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Verlag Saaggafse 21

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«Lr!gNz??'Ä7rgek.-^^llte^L^^^^ Verl«» «»teil»», »e« Wiesbadener Tagblatts: «rriin' Vf.', P,tsd«ner en.ISIL. s«»spr.! »Ml Li»,«» 6202 «. 6283.

Mittwoch, 20. Dezember 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 619. ♦ 64. Jahrgang.

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weihnachtsgrutz an Deutschlands Krieger.

Von D. Otto Everling.*)

Ein Berliner führt einen Kriegsberichterstatter Ende Oktober 1916 durch die kampferfüllten Grenz­gebirge Runiäniens und erzählt:

„Erst waren wir an der Aisne. Dann in Galizien. Dann in Serbien. Dann bei Verdun. Zwischendurch in den Vogesen. Wieder Verdun. Jetzt hier. Was man so mit der Eisenbahn herumgerutscht ist. War oft fein! Aber — ob man nun sein Weih­nacht em zu Hause verlebt?"

„Ich glaube nicht", meint der Zeitungsmann.

„Ick ooch nich", bestätigt der Feldgraue.

Die unwillkürliche Frage nach der Wpbnachtsfeier, die sich so unvermittelt an die überwältigende Fülle der Kriegserinnerungen anschließt, sagt uns eindrucks­voller als lange und hochtönende Rede, was Weihnach­ten dem deutschen Herzen bedeutet. Und das wehmütige, nur scheinbar schnodderige Berlinerische „Ick ooch nich" zeigt uns, wie bitterer Verzicht fast wortlos durch pflichttreue Ergebenheit ertragen wird. So gehen jetzt Hunderttausende tapfere deutsche Männer der dritten Krieqsweihnacht ent- gegen.

Wer will auch nur ausdenken, viel weniger aus- drücken, was das an Taten und Leiden, an Opfern und Entbehrungen, an Blut und Tränen in sich schließt — Weihnachten im dritten Kriegsjahr?

Alles ift in diesem Weltkriege ins Riesenniaß ge­wachsen: die Länge des Kampfes, die Mittel des Strei­tes, die Erbitterung der Gegner, die Ausdehnung des

- Schlachtfeldes. Die deutsckie Kanipfsront beträgt jetzt an die 2000 Kilometer. An fast zwei Millionen Metern schützen todesmutige Söhne und Väter mit ihren Lei­bern die geliebte Heimat vor feindlichen Horden. Neben uns streiten die -Österreicher auf 900 Kilometer. Von unseren Feinden haben die Russen 1400 Kilometer, die Franzosen 530, die Engländer 135 Kilometer besetzt. Elf Feinde, darunter vier Großmächte, haben mehr als 50 Volksstämme, weiße, gelbe, braune, schwarze, zu un­serer Vernichtung aufgeboten. Fast die ganze Welt liefert ihnen todbringende, immer fürchterlichere Waf­fen. Wir sind verurteilt, oder wir wollen besser sagen, wir sind gewürdigt, in unseren Erdentagen die g e- waltigste Entscheidungszeit der Völker­geschichte, die furchtbarste Schicksals­stunde unseres Vaterlandes zu erleben.

Dieses eiserne Zeitalter, das starke Helden erfor­dert, müssen schwache, Menschen durchleben. Darum sind wir alle nicht so, wie wir 'ein sollten. Viele sind so, wie sie in dieser Schicksalszeit nimmer sein dürften. Und doch hängt Deutschlands Sieg und Zukunft nicht nur ab vom deutschen Schwert, sondern vom deutschen Geist.

Weihnachten soll uns den rechten Geist stärken. Wir daheim haben's off nötiger als ibr draußen, ihr Männer der deutschen Wehr! Der Mensch ist meist größer im heldenhaften Auffchwunq, w°nn es um alles geht, unr Tod oder Leben, Sieg oder Untergang, als in täglicher Pflichterfüllung mit vielen und kleinen Sor­gen, steten Entbehrungen und quälenden Mißhellig­keiten. Der Handelnde ist zuversichtlicher als der Grübelnde. Aber aus der furchtbaren Blutsaat muß uns allen Segensfrucht erwachsen, die uns vom Klein­lichen befreit, zum Großen erbebt, zum Ewigen führt. In der grausen Krieqsnot erbitten wir als edle Weihnachtsgabe ein fest es Herz.

