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Mittwoch, 6. Dezember 1916.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 594. . 64. Jahrgang.

Die «abmettMfis in England.

5lsquith geht!

W. T.-B. Loitdoa, 6. Dez. (Drahtbecicht.) Amtliche Meldung: Premierminister Asquith liat dem König sein Rücktrittsgesuch unterbreitet. Der König ließ Bonar Law zu sich bitte-r.

W. T.-B. £o.tb*n, 6. Dez. (Drahtbericht.) Reuter meldet: Der König hat das Rücktritts- gosuch von Asqnith angenommen.

*

Die Kanonen, die vor Bukarest donnern, gefährden nicht bloß die rumänische Hauptstadt, sondern zugleich Lie Kabinette des Pierverbandes. Die 45 000 Quadratkilometer rumänischen Bodens, weiche unsere siegreichen Heere besetzt haben, haben den Re­gierungen imferer Gegner mindestens ebenso viel Boden im eigenen Lande abgegraben. Das russi­sche Kabinett Stürmer ist bereits gefallen, das fran­zösische Kabinett B r i a n d fristet von Geheimsitzung zu Geheimsitzung, von Anklage zu Anklage mühsam sein Dasein, und jetzt ist auch die chronische Kabi- netskrisis in England wieder akut geworden.

England wird durch die Teilnahme am Kriege kaum weniger zu leiden haben als bei der Aufrecht- erhaltung seiner Neutralität, so hat Sir Edward Grey zu Beginn des Weltkrieges seinen Landsleuten ver­sichert, die ihm nicht grundlos den Beinainen des „finsteren Lügners" gegeben haben. England hat schwer durch diesen Krieg gelitten, so schwer, daß es sich zur Einführung desselben Militarismus ent­schloß, den es bekämpfen wollte, so schwer, daß es jetzt sogar die Nachahmung unseres vaterländischen Hilfsdienstes erwägt, so schwer, daß es die Aus­hungerung, die cs uns zugedacht hatte, am eigenen Leibe zu spüren beginnt, so schwer, daß es durch die Kaltstellung des Admirüls Icllicoe nunmehr offiziell die Niederlage am Skagerrak, die Ohnmacht der angeblich meerbeherrschenden britischen Flotte zu­geben inußte, so schwer, daß man im Britenreiche nicht recht weiß, ob die Gärung in Irland, in Ägyp­ten oder in I n d i e n die zurzeit für das britische Im­perium bedrohlichste ist.

Daher die allgemeine Unzufriedenheit mit der Re­gierung, daher der Ruf: „Fort mit dem Kabi­ne t t A s q u i t h! John Bull gedachte, leichte Beute in diesem Krieg cinzuheimsen, den ihm seine Trabanten führen sollten. Jetzt leidet er nicht nur schwer unter dem Kriege, muß ihn nicht nur selbst führen, sondern er, der gewohnt ist, andere für sich fechten zu lassen, hat soeben von dem neuen rusfischen Ministerpräsidenten Trepow vernommen, daß die Briten sür Rußland die Dardanellen erobern, also die — Hilfsdien st Pflicht für den Zaren anerkennen sollen.

