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Der Roman

Nr. 298.

ü Morgen-Seilage der Wiesbadener Tagblatts. >»-» >

Donnerstag, 21. Dezember.

1916.

(2. Fortsetzung.)

£5, einer Fee gleich war sie ihm erschienen, damals, als er sie zum ersten Male sah, (o zart, so bleich, ans großen Augen wunderbar demütig blickend. Als sie vor ihm zitterte, da verabscheut- er sich selbst. Ja sein Sern und Wesen hätte er verändern mögen, um ihr Sympathie emzuflößen. Gottäbnlich dünkte er sich als sre seine Hand annahm Warum sto es tat? Sie Za»« nie aufgehört, vor ihm zu zittern, aber hinter seinem Rucken, da entzügelte stch die Verachtung, die te ' rc le ^^oßsche Fürstin, für den Barbaren empfand und lebte er tausend Jahre, den Abend

nicht vergessen, an dem seine Illusionen in Fetzen gin- fZ®?° n da, herrlich geschmückt, imt mit

SP m i mem Kowall zu fahren. Er ja, die Brillanten des Barbaren trug sre qernl Er starrte üe an -r be- gehrte sie, er stürzte über sie h°r. vregle sie in seine Arme,, zerriß ,hr das feine Gewebe n'.it Goldstickerei anderer soll sehen, wie schön du bist!

Du bist mein!

Sie hatte geschwiegen. Als er dann aber ging, um den Wagen zuruckzuschrcken, da stieß st- noch -be ec hinter der Portiere verschwunden war, -in Wo-t her- vor- ..Das rohe Tier," . Erstarrt blieb er stehen 121 it i tuc fie der eintretenden Kammerfrau

ihr Unglück klagte, an einen Unmenschen gekettet zu sein, der nicht einmal ihre Toilette respektiere. . . .

Wäre Fürst Demeter so gewesen, wie er sein wollte er Ware damals davon gegangen und hätte nie mehr ein Wort mit ihr gewechselt. Doch er war - Barbar. Und so kehrte er zuruck, jagte die Kammerfrau aus dem Hause, sagte seiner Frau, daß er üe für sich gekauft habe und da sie dev Kauf eingegangen. habe sie seine Bedingungen zu erfüllen. Sie hißte ihn dafür, abm sie wurde von Stund an nur noch demütiger. Er ver­achtete sie, weil sie sich alles gefallen ließ und sich nur hinter seinem Rucken rächte.Das ist der llnterschied zwischen Osten und Westen", pflegte er ihr höhnisch zu- zurusen,ich habe wenigstens den Mut meiner ltber zeugung!"

Sie rächte sich wirklich an ihm. aber auf ihre Art, nach dem Gesetz war ihr nichts vorzuwerfen. Der kleine pomadisierte Detter, .den Demeter zu unbedeutend fand um ihm auch nur seine Verachtung auH,»drücken, der kannte jede Falte ihres Herzens, und batte er zeichnen können, so hatte er Demeter treffen müssen, denn jede ®t iiAusdruck des Woiwoden wurde ihm wie- derholt. Und es kannte der ganze Klub, ganz Paris, desBarbaren-Prtnzen" Angen>ohnheit-n und intimste Lebensverhältnisse,, bis die hohe Märtprerin plötzlich starb es hieß: infolge roher Behandlung; in Wahr- heit an einer Lungenentzündung. Sofort erlosch jedes Interesse am Prinzen Demeter.

Demeter hatte feinen Sohn nie leiden mögeii. Seit er ?ber die Erblichkeitstheorie studiert und in ihr be­stätigt gefunden hatte, daß der Körper den G-ist be­kunde, seitdem haßte er fein Kind. Denn es glich Zug für Z,rg seiner Mutter. Raoul würde wie seine Mutter

vor vojar.

Ein Roman aus Rumänien von mite «remnktz.

(Nachdruck verboten.)

heuchlerischen Firnis der Kultur haben, ohne imstande 3? ' e'. 1 * äu erfassen er würde sich nie für eine Gedankenarbeit interessieren, und er würde nicht emmal ordentlich jagen können, denn seine Mutter ver- achtete das Weidwerk und ritt nicht gern

Alles ist angeerbt," stöhnte der Fürst'noch einmal und zerschlng eme kleine Apollobüste, di- aus einer Konsole stand. Dann klingelte er heftig, ließ sein Pferd satteln und ragte in die Nacht hinein. Wohin? Das war ihm gleichgültig. Dem Wind entgegen!

Daheim im wüsten Palast brannten unterdes all die Kerzen nieder. Sie durften ohne Befehl nie gelöscht werden, und der Fürst vergaß stets, den Befehl zu 6eben, ~er Lichtglanz fiel aut einen leeren, unge- Pflasterten Hof, in dessen einer Ecke -ine Zigeuner- tm Ite sich ein Zelt aufgeschlagen hatte. Deii ganzen Abend hatte sie dort getanzt und lag nun, mit ein paar bunten Lappen bedeckt, in tiefeM Schlaf . "Der Fürst wird wohl ganz verrückt", sagte, als er den Lichterglanz und zugleich die Morgensonne sah, ein olfer Zigeuner. Er bedauerte, die herrliche Gelegen- heit zum Stehlen nicht benutzen zu können, aber seines- gleichen hatte eine abergläubische Furckst vor dem Palast desNarren"; der war daher wie gesteit.

Jenseits des großen Hofes lag die alte Kloster­kirche, und als der Fürst heimkehrte, wurde dort die Morgentokka geschlagen. Sie klang so scharf lind weit hinaus, daß der Turm von dem Ton fast zu wanken schien. Fürst Demeter schlug ein Kreuz, als er vorbei- r,tt, sah den gebrechlich-n Zustand der Kirche und ge- lobte, wenn die Revolution gelänge, den Kasten glän- zend herznstellen. Ja. die alte Nationalkirche sollte Ml auferstehen, um Gott dastir zu danken, daß end- lick, die Natron durch die Russen vernichtet wor- den sei. . . .!

Aiich Raoul war von der Morgentokka aufgeweckt worden. War heute Feiertag? Nein, es war die Holz- und nicht die Eisentokka, die geschlagen wurde. Da nicht Feiertag >var, mußte er französische Granunatik lernen und durfte nicht zu Petrus gehen. Sofie Petru war das Ideal seiner Träume. Wenn er sie gesehen hatte, schlief er abends wie gehoben ein. Sie hatte ihn sehr gern und der Vater erlaubte manchmal, daß ec hinfuhr. Der Kleine wußte nicht daß es geschah weil Sofies Vater sich durch den Fiirftenbesuch geschmeichelt sah, und weil es dem Fürsten wiederum gut dünkte oem Emporkömmling, der so viel Einfluß auf den kleinen Bürgerstand besaß, zu schmeicheln.

, Ramll fühlte sich glücklich im Freien. Der Palast bedruckte ihn so, daß er ihm widerwärtig-r als ein Kerker wurde. Nachts heulte der Wind furchtbar in den leeren Zimmern mit den zerbrochenen Fenstern. Dann wachte er auf und glaubte, dre Glocken läuten zil hören, unter deren Klang seine Amnie begraben wurde, und er weinte sich das Herz voll nach ihr - in einem allgemeinen, nnbestimmten Weh und Todes, schauer. Vor zwei Jahren war seine Gouvernante nach