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Zrettag, IS. Dezember 1916. MOrgEN-KUSgllbK. Nr. 610. . 64. Jahrgang.
wenn es unseren Zeinden nicht gefallt.
Depeschenwechsel zwischen ksindenburg und dem Reichskanzler.
W.T.-B. Berlin, 14. Dez. (Drahtbericht.) Zwi- scheu Generalfeldmarschall v. Hindenburg und dem Reichskanzler wurden heute folgende Depesche» gewechselt:
An Se. Exzellenz den Herrn Reichskanzler.
Euere Exzellenz beglückwünsche ich zu Ihrer gestrigen Reichstagsrede. Mst tiefer Bewegung und großer Genugtuung habe ich sie gelesen. Euere Exzellenz haben auf Befehl Sr. Majestät mit dieser Rede die tiefe sittliche Äraftäußeruug unseres deutschen Vaterlandes eingeleitet, die sich würdig anschließt und sich gründet auf die Stärke des deutschen Volkes daheim und im Felde. Wir Soldaten wiffen, daß es für uns gerade in diesem Augenblick keine höhere und heiligere Pflicht gibt, als de» Sieg mit äußer st er Tatkraft weiter zu verfolgen und für Kaiser und Vaterland zu leben und zu sterben. v. Hindenburg.
An Se. Exzellenz de» Herrn Generalfeldmarschall v. Hindenburg.
Eurer Exzellenz danke ich aufrichtig für den mich rief l regenden Glückwunsch zu meiner gestrigen Rede. In den Worten des Mannes, dem unser kaiserlicher Herr das deutsche Schwert anvertraut hat und der es mit sicherer Kraft führt, vernehme ich die Stimme unseres deutschen Volksheeres. Seine Taten zu Lande und zu Wasser haben die Bahn frei gemacht für den hochherzigen Entschluß, den Seine Majestät der Kaiser mit seine« hoben Verbündeten gestern ausaeführt hat. Die todesmutige Pflichttreue und unerschütterliche Tapferkeit der Männer, die für Deutschland fechten, bürgen uns dafür, daß wir, wenn es unseren Feinden beute noch nicht gefällt, dem Krieg ein Ende zu machen, unserem Batcrlande erst recht einen starken und dauerhaften Frieden erkämpfen werden.
v. Bethmann Holl weg.
Der Kaiser wieder an der Westfront.
Eine Truppenschau in Mülhausen.
Br. Berlin, -4. Dez. (Mg. Dvabtbericht. zb.) Dem JB. L.-A." meldet aus Mülhausen Professor Dr. Georg Wegener: Der Kaiser hat in unmittelbarem Anschluß au die so außerordentlich bedeutsame gestrige Kundgebung seiner Friedensbereitschaft sowohl durch seinen Armeeibe- fthl wie durch die Erklärungen des Reichskanzlers, eine B e - sichtigungsreise an die We st front unternommen, deren heldenhaftes Ausharren gegenüber den vereinigten Kräften der Heiden mächtigsten unserer Gegner den tapferen Truppen im Osten für chre glänzenden Erfolge den Rücken gedeckt und d-rmit Deutschland die stolze Sieger- stellung ermöglicht hat, in der Mir das Friedensangebot machen. Der Sinn dieser Frvntreise ist ebenfcwchl die Aussprache des kaiserlichen Dankes dafür, wie zugleich jedenfalls der Wunsch zu zeigen, daß unsere Frredenswillig- keit alles andere als eine Vernachlässigung unserer Kriegsbereitschaft bedeutet, daß unser unbedingter Siegeswillen im Falle einer Ablehnung der Friedensverhandlungen durch unsere Feinde nur stärker wer den wird. Der Sonderzug Seiner Majestät traf beule früh um 1 Uhr 10 Win. in Ddükhausen ein. Der Kaiser hielt in Begleitung de? Kronprinzen unverzüglich eine Truppenschau außerhalb Mülhausens ab, von der ich soeben zurückkehre. Er hat dabei an die Truppen eine überaus zündende Ansprache von ebenso volkstümlicher Form wie weittragendem Inhalt gehalten. Augenblicklich begibt sich der Kaiser mit seinem Gefolge zu einer zweiten Truppenschau; eine dritte soll sich am Nachmittag daran anschließen. _
Ereignisse zur See.