Das ist' zu viel fiir den englischen Shrämergeift, und so hat die konservafive Presse dre Losung ausge­geben: Fort mit dem Kabinett Asquith, welch letzteres jedenfalls durch die Teilnahme am Kriege schon erheb­lich mehr zu leiden hatte, als es bei der Ausrechterhal- tung der Neutralität der Fall gewesen wäre. Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, hat Asquith laut Reuterbureau „dem König geraten, einer Neuge- staltuim der Regierung zuzustimmen". Diese Nachricht wird heute nun durch die amtliche Meldung ergänzt, er habe dem König sein Rücktrittsgesuch förmlich unterbreitet und Bonar Law sei daraufhin zunr König entboten worden. Der König hat mm also das Ent­lassungsgesuch Lloyd Georges angenommen. Der wirkliche Kern der Kabinettskrisis, wird dadurch klar, daß Lloyd George, das Mädchen sür alles, der nacheinander Finanzminister. Minister des Innern, Munitionsminister und Kriegsminister war, gleich- zeitig seine Extrademission eingebracht hatte. Natür­lich nicht — das muMjedem Kenner dieses grundsatz- losen, intriganten und verlogenen Mannes klar sein — um zurück;lttreten, sondern um zu bleibe n, um seinem Meister Asquith ein Bein zu stellen, wie ihm das nun denn auch gelungen ist. Um dies Ziel zu er­reichen, hatte Lloyd George, der sich voni Linksliberalen zum Rechtskonservativen gewandelt hat, die ihm er­gebene Presse am Asquith und Grey qehetzt, während sie gleichzeitig, wie beispielsweise die „Morntng Post", aus Lloyd George als Vaterlandsrettec hinweist: „Wir haben keinen andern Gedanken, als unseren kleinen An­teil dazu beizuttagen, die Sache des Verbandes und Englands zu retten, wenn sic noch gerettet werden kann." f!)

Diese äußerst kritische Lage noch zu retten, wenn es ruöglich ist, wird nun also die Aufgabe des neuen Kabinetts sein. Aus welchen Personen es sich zu- sammensetzen wird, können wir in Deutschland in aller Gemütsruhe abwarten. Wir brauchen weder Asquith, noch Lloyd George, noch einen anderen zu fürchte«,

denn was England an'eigenen Hilfsmitteln und an Trabanten mobilmachen konnte, hat es im wesentlichen bereits nwbilisiert. Und neue Bundesgenossen wollen sich angesichts des Schicksals Rumäniens nicht rnehr fin­den, wofür die wachsende Aufstandsbewegung in Griechenland gegen die Vergewaltigung der Entente den sprechendsten Beweis bildet. Davor aber wollen wir uns ernstlich hüten, die Kabinettskrisis iin Britenreiche, ebenso wie den Ministerivechscl in Rußland und den Sturm auf Briand schon als Zeichen der Kriegs Müdigkeit, als Ausdruck deS Friedenswillens zu betrachten. Hat doch Herr Trepow versichert, daß „der Krieg bis zum vollsrändigen Siege geführt werden" müsse, und auch die Kabinetts­bildung in England soll einer noch tatkräftigeren Führung des Krieges die Wege ebnen. Nein, iwch hören wir nicht den .Klang der Friedensfchalmeien, son­dern den der Kriegsdrommeten, noch gilt es sür unser? tapferen Truppen, gar inanches schwere Werk zu voll­bringen, fiir uns daheim deni Vaterland Hilfsdienste zu leisten. Eines aber beweisen uns jedenfalls die chronischen Kabinettskrisen bei unseren Gegnern, daß es schlecht uni die Sache des Vier Verban­des steht, dessen gesamte „einheitliche Front" durch unsere Siege über ihren jüngsten Trabanten, über Rumänien, schwer erschüttert wird. Das ist die Wirkung der Vorgänge aus dem Balkan in die Ferne.

Siegreicher Vordringen aus Bukarest!

wieder über 6000 neue Gefangene.

Sinai« genommen.

Die y. Armee vor der Dahn vukarest- ploesti-Tampina.

Der Tagesbericht vom 6. Dezember.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Dezember. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Abgesehen von auch gestern zeitweilig stärkerem Artille riekampf im Sommegebiet keine beson­deren Ereignisse.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Die Stellungen an der N a r a j o w k a lagen unter leb­haftem Feuer russischer Artillerie.

Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Joseph.

In den W a l d k a r p a t h e n griff der Russe nördlich des Tataren- Passes und viermal an der Ludova an. Seine neuen Opfer an Menschen brachten ihm ke i n e n Erfolg. Die Gefangenenzahl aus den für uns günstigen Kämpfen am Werch-Debry erhöhte sich auf 275 Mann; die Beute auf 5 Maschinengewehre und 4 Minenwrrfer.

