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Donnerstag, 14. Dezember 1916. MorgeN-KU§gtlbK» Nr. 608. . 64. Jahrgang.
Oie militärische Lage.
' (Von unserer Berliner Abteilung.)
Berlin, :8. Dez. (Eig. Drcchtbericht. zb.) In Numä- »ien ist die schlechte Witterung der Kriegsführung etwas in die Quere gekommen. Aber nicht nur dem Ln- greiser, der trotz des Regens planmäßig vorwärtsschreitet, sondern auch dem Feind, der seine Berstärkungen nicht mit größerer Schnelligkeit heranführen kann. Rach einem Hindenburg-Wort braucht man sich »licht auf- zuregeu, wenn Regen oder Schnee die Bewegungsfreiheit behindern. Der Feldmarschall sagte einmal: „Wenn eS bei nnS schneil, so pflegt es auch beim Gegner zu schneien!" Wir kraftvoll unsere Truppen ununterbrochen arbeiten, geht schon daraus hervor, daß die 9. Armee am 11. Dezember 12 Offiziere, 2 8 66 M ann, 12 Maschinengewehre. 5 Geschütze und 7 Lokomotiven ein brachte; am 12. Dezember gegen 4ÜÜ0 Mann und 9 Maschinengewehre. Wo im Jalo- mita-Abschnitt der Fluß noch nicht erreicht ist, scheiut der Rumäne seine Stellungen halten zu wollen. Unbekümmert um diesen Widerstand, wurde an den anderen Stellen der Brückenbau mit der unseren Pionieren eigenen Geschwindigkeit dnrchgeführt. Bon Orsova» wohin noch einer Meldung aus Wien bereits wieder die Bahn fährt, bis zu den erreichten Punkten nordöstlich Bukarests beträgt die Entfernung in der Luftlinie etwa 366 Kilometer. Das ist die Entfernung von Köln bis Paris. Mißt man die Strecke von Orlova bis Cernavoda» die ebenfalls von unseren Truppen besetzt ist, dann hat man etwa das Ausmaß der Strecke Köln-Berlin. In der Dobrudschv herrscht Ruhe — In Mazedonien gelang es englischen Kräften, zwei bulgarische Fcldwachstellungen westlich Ljunnica. 15 Kilometer westlich des Wardar, in Besitz zu nrbmen. — Die russischen Entlastungsunternehmungen an der siebenbürgischen Ostfront brachten neue starke Angriffe, dir erneuten Mißerfolg hatten. Sonst wird nur von einem geglückten deutschen Patrouillenvorstoß westlich Luck berichtet. — Aus dem Westen meldet man verstärktes Artilleriefener an der Somme und ans dem Wrstnfer der Maas. Wir beschossen mit weittragenden Geschütze« die Bahnhofsanlayen von Montaubon und Harricourt im Somme- gebiet. — Bon der i t a l i e n i s ch e n Fr o n t heißt es wieder: Verstärktes Artilleriefeuer anf der Karfthochfläche.
Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 13. Dez. (Drahtbecicht.) Amtlich ver« lautet vom 13. Dezember, mittags:
Örtlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalseldmarschalls v. Mackensen.
Der feindliche Widerstand an der I a l» m i t a wurde gebrochen, der weichende Gegner wird verfolgt. Österreichisch- ungaeische und deutsche Truppen nähern sich Buzeu. Die Rumänen ließen abermals 4000 Gefangene in unserer Hand.
Heerrssront des Generalobersten Erzherzog Joseph. Die russischen Angriffe westlich und nordwestlich von O c n a gehen fort. Sie bliebe» auch gestern völlig e r - g e b n i s l » s. Bei der Armee des Generalobersten v. Koevetz herrschte, nachdem in den frühen Morge.lstunden die ver. l u st r e i ch e n Angriffe der Russen zusammengebroche» waren, verhältnismäßig Ruhe.
Hreresfront des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.
Außer erfolgreichen Streifungen an der Bi st ritz». Solotwinska nichts von Belang.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz- Loge unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des GcneralstabS: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Die neue rumänische Ausnahme-Linie.
