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$reitag, 8. Dezember 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 597. . 64. Jahrgang.
Kapitulation einer ganzen rumänischen Division!
Der deutsche Abendbericht vom 7. Dez.
W. T.-B Berlin, 7. Dez. (Amtlich. Dvcchöbericht. Abends.)
Im Westen und Osten keine icsonderen Ereignisse.
Auster dem Verlust der Festung Bukarest und ihrer wichtigsten Handelsstädte kostete der 6. Dezember den Rumänen noch eine Division, die, am Alt gestellt, mit 8960 Mann und 26 Geschützen zur Kapitulation gezwungen wurde.
Serbische Nachtangrisfe bei Trnava östlich der Cerna sind gescheitert. ________
Beglückwünschung des Königs von Bul- gavien und des Sultans durch Kaiser Karl.
W. T.-B. Wien, 7. Dez. (Drahtbericht.) Aus dem Kriegspress«quartier wird gemeldet: Kaiser Karl weilte heute den ganzen Tag im Standort des Armee-Oberkommandos und empfing vormittags mehrere höhe militärisch« Funktionäre zum Vortrag. Nach 1 Uhr nachmittags traf der deutsche Kaiser mit dem Generalseldmarschall von Hindenburg, dem Generäl der Infanterie Luden- dorff und den Offizieren seines Gefolges im Standort des Armee-Oberkommandos ein, wo er vom Kaiser Karl, dem Feldmarschall Erzherzog Friedrich und dein Chef des Generalstabs Feldmarschall Conrad unter herzlichster Anteilnahme der Bevölkerung begrützt wurde. Di« beiden Monarchen standen unter dem Eindruck der Siegesnachricht aus Rumänien, der Einnahme von Buka rest und der Besetzung des wichtigen Bahnknotenpunktes Ploesti. Der« Nachmittag verbrachten die beiden Kaiser mit ihren militärischen Beratern in ei ng ehend er B esprechung der nun geschaffenen Lage, worauf der deutsche Kats«: die Ruckreife tu das Große Hauptquartier antrat.
Kaiser Karl richtete im Laufe des Nachmittags an die bei der Zusammenkunft nicht anwesenden Mowarchen der verbündeten Staaten folgende Glückwunschdepesche:
An Seine Majestät Ferdinand, König der Bulgaren, Sofia: Angesichts der glänzenden Leistungen der verbünoeten Streitkräste in Rumänien, deren vorderste Abteilungen heute nacht in die feurdliche Hauptstadt einge- zogeii sind, folge ich dem Drang meines Herzens, wenn ich Dir meine lebhafte Freude an diesem Erfolg treuen Z t: sa mm e n w i r k cn s zum Ausdruck bringe. Es ist damit eine wesentliche Etappe auf dem Wege zurückgelegt worden, welchen wir gegen unseren Willen von unseren verräterischen Nachbarn zu betreten gezwungen wurden. Indem ich Dir aus diesem Anlaß meine tnniyst gefühlten wärmsten Gluck- -tvirrrsche zu dem ruhmvollen Anteil Deiner tapse- ren Truppen ausspreche, hoffe ich zuversichtlich, dah es uns mit Gottes Beistand gelingen wird, in naher Zukunft die Gegner von der .Zwecklosigkeit weiteren Blutvergießens zu überzeugen. K a r I.
An Seine M a j e st ä t den Sultan, K o n st a n - tinopel! Der Einzug der Borhut der verbündeten Streitkräfte in Bukarest ist mir soeben gemeldet worden. Ich beeile mich, Eurer MajeM die große Befriedigung ansAudcücken, die ich bei diesen neuen Erfolgen eines mÄttürüchen Zusammenwirkens empfinde, an den, die
tapferen Tr uppeu Eurer Majestät gleichfalls
beteiligt sind. Indem ich mir gestatte, M dieser Gelegenheit Eurer Majestät meine leibhaftesten und aufrichtigsten G l ü ck w ü n j ch e zu übermitteln, gebe ich mich der Hoffnung hin, daß es uns in naher Zukunft vergönnt sein wird.
endgültig über unsere Gegner zu tri umphie-
r e n. Karl.
