Einzelbild herunterladen
 

Brrwg Langgasse 21

ie icütatt oen. 8 lldr morgens bis 7 lldr cbcoM.

wöchentlich

Vezngs-Prei« kür bei»» Ausgaben: Mk. i.— monatlich. Mt. vierteljährlich durch den Verlag vangaafie 21 . ohne BrNigerlvb« Ml sab vierteljährlich durch »Le »eukichen Hoslanholten »usichließlich Beftevgeld — LczrgS -BrjlellnIlgen nehmen antzcrde« enigeaen. IN Wiesdaben di Zweigftelle Bis, «arelrmg lS. iowie die Busaabenclen in allen Teilen «er «iadt. in Biebrich die dorrigen Lut- >«deslellen an» in den benachbanen Landorien und im Rdemgau die betreffenden Tagdlan-Träger

73 Ausgaben.

Kernruf:

„TagblatihsnS" Nr. 6SS0-S8.

Von s Uhr morgens bis 1 Uhr abends, außer Sonntag».

Anzeiaru-Prei» jtr »ie Zeile: lb Pfg für örtliche Anzeigen im „Arbeiismarkt" und ^kleiner Anzeiger" w ernheitlndkr Satzsvrm. «0 Pfg. 1« davon abweichender Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: so Big. Ml alle auswärtigen Anzeigen: I Mk. für briüche ReNamen: 2 Ml für auswärtig! Ncklameil. «aa»e, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlauiend, nach beiondercr Berechnung. - «ei wiederholter »nlnLhine unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entipreckiender Nachlaß.

BerlinerAbteil»«, de,Wiesbade»«Ta,blattS: «erlio «i.. P,ts»a«-r««».101K. F«r»s»r.-«»tLutzow6202a.6203. KfÄSÄSSÄS

Sonntag» 17. Dezember 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 614. . 64. Jahrgang.

Die Wirkung unserer Zriedenrangebotr

O Berlin, 15. Dezember.

