Verlag Laaggaffe 21
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15 Ausgaben.
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$rcttog, 22. Dezember 1916.
Nach Lloyd Georges Rede.
O Berlin, 20. Dezember.
Aus der Rede Lloyd Georges kann man heraus- . lüQ f r man ivlH- Der britische Premierminister erklärt, daß, wer den Krieg leichtfertig verlängern toolle, die Schuld für dieses Verbrechen auf seine Seele laden wurde. Daraus müßte doch gefolgert werden, daß die von uns angebotene Möglichkeit zu Verhandlungen angenommen werden sollte. Aber, so fährt Lloyd George fort jeder, der den Kamps vor Erreichung des Zieles aufgibt, würde persönlich die Schuld dafür übernehmen. Also soll doch weitergekämpft werden. Aus das Gröbste hinangesehen, bedeutet die Rede eine Zurückweisung unterer Einladung zu Verhandlungen. Gleichwohl bedeutet sie aber auch vielleicht die Einleitung einer Aktion, die nicht notwendigerweise einen Abbruch des Verständigungsfadens bedeuten mußte. Wir glauben schließlich an die A b l e h n u n g, aber solange sie nicht offen ausgesprochen ist, braucht der letzte Rest von Erwartung, daß unser Angebot mög lichenfalls doch noch der Ausgangspunkt von Verhand lungen werden könnte, nicht bereits aufgegeben zu werden. Rechnen wir also nur ruhig mit der Abte h n u n g! Kommt es anders, so wird uns das willkommen sein; wahrscheinlich indessen kommt es nicht 4 anders. Die entscheidende Frage bleibt es jetzt wie
m immer: Hält sich der Vierverband für befähigt, uns und unsere Verbündeten zu zerschmettern und einen vollkommenen Sieg zu erringen? Unsere Gewißheit, daß die Feinds dazu nicht imstande smd, kann durch nichts erschüttert werden, er fragt stch nur, ob ore Feinde glauben, was sie immer wieder behaupten, oder ob sie aus der Verlegenheit, in die sie durch ihren Starrsinn geraten sind, nur nicht den rettenden Ausweg findsn können. Lloyd George erkennt an, daß die Einbeziehung Rumäniens in den Krieg em grober Mißgriff war. Wie er diese zuge gebene Tatsache durch den verstärkten Druck auf Grie chenland auszugleichen gedenkt, das bleibt sein Geheimnis, und er wird mit dieier Gegenüberstellung Gläubige nur dort finden, wo vorweg die Absicht besteht, sich durch trügerische Hoffnungen täuschen zu lassen. Was Lloyd George von der „Genugtuung" sagt, die wir geben müßten und ohne die der Friede unmöglich Ware, das ist eine inhaltsleere Redensart, das ist zum Fenster hinausgesprochen und bedeutet weniger als ssEs. Solche. Phrasen werden in dem Augenblick hin- fällig sein, wo man sich gemeinsam an den Beratunqs- nsch setzt; aber das wird nicht sobald geschehen und darum ,st es gleichgültig, wie der englische Premier- minister seine Weigerung ausvutzt. Schließlich also wird unser Friedensangebot doch nur eine Episode - uu Wettenkriege gewesen sein, freilich eine, deren moralische Wirkungen unverlierbar sein werden. Schon darum werden sie es sein, weil wir, wenn man uns dazu zwingt, den Krieg mit verschärften Mitteln ' luyren und dabei zugleich vor uns selbst und vor allen ehrlichen Neutralen die Sicherheit des guten Gewissens w allen uns aufgedrungenen, noch wilderen und rücksichtslosen Kämpfen haben werden. Den Feinden schob Reichskanzler am 12. Dezember die Verantwortung ' für all das Schreckliche zu, was noch kommen werde. Somit stehen der Wett Schrecken bevor, die über das was bisher erlebt worden ist, noch hinausgehen werden. Was das fern wird, kann selbstverständlich nicht vor der Zeit gesagt oder auch nur angedeutet werden, aber kommen wird es. Der Vierverband mag sich zutrauen. uns auch dann nicht nur zu widerstehen, son dern unsere Leistungen durch noch größere Anstrengung gen zu uberbleten, und trotzdein müßte es ihin wert, doll sein, wenigstens m Umrissen zu erfahren, auf wel cher Grundlage unser Vierbund zu Friedensverhand- lungen geneigt wäre. Daß wir das vor dem von uns angeregten Beginn der Verhandlungen bekaiintgeben wuen, ist freilich ausgeschlossen, immerhin müßte es Mittel und Wege geben, wie sich die Feinde ungefähr darüber unterrichten konnten, auf welcher Linie wir und unsere Freunde uns bewegen wollen Man wird °uch m den feindlichen Hauptstädten wissen, daß der erste Anstoß zu unserem Friedensangebot von Wien ausgegangen ist; überdies ist dies ja kein Geheimnis, Graf T l s z a hat tm ungarischen Reichstag aus- orucklich davon gesprochen. Er hat erklärt- Unser Minister des Äußern hat sich mit den Bundesgenossen m Verbindung gesetzt, und diese Anregung kzum Friedensangebot) ist sympathisch ausgenommen worden"
So groß das vorgespiegelte oder wirkliche Mißtrauen der Feinde m unsere Friedensbedingungen auch sein mag, so kann man sich schwer vorstellen, daß ein gleiches Mißtrauen gegen die Grundzüge bestehen sollte, die man in Wien und Budapest für die Wiederherstellung des Friedens entworfen haben wird, insoweit es sich »m die Donaumonarchie handelt. Hat Österreich- Ungarn die Anregung zum Friedensangebot gegeben «weo sich feine Berbiindeten dem angeschlossen und
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Str .131 L. 8 -n.fPr. - ,»t LStz-w 8202 6203 .
