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Freitag, 8. Dezember 1916.
6bend-ktusyabe.
Nr. 398. . 64. Jahrgang.
Die Rumänen vom Predeal- und Altschanzpatz abgeschnitten.
Abflauen der russisch-rumäni'HenLntlastungs Ostens ve in den Karpathen.
Die Uebergabe der ganzen (Vrsova- Division.
Die Ueberlegenheit unserer trefflichen Flieger.
3! deutsche Flugzeugvsrluste im November gegen 94 feindliche.
Der Tagesbericht vom 8. Dezember.
W.T.-B. Großes Hauptqu artier, 8. Dezember. (Amtlich.)
WestlicherKriegsschauplatz
Heeresgruppe Kronprinz.
Auf dem westlichen Maasufer griffen die Franzosen gestern die von uns genommenen Gräben auf der H ö fi e 3 0 4 an; sie sind abgcwiefen worden.
Östlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Rnssenvvrstöße an der Düna-Front scheiterte«. Südlich von W i d s y wurden in unsere Feldwachstelluugen eingedrungene Abteilungen sofort wieder vertrieben.
Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Joseph.
Nach der großen Entlastungsoffensive in den Karpathen haben die Rüsten nur noch Teilangriffe unternommen; sie stürmten gestern mehrmals an der Lndova im Trotosnl-Tal gegen unsere Linien an und wurden zn- rückgeschlage«.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Unser Borgehen gegen und über die Linie Bukarest- P l o e st i erfolgte so schnell, daß die im Grenzgebirge am Predeal- und Altschanzpaß stehenden Rumänen keine Möglichkeit fanden, rechtzeitig zurückzugehen. Sir stießen aus ihrem Rückweg bereits ans deutsche und österreichisch-ungarische Truppen und sind, van Norden gedrängt, zum großen Teil bereits gefangen.
Zwischen Gebirge und Donau ist die Verfolgung im Fluß.
Die neunte Armee machte gestern allein etwa 10 000 Gefangene.
Am Alt erfüllt sich das unvermeidliche Schicksal der in Westrumänien abgeschnittenen Kräfte. Oberst von S z i v o erzwang am 6. d. M. mit den ihm unterstellten österreichisch-ungarischen und deutschen Truppe, ihre Übergabe. 10 Bataillone, 1 Eskadron und 6 Batterien in Stärke von 8 0 0 0 M a n n. mit 26 Geschützen, streckten die Waffen.
Mazedonische Front.
Räckstliche Angriffe der Serben bei Trnava (östlich der Cernas sind von deutschen und bulgarischen Trappen zurückgr- wiesen worden; ebenso scheiterten erneut Vorstöße der Engländer in der Strumaebene.
Trotz meist nngünstigen Wetters sind auch im Monat November große Erfolge von der Fliegertruppe erzielt worden.
Dem eigenen Verlust von 31 Flugzeugen im Westen, Osten und Rumänien und aus dem Balkan stehen folgende Zahlen gegenüber:
Die Gegner verloren im Luftkampf 71 Flugzeuge, durch Abschuß von der Erde 16. durch unfreiwillige Landung 7» im ganzen 94 Flugzenge; davon sind in unserem Besitz 42. jenseits der Linie erkennbar abgestürzt 52 Flugzeuge.
Die Artillerie- und Lnftflieger sicherten sich durch hervorragende Erfüllung ihrer wichtigen Aufgaben Anerkennung und Vertrauten der anderen Truppen; die Führung schätzt ihre Leistungen hoch eia.
Der erste Generalquartiermeister: Ludendorfs.
733 vvv rumänische Gefangene bis jetzt!