Ein festes Herz ist kein kaltes Herz. Wer durch die Schrecken dieser Tage gehen kann und nur darüber sinnt, aus dem Mangel der .Kriegszeit sich Vorteil zu verschaffen, der verkümmert in seinem elenden, kleinlichen Sinn, der verdient den deut­schen Namen nicht, sein Krieqsgewinn ist Seelen­verlust. Euer Herz da draußen, ibr treue Schutzwehx des Vaterlandes, schlägt nach anderem Ton und Takt.

1 Ihr singt nicht nur mit dem Mund, auch mit der Tat das Lied:

„Und setzen wir nicht unser Lebe» ein.

Nie wird das Leben gewonnen sein."

Das kann man nur mit festeni Herzen, aber nicht mit kaltem Herzen. Die Schläge, die ihr den Feinden austeilt, sind so hart, weil ihr so warm und weich fühlt für die Heimat, die ihr vor der Kriegsnvt schützen wollt Wann aber umweht der Hauch der Heimat euch ergreifender, als wenn ihr Weihnachten in der Ferne feiert? Ihr seht im Geiste den Bauin daheim und hört die Kinder spielen, ihr fühlt der Frauen Sehnsucht.

I Dann klingen durch euren Sinn die alten, lieben Lieder, dann packt euch im Kampfgefilde der Zauber

*} Aus: „Deutsche Kriegsweihnacht 1016 ". Bolksschrist zum ftoftot Krieg. 96/#7. Bock«« des Statt«. Bundes, Berlin W. 36.

der „stillen Nacht, heiligen Nacht", dann legt ihr still und betend die eine Hand in die andere. Dann und gerade dann wird das weiche Herz fest.

„Und habt ihr gebetet, so packt euer Schwert,

Hetzt den Gaul über Hecken und Graden —

Wir träumten vom Glück am deutschen Herd Und wollen es wieder haben!"

Das feste Herz ist ein dankbares Herz. Der deutsche Herd blieb vom Feinde irei. Ter Heldenmut unserer Krieger hat aus Deutschland mitten im Toben des Weltkrieges eine Insel des Friedens gemacht. Unser Vaterland wurde nicht, wie so oft in der Ge­schichte, der Tummelplatz feindlicher Heere. Wir kön­nen nicht oft und heiß und tief genug dafür danken! Ihr kennt die Schrecken der Zerstörung, ihr habt das Grauen gespürt, das in den öden Fensternlauern wohnt, ihr habt das namenlose Elend der Flüchtlinge gesehen. Darum werdet chr den Dank für die gnädige Be­wahrung unseres Vaterlandes in entschlossener Geduld bewähren.

Ein festes Herz ist ein g e d u! d i g e s H e r z. Dritte Kriegsweihnacht predigt: Geduld ist uns

not. Wie alle tragen schwer am Kriege. Wir dürfen uns nicht an sein Grauen gewöhnen, aber wir müssen ihn tragen. Oft geht es schier über die Kraft. Viele müssen draußen Übermenschliches leisten. Daheim quält neben den bitteren Tränen um lieb? Tote die stete Sorge ums tägliche Brot. Und doch dark unsere Ge­duld nicht reißen und um'ere Friedenssehnsucht am Wechnachtstage uns nicht übermannen. Unsere Feinde wollen keinen Frieden, sie wollen unsere Nie­derlage, sie wollen uns aushungern, knech­ten, knebeln. Was uns ein verlorener Krieg kosten würde, das können wir uns nicht schrecklich und schänd­lich genug vorstellen. Di"se klare Erkenntnis mache das feste Herz nicht nur geduldig, sondern mutig. Wer den Frieden will, muß den Sieg erstreiten. Nur Sieg kann Frieden bringen. Wenn die Weihnachtsglocken zum drittenmal den alten Engelsang: „Friede auf

Erden" im grimmen Gegensatz zur rauhen Wirklichkeit über die kampfdurcktobte Erde ruien, gerade dann wissen weitblickende, deutsche Männer, wofür wir kämpfen. Sie panzern in eiserner Zeit das weich-, sehnsuchtsvolle deutsche Gemüt mit ehernem Panzer und geloben: mit mutigem Herzen durch Sieg zum Frieden!