Nr. 623. ♦ 64. Jahrgang.
bringen alle Vierbundsgenossen, wie es der Reichs- kanzler nntgeteill hat, „Vorschläge" zu Friedensver- yanölungen mit, also ausgearbeitete und nicht bloß allgemein gehaltene Vorschläge, dann folgt daraus, daß unsere deutschen Ansprüche ebenso die Zustimmung der Verbündeten erhalten haben miissen, wie es umgekehrt der Fall ist. Es folgt aus diesem Tatbestände iveiter, oaß unsere gemeinsamen Vorschläge nicht bloß nach der naturgemäß subjektiven Überzeugung der Bundesregie- ^V^6vn, sondern aus dem Wesen der Sache heraus mchts werden enthalten können, was einer der feind- ttchen Nationen an das Daseinsrecht oder die Ehre ginge. Auch das hat der Reichskanzler am 12. Dezember stark betont. Aber die Feinde wollen ja, es immer deutlicher zutage tritt, nicht hören, und deshalb wird der Krieg fortdauern. Lloyd George erspart es uns, den Feinden die Schuld für die Verlängerung des Krieges zuzuschieben, denn er s e l b e r nimmt sie für England und seine Verbündeten bereits auf sich indem er erklärt, daß jeder, der den Krieg leichtfertig verlängerte, die Schuld für dieses Verbrechen auf seine Seele laden wurde. Wir haben den Frieden angeboten die Femde wollen den Kampf, die Schuld' frage ist damit beantwortet.
Der Blutrausch Lloyd Georges.
Gegenüber der Erklärung Lloyd Georges, als ob der Vrerbund nur darauf ausgegangen sei, der Welt Sand in dre Augen zu streuen und gar nicht daran denke, ernst zu nehmende Friedensanerbieten borzulegen, verweist die -Köln. Ztg." auf die wiederholten Erklärungen des deutschen Reichskanzlers und erklärt, Lloyd George ist von cinein Blntrausch schlimmster und gefährlichster Art ergriffen. Er und seine Teilhaber wollen lieber noch zerschmettern und vernichten, ils der Welt die Ruhe Iviedergebcn England und d,e übrigen Völker an seiner Seite mögen sich den Ausspruch Lloyd Georges: „Wir müssen bereit fern zu sterben für die Ziele, wegen deren wrr in den Krieg getreten sind", in die Herzen Pflanzen. Sie mögen die Schuld dnfür, daß nun ein neues Sterben angeht, an Lloyd George. Briand und Genossen heimsuchen.
Dos alte falsche Firmenschild.