Die militärische Lage.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
Berlin, 8. Dez. (Eig. Drrchtbericht. zb.) 123 000
rumänische Gefangene» das war bis gestern abend die offizielle Ziffer uaserrr HrerrSleitung, die 8000 Mann der am «uteren Alt-Fluß eingefangenen Division einbegriffen, dach ahne die Ziffer» die inzwischen der heutige Heeresbe
richt vermeldet, hat. Damit nähert sich das Ergebnis dem der größten Hindenbnrgschlachten. Ein Augenzeuge des entscheidenden Sieges am Argesn-Flutz, der heute nach Berlin zurückgekehrt ist. bestätigte, daß das rumänische Heer, dessen blutigen Verluste bedeutend waren, auch noch eine Menge unverwundeter Soldaten eingebützt hat, die nicht so schnell in unseren Gefangenenzahlen einbegriffen werden können: Wie einst in Belgien haben sich viele Soldaten ihrer Uniform entledigt und sich in Bürger- kleidnng gesteckt. Sie gehen spazieren oder verbergen sich, bis die Nachlese surchgeführt fein wird. In den Ententebr- richten sucht man den Verlust von Bukarest dadurch zu verkleinern. daß die übergab: freiwillig erfolgt sei. Eine seltsame Freiwilligkeit, eine Festung, für deren Ausbau man Hunderte von Millionen verausgabte, dem Feind zu überlassen, der es als ein h o h es Glück betrachten mutz, daß die Berteidigungswerke unversehrt blieben, für den Fall, daß er selbst einmal Angriffe auf die walachische Front abzuwehren haben sollte. Diese Front Bukarest-Ploestr- S i n a i a wäre, wenn unsere Truppen nicht andere Ziele hätten, eine geradezu ideale zu nennen. Die reiche Hauptstadt, das wichtige Ploesti, mit dem ganzen Llge- biet» die Billcnstadt Sinaia, sollten uns Rumänen und Russen hier heraustreiben, müßten sie zugleich den Hauptpfeiler des nationalen Wohlstandes vernichten. Trotzdem war cs nicht so verwunderlich, daß der rumänische Kommandant auf den Brief Aöackensens antwortete, Bukarest wäre als offene Stadt zu betrachten. Wenn nicht die nötigen Truppen vorhanden waren, um die Riesenfestung zu verteidigen — und sie waren tatsächlich nicht vorhanden — mußte die Räumung selbstverständlich erfolgen. Indessen ist man doch berechtigt, von einer Eroberung Bukarests mit stürmender Hand zu sprechen. Die Verteidigung der Festung hatte entlang des Argesu-Flusses ftattgefunden, da die rumänische Heeresleitung sich nach den bisherigen Kriegser- faürungen sagte, daß die Forts und Panzerwerke sofort von den weittragenden Geschützen in Trümmer geschossen werden würden und daß die Hauptstadt nur durch die Fe l d s ch l a ch t in größerer Entfernung zu retten war. Die Feldschlacht führte aber zur entscheidenden Niederlage. Bukarest fiel, nachdem die rumänische erste Armee sich zur Flucht wandte. Das ist die „Fr e i w i l l i g k e i 1" der Preisgabe dieser Stadt. Unser Augenzeuge berichtet, daß die deutschen Soldaten mit demselben Geist, mit Singen und in schönster Ordnung, ihre fast unmöglich erscheinenden Gewaltmärsche zurücklegten und in die Schlacht zogen. Sie sind sehr vortrefflicher Laune, weil das eroberte Land den Eindruck ganz außerordentlichen Reichtums macht und weil die gefüllten Kornkammern nicht nur ihnen, sondern auch der Heimat zunntzen kommen werden. Das rumänische Heer aber ist aufs ernsteste erschüttert, seiner wichtigsten Hauptquellen beraubt. Sehr froh sind auch unsere deutschen Soldaten, daß alle Bundesgenossen gemeinsam an diesem prächtigen Erfolg beteiligt sind, und daß sie die österreichischungarischen, bulgarischen und türkischen Regimenter an ihrer Seite mit dem gleichen Feuereifer auf den Feind geben sahen. So weit die Bahnlinie P l o e st i - B u k a r e st gestern noch nicht überschritten war, nähern wir uns ihr an allen Stellen. Noch ist nicht das ganze Erdölgebiet, das hinter den vortret- benden Heeren liegt, auf seine sofortige Verwertbarkeit geprüft worden; einen Teil der Erdquellen haben die Rumänen in Brand gesteckt. I
Angriffe im Norden des rumänischen Kampfgebietes brachten nicht wieder die erhoffte Entlastung. Sechsmal rannten die Russen gestern wieder an der Baba Lndova u m - s o n st gegen unsere Bergstellungen an. Sonst haben die russischen Nnternehmungen in den Karpathen und an der Ostgrenze Siebenbürgens nachgelassen. Außerdem wurde von der Ostfront ein gescheiterter Russenvorstoß südlich Wids», 60 Kilometer nördlich des N a r o w - Sees, gemeldet, ferner der Abschuß eines russischen Fesselballons durch deutsche Flieger.
Bon der Westfront wurden nur die üblichen Artillerie, kämpfe gemeldet. Daß die Franzose» gestern nachmittag der Versuch machten, mit mehreren Bataillonen die berühmte Kuppe 304 zurückzunehmen, brachte ihnen nnr einen F e h l s ch l a g. _
Die Züchtigung Rumäniens.
Der amtliche bulgarische Bericht.
IV. T.-B. Sofia, 8. Dez. (Drahtbericht.) Amtlicher Bericht des Generalstabes'
Mazedonische Front: Ja der Gegend von
M o n a st i r (Bitolia) hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Im Cernabogen von Zeit zu Zeit heftiges feindliches Artilleriefeuer. Die bulgarischen und deutschen Truppen warfen den Feind, der erbittert gegen die Stellungen östlich der Cerna anstürmte, durch einen starken Gegenan
griff zurück. Zahlreiche feindliche Leiche» liegen vor unseren Stellungen. Wir nahmen 6 Offiziere und 50 Mann gefangen. Beiderseits der W a r d a r lebhafte Artillerietätigkeit. An der Front der B e l a s i c a - P l a n i n a Rühe. An der Struma heftiges Geschütz- nnd Gewehrfeuer. Der Feind versuchte mehrmals, nns in der Nähe des Nordufers des Tahorisees anzugreifen, wurde aber durch Artilleriefeuer zerstreut. Unsere Artillerie schoß in dieser Gegend ein feindliches Flugzeug ab, das verbrannte. An der Front am Ägäischen Meer beschossen sechs Schiffe ohne Ergebnis unsere Stellungen in der Nahe der Mündung der Struma.