Zu den letzten Berichten unseres Generalstabes wird uns geschrieben: Die Verfolgung in Rumänien geht erfolgreich weiter. Die Rumänen leisten zwar noch Nach unserem Heeresbericht hier und dort Wider- st a n d, der aber von unseren stegr:ick»en Truppen doll ständig gebrochen wurde. Über die Art Und das Ziel der Verfolgungskämpfe wird in unserem Heeresbericht in den letzten Tagen nichts »rwähnt. Aus dem Generalstabsbericht des bulgarischen Heeres erfuhren wir dagegen, daß die Bulgaren bei T u t r a- kan die Donau überschritten und die Stadt Dltenitzi erobert haben. Diese Nachricht ist für we Weiterentwicklung der Kämpfe nicht ohne erhebliche Bedeutung Die Rumänen sahen sich durch das Vorbringen unserer Truppen über die Linie Bukarest-Ploesti hinaus genötigt, ihre sehr starke Stellung auf dem linken Donau-Ufer zwischen Tutrakan und Cernavoda zu räumen und sich voch Norüoste» »«rückrn-iehen. da ös, i»n zwei
Seiten ang-griffen, genügenden Widerstand nicht mehr leisten konnten. Die bulgarischen Kräfte haben demgemäß bis nach Silistria hin das linke Donau-Ufer erreicht und sich unseren verbündeten Truppen im Vormarsch gegen die „große W a l a ch e i" angeschlossen. Die Lage ist für die Rumänen so ungünstig wie nur möglich, da das Gelände ihnen nordöstlich der Linie von Bukarest keinen natürlichen Halt bietet. Zwar stehen den Rumänen mehrere große Straß-n für den Rückzug zur Verfügung, die nach der neuen rumänischen Aufnah m e I i n i e hinter der Linie Bukarest-Ploesti führen. Diese wichtigen Verkehrswege und Heeresstraßen führen gegen die Stellring B u s a u - B r a i l a, die als die n ä ch st e Aurnahmelinie der Rumänen zu gelten hat. Braila ist der letzte befestigte Flügelstützpunkt der Linie und wichtige Eisenbahnstation, gleicherweise wie Bukarest, der Eisenbahnlinie Ploesti-Busau-Braila-Galatz. Von Busau gebt, während die Verkehrsstratze Bukarest-Braila gradlinig nach Osten abzweigt, noch eine Hauptlinie nach Norden über Rimnizu-Saratu-Fokiani-Roman-Botosani. Busau hat demgemäß als Verkehrsknotenpunkt und Schnittlinie zweier Haupteilenbahnstrecken die größte st rategische Bedeutung als Verterdi- gungsort zwischen der Moldau und der Walachei. Hier befindet sich der Drehpunkt der rumänischen Operation. Rimnizu, Saratu und Foksani, die nördlich von Busau an der Bahnlinie liegen, sind gleichfalls stark befestigte, dem Eisenbahnknotenpunkt Busau gegen Rußland vorgelagerte B r ü ck e n- köpfe. Bei dem Rückzug von Bukarest aus dienten sie als riickwärtsHelegene Stützpunkte nach Busau. Die Linie Busau-Bratla, die in erster Reihe in Betracht kommt, da sie such last quer durch den Abfluß der Walachei legt und im Süden ungefähr die Grenze der Moldau bildet, hat eine Länge von rund 90 Kilometer. Hier beginnt das eigentliche r u m ä n i s ch e Festungssystem. das sich teilweise an der Donau und teilweise am Sereth-Fluß und an der Moldau befindet und als die sogenannte „S e r e t h - L i n i e" den Schutz Rumäniens gegen vordringende r u 1 s i s ch e Kräfte darstellen sollte. Die besondere Kriegsgestaltung der Kriegführung infolge des Trenbruches Rumäniens hat es mit sich gebracht, daß der Feind, gegen den die Sereth-Linie erbaut wurde, setzt der Freund und Bundesgenosse ist.
Das heutiae rumani^e fyeer.
(Bon unserem Kri-gSbe«achterstitter Waldemar v. Berg.)
