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^vimags^iür^Morgen.Allsg. bis 3 Uhr nachmittags Berlmer Abteilung des Wiesba dener Tagblatts
Donnerstag, 7. Dezember 1916.
13 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatthaus" Rr.«SLS-S3.
Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.
„ArbeitSmarlt" und „Kleiner Anzeiger» «ei wiederholter «Arne nnnertobmer^ei^n %%«gS3T«&I.I
Morgen-Kusgabe.
Nr. 595. * 64. Jahrgang.
Bukarest genommen!
W. T-B. Berlin, «. Dez. (Amt lich. Druhtbericht.) Bukarest ist genommen! Seine Majestät der Kaiser hat Allerhöchst aus diesem Anlaß in Preußen und Elsaß-Lothringen am 8. Dezember Salutschießen, Flaggen und
Kirchengeläute angeordnet.
*
Sehr rasch ist das Vordringen unserer Heere in der Walachei mit einem Erfolge gekrönt worden, der fast märchenhaft erscheint. Die Hauptstadt Rumäniens, eine der stärksten Festungen der Welt, hat sich ergeben! Es ist zu einer eigentlichen Belagerung gar nicht ge- konnnen. Von: Norden, vom Westen und vom Süden her durch die siegreichen Truppen der Verbündeten umfaßt, ging Bukarest natürlich einem unabwendbaren Schicksal entgegen. Aber man mutzte doch darauf gefaßt sein, daß die Rumänen die gewaltigen Verteidigungswerke, die in einen: Umkreis von mehr als 70 Kilometern ihre bedrohte Hauptstadt umgeben, mit dem Mut der Verzweiflung ausnützen würden, zumal sie durcks russische Waffenhilfe unterstützt waren. Wie übel muß es um die Moral in dem Heere des Königs Ferdinand stehen, wenn jetzt, wenige Tage nach dem Zusammenbruch der ersten rumänischen Armee in der Schlacht am Argesu, die Festung eine leichte Beute des Feindes wird! Und wie jämmerlich muß es der ganzen Entente zuinute lverden angesichts dieses vernichtenden Schlages, der von unserer Seite gefallen ist! Denn die Eroberung von Bukarest ist nicht nur eine ungeheure Katastrophe, die das verräterische Rumänien trifft, sondern unheilbar werden die „Beschützer der kleine,: Nationen" in ihrer Gesamtheit davon be troffen. Schon die Tatsache, daß dank der wunder vollen Ausführung eines genial ersonnenen Kriegs- Plans, bei der Mackensen und Falkenhayn Erfolg auf Erfolg an ihre Fahnen hefteten, erst die Dobrudscha und dann die ganze westliche Walachei von uns besetzt werden konnte, hat die Ministerstühle in England und in Frankreich ins Wanken gebracht. Nach den: Fall von Sinaia und Bukarest liegt ganz Rumänien offen vor uns da. Eine Rettung für das treulose Land gibt es nicht „lehr, mögen die Russen versuchen, was sie wollen. So wenig ihre Entlastungsoffensive bisher den Arm unserer Heerführer zu lähmen vermochte, so wenig wird zu spät einsetzende größere Anstrengung den weiteren Siegeszug unserer ruhmgekrönten Truppen durch Rumänien verhindern. Mit höchster Bewunderung und mit tiefster Dankbarkeit für die Tapferen, die so Gewaltiges vollbracht haben, verbinden wir die sicherlich nicht trügende Hoffnung, daß der Weg zum Frieden wieder um ein großes Stück verkürzt ist. Der Freude und Begeisterung über den Fall von Bukarest dürfen wir uns niit ganzer Seele hingeben.