Abends empfing Se. Majestät den Ministerpräsident^ v. K o e r b e r. der vormittags von dem deutschen Kaiser empfangen worden roar, in Audienz, um sich über das Ergob- nis der gepflogenen Verhandlungen Bericht erstatten zu lassen, und zog den Ministerpräsidenten sowie den Bizepräsi- denten des Amts für VolksernKhrung, Hoftat Baron Fries, zur Hoftafel hinzu.
Die russische Antwort auf den Hilferuf bezüglich Bukarests.
(Drahtbericht unseres L.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 7. Dez. (zb.) Noch kurz vor dem Fall von Bukarest hat die „Petersburger Börsenzeitung berichtet: Die rumänische Heeresleitung hat noch ein- mal einen dringenden Hilferuf nach Petersburg gerichtet. Sie erhielt darauf die folgende Antwort: Der russische Generalstab hält es der Gesamtlage entsprechend für nicht empfehlenswert, Bukarest einer Belagerung o u s z u s e tz e rr. Er rät vielmehr, nötigenfalls nach hartem Wrüecstau d di« Hauptstadt militärisch aufzugeben. Die russt- Heeresleiturw bearündet ihre Auffassung mit der Man»
gelhaftigkeit der Verteidigungswerke der rumänischen Hauptstadt, die nicht rechtzeitig modernisiert worden seien und mit der geringen Stärke. des rumänischen Heeres. Falls größere Truppenmassen _ im Festungsgürtel zurückgelassen werden müßten, wäre der deutsche Vormarsch nordwärts der Moldau nicht mehr aufzuhalten. Der russischen Heeresleitung fehlen überdies voraussichtlich die Mittel, rechtzeitig Ersatz nach der belagerten Festung zu senden. Bukarest könne nur dre taktische Bedeutung haben, den deutschen Vormarsch zu einem langsamen Tempo zu nötigen, nicht aber die strategische Bedeutung, der ausschlaggebende Faktor im rumänischen Feldzug zu werden.
Italienische Blätterstimmen zum Fall von Bukarest.
W. T.-B. Bern, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht, Der „Secolo" sagt zu dem Fall ton Bukaresi: Wenn auch di- Nachricht nicht unerwartet kcinmt, ist sie doch nicht wenig schmerzlich. Militärisch ist zwar der rumänische Feldzug nicht verloren, es ist jedoch zwecklos, diesen Mißerfolg abzuschwächen. Moralisch hat der Erfolg sür den Feind die größte Bedeutung. Er verdankt ihn den Fehlern und der Urivorsichtlfkert in der Vorbereitung und dem Handeln, die un- slncklicherwerse die ganze Balkanaktion der Alliierten kennzeichnet. Diese Mißstände müssen wir jetzt in Rumänien büßen, wie wir seinerzeit in Serbien darunter gelitten haben. Tie Erfahrungen der Vergangenheit und die entmutigende Lehre der neuen entsetzlichen Episode haben nichts genutzt. Die Übereinstimmung und Zusammenarbeit der Alliierten sind anscheinend noch weit von der Verwirklichung, von der man hoffte, daß sie endlich erreicht wäre. — „Popolo d'Jtalia" sagt. Obwohl der Fall Bukarests vorarwz,sieben >oar, bleibt er doch ein p e i n l i ch e r Schlag. Rach Briitzel, Belgrad und Eetinje ist Bukarest die 4. Hauptstadt, die in die Hände des Feindes fällt. Das über Rumänien hereingebrochene Elend ist ein Zeichen der Fehler der Entente. Die Zensur wurde uns übrigens die heftigen Proteste streichen, die wir heute eigentlich erbeben müßten. Wir können aber die Beinerkung nicht unterdrücken, daß der Verlust der Walachei mit ihren reichen Vorräten an Vieh, Petroleum und Getreide den Krieg verlängern wird, daß Deutschland mit der ganzen Energie vorgcht, die Entente ab w die Zeit k i n d i s ch e r w c ie mit der Besprechung der Frage vergeudet, ob Griechenland von Konstantin oder Venize- I o s, den man nur halb ernst nchnlen kann, regiert werden soll.