Gewähr für Sieg und Frieden sind feste Herzen voll warmem Dank und geduldigem Mut.

Weiche Herzen werden zermürbt von der Last des Krieges. „Es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde." So sprach ein kundiger Seelenführer in alten Tagen, ünd er hat es gelernt durch den Geist, der das Kind der Weihnacht den Heldenweg von der Krippe zum Kreuze führt. In diesem Geiste singen wir festen Herzens mit dem deutschen Propheten:

„Und wenn di« Welt voll Teufel war'

Und wollt uns gar verschlinge:,,

So fürchten wir uns nicht so sehr.

Es soll uns doch gelingen."

Das Friedensangebot.

Die Überreichung der deutschen Note in Paris.

W. T.-B. Paris, 19. Dez. (Dcahtbecicht. Havasmeldung.) Das Ministerium des Äußern teilt mit: Der Botschaftsrat der Vereinigten Staaten überreichte dem Ministerium des Äußern die vom Reichskanzler angekündigte Note der deutschen Regierung. Die deutsche Note, die nichts anderes ist als der vom Kanzler in der Rede am 12. Dezember verlesene Text, enthält nur einen allgemein en Vorschlag ohne An­gabe irgend einer bestimmten Bedingung. Die Übergabe fand ohne Kommentar statt.

Die französischen Sozialisten geteilter Meinung über die Ariedensfrage.

Nr. Genf, 19. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Dem am 23. Dezember zusammentcetenoen französischen Sozialistenkongreß sieht man weit über den Kreis der Parteigenossen hinaus mit lebhaftem Interesse entgegen. Der Vollzugsausschuß dieses Kongresses trat gestern zu­sammen .um im Hinblick auf die voraussichtlich sehr umfang­reiche Kongreßdebatte über das Friedensangebot der Mittel­mächte in eine Vorberatung einzutretem Es kam im Voll­zugsausschuß zu sehr heftigen Auseinander­setzungen Zwischen den Friedensfreunden und den Frie- densgegnern. Schließlich wurde, wie „Debats" in einem durch die Zensur stark zugestutzten Bericht mitteilt, eine Kom­mission damit betraut, für den Kongreß eine Tagesordnung vorzubereiten, von der man sich eine vorläufige Einigung der beiden Parteileitungen verspricht. Einen ähnlichen Beschluß wie die Sozialisten des Seinedev artements faßte eine in Nimes tagende Versammlung. Gegen eine These der Mehr­heitsrichtung wurde eine Resolution Benard angenommen, die die Regierung zur genauen Darlegung ihrer KriegSzielc auffordert uud sich für die Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen ausspricht. Infolge dieser

Abstimmung dankte der Vorstand oer Vereinigung ab. Es wurden neue, auf dem Boden der Resolution BenardS stehende Vorstandsmitglieder gewählt.

Die Belgier und das Friedensangebot.

Br. Haag, 19. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „MaaSbood?" bringt in einer Antwerpener Bericht­erstattung die bedeutungsvolle Mitteilung, daß die belgische Regierung, wie in Antwerpener bel­gischen Kreisen versichert wird, dem deutschen Friedens­angebot gegenüber sich keineswegs in ungünstiger Lage befinde, da die belgische Regierung das Londoner Ab­kommen, keinen Sonderffieden zu schließen, nicht mit­unterzeichnete und daher freie Hand habe. „Dabei brauchen wir Belgier kein Schamgefühl darüber zu haben, daß wir möglicherweise auf der Friedenskonfe­renz nicht auf der Seite der Sieger stehen, vor allem jetzt nicht, da die Gegenpartei sich bloß auf einen relativen Sieg berufen kann. Bei Kriegsaus­bruch hatten wir nach belgischer Auffassung keine Wahl und nachdem unsere Soldaten bei Lüttich und in West­flandern beachtenswerte Leistungen erbracht haben, können wir, ohne uns zu schämen, der Welt ins Gesicht sehen, auch dann, wenn die Entente den kürzeren ziehen sollte. Wir erwarten von unserer Regierung, daß sie nicht a priori nein sagen wird, falls ihr Unter­handlungen vorgeschlaqen werden, sondern daß sie zum mindesten auf die eine oder andere Art sich nnterricksten irtrb. über die offiziellen deutschen Absichten bezüglich Belgiens. Wir wollen niemands Vasalle lein, niemand bedrohen, sondern frei und unabhängig im eigenen Hause neutral leben. Falls uns Teritschland Vorschläge macht, die mit den Rechten eines souveränen unab­hängigen Staats vereinbar sind, dann werden die meisten Belgier nicht einsehen, wanim Belgien noch weitere Blutopfer bringen soll.