Die militärische Oage.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)*
Berlin, 6. Dez. (Cig. Drcchtbsricht. K.) Abermals «450 Gefangene haben die geschlagenen Rumänen ein- «ebußt, womit die Gesamtgefangenenziffer seit Kriegsbegin» tvovoo überschritten hat. Die ungc- henren Anforderungen, d.e unsere Heeresleitung an die Leistungsfähigkeit der vier Heeresgruppen der Generale d. Morgen, v. Krafft, Kuehne und pgsch gestellt, und besonders die Gewaltmärsche, die den Kämpfen vorangingen/g-- h-ren zu den höchsten Taten dieses Krieges Unsere 9. Armee hat beträchtliche Fortschritte über die' Bahn «ukarest-Targoviste hinaus gemacht. Der Gegner zieht stck, S"rück und beschränkt sich auf Nachhutkämpfc an weni -°n Stellen. Tie Entlastungsversuche, die "ur Rittui.g der rumänischen Hauptstadt unternommen wurde» ewfrftitS in der Dobrudscha, andererseits im Südosten' Siebenbürgens, bleiben S ° » z l i ch e i n f l u ß l o s auf die vperatwneu m der Walachei. Rach den erlittenen Schlappen
verhielten sich die Rnffen in der Dobrudscha während der letzten beiden Tage schon recht ruhig. Daß ihre Torpedojäger Konstantza beschossen, war die einzige bemerkenswerte Tatsache. Konstantza erlitt keinen Schaden und die feindlichen Schisse zogen sich zurück, da sie von Landbatterien unter Feuer genommen wurden. Auf dem zweiten Balkan- kr»egsschauplatz in Mazedonien und östlich der Cerna wurden feindliche Angriffe abgewiesen. In den siebenbürgischen Ostbergen wurden russische Angriffe östlich des Putnatals, sowie im Trotosul-Tal abgc- wLesen. Der Feind gewann allein im Uztal etwas Gelände. Dagegen glückte westlich Argesu im Tortus-Tal ein Angriff gegen eine feindliche Stellung. Weiter im Norden scheiterte ein starker russischer Angriff am Baba- Lid» wa, 8 Kilometer südlich von Lidowa. Unsere Beute am Merck-Debry, 5 Kilometer südöstlich des Tatarenpasses, stieg auf 275 Mann und 8 Maschinengewehre.
Am 5. Dezember gegen Mittag lebte das Artilleriefeuer nördlich des Dnjestr wieder auf.
Bom Westen trügt man zu dem Heeresbericht vom 4. Dezember nach, daß starkes feindliches Feuer auf unseren Stellungen beiderseits des Rncrebaches lag, das auch in der Nacht andauerte. Ebenso wurden die Linien bei L e s Sars, Le Transloy und beim St. Pierre-Baast- wald beschossen, nachts jedoch schwächer. Die Flicgertätig- keit war rege. Drei feindliche Flieger wurden hcrunterge- schoffen. davon zwei im Luftkampf, einer durch Abwehrgeschütze.
Bon der italienischen Front wird verstärkter Artilleriekampf gemeldet.
österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 6. Dsz. (Draih Gericht.) Amtlich verlautet vom 6. Dezember, mittags:
Östlicher Kriegsschsurplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Die Donau-Armee hat westlich der Argesumündung rrtssische Angriffe abgeschlagen und südwestlich von Bukarest die Ortschaften am rechten Flußuser gesäubert. Die siegreich vordringcnden österreichisch-ungarischen und deutschen Kräfte des Generals von Falkenhayn nähern sich der von Bukarest über Ploesti nach Cambiua führenden Bahn. Österreichisch-ungarische Truppen habe», in nördlicher Richtung vorstoßend, den Feind bei Sinaia geworfen und besetzten den Ort. Die Kampfgruppe des Obersten Szivo erreichte, die in der westlichen Walachei abgeschnittenen rumänischen Truppen vor sich hrrtreibcnd, den u»ter e» Alt. Hier kam es zu neuen Gefechten, bei denen wir 26 Offiziere, 16W Mann, 4 Geschiibc und 3 Maschinengewehre einbrachten.
Front des Generalvberstcn Erzherzog Joseph.
Im Bazka-Tal und nordwestlich von S o o s M e z ö wurden den Rumänen wichtige St L tz p u n k t c entrissen, wobei sie 150 Mann, 2 Maschinengewehre und verschiedenes Kriegsgerät einbüßten. Nordwestlich von S u l t a drückte uns ein starker russischer Angriff auf die 1 Kilometer westlicher angelkgte zweite Linie zurück. Im Ludova- g ebi et und nordwestlich des T atar e np ass e3 scheiterten alle rnssischcn Angrilffc. Am 3. d. M. bewarf ein K. und K. Flugzeuggeschwadcr das Barackenlager Ciungi mit Bomben und erzielte, ohne selbst Schaden zu leiden, mehrere Treffer.
Heeresfront des Generalfcldmarschalls Prin, Leopold von Bayern.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts von Belang.
Der Stellvertreter des Chefs des Generakftabes: v. Höfer, Fcldmarschallentnant-
Ereignisse zur See.
In der Rächt vom 4. auf den 5. hat eins unserer See- flngzeuggeschwader die militärischen Objekte von Monfalcone mit schweren Bomben erfolgreich belegt Trob heftigen Abwehrfeuers sind alle Seeflugzeuge unver^ sehrt ein gerückt. Flottenkommando.
Die völlig gescheiterte russische Entlastunas- offensive in der Dobrudscha.