, Die „Köln. Volksztg. schreibt: Was der Vierverband will, das hat die Ablehnung jedes Berständigungsver- suches aufs neue gezeigt- er will die Welt zu seinem unbestrittenen Hecrschafts- und Interessengebiet machen, ohne befurchten zu müssen, daß lästige Mitbewerber weiterhin ihre Ansprüche geltend inachen können. Das ist es, was Lloyd George meint, wenn er von 0er Beseitigung der von der „preußischen Militärkaste" drobenden Gefahr für Europa spricht. Er hat damit wieder das alte falsche Firmenschild herausgehängt, durch das die Welt über die schmutzigen Mammousiuteressen getäuscht werden soll, die vor allem von England bei seiner ganzen Polittk verfolgt werden. Der K r i e g m u ß a l s o w e i t e r g e h e n. Das deutsche Volk hat wieder erfahren, daß es auf seine Demütigung, auf seine Ausschaltung aus dem Kreise gleichberechtigter Völker abgesehen ist, daß es um Sein oder Nichtsein kämpfen inuß. Der Zorn über die kläffende Meute, die ihm an die Kehle springen möchte, wird es aufs neue zur Ansvannung der höchsten Kraft anspornen, damit es sich das, was man ihm nicht gutwillig geben will, erkämpft England und seine Trabanten werden; so Gott will noch erfahren, welches Verhängnis sie über sich heraufbeschworen haben, als sie die zum Frieden ausgestreckte Hand von sicb streßen. ' ^
Die Beurteilung der Rede Lloyd Georaes in der Wiener Presse.
IV. T.-B. Wien, 21. Dez. (Drahtbericht.) Die Blätter äußern sich eingehend über den vollen Wortlaut der Rede von Lloyd George. — Die „Neue Freie Presse" sagt- Die Rede ist kein brutales Abbrechea, sondern ein Versuch durch unklare Redensarten die Lage zu verwirren und die Zukunft offen zu halten. Das Wort von der „furchtbaren Verantwortung", das wie ein Torpferler am Eingang der Rede steht, wird ihm oft entgegengrschleudhrt werden Ein englischer Premierminister, der sist der Verantwortung bewußt wäre, hätte zugegriffen, und die Erlösung aus dem grauenvollen Elend wäre da. — Das „Reue Wiener Tageblatt" meint, man müßte dem leidenschaftlichen Deutschenhaß Nachsehen, daß er eine so große überwältigende Gestalt wie die des Kaisers Wilhelm, der von rüstenden, raubgierigen Feinden umringt, bis zur letzten Sttrnde dem Büke und der Welt den Frieden und die Freiheit mühevoll erhielt, neben den Despotismus Napoleons zu stellen wagte. All-s könne Lloyd George vergeben werden, iveil er das Wort der Wahrheit seinen Lippen entfliehen lassen mußte: „So sehr wir uns alle nach dem Frieden sehnen." — Die .Volkszeitung" schreibt: Mit den Reden Lloyd Georges und Briands rst das Angebot der verbündeten Regierungen ausgelöscht und vernichtet. Ein neues Verbrechen wurde an der europäischen Menschheit nach 21/, Jahren unerhörter Leiden begangen: Der große Krieg soll weitergehen aber zugleich der Kampf um den Frieden. — Die Reichspost" sagt- Mit Gift, Geifer, Hohn imd geschmacklosem Spott wttd d»s Entgegenkommeii der Mittelmächte überschüttet. Nie ist eine
Gelohnt, nie eine zur Versöhnung entgegen- roher zurückgestoßen worden. Dec Vierbund war bereit, der Vierverband wollte nicht.
ülopsschütteln in Holland.
van ivn 1 ^'" 3 -!£ ftC l b i ttn ^ 21 ‘ (Drahtbericht.) „Rieuws b " .scheibt: Der eine Minister der Entente spricht : l tn oe 'i Hals oec Alliierten, rer andere von
h Ö 11 r 1 1 un . b buer Kriegshandlung, der dritte endlmi von einem P r o, e k t i v. Ist es denn eine Misse-
Krttn „Im Verhandlungen einzuladen, ehe sie den
kok D0 ’ luei l 1,a ^ n? Läßt das nicht die Vermutung zu, sÄ potent- fürchten, daß ihr Bündnis nicht so
sebli/mb!,' Xrf te Z 0t<seh t n ' aber ift i[)ce ganze Entrüstung rt^r- n c^ tö anderes als Politik und Tattik? Jn- ftC '- ^a„d und die Alliierten genötigt, genau n! ^bZaln muzufuhren, zu deueu Deutschland als „bc- lagerte Festting gezwungen war und über die so sehr gespottet wurde. Die Belagerer übernehmen die Methrde tec ds-Ä/E" Un r b 'Een, daß ihnen nun eine Folge von Un- gluckZallen ersvart bleiben wirb und daß der Himmel sich
Ä iTeffiTlf' S" "..es bereits begonnen hatte, ehe'die c u n k I e Wolke R u m a n i e n am Horizont aufstiea. Was aber, wenn neue und noch dunklere Wolken auffteigen?