Herr Briand nennt unser Friedensangebot einen Versuch, zwischen den Mächten des Vierverbandes U n- einigkeit zu säen. Übereinstimmend damit meldet Reuters Bureau, in englischen Regierungs- kreisen werde der Schritt des Vierbundes als schlauer Versuch angesehen, Mißhelligkeiten zwischen den Alliier­ten zu säen, indem vielleicht Bedingungen vorgeschlagen würden, von denen ein Teil für einige der Alliierten annehmbar, sür die anderen unannehmbar wäre. Herr Briand meinte dann noch, man müsse „Nachdenken" und prüfen, welchen Zweck das Friedensangebot verfolge. Dies „Nachdenken" spart man sich bereits in London, wofern Reuter über die Auffassung und die Absichten Lloyd Georges und seiner Ministerkollegen zutreffend berichtet, woran aber Wohl nicht zu zweifeln ist. Wir werden also mit einer Ablehnung des Friedensangebots zu rechnen haben. Zwar der Telegrammwechsel zwi­schen Lloyd George und Briand braucht nicht notwen­digerweise bereits die Vorbereitung dieser Ablehnung zu sein, anscheinend hat Lloyd George sein Telegramm an den französischen Ministerpräsidenten schon vor der Kanzlerrede abgesandt, und zwar nach der am 10. De­zember erfolgten Neubildung des britischen Kabinetts. Aber es war ja der Welt nicht unbe­kannt, daß der Kanzler am 12. Dezember eine neue be­deutsame Friedenskundgebung machen werde, nur daß die Form noch ungewiß war. Insofern mag der Aus­tausch kriegerischer Gesinnungen zwischen den beiden Ministern immerhin schon als vo rw egneh m end e Antwort ans das Friedensangebot verstanden wer­den. Solange sich die Vierverbandsmöchte nicht a m t- l i ch geäußert haben, können die vorläufigen Kund­gebungen aus den Hauptstädten des Westens, mögen fi;> von der Tribüne her oder durch Zeitun­gen erfolgen, wohl Gradmesser von Stimmungen sein, bedeuten aber praktisch noch nichts Ent­scheidendes. Und schließlich würde auch die ja zu erwartende Zurückweisung unserer Friedensbereitschaft näher darauf geprüft werden müssen, wie sie begrün­det wird. Herr Briand hat es weislich unterlassen, vom „Krieg bis zum Endsieg" zu sprechen, und wenn die halbamtliche Londoner Kundgebung des Reuterschen Bureaus die Beendigung des Krieges vor der Er­reichung der Ziele erwartet, um derentwillen der Vier- Verband in den Krieg eingetreten ist, so kann man diese allgemeine Redewendung zwar mit den oft genug be­tonten Kriegszielen der Feinds ausstaffisren, es ist aber au- ebenso qrst möglich, daß die verschwommene Phrase einen Rückzug einleiten soll Der Meister der Geschichtswissenschaft, Klauiewitz, schrieb einmal, zwei Dinge seien es, die in der Wirklichkeit als Beweg­grund zum Frieden an die Stelle der Unfähigkeit zum ferneren Widerstand treten können, nämlich die Un- wahrscheinlichkeit des Erfolgs und dann ein zu hoher Preis, der für den Erfolg bezahlt werden müßte. Un­sere Feinde sind gewiß von dein heißen Willen beseelt, uns Elsaß-Lothringen zu entreißen, unsere Flotte zu Hernichten, unsere Kolonien unter sich zu verteilen, un­ser Wirtschaftsleben zu zerstören, Konstantinopel und :die Meerengen zu erobern. Aber soll man wirklich glauben daß sie diesen Wunsch bis ins Unendliche hegen und pflegen werden, wenn sie sich doch sagen müssen, daß der Erfolg unwahr'cheinlich ist und daß, falls er tzleichwohl vielleicht erreichbar wäre, einen übergroßen Preis bedingte? Ginge es bloß nach dern, was man für erstrebenswert hält, so würden auch wir .Deutschen eine Rechnung aufmachen können, deren Endziffer noch über das hinausginge, was in den dielberufenen Eingaben der sechs Wirtschaftsveröände und des Alldeuffchen Verbandes ausgesprochen worden ist. Aber die Wirklichkeit der Dinge hat uns Maßhal­ten gelehrt. Den Feinden wird es. äveil sie sich all­zuweit mit ihren unvernünftigen Forderungen hervor­gewagt haben, freilich schwerer fallen, sich auf die Linie Nüchterner Einsicht zurück zubegeben, rmd doch wer­ben sie das müssen, weil wir unbezwingbar sind, weil also die Krieqsziele des Vierverbandes n i e- urals zu erreichen sein werden. Wir nehmen nicht nn, daß dieser Zwang schon jetzt.seine heilsanie Wir­kung völlig und endgültig tun wird, wi>- rechnen also, aus bas Letzte hin angesehen, mit einer A b I e h n u n g bes Friedensangebots, und doch brauchte es nachher nicht so zu sein wie vorher. Auch wenn wir unser Angebot nicht wiederholen (und warum sollten tvir es, gestützt auf unsere Kraft und aus unser reines Gewissen, tun?), bliebe der tiefe Eindruck der großen Tat. und Herr Briand wird gewußt haben, warum kr von unserer Erklärung, daß wir zuni Frieden bereit leien, eine Verwirrung der Gewissen und eine ?D e m o r a l i s i e r u n g" der Völker befürchtete. Der französische Ministerpräsident hat eine Vectra uens- kundgebung der Deputiertenkammen erhalten. Frei­

lich war die Mehrheit stattlich, 314 gegen 165 Stimmen, aber es will doch viel bedeuten, daß rund ein Drittel der Stimmen gegen die Regierung abgegeben wurde. Sollte die Verwirrung und Demoralisierung, von der Herr Briand sprach, schon am Werke fein? Wir können uns die Folgen unseres Entschlusses, zu Friedensver­handlungen einzuladen, auf die feindlichen Völker leicht vorstellen, wenn wir uns fragen, wie umgekehrt ein in verständigen Grenzen gehaltenes Friedensangebot der Feinde bei uns gewirkt hätte. Da zuletzt der Vier- verband doch davon wird ab'ehen müssen, seine Kriegs­ziele zu erreichen, ließe es sich gleichsam probeweise denken, daß die Feinde ein Angebot gemacht hätten, das zwar immer noch unseren Lebensinteressen abträg­lich gewesen wäre, gleichwohl aber den unbestiinmten Schimmer einer Verständigungsmöglichkeit gehabt hätte. Würden dann nicht bei uns manche Stimmen lautgeworden sein, die den Friedenswunsch, den wir ja alle haben, mit einer ftir die Geschlossenheit unserer inneren Front gefahrvollen Färbung hätten ertönen lassen? Und so sind wir auch überzeugt davon, daß unser Friedensangebot den feindlichen Regierungen Verlegenheiten bereitet, die sie hinter großen Worten vergebens zu verbergen suchen. Wir müssen natürlich abwarten, was geschehen wird, und wir kön­nen es mit unserem guten Schwert und unserem guten Gewissen.

Die Übermittelung des Friedensangebots arr die englische Regierung.