Die zwei formellen Grundsobe bei Abfassung des ablehnenden Antworttextes.

Br - Genf, 19. Dez. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Eine offen­kundig französische halbamtliche Notiz des „Matin" zur Frie­densnote sagt: Sobald den Becöandsmächten die Note zuge- qangen ist. wird der genaue Antwocttext aufgestellt werden. Die Antwort wird sich tun zwei formellen Grundsätzen leiten lassen: 1. mit dem Feinde über unbestimmte und schlecht um­grenzte Gegenstände und Gebiete nicht in Verhand­lungen einzutreten, und 2. den Kämpfenden mit un­widerleglicher Klarheit darzntun, aus welchen Gründen die deutsche Anregung abgelehnt wird.

Ein nüchterner Beurteiler der Lage Englands.

Nr. Haag, 19. Diez. (Eig. Dvahtbeüicht. zb.) Wie die Schweizerische DeLyraphLnin-formatiM aus London erführt, hat der frühere englische Kanzler Lord Loreburn in einer öffenLichen Rede erklärt, es sei z w e ck l o s, daß Groß­britannien seine Soldaten, seine Handelsschiffe und seine Wohlfahrt weiter opfere, um Rußla-nd die Dardanellen, Italien Triest und Rumänien Hermannstadt zu verschaffen

Das Leibblatt Asquiths über das Fri eden sangebot.

Br. Rotterdam, 19. Dez. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Die „West- minster Gazette", das Leibblatt A s q u i t h s, betont in einem Leitartikel, die Alliierten müßten oas Friedensangebot der Mittelmächte jedenfalls ernsthaft beantworten, weil wegen des Krieges die Verantwortung für die Riesen- zohlen von Menschenleben mit in Betracht gezogen werden niüßten. Das Blatt beurteilt vorläufig die Aussicht auf einen regelrechten Erfolg gering, weil das Angebot keine be- stimnrten Vorschläge enthält. Deutschland rühmt sich, trotz der glänzenden militärischen Stellung aus Menschlichkeits­gründen den ersten Schritt getan zu haben. Falls dies ehrlich gemeint ist. sollte Deutschland nähere Vorschläge machen, die mindestens in großer Linie umschrieben, wie es sich den Frieden denkt. Sollte Deutschland das a b l e h n e n, so wäre sein Angebot lediglich eine große Geste, um das eigene Volk und die Neutralen zu beeinflussen.

Die Duma-Resolution in der Friedensfrage vom russischen Neichsrat unterstrichen.

W. T.-B. Petersburg, 19. Dez. (Dvahtiberichr.. Petce-s- turyer Telograsthenagentur.) Fm Reichsrat verlas der Minister des Äußern P r o k o w s k y die RegierungS- erkläruug, die er am 15. Dezember in der Duma verlas. Der Reichsrat stimmte für Ü!bevgang zur Dagesordmung in der gleichen Form wie die Duma.

Vermittlnngswünsche der europäischen Neutrale».

' Br. Rotterdam, 19. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das holländische Parlamentsmitglied Schapper teilte am Samstag in einer Ansprache zu Dalfzyl mit, er habe erfahren, daß die Sch Xu eiz und die ska ri.binavischen Länder gern als die F r i c d e u s v - r m > t t l e r auftceten mochten und ein gemeinsames Borgehen mit Holland wünschten. Er befür­wortete in dieser Hinsicht eine größere Aktion der holländischen Regierung.