Die Antwortnote der Entente in Vorbereitung.
^"«»st-rdam, 21. Dez. (Eig. Dvchkbericht. zb.) W-e ^ Ztg." a«.s London «Mot hat d>e
E 18. iden Kaviiietten der Verbüudcten dem Gntw urf d«r den Zie-ntvailmachten zu erteileniden An t- Die Verbündeten wurden ersucht, lyre Erklärungen bis zu-m 22. Dezember absugöbon
21. Dez. (Eig. Drsthtbevicht. zb.) Wie ver- I.rutet, Ustrd dw gsmeinschastliche Antworttmte der Enteiste Ä der Mitttlmiächte dem Hinweis >dar-
uf enttEn, daß die Entente dem Frieden an sich Nicht abgeneigt sei. Sie .volle sich aber nickst envschei-
den, ohne daß Deutschland mit festen Vorschlägen
taabt lich auch in einem be^ii- dersn Abschnitt mtt der Frage der Verantwortlichkeit bei den einzelnen kriegftihreniden Mächten bcschästigeii.
ein Engländer von gemiiffigter Richtung das Friedenswerk denkt.
. 21. Deg. (Eig. Drahtbericht. zib.) Der bc-
kannte Weltrsizenide umld diplomatische Mitar,beiter des enn-
,® ir ^ Janstone hat in der
Frredensbedtngumgen, die Eng-
"^ b bewilligen können, wie -foigt gusam-
f uns möMch wäre, einen vollständigen
i ltL ^ hann v üre Ieic ^' Zemtralmächte -so
«Li ,K e§ ^EN. Alber mit einem derartigen
be^^V^^ ^ Echt rechnen. Falls Dsrttschland darauf w ^ 0tol Een Teil von Fvankroich dauernd zu bche^in oder ga Lmtrollieren. blckbt kein anderer Weg offen, ul ^ u k a m p fe n. Und wenn lEngland dabei ver- blrsteii soW-^ .Sonst waoen aber fölgende Bediilgumgen vicll- R u ck g a b e v o u B e l g i e n und des besetzten S Xünt J. e ^- Deutschland und England zahlen
ie 100 Mlillmiiem P-und Schadensersatz als Unter- ^ntzftir den Ausbau des zerstörten Eigentums. Für Eua-
2?Taaen^ AusgMe umr die Kviegskosten von 20 Tagen. 2. Rußland erhalt alles zurück, was es verloren. Ein unabhangilges Polen wird «.»det, dem weder L'tanvn noch die vu«Mnischen Teile von Galizien an- gchoven sollen; letzteres wird -mit Kleimrutzland verbunden. 3. -Rwßlamb erhalt freie Fahrt durch die Darda- nel.-cn auf Gwwnd eines Mkammens mit Bulgari-en und Rlbmantem. Serbien, Montenegro unid Rumä- nie-i' werden wieder gerämmt und echalttn von den Zentralmächten und den drei .großen Ententemächten Sch ade n se r s a tz für erlittene Verluste. Rußland erhält Prvt-ektorat über Armenien, das von der Ekel geräumt w-rd Frankreich wird Protektor 'oo-u Syrren England beisetzt die S im aih a lb i ns e l und das Euphrattzalbis Bagdad. Persien Lommrt unter genmiMmre Aufsicht von Rußland und Enq- ^d, bleibt aber für <beu Handel mtt anderen Ländern L öffnet. Ägypten bl erbt wie es ist, und Armenien wirb Etonam Italien evh« den Trentino und das ^°^ektorat über Armenien und vieilercht die fsnfel Rhodos sowie den Dodekamesos und Zypern. Ostafrika wird an Deutschland zuuück- geyeben, welches sich außerdem an dem türkischen Be- schadlos hatten darf und Oazu -freie Hand erhält. Die geplanten Schutzzölle und Borzugstaci-fe für ldie Alliierten Engibcrntds untd die NeTitDa-lon 'laßt imm faßen. Drefe Bo- 2vustoue, sind zwar kein Jde«l, und falls Deutschland ste ablelmt, könne man sie zurückziehen. Immerhin Riebe dre, MSglichkeit, auf Gru°ch solcher Bedingungen den Krieg.zustbeenidige.n. -
Wilson sieht seine Zeit als Vermittler nocl, kommen.
Amsterdam, 21. Dez. (Drahtberrcht.) Noch ernMl hielten Blatte schreibt man der „Times" arrs New Ltsrk: I« amÄichen Kreisen in WaMngckm glaubt man. daß
