimmte Angst vor Frau Veri, denn sie hatte von ihr immer als von der intimsten Freundin ihrer Schwägerin Zoö gehört. So wappnete sie sich denn mit Kälte und Mut, als Cleopatra tn den Salon trat. Ihre Überraschung war groß, als sie die auffallend schöne, blonh« Frau sah, die ihr freundlich in die Augen blickte, ihre beiden Hände ergriff und sagte: . ,
„Wenn Sie wüßten, wie lieb ich Sie schon habe, ohne Sie zu kennen, und wie ich mich nach Ihnen tebue I"