Dir Rückwirkung unserer rumänischen Erfolge auf die Stimmung in Frankreich.
Br." Genf, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die posssi- rwtstffchen Stirwmen der Pariser Presse sind durch den Zensor nicht völlig einzudämmen. Artikel, wie die im „Tomps" und im „Matin" kennzeichnen die schwere Enttäuschung, die die letzten Tage den Franzosen brachten. Am bittersten äußert sich Clemenceau, der die gesamte Balkanpolitik scharf verurteilt und auf den traurigen Triumph hinweist, daß er alles Unheil, das der Entente in Rumänien durch Griechenland erwachse, mit klarem Blick voraussah. Die Überschreitung der «Eisenbahnlinie Bukarest-Tago- viste, der Einbruch in das rumänische Petroleumgebiet kröne die großzügigen Pläne der deutschen Heereslei t u n g. .
Das- rumänische Parlament nach Jassy ernberufen.
(Drahtbericht unseres Kr.-Sonderberichterstatters.)
Li-. Genf, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) _ Di« Telegraphen agentur Fournier meldet: Das rumänische Parlament wurde nach I a s s y e i ub e r u fc n. Die Demission des Kab'.netts Bratianu ist unbestätigt, aber wahrscheinlich. D:e Mehriheft 'er Parteien will ein Konzen- rra tionsministerium, sowie die Schaffung eines Generalstabs der nationale» Verteidigung.
Zum Fall von Sinaia.
(Drahtbericht unseres Z.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 7. Dez. (zb.) .Nach einer Meldung der „Jndependance Roumaine" war die Lage der bei Sinaia stehenden rumänischen Armeegruppe eine äußerst elende. Das Heer hatte die Verbindung mit den Hauptkräften gänzlich verloren und stand in eingeewstem Gebirgsgebiet zwischen Cam- pini und Sinaia konzentriert. Hier lag zumeist tiefer Schnee. Die Lage war daher unerträglich. Auch die Munition konnte aus dem Hauptmagazin in Ploesti nicht rechtzeitig den Gebtrzstruppen in ausreichender Menge zugeteilt werden. Trotzdem erteilte die rumänische Heeresleitung den Befehl, Widerstand bis zum Äußersten zu leisten.
Großfürst Nikolai Nikolajcwitsch nicht zum Obertommandant in Rumänien ernannt.
(Drahtbericht unseres 8.-Souderberichterstatters.i'
8. Stockholm, 7. Dez. (Erg. Tcahstbericht. zb.) Nach einer amtlicher: Mitteilung der Petersburger Telegraphen-Agentur ist GroMrst Nikolai
Nikolajewitsch am 1. Dezember aus dem Kaiserlichen Hariptquartier nach Tiflis zurückgekehrt. Die von englischer Seite lanererten Gerüchte, daß der Großfürst den Oberbefehl im rumänischen Krieg übernommen habe, sind damit widerlegt.
Die Ereignisse in Griechenland.
Die Athener Strecke vom 1. Dezember.
Br. Bern, 7. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) General K a l l a r i s, der Kommandant des ersten griechischen Armeekorps, veröffentlicht folgende V e r l u st l i st e von den Athener Zusammenstößen. An Griechen: 26 Soldaten und 3 Offiziere tot, 5 Offiziere und 45 Soldaten,
4 Marinesoldateil und 7 Zivilisten verwundet, an Franzosen:
2 Offiziere und 45 Marinesoldaten tot. 1 Offizier,
96 Murinesvldaten verwundet.
Die Versammlung der griechischen Streitmacht in Thessalien.