Br. Rotterdam, 16. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Daily News" melden: Die deutsche Note wurde heute von der amerikanischen Botschaft in London in Empfang genommen. Die Note wird von der Botschaft nunmehr an die englische Regierung weiter befördert. Natürlich wird die Note beantwortet werden. Lloyd George wird am Dienstag im Unterhaus darüber sprechen. Es wird berichtet, daß der Minister Henderson am Freitag in einer Rede in London gesagt habe, die Bedingungen, die Deutsch­land vorbringe, müßten mit aller größter Sorgfalt untersucht werden. England miiffe jedoch bis zuletzt seinen tapferen Verbündeten treu sein.

Die bevorttchenden Erklärungen Lloyd Georges.

W. T.-B. London, 16. Dez. (Drahtbe-richt.) Jdicholffm schretiBt in der „Daily News": Lloyd George wird am Dienstag im Unterhaus ebenso über die deutsche Note sprechen, wie Briand in der ffanzösischen Kamm« gesprochen hat.

Die Stimmung in Italien.

Charakteristisches aus einer Sitzung des Turincr Gemeinderats.

Br. Lugano, 16. Dez (Eig. Drahtbericht. zb.) Das arbeitende Volk Italiens uiill den Frieden. Das geht mit elementarer Deutlichkeit aus der gestrigen Sitzung des Turiner Gemeinderats hervor. Die Sitzung sollte einer Beratung über die Kohlenlcise gelten. Vorher erhob sich der Gemeindecat Norlenghi und erklärte, das Volk ber- lange, daß Deutschlands Friedensvorschläge nicht abgelehut, sondern reiflich erörtert würden. (Beifall.) Gemeinde­rat Bosso: „Ich stimme den Worten des Kollegen Norlenghi zu und sage, es wäre ein wahres Verbrechen, den Frie» densvorschlag ohne weiteres zurückzuweisen. (Lärm und Beifall.) Der Bürgermeister erklärte, daß er sich über diese Angelegenheit nicht äußern dürfe, nachdem schon in Mailand die Regierung einen ähnlichen Beschluß des Ge­meinderats annulliert habe. Gemeinderat Romita erklärte, auch er wolle den Frieden, wie er den Krieg nicht gewollt habe. Seine Worte wurden später von der Zensur nicht wenig gestrichen. Das italienische Volk sei des Krieges und der Opfer müde. (Beifall und Lärm.) Darauf geht er zur Erörterung der Kohlenkrise über. Zunächst wird die Interpellation des Gemeindsrats Sincero verlesen, wonach die beiden Turiner Gasgesellschasten binnen kürzester Frist den Betrieb einstellen müßten, da sie ohne jede Kohle seien. Der Bürgermeister teilte mit, daß ec alles getan Kälte, um die Kohlennot zu beben und dreimal in Rom gewesen sei, ober vergebens. Gemeinderat Sincero: Dank der Unzuläng­lichkeit der Regierung und der Einführung des in London vereinbarten Frachtenhöchstpreises befindet sich die italie­nische Industrie in wahrer Todesgefahr. (Bei­fall.) Die sofortige Folge jener Vereinbarung war, daß jede Fracht nach Italien eingestellt wurde, so daß vom 30. Rov. bis heilte nur zwei Kohlenschiffe eintrafen.

Geteilte Meinungen in Italien.

W. T.-B. Bern, 16. D-eg. (Drahtbericht.) Die „Stampa" meldet ans Rom: In der ganzen Stadt wird von nichts an- devem mehr Mvrochen als von >dem F r i ed e n s a n g e o o t, das gestevn fort den offiziellen Sozialisten in zwei Fruktions- sitznngen besprochen wurde. Zuerst wollte man einen neuen Friedensaiitrag einbringen, ließ aber diesen Gedanken fallen. Auch die Resovnffoz: «listen sind zu einer Besprechung zu- samm engetreten. Die sozialistische Partei berief weitere

«ätzungen- mit der Parteileitung. Auch ALyeordirete der katholischen Gruppen sind zmammengetreteii. Die „Stwmpa" läßt sich ferner aus Ro:n vevichten, im Parlament herrsche die Meinung vor. das, Friedensangebot werde von der Entente zurückgewiesen werden. Ebenso verbreitet sei jedoch die Überzeugung, daß sich eine v o I l st ä n L i g neue Lage gebildet habe.

Strömungen und Gegenströmungen in Rußland.

Berlin, 16. Dez. Die „B. Z. a>m Mittag" meldet aus Stockholm: .In d« Sitzung der Oktobristen der Petersburger Duma wurde die Befürchtung laut, daß die Bauernbe­völkerung und das Heer aus eine glatte A b l e h - nung des Friedensangebots in höchst uner­wünschter Weise reagieren wurden. In den Petersburger Fabrikgiegenden fand am Mittwochabend bereits eine Reihe von Friedensdemonstrationen statt, bei denen die Polizei und Kosaken eiugeschritten find.