Sr. K. und K. Krieg Sv reff-quartier, 13. Dez. (E»g. Drahtbericht. zb.) Der unaufhaltsame Bormarsch unserer Heere in 1er Walachei gewährt interessante Rückschlüsse auf die gegenwärtige Schlagkraft des rumänischen Heeres, die in erster Linie durch seine außerordentlich hohe Einbuße an Menschen und Material beeinflußt ist, Bon 760 000 Mann Anfangsb:ft rnd sind bereits heute 150 000 gefangen und der blutige Verlust ist mit der gleichen Ziffer nicht zu hoch eingesetzt. Bon 400 000 Jnfanteriegewehren. die Rumänien bei Kriegsanbruch besaß, befinden sich heute mehr als 100 000 bereits in unseren Händen, von 800 Maschinengewehren sogar 364. Die Feldactillecie hat von 800 Stücken deren 378 einaebüßt, und di- schwere Artillerie des Feldheeres ,st von 60 Geschützen auf 35 gesunken. Das Material, das die noch vorhandenen Teile des rumänischen Heeres mit sich führen, ist durch den viermonatigen Feldzug stark mitgenommen, die Rohre der Artillerie ausgeschosien, eine Reparatur im eigenen Land: aber unmöglich, da die Arsenale in Bukarest und T i r z o v e st i in den Händen der Ze n t r a l- möchte sind. So ist denn die Entente gezwungen, auch noch für die rumänischen Truppen zu sorgen und sie fast völlig neu auszurüsten, wenn sie diese wieder als vollwertig kerwenden wollen. Auch der Verlust an rollendem Material ist so empfindlich, da von 700 Lokomotiven bereits 137, von 18 000 Waggons mehr als 4500 sich in unserem Besitz befinden.
Die Verfolgunqskämpfe im Osten vor Bnkarcst. i
(Bon unserem Kriegsberichterstatter Waldemar v. Berg.)
Br. K. und K. Kriegspressequarticr, 13. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach der Einnahme von Bukarest dringen die verbündeten Truppen energisch weiter in östlicher Richtung vor. Um Zeit zum Rückzug zu gewinnen, setzten auf dem rechten Flüge! die Rumänen den scharfen Gegenstoß auf Lucianca an, der dort durch deutsche Truppen zum Stehen gebracht und durch gesammelte österreichisch-ungarische Truppen gemeinsam mit den deutschen völlig geworfen wurde. Auch ein aus dem linken Flügel gegen die rechte Flank-: der Donanarmee geführter Angriff russischer Kräfte brach am 9. Dezember nach kurzem Anfangserfolg völlig zusammen, worauf alles wieder den Vormarsch gegen die Jalomitalinic aufnahm, die auch trotz hartnäckiger Gegenwehr von den längs der Hauptstraße Bukarest-Ureiceni vorgedrungenen Heeresteilen forciert wurde. Unter dem allgemeinen Druck setzte ßch der riunäaif4>tuHif4e LÜck-
zug weiter in nordöstlicher Richtung fort nach der Buceulinie, wobei die bei Silistria und Cernavoda übergesetzten Bulgaren kräftig mithalfen. Die Bulgaren warfen die Russen aus dem in Brand gesteckten Calarasi und dann gingen btzide Heeresteile auf den linken Flügel der Jalomitalinie los. Die Buceu- lini erscheint ziemlich stark, ist jedoch in der rechten Flanke durch diejenigen Kräfte von uns bedroht, die trotz härtester Gegenwehr sich immer mehr längs des Buceutals schichtweise vorschieben. Es ist gegenwärtig auch fraglich, wo sich die nächste Verteidigungslinie des Gegners befinden wird, und viel hängt davon ab, wann und wieviele russische .Hilfstruppen noch hieryerge- worfen werden können.
Rumänische Blätter über die Kriegslage.
Kein Fuß breit weiter zurück?
(Drahtbericht unseres 8.-Senderber.chterstalters.)