Versenkung feindlichen Kohlen- und Kriegsmaterials.
W. T.-B. Berlin, 13. Dez In der Zeit vom 28. November bis 8. Dezember wurden von unseren Unterseebooten vor der französischen Kanal- und Atlantic-Küste u. a. Äohleu- ladungen im Gesamtbetrag: von 17 000 Tonnen englischer, nach Frankreich bestimMer Kohle und ein englischer Dampfer mit 6000 Tonnen Kriegsmaterial von New Jork nach Frankreich versenkt.
Versenkt?
W. T.-B. Ebrrstrania, 14. Dez. (Drahtbericht.) Der norwegische Dampft: „Bob" landete hier die Besatzung von 15 Mann des Dampfers „Bjoer" aus Chcistiania (3080 Brufteregistertonnen), der am Montagnachmittag 4 Seemeilen von Ryvingen von einem deutschen Unterseeboot versenkt wurde.
Die Aufnahme des zriedenrangebots.
<5ine Note des Papstes in Sicht.
Berlin, 14. Dez. (Drahtbericht.) Der „L.-A." meldet aus Zürich: Im Anschluß an die Friedensangebote der Zentralmächte steht eine Note des Papstes an die kriegführenden Mächte unmittelbar bevor.
„.Hohngelächter der Verachtung" in Frankreich.
Die Friedensnote — ein neuer Schurkenstreich.
(Von unserer Berliner Abteilung^
I-. Berlin, 14. Dez. (Eig. Drahtber-icht. zb.) Die französischen Mid englischen Pressestimmer: über die Friedensnote, die bis jetzt zu uns gelangt sind, müssen mit Vorsicht ausgenommen werden, da es sich um Bruchstellen handelt, die von der feindlichen Drahtzensur durchgelassen wurden. Aus dem „Rottevdamschen CLvrant" erfährt man folgende neuen Stummen: Der „Tsmps" sagt zu dem deutschen Vorschlag, der deutsche Vorschlag sei ein neuer S ch u r k e n st r e i ch, die Alliierten würden gebunden 'durch die Londoner Erklärung vom September 1914, sich nicht überlisten zu lassen. — Das „Journal des Debats" schreibt: Die germanischen Mächte haben ein diplomatisches Stück aufgesetzt, es wird trotz sinnreicher Aussetzung i n s W a s s e r f a l l e n — Saint Brice schreibt im „Le ,Fournal": Deutschland will innerhalb seiner Grenzen das deutsche Volk davon überzeugen, daß seine Feinde allein verantwortlich sind für die Fortsetzung des Kriegs. Saint Brice betont, daß Deutschland Mäßigung vorgäbe, um die Neutralen günstig zu stimmen und zugleich nach Trepows Rede, in der dieser Kcnstantinopel forderte, Uneinigkeit unter den Alliierten zu stiften. Der Artikel schließt: Der deutsche Streich wird mißlingen; ich halte den Entschluß der Alliierten für unerschütterlich, aber die Wünsche der Entente sollten dennoch nicht mehr ausschließlich in Worten ausgedrückt werden. — EapuS schreibt im „Figaro", daß die Nachricht des Friedensangebots bei den Bundesgenoffen und den Franzosen selbst nichts anderes als ein Hohngelächter der Verachtung hervorgerufen habe. Immerhin ist die im „Figaro" ausgestellte auch von anderen Blättern berührte Frage bemerkenswert: Wie denkt sich Deutschland die künsrige Gestaltung Europas, falls die Unmöglichkeit zur Wirklichkeit werde und die Entente gewillt sein sollte, auf das Ansinnen ihrer Gegner einzugeheu? — Im „Petit Parisien" wird das Angebot ein grober Köder genannt. — „Evenement", das Organ der Radikalen, sagt: Wir wünschen keinen Frieden für einen Tag, wir wünschen ewigen Frieden. Wir wünschen Elsaß-Lothringen und die Unabhängigkeit aller Länder.