Rumänische Front: In der Dobrudscha
Patrouillengefechte und schwaches Geschützfeuer. Der Feind ist lebhaft mit Schanzarbeiten vor den Stellungen unseres linken Flügels beschäftigt. Unsere Soldaten haben bis jetzt 753 feindliche Leichen begraben. Die russische Artillerie er öffnete ein heftiges Feuer auf unsere Soldaten, welche getötete russische Soldaten begraben.
An der Donau bei T n t r a k a n Gewehr-, Maschineu- und Geschützfeuer. Bei Silistria Geschützfeuer. In der Walachei haben die verbündeten Truppen Bukarest und Ploesti genommen und verfolgen die fliehenden rumänisch- russischen Truppen, die in der Richtung östlich der Festung Bukarest znriickweichen, welche keinen Widerstand leisteten.
Die unübersehbare Beute von Bukarest.
Br. Budapest, 8. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Sofioter „Az Est"-Berickstvrstatter erfährt: Die
Beute in Bukarest ist unübersehbar. Die mächtigen Befestigungswerke von Bukarest samt der artilleristischen Ausrüstung gelangten unversehrt in die Hände der Sieger. Das große Befostigungssystenr konnte durch die fliehende rumänische Armee nicht mehr zerstört werden. Infolge des raschen Vorrückens der verbündeten Truppen konnte die fliehende rumänische Armee, die in Bukarest internierten österreichisch-ungarischen nnd deutschen Untertanen n i ch t mehr wegschleppen. Unser Einmarsch war so rasch, daß die Rumänen selbst bei Anwendung von Gewalt aus der Hauptstadt nicht ihre Wertsachen hätten wegtragen können. Gleichzeitig mit der Nachricht von der Einnahme Bukarests traf die Meldung von der Besetzung Ploestis nnd Sinaias ein. In Sofia wurde die Nachricht mit begeisterten Jrendenkundgebungen auf- genommen.
Die Bedentung des Falles von Ploesti und Campina
W. T.-B. Berlin, 7. Dez. Vom strategischen Gesichtspunkt aus muß der Einnahme van C a m v i n a und P l o c st i die gleiche Bedeutung wie der Eroberung von Bukarest cin- geräumt werden. Die Strecke Kronstadt-Bukarest, der kürzeste Schienenweg von Ungarn nach der Walachei, ist damit in der Hand der Verbündeten, was den Nachschub an Mannschaften und Material bedeutend erleichtert. Mit der Eroberung von Ploesti ist ferner die Eisenbnbnverbindung der Moldau mit der Walachei endgültig abgeschnitten. In Ploesti befinden sich die großen Petroleumraffinerien mit modernen Tankanlagen. Von äußerster Wichtigkeit sind auch für die Mittelmächte die eroberten rumänischen Petroleumgebiete, deren ergiebigstes das Gebiet von Campina darstellt. Der größte Teil der Rohölprodukston Rumäniens, die nahezu 2 Millionen Tonnen pro Jahr beträgt, befindet sich damit in den Händen der Sieger. Alle Ententehofsnangen, daß der Mangel an Schmieröl und Benzin die Kriegführung und Kriegsindustrie der Mittelmächte hemmen werde, sind somit für immer gescheitert. Die Front der Verbündeten in der walachischen Ebene werde durch die Einnahme von Ploesti von 700 auf nur mehr 100 Kilometer verkürzt.
Eingeständnisse des „Corriere della Sera".
IV. T.-B. Bern, 7. Dez. „Corriere della Sera" sagt zu der Einnahme von Bukarest: Der Wert des Ereignisses ist groß. Nach größer sind seine Rückwirkungen. W'r dürfen die Einnahme vom militärischen Standpunkt aus nicht entwerten.
Die Gesamtzahl der Gefangenen in der Westwalachei 1 4 000 Mann. x
W. T.-B. Wien, 8. Dez. (Drahtbericht.) Aus dem Kriegs- preffequartier wird unter dem 7. Dez., abends, mitgeteilt: Heute haben sich nach vierwöchigem langem Umberirren und onerkennungswürdigem Widerstande nächst der Mündung des Alt die Reste der rumänischen ersten Division der österreichisch-ungarischen Brigade Szivo übergeben. Es streckten Teile von zehn Bataillonen, einer Eskadron und sechs Batterien die Mafien. 8000 Mann — worunter 6 Obersten — mit 26 Geschützen. Damit ist der Streifzug des Obersten v. Szivo planmäßig zum Abschluß gebracht. Die österreichisch-ungarische Brigade Szivo, später durch d e u t s che AbteUungen verstärkt, die inzwischen zum größten Teil wieder