Im T r o t o s u l - Tal wurde starker russischer Druck gegen die vorderste Linie an der vorbereiteten, unweit rück­wärts gelegenen zweiten Stellung aufgefangen.

Nördlich des Ojtoz - Paffes gelang die Wegnahme eines russischen Stützpunktes mit geringem eigenen Verlust; 60 Gefangene blieben in der Hand der deutschen Angreifer.

Im B a z k a - Tal, südöstlich des Beckens von Kezdiva- s a r h e l y, brachte ein von deutschen und österreichisch- ungarischen Truppen ausgesührter Handstreich ein beträcht­liches Stück rumänischec Stellung mit 2 Offizieren, über 8 6 Ma » n und viel dort anfgestapelter Munition in unsere» Besitz. l.

Hecresfront des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Die siegreich vordringendc 9. Armee nähert sich kämpfend der Bah» B n k a r e st - P l o e st i - C a m p ina.

Unter der Einwirkung dieser Bewegung räumte der Gegner seine Stellungen nördlich von Si n a i a, das ihm abends von östereichisch-ungarischen Truppen nach Kampf genommen wurde.

Die D o n a u a r m c e hat die auf dem S ü d u f e r des Argesul noch von Rumänen besetzten Orte gesäubert. Sie ist im Vordringen auf Bukarest.

An der Donau sind ruffische Truppen von Osten her zurückgeschlagen worden.

Die unter Oberst von Szivo in der südwestlichen Walachei den in Auflösung weichenden rumänische.» Kräften folgenden österreichisch ungarische« und deutschen Truppen haben den Gegner am Alt zum Kampf ge­stellt. Der Feind, dem ans dem Ostufer des Flusses der Weg versperrt ist, hat gestern 26 Oftiziere, 1609 Mann an Gefangenen und 4 Geschütze eingebüßt.

Außer dieser Zahl sind am 5. d. M. über 4 4 6V Rumäne» gefangen genommen. An der Bahn nord­westlich von Bukarest fielen bedeutende Weizen­vorräte in unsere Hand, die von der englischen Re­gierung angetan ft, durch Schilder als solche gekenn­zeichnet waren.

An der Dobruvschafront herrschte Ruhe.

Mazedonische Front.

Bei den Gefechten bei Grades nica, östlich der C e r n a, blieben bulgarische Regimenter Sieger über die Serben, die anfangs in einen Teil der Stellung cingedrnngen waren. Weiter südlich sind neue Kämpfe im Gange.

Der erste Gcnrralquartirrmeister: Ludendorfs.

*

Der deutsche Abcndbericht vom 5. Dezember.

Fortschritte gegen Bnkarest und Plocsti.

W. T.-B. Berlin, 5. Dez., abends. (Amtlich.)

In Ost und West nichts Besonderes.

In Rumänien Fortschritte in Richtung Bnkarest uu/ Plocsti.

An mazedonischer Front Artilleriekampf.

*

Der amtliche bulgarische Bericht.

W. T.-B. Sofia, 5. Dez. Bnlgrcischer Heeresbe richt vom 5. Dezember:

Mazedonische Front: In der Gegend von

B i t o l i a Gefechte zwischen Patrouillen. Im Eerna-Bogen Ruhe. Östlich von der C e r n a lebhaftes Artilleriefeuer. Im Moglenira-Tal schwache feindliche Angriffe bei Bahovc und Nonte, die scheiterten. Zn beide.» Seiten des Wardar schwaches Artilleriefeuer. Am Fuße der Belasica- Planina Ruhe. An der S t r u m a Gefechte zwischen Patrouille« und schwache Artillerietätigkeit.