Briands vorläufige Stellungnahme.
Die Angst vor Entzweiung der Verbündeten.
Br. Haag, 14. Dez. (Eig. Drahtbsricht. zb.) Nach Meldungen aus Paris hat Ministerpräsident B r i a n d in der Kammer folgende Erklärungen zu dem deutschen Friedensangebot abgegeben: Wir haben die Rede Bethmann Hollweqs gelesen, Über den Text, den ich noch nicht besitze, kann ich mich nicht auslassen. Es ist jedoch zu bezweifeln, ob diejenigen, deren Vermittelung verlangt wird, die Aufgabe auf sich nehmen, welche das Vertrauen vieler erschüttern muß. Ich werde der Kammer später offiziell die genaue einstimmige Meinung der Verbündeten mit- teilen. Es ist jedoch meine Pflicht, mein Land jetzt schon vor einer öffentlichen Vergiftung zu be wahren. Briand ermahnte dann zur äußer- st e n Vorsicht gegenüber dem deutschen Angebot und fuhr in seiner Rede fort: Man macht uns den Vorschlag, über Frieden zu verhandeln, während Belgien, Serbien und die französischen Gebiete besetzt sind. Mit undeutlichen Ausdrücken, mit feierlichen Worten versucht man der u n- ruhigem Gewissen und Herzen in den Ländern, die über soviele Tote trauern, Eindruck zu machen. Briand besprach dann einzelne Stellen der Rede des Reichskanzlers und schloß seine Ausführungen mit den Worten: „Über ein solches Dokument muß man Nachdenken und untersuchen, was es bezweckt. Ich habe das Recht, von dieser Tribüne zu erklären: Es ist ein Manöver, durch welches man versucht, die Verbündeten zu entzweien, ihr Gewissen zu beunruhigen und die Völker zu demoralisieren. Tie französische Republik wird unter solchen Umständen nichts weniger tun als seinerzeit der Nationalkonvent.
Eine Erklärung Donninos hinsichtlich des Fri edensangebots.
Br. Lugano, 14. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) In der italienischen Kamnier antwortete S o n n i n o aus eine Anfrage Baslinis: Die deutsche Note
enthalte keine präzisen Angaben der Bedingungen, auf denen Friedensverhandlungen fußen könnten. Cr habe darum dem schweizerischen Gesandten, der die Noten überbrachte, gesagt, er werde nachdem er seine Kollegen gehört, natürlich mit den Verbündeten Regierungen Rücksprache nehmen scher die Antwort auf die Note, die ja ebenfalls zwischen den feindlichen Regierungen vereinbart worden sei. Sonnino bat darauf, die Diskussion zu verschieben, denn in einer so delikaten Angelegenheit sei es dringend nötig, daß die Verbündeten in vollem gemeinsamen Einverständnis handeln, und zwar nicht allein nach der Substanz und wegen der Sache, sondern auch hinsichtlich der Form. (Beifall.)
Der Prüfstein für die wahren Absichten der Entente.
Schwedische Meinungen.