Soll heilloser C hauvinismus das letzte Wort behalten?

W. T.-B. Stockholm, 16. Dez. (Drahtbericht.) Die libe­rale ententefreundliche schwedische Zeitschrift „Forum" schreibt zu dem Friedensangebot der Mittelmächte: Wird die Mög­lichkeit der Beendigung des Vernichtungskrieges, die das deutsche Angebot bietet, von den Staatsmännern der Entente aus chauvinistischen Gründen zurückgewiesen, so laden diese, eine schwere Verantwortung auf sich.

Die Stimme eines Pessimisten.

Br. Bern, 16. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Im „Berner Tagblatt" äußert sich ein angeblicher russkh^r, offenbar ffiedensfreundlicher Diplomat- England komte das An­gebot nicht annehmen, wenn es vor Deutschland nicht kapitu­lieren will. Das englische Heer in Frankreich gebe dort der englischen Auffassung den nötigen Rückhalt. Italien wolle gern auf den Vorschlag eingehen, könne aber England allein gegenüber unmöglich. Rußland sei noch nie so von Eng­land beherrscht gewesen. Die Antwort der Entente werde, demgemäß dahin lauten, daß nur in Verhandlungen einge- treten werden könne, wenn zuvor alle besetzten Ge­biete geräumt würden. Deutschland könne diese Pfänder nicht aus der Hand gebeu. Darum werde der Krieg w e i t e r d a u e r n, bis Saloniki erledigt wäre und die Italiener Oberitalien verloren hätten. Aber auch dann werde England nicht nachgehen, wenn es noch Menscherr und Material besitze.

Ein welschschweizerisches Blatt über die schlechten Aussichten der Entente.

W. T.-B. Bern, 16. Dez. (zb.) Die „Gazette de Lausanne" wirft in einem Leitartikel die Frage auf, ob sich der Sieg an die Fahnen des Vierverbandes heften werde, was ver­neint wird. Welche Verluste auch die germanische Gruppe noch haben könne, sie werde es immer in der Hand haben, dir Angriffspunkte zu wählen und werde den Krieg bis zur Ermattung des Feindes durchhalten. Es handle sich darum, wne Verständigung herbeizufiihren und den Grund­satz aufzustellen, daß Opfer gebracht werden mühten. Für einige heiße es in diesem Sinne, den Sieg über sich selbst da­von zu tragen. Sollte man nicht dazu bereit sein, so werde ein anderer Sieg nicht so ausfallen, wie man erwarte. Es wäre daher besser, sich jetzt schon zu dem deutsche» Frieden zu bequemen.

Wilson und di« Friedensfvirge.

W. T.-B. Washington, 16. Dez. (Drahtbericht.) Reuter meldet: Wilson und 'ein Kabinett hielten eine dreistündige Sitzung ab. Sie besprachen das deutsche Friedensangebot sowie die Haltung, welche die Vereinigten Staaten bezüglich der Übermittlung des Angebotes an die Verbandsmächte ein­nehmen sollen.

Widerspruchsvolle Meldungen über Wilsons Standpunkt.

Br. Haag, 16. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach einer Depesche des Berichterstatters der „Morning Post" aus Washington erklärte Präsident Wilson, er glaube, daß d« deutsche Vorschlag eine günstige Gelegenheit sei, um die Vor­arbeiten zur Errichtung des Völkerbundes zur Her­beiführung des Friedens zu beginnen. Diese Mel­dung steht in Gegensatz zu einer anderen Washingtoner Mel­dung der „Daily News", daß Präsident Wilson erklärt habe, er hatte den Augenblick für die Anbahnung für Friedensver- handlrrngen noch nicht sür gekommen.

Ein Umschlag der Stimmung in der Union?

Bi-. Amsterdam, 16. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) In der amerikanischen Presse scheint sich ein bemerkenswerter Meinungsum s ch w u n g vorzubereiten. Wenigstens finden die „New Dort Times". die zuerst gegen Deutschlands Vorschlag Gift u n d G a l l e spie, jetzt plötzlich, daß der Vorschlag eine ruhige Erwägung verdiene und die Neu- iralen befriedige. Die Gelegenheit sei geboten, eine offene ehrliche Erklärung abzugeben über die Bedingungen, zu denen der Vierverband den Frieden schließen würde. Diese Erklärung müsse auch das Ziel festlegeu, für das die Ver­kündeten eventuell weiterkämpsen würden