R i» m ä n i s ch e Front: In der W a l a ch c i haben die verbündeten Trupven die rumänischen Truppen am Arges» geschlagen. Längs der Donau »nd bei Tutrakan Infan­terie- und Maschineugewehefener. Bei Cernavoda Artillerie­feuer. In der Dobrudscha Artilleriefeuer mft Unter­brechungen und Gefechte zwischen Patrouillen. Der Feind verschanzte sich und zieht Drahtverhaue.

*

Der ausreisende Erfolg.

W. T.-B. Wien, 5. Dez. Aus deM'KriegSpreffeqnartirr wird unter dem 5. Dezember, abends, gemeldet:

In R u in ä n i e n reift der Erfolg aus. Ja den sieben- bürgischen Grenzgebirgen wird weitergekämpft. In de«' Waldkarpathe»» vereinzelte russische Angriffe.

Rumäniens „verwirktes Recht auf militärische Selbständigkeit".

(Drahtbericht unseres L.-SonderberichterstattecS.)

8. Stockholm» 6. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das Ver­hältnis der rumänische.» Heerasleituug zu dem von den Ver­bündeten eingesetzten Oüerkomm rndo hat sich erneut ver­schärft, da der ruffisch-französische Stab die Absetzung des Generals Jliescu verlangte. General Bertelaux sandte nach zuverlässig verbürgten Nachrichten dem Führer der ersten Armee den Befehl, sein Kommando nieder- z u l e g c n und sich zwecks iveiterer Verwendung ins russische Hauptquartier zu bvzebeu. General Jliescu ist diesem Be­fehl nicht nachgekommen und hat seine Ablehnung öa- mit begründet, die Abberufung liege ausschließlich in Leu Händen des Königs. Jliescu ist einstweilen auf seinem Posten verblieben, dock, dürfte sich die ruffisch-französische Heeresleitung mit diesem Zustand nicht zufrieden geben. Ein cffiziöser Kommentar, welcher in den ruffischen Blättern gleichzeitig abgedruckt ist. beginnt eine systematische Kampagne gegen die ruinänische Heeresleitung. Die Niederlage in der Walachei sei durch die Schwierigkeiten verursacht worden, die für die Heeresleitung bestünden, die rechtzeitige Durchführung ihrer Befehle durchzusetzen. Die ruinänischen Armeefühcer klammerten sich daran, jeden Fuß breit Boden zu verteidigen, auch da, wo von der recht­zeitigen Räumung der Bestand bedeutender Truppen­teile abhängt. Die schwere Niederlage nördlich von Pitesti sei auf diese Weise durch General Jliescu verschuldet worden. Rumänien gefährde dadurch nicht nur seine eigene E x i st e n z, sondern ebenso die st rategische Lage Rußlands und habe wegen dieser Unterlassungssünden das Recht auf militärische Selbständigkeit verwirkt.

*

Die Entmutigung in Frankreich fo groß wie im August 1914.

Br. Genf, 6. Dez. (Eig. Drahtbericht, zb,) Die radikale Presse Frankreichs gesteht, daß seit August 1914 in Paris die Entmutigung nicht größer war wie heute. Die Vernichtung Rumäniens trage in London und Athen gleichzeitig Früchte, auch in Frankreich stehe eine Kabinetts­krise bevor. _

Die Ereignisse in Griechenland.

Jetzt ruhige, doch ernste Lage.

W. T.-B. Genf, 6. Dez. (Drahtbericht.) D"e „Agenee Havas" meldet aus Atlhen.- Ts herrscht verhältnismäßig Ruhe, .doch bleibt die Lage ernst. Di« Benize listen sind an­dauernd Gegenstand feindlicher Kundgebungen und her­ausfordernder Maßn.iihmen, wie z. B. von Haussuchungen.

Bereits 70 000 Reservisten freiwillig unter Waffen.

Lugano, 6. Dez. (zb.) „Serolo" meldet: In Athen be­ginnt Ruhe einzutretev. Der verhaftete venizelistische Bim»