W. T.-B. Stockholm, 14. Dez. (DrahLbericht.) Auch die Abendblätter vom 13. Dezember bringen ausführliche Aufsätze über das Friedensangebot der Mittelmächte., „Nya Dvg- light Wehuvda" sagt: Deutschland gebührt jetzt der Ruhm, laut der Welt kn ndgetau zu haben. daß es den Krieg nicht länger fortzufetzen wünscht, als es die harte Notwendig- löit für die reale Sicherheit seiner Grenzen zu kämpfen verlangt. Es macht sich zugleich feierlich vor der Menschheit und Geschichte von der Verantwortung frei, wenn der Knnipf weiterdauert und die hingestreckte Hand zurückgewtesen wird. Von der Gegenseite hört inan schon Sttmmen, die erklären, daß man dort bereit ist, diese Verantwortlichkeit für den weiteren Krieg zu übernehmen, der das Ziel verfolgt, in Zukunft die Wiederholung eines Weltkriegs zu vermeiden. Dieses Ziel ist unlogisch und wird sicherlich mu allerwenigsten unter der Voraussetznng erreicht, die einer solchen Antwort zugrunde liegt, nämlich Deutschlands Niederwerfung und Vernichtung. — „Aftonibladet" meint, man könne sich nur schwer denken, daß der Vierverband das Friedensangebot so rundweg ablehnen werde, wie es das Reutertelegramm mit keinem wenig passenden höhnischen Ton ist. Wäre das der Fall, dann dürft es wenigstens nicht mehr angeihen, von der Kriegslust der Gruppe der Mittelmächte und der Friedensliebe des Vierverbands zu sprechen. Dann ist ja aller Welt klar, wo der Wille, lden Gegner zu zerschmettern, liegt.
Die Menschheitspflicht der Neutralen.
W. T.-B. Basel, 14. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Ein Privattelegramni der „Bailer Nachrichten" von Bern besagt: Man mag sich zu dem Friedensvorschlag des Vierbundes stellen wie man will, so kann man nicht umhin, anzuerkennen, daß diese Erklärung der Friedensbereitschaft, abgegeben von einer im Besitz d er militärischen Vollkraft stehenden Mächtegruppe, in einem Augenblick, da sie auf ansehnliche, auch dem Gegner imponierende Waffenerfolge zurück- blicken kann, etwas Großes an sich hat. Man hat den Neutralen oft das Schweigen anempfohlen, heute scheint es uns die Pflicht, zu reden, denn es ist M e n s ch- h e i t s p f l i ch t, der Vermehrung des unendlichen Jammers, ja man kann sagen, dein Verzweiflungskampfe, der hüben und drüben sicher eine Folge tot Ablehnung des Friedensvorschlages wäre, auch mit dev schwächsten Mitteln entgegenzuarbeiten.
„Das Eis ist gebrochen".
Weitere Pressestimmen aus der Schweiz.
W. T.-B. Bern, 14. Dez. (Drahtbericht.) Zu dem Friedensangebot der Mittelmächte führt die „Neue Zürcher Ztg." u. a. aus: Auch wenn der Schritt der Mittelmächte keinen unmittelbaren Erftlg haben kann, form er uns doch dem Frieden n ä h e r b r i n g e n. Das Eis ist gebrochen, der Vierverband wird sich nsindestens gezwungen sehen, seine bisher noch niemals gemeinsam festgesetzten Fr:edensbedingungen kunüzugeben. Durch die ungebrochene Verteidigung und erfolgreiche Angniffskraft der Mittelmächte ist der Befürchtung jeder Boden entzogen ivorden, daß die FriedenskundgeHung als Zeichen einer verzweifelten mitttärifcken Lage aufgefaßt werden könnte. Unter allen Umständen ist die Slote ein außerordentlich geschickter dip lonr ati sch er Akt. Gerade . für die Noutvalen würden die Leiden des Kriegs in d«r letzten Monaten immer größer. Immer stärker wurde da>her Ich ihnen >die Sehnsucht nach Frieden. Gerade Deutschland wird bei den Neutralen einen Stein im Brett erhalten, trenn es zuerst zum Frieden die H«md bietet. Auf t>em Werver band wird die Verantwortung für die FortfÄhrung des Kriegs lasten. Die Regierungen der Vierverdandsstaaten werdest