(Drahtbericht unseres Kr.-Sonderberichterstatters.)
Kr. Genf, 7. Dez. (Elg. Drahtbericht. zb.) Di« Telegva- ^ phenagentur „Information" meldet aus Athen: Das dritte und vierte griechische Armeekorps befinden sich vollständig in Thessalien. Trotz des Befehls des Vierverbands untersagte König Konstantin die Überführung dieser Korps nach dem Peloponnes.
Der Belagerungszustand über ganz Griechenland verhängt?
Br. Wien, 7. ©eg. (Eig Drahtbericht. zb.) Die „Zeit" berichtet aus Zürich: „Petit Journal" meldet, daß die Athener Regierung den Belagerungszustand über ganz Griechenland verhängt habe.
Die „Entrüstung" des Herrn VenrzeloS über die Athener Vorgänge.
■W. T.-B. Genf, 6. Dez. Die Agence Havas meldet aus Saloniki: Die provisorische Regiemng hat gestern den Konsuln der Alliierten eine von Penizelos unterzeichnet« Erklärung überreicht, in der die Entrüstung über den in Athen von den königlichen Truppen gegen Truppenabteilungetl der Alliierten verübten Anschlag zum Ausdruck gebracht wird. Die Erklärung drückt den Schutzmächteu tiefes Mitgefühl aus und bezeichnet als einzig Schuldigen die Athener Regierung, die nach ihcent eigenen Geständnis nur den königlichen Willen vertrete, so daß für jhre Haltung nicht das griechische Volk verantwortlich gemacht werden könne, dessen Handlungs- und Gedankenfreiheit gegenwärtig voir einer hassenswerten Gewalt- und Schreckensherrschaft in Schach gehalten werden. _________
Oer griechische Rechenfehler der Entente.
Es wäre zwecklos, die Tatsache zrr oerschlerern, daß wir eine völlige Niederlage erlitten haben, so erklärt der Londoner „Daily Telegraph". Die Alliierten haben in Griechenland ein Fiasko erlitten, so seufzen die „Times", Man muß auf weitere Illusionen hinsichtlich der Gesinnung des Könras Konstantin verzichten, belehren „Daily News". Die Venizelisten sind einge- schüchtert und erklären jetzt, daß sie auf der Seite des Königs ständen; so jammert „Daily Telegraph", der sich aus dem Piräus melden läßt, daß, seitdem General Dusmanis wieder die Leitung des Generalstabes übernommen habe, König Konstantin in aller Sülle mobil mache.
Es muß lveit kommen, wenn der Vierverband, der schon so viel Niederlagen erlitten hat, eine solche offen einräumt. Aber die Dinge in Griechenland liegen so, daß alles Leugnen nichts mehr nützt, weil trotz der Nachrichtensperre, die man über das unter brutalstem Bruch alles Völker- und Menschenrechtes über das geknechtete Griechenland verhängt hach zu viel durchgesickert ist. Der Vierverband hat ern ausgesprochenes Balkanpech. Der willige Trabant Serbien, den man als Sturmbock in diesem Weltkriege benutzte, ist längst von der Landkarte Europas gestrichen worden, und die letzten Serben opfert Sarrail gewissenhaft bei fernem erfolglosen Anrennen gegen die bulgarische Front in Mazedonien. Das klügere Montenegro hat sich beizeiten, bei Lebzeiten, unterworfen. Uw Bulgariens Gunst tsarb pran vergeblich, denn der rollende Zkubel, der Franken, daS Pfund Sterling fanden dort einen minder präparierten Boden als in Rumänien, welches das neueste Opfer auf der Liste der arrgebÜch für die Freiheit und die Rechte der klemen N«ürcllen fäinjjfaf
