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Morgen.Veilage der Wiesbadener Tagblatts,

ttr, 287._ Kreitagr 8. Dezember. 1916.

<16. Fortsetzung.)

Und das Glück kam.

von Elisabeth Fries,

(Nachdruck verbot««.)

Langsam nur konnte er sich in die alten Verhält­nisse zurückgewöhnen. Aber auch hier war das Zu- sammensein mit Randolph der beste Ausgleich. Er teilte Philipps kleines Haus mit ihm. sie hielten zu- sammen einen Koch und führten gemeinsanie Wirtschaft. Philipp mußte Randolph Heubach überall einführen, was allerdings ein dankbares Geschäft war. Denn als Sohn des Plantagenbesitzers wäre Randolph einer freundlichen Aufnahme sicher gewesen, auch wenn er Nicht der gewandte und liebenswürdige junge Mann gewesen wäre, der es verstand, überall den rechten Ton zu treffen, ob es nun in der Fabrik war mit den In­genieuren und den Arbeitern oder in den einzelnen Familien. Jeder Zuwachs wurde von dem kleinen Kreis von Menschen, die aufeinander angewiesen waren, mit Freuden begrüßt. Kein Wunder, daß ein lunger Mann wie Randolph sich nicht zu beklagen hatte!

Kanal ist die schönste der hawaischen Inseln. Be­waldete Höhenzüge wechseln ab mit fruchtbaren Tälern, die meist von Flüssen durchzogen sind. Wundervolle Palmen bilden Haine von einer für das Auge des Frenlden überraschenden Großartigkeit. Wohl an hundert verschiedene Arten dieser annnitigen Pflanzen in jeder Schattierung und Größe konnten die Auf- merksamkeit eines Naturfreundes wohl fesseln. Eigen- yrtig schöne Blumen, ganze Felder, die mit Taro- Pflanzungen bedeckt waren, jener Pflanze, deren Blüte an unsere Lilie erinnert, aber zugleich in ihrer Wurzel ein wichtiges und schmackhaftes Nahrungsniittel liefert, Bananenwälder, Reis- und Zuckerrohrselder bildeten immer neue Überraschungen für den Neuangekomme­nen. Sein Entzücken über dieGarteninsel", wie Kaum oft genannt wird, war <o groß, daß es Philipp zuweilen vorkam, als sähe auch er manches zum ersten Male.

Als eine wirksame Verbündete, ja als die aller- wichtigste, trat dann, als die Zuckerfabrik, dieMühle", zu arbeiten begann, die Arbeit hinzu, um langsam die Heilung von schwerem Heimweh bei Philipp einzu­leiten. Der Alltag trat in sein Recht. Es war eine neue Maschine angeschafft worden, die anfänglich den Dienst versagte, weil irgend etwas beim Aufstellen ver- sehen worden war. In dieser weltfernen Gegend, wo man ganz auf sich selbst angewiesen ist und Hilfe von pußen-nur beschafft werden kann, wenn sie unumgäng­lich nötig ist, bedeutete dies Versagen ein angestreng­tes Arbeiten, Nachdenken und Probieren, bis der Fehler gefunden war. In den ersten Tagen waren die Freunde gbends so müde,-daß sie nicht mehr auf den Tennis­platz gehen konnten. Allmählich gewöhnten sie sich ein Und nahmen die Gewohnheiten, die Philipp vor seiner Reise nach Deutschland gehabt hatte, wieder auf.

Einer der Ingenieure, ein Engländer Mr. Bell, hatte sich inzwischen verheiratet. Seine junge Frau tvar keine Fremde für Philipp: sie war als junges

Mädchen als Erzieherin im Hause des Arztes itf Weimea tätig gewesen. Mrs. Bell hatte zu ihrer Aus­bildung ein Jahr in Deutschland zugebracht, für das sie seitdem eine große Vorliebe besaß. Schon vor ihrer Verheiratung war sie mit Philipp Ferber gut Freund gewesen und zog ihn und seinen Freund jetzt sehr in rhr Haus. Die Gastfreundschaft steht auf den Inseln überhaupt hoch in Blüte. Selten verging ein Sonn­tag, an dem die jungen Leute nicht irgendwo einge­laden waren. Wenn sie dann gegen Abend auf der Veranda, dem bungalo, das dort an keinen: Hause fehlt, saßen und in das blühende und in den leuchtend­sten Farben glühende Land hinaus sahen, karnen nach der Sitte des Landes wohl Eingeborene in ihrer male­rischen Tracht und spielten vor dem Hause ans ihren Lauten hawaische Lieder und sangen mit ungemein wohllautenden Stimmen dazu. Dann stiegen vor Philipp Bilder aus der Heimat herauf, er sah Alix am Flügel sitzen und hörte sein LieblingsliedInka no alike" spielen oder den Refrain eines anderen summen:

,,Oh fond embrace Until we meet again.

Alle Sehnsucht, die er die Woche über gewaltsam zurückgedrängt hatte, wachte dann in ihm auf und über­wältigte ihn. Wenn er nach Hause kam, schrieb er einen langen Brief, den er jedoch meistens nicht abschickte, weil er der geliebten Frau das Herz nicht schwer machen wollte.

Langsam entschwand die Zeit.

Das Weihnachtsfest hatte Grüße aus der Heimat gebracht, treue Worte von Frau Ferber, muntere Briefs von den Schwestern, aber auch Viktor und Alir hatten geschrieben. Da Philipp fürchtete, daß sein erster Brief zum Feste noch nicht in der Heimat sein könnte, kabelte er an Alix das eine Wort: Alohä. Es ist der hawaische Ausdruck für Gruß oder Glückwunsch.' So würde sie wenigstens wissen, daß er ihrer gedachtg,

Das Fest verbrachten die Freunde in den befreun­deten Familien; jeden Tug waren sie eingeladen, und es ging heiter und vergnügt zu bei den Gesellschaften, über deren Üppigkeit Randolph erstaunte. Immer war Miß Danford mit unter den Gästen, aber da sie bald merkte, daß Philipp verändert zurückgekommen war, wandte sie ihre Huld Randolph und den anderen jun­gen Leuten zu.

Es ist ein verteufelter, kleiner Racker", sagte Randolph eines Abends auf der Nachhausefahrt zu Philipp,ich habe doch schon allerlei Mädels kennen gelernt, aber noch keine, die so anmutig kokett zu fein versteht. Ich glaube, heute habe ich ihr zehnmal den Schuh zubinden dürfen."

Philipp lachte.Ja,. das ist ihre schivache Seite. Sie weiß, daß sie sehr kleine hübsche Füßchen hat. Aber bei uns zu Hause würde das doch niemand so unver­blümt betonen."