8. Stockholm, 13. Dez. (zb) Die jetzt in I a s s y erscheinende „Independance Roumaine" schreibt zur Kriegslage: Die rumänisch: Heeresleitung war auf den Verlust der Haupt st adt lange vorbereitet. Der Generalstab legte eine sehr stark befestigte Stellung bei Ialomitza au, die bestimmt ist, von frischen Truppen verteidigt zu werden und die zurückweichende rumänische Arme?, aufzunehmen. Sollte hierfür gegenwärtig die genügende Truppenzahl fehlen und von den Verbündeten ein Ersatz einstweilen fortdauernd ausbleiben, so wird der Feind auch jenseits des weiten rumänischen Stromes ein Retz von Schützengräben finde»», hinter denen sich die schwer ermüdeten Truppen sammeln können, sobald di: Ersahtcuppen eingetroffen sind. Die Walachei haben wir verloren durch den hinterlistigen Über-, fall (!) der Deutschen. Jetzt ist die Losung: Keinen Fuß breit weiter zurückzugehen.
Das ebenfalls weitererscheinende Regierungsblatt ..Vitorul" schreibt sehr pessimistisch: Unsere Lage südöstlich von Bukarest muß als sehr ernst anerkannt werden. Wir wollen Höften, daß eine weitere Verschiebung zu unseren Ungunsten in dieser Richtung nickt eintreten wird, da wir sonst bedeutende Teile unserer Lebenskräfte verlieren müßten.
Eine falsche Fanfare des rumänischen Regierungsblattes.
(Drahtbericht unteres 8.-SondcrberichterstaticrS.)
8. Stockholm, 13. Dez. (Eiq. Drahtbericht, zb.) Das rumänische Regierungsblatt „V i 11 o r u I" schreibt unter der Überschrift „Alles für den Krieg": In höherem Grad wird von uns jetzt Geduld gefordert, Zuversicht, Glaube und Mut. Wir wollen geduldig sein, denn einmal mutz dieser Sturrn vorübergehen. Alles in dieser Welt, wo nichts Wirklichkeit ist, olles wird glücklich enden. Für uns wie für unsere Verbündeten wollen wir zuversichtlich in die Zukunft unseres Lebens und Volkes blicken. Wir wollen auf uns selbst vertrauen, auf unsere Armee, aut den endgültigen Sieg der verbündeten Armeen. In weiteren zahlreichen Artikeln mabnt das Blatt immer wieder, Mut, Ruhe und Geduld zu zeigen.
Oa§ Zriedensangebot.
Oie Aufnahme der Nachricht in Gnoland
Br. Haag, 13. Dez. (E'g. Drahtbrricht. zb.) Der Amster- damer „Telegraaf" meldet aus Loadvn: Die Mitglieder des Unterhauses erhoben sich von ihren Sitzen, als daS deutsche Friedensangebot eiatcaf.
Freches Gebaren der englischen Presse.
Sr. Rotterdam, 13. Dez. (Eig. Drahtbecicht. zb.) „Daily Chronicle" bespricht di: deutschen Friedensvor
schläge und führt ans' Deutschland kann jeden Tag Frieden haben fü: unsere Bedingungen und, wenn eS wissen will, welches dies: Bedingungen sind, kann es sie immer erfahren. Was uns anbclangt. so haben »vir immer auf Entwaffnung des preußischen Militarismus und Auslieferung oder Vernichtung der deutschen Flotte uird auch der ganzen Artillerie bestanden, und wir zweifeln, ob man von dem Alpdruck weiterer Rüstungen befreit werden kann, die einen neuen Krieg herbeiführen, wen» tie Bedwonnaen «><nurrer drastisch wären. — Der Londoirer „Star" schreibt' Rur wenn das neu erstandene Verantwort- lichteitsbewußtseiu ver Zentralarächte sie dazu gebracht haben sollte. Konstant» nobel ans oie Dardanellen a» Rußland, Elsaß-Lothringen an Frankreich! abzutreten und die besetzten Gebiete zu räumen und einen genügenden Schadensersatz zu zahlet^ werden die Vorschläge von Btthmann Hollweg einen Einfluß auf den Lauf des Krieges aurüben können. — Unter dem Titel „Ein handgreiflicher Betrug" schreibt die „Times" in einem Leitartikel: Trotzdem die deutschen Frre- denSaugebote noch nicht genau umschriebe» stad» weder in der
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