6 ' Drachtbericht. zb.) über die
russische Entlastungsoffensivc in der Dobrudscha ist den letzten Meldungen zu entnehmen, daß die Russen am 2. Dezember am linken Flügel der Bulgaren nahe der Donau
besonders gegen die Höhe 234 verzweifelte, aber vergebliche Anstrengungen unternahmen, um durchzirbrechen. Nach Gesangenenaussagen haben die Russen in diesem Kampf an -loten und Verwundeten mindestens eine ganze Division verloren. Die 9. und 10. sibirische Division sind außerdem vollständig zertrümmert und für eine neue Tätigkeit vorläufig unfähig. Die Offensive der Russen, die sich in ihre alten Stellungen zurückzoqen, fyit somit aus längere Zeit ihr Ende gefunden.
Wie Take Jonescu seine Landsleute „tröstet".
- (Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 6. Dez. (zb.) Die hier eingetroffe- nen letzten Bukarcster Zeitungen, die noch vor Übersiedelung nach Jassy expediert worden sind, suchen im Kriegskommentar einen Trost für die geäugstig- ten Bukarester in dem Hinweis auf'die alte G"- schtchte der einheitlichen Front aller Verbündeten. Take Jonescu schreibt in der „Epoca": Rumänien geht unter, ohne daß dadurch seine machftgen Verbündeten gefährdet werden. Sobald die „für einen Sieg Prädestinierte!:" ihren Erfolg errungen haben, wird Rumänien Wiedererstehen wie der P h ö n i x a u s d e r A s ch e. Die „Jndsipendonce Roumame sagt: D:e Verbündeten wollen niemals aus- horen, einander zu helfen, denn es haben alle das gemeinsame Ziel, den Sieg. „Adeverul" schreibt:' Rumänien fallt unschuldig. Da Deutschland e« vernichten will, konnte es nicht standhalten, den Uten Aampf mögen öie Berhünöeken ausfechwn.
' S afft) macht sich ebenfalls bereits Unruhe be- merkbar, wie man :m Regierungsblatt „Vfttvrnl" lesen kann. __
Die Ereignisse in Griechenland.
Gewundene Auskunft des Lord Crewe über dns Fiasko vom 1. Dezember.
W.T.-B. fionbon, 6. ®ej. (Drahtbericht.) Ur, te r- Haus. Lord Erewe sagte bei Beantwortung einer Anfrage über die Lage in Griechenland: Aus einen- Telegramm des britischen Gesandten in Athen geht hervor, daß bis zu einem gewissen Grade die Ordnung wieder hergcstellt ist, die Reserprsienbanden. orc, so weit festgejtellt werden konnte, mehr oder weni- Ser. direkt mit den Angriffen auf die Truppen der Alliierten und mit den an den Venizelisten begangenen Greueltaten m Verbindung stehen, sind entlassen wor- den. Athen wird letzt von regulären Truppen der
V l i? L m " bewacht. Inzwischen hat der britische Gesandte den brittschcn Untertanen geraten, nach dem Piräus zu gehen, wo sie sicher untergebracht seien. Obgleich keine unniittelbare Ge- sahr für die Sicherheit des Lebens oder des Besitzes von Engländern in Athen bestehe, so sei es doch zu verstehen, daß die brittsche Regierung nicht den Eindruck zu erwecken Wunsche, als betrachte sie die Lage weni- oder als sei die Regierung irgendwie weniger entschlossen, eine Verantwortung für die Ereignisse am 1. Dezember festzulegen und Sicherheiten zu erlange n, daß solche Ausschreitimgen nicht wieder vor- koninlen. Die ganze Frage müsse mit Bezug auf flottentechnische und militärische Rücksichte!: erwogen
Werden.
Mobilisierung im stillen?
W - T *- B - Rotterdam, 5. Dez. Aus Piräus wird vom SonntzigaLsnd dem „Dnily Telegrvtph" gemeldet, der König mobilriieve ,m Allen. Geneval Dusmmris hegarm heute seine Arbeiten ÄS Chef des Generalsta-bes. Er war bereits vor drei Tagen ernannt worden. Die Ernennung wurde aber bis heute geheim gehalten.
Oer Krieg gegen England.
Die englische ttabinettskvisis als Zolge des rumänischen Zusammenbruchs.
. L 6. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Rücktritt des
Katinetts Asquith wird hier als eine klare englische Bestäti- gung der Größe unseres Erfolges in Rumänien angesehen^ was Jahr 1916 enset für den Vierverband mit eurer z u gewaltigen Enttäuschung, um «icht solche innerpolitische Kusu, zur Folge p: haben. Dem Frieden selbst oringt uns der Regierungswechsel in London ebenso wenig wie der jüngst m Petersburg iwllzogeue nahe. Die Kriegspartejen in den Ententc- lanoern >etzen es durch, daß die Staatsmänner, die sie für die b i s - hertge» Mißerfolge verantwortlich mache» den lautesten und angeblich energischst«» Kriegsmännern
