Einzelbild herunterladen
 

Bert«g 8-mggasse 21

„XagkkutfeftaO“.

64M8n»£a8e jedffntt son » lltzr morgens ttS 7 Uhr «bftibi.

wöchentlich

vezugS-PreiS für beide Ausgaben: MI. 1— monalli». Mb L- vierteljährlich durch de» Verlag Langaaije 2b ohne Bringer lohn Wk 106 rierteljährlich durch „Le deutschen Poftanftalten. ausschiiekkich vevellzcld - Bezugs »Seiieluugen nehmen außerdem entgegen: in WieSbadea die Zweigstelle SiS- autörtfcij 19. iwme die Ausgabestellen in allen Teilen »er Stadt; in Biebrich: die »rügen Aus­gabestellen und in den beuachdatten Landarten und im Rheingav die betreisenden Tagblatt-Träger.

Lerlme. Abteilung des Wiesbaden-, Tagbkatts: Berlin W., P-tsdm-erStr.lSIL. F-rnspr.- Amt Lützow 6202 «.6203. L^e7uud'L7n:7rd

13 Ausgaben.

Fernruf:

„Trgblanhaus" Rr. 6«S0-53.

Sott 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abeuds. außer L'chttitoA,

Auzeiaeu-BrÄS für die Zeile: is Mg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; 20 Pjg. in davon abweichender Satzanssuhrung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 80 Pfg. Hit alle auswärtigen Anzeigen: I Mb für örtliche Reklamen: 2 Ml nir auswärttge ReNnmeu. Sange. halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unoerändetter Anzeigen in kurzen Zwiichenräuinen entsprechender Nachlaß

Für die Ausnahme von Anzeigen an voraeschriebeuen

Montag, 4. Dezember 1916.

Kbend-Kusgabe

Nr. 590. . 64. Jahrgang.

Oer Lieg am Krgesu.

Die Rumänen waren nach der vernichtenden Nie" derlage, die sie in der Schlacht bei T a r g u I i u erlitten hatten, in ununterbrochenem Rückzüge in östlicher Richtung geblieben. Wohl finden sich zahlreiche Abschnitte in der kleinen Walachei vor, die durch die vielen von Norden nach Süden fließenden Wasserläufe gebildet werden und die sich bem Vor­marsche der Armee Falkenhayn frontal vorlegten, aber an keinem von ihnen war es den Rumänen gelungen, einen dauernden Widerstand zu leisten. Nur ihre Nachhuten hatten versucht, das Vorgehen der deut­schen und österreichisch-ungarischen Truppen auszuhal­ten, um den Rückzug der Hauptkräste zu decken. Auch sie waren geschlagen worden und hatten dabei schwere Verluste erlitten. Zum erstenmal hatte sich jetzt die erste rumänische Armee in der Gegend südöst­lich von Pitesti am Arqesuabschnitt zum Kampfe gestellt, wobei ihre Nordflanke durch andere Trup­pen in der Gegend südöstlich von Campolung gesichert wurde. Weiter nach Süden hatten die Rumänen e n t- lang des Argesuslusses Aufstellung genommen, wobei sich ihr Flügel an die befestigte Landeshauptstadt Bukarest anlehnte und dadurch zunächst vor um­fassendem Flankenangriff gesichert war. Südlich von Bukarest hatten russische und rumänische Truppen Auf­stellung genommen, die sich längs des Argesu bis zur Donau ausdehnten und ihre Südflanke an das breite Stromhindernis anlehnten. Die Armeen Falkenhayn und die Donau-Armee stießen in Fortsetzung ihrer Ver­folgung und ihrer Offensive auf diese neuen rumäni­schen Stellungen und griffen sie in voller Breite an. Es entwickelten sich heftige Kämpfe, die alsbald den Charakter einer großen Schlacht annahmen. Die Gefechtsfront der „Schlacht am Argesu" reichte von der Gebirgsgegend bei Campolung durch die ganze Walachei bis an die Donau im Süden.

Bereits am ersten Tag der Schlacht durchbrach die Armee Falkenhayn die rumänische Stellung in der Gegend von Pitesti gänzlich und warf den Geg­ner unter den schwersten Verlusten zurück. Die Größe des Erfolges sprach sich in der hohen Siegesbeute aus, die den Truppen der Mittelmächte zufiel. Schon an diesem ersten Tage wurden 51 Offiziere und 6155 Mann an Gefangenen gezählt und 49 Geschütze, 100 gefüllte Munitionswagen und viele hundert andere Truppenfahrzeuge erbeutet. Aber nicht nur in der Gegend von Pitesti erlitten die Rumänen eine schwere Niederlage, sondern auch ihr Nord'flügel ist geschlagen worden. Aus der Gegend von Campolung drangen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen beider­seits des Dambovita -Abschnittes siegreich in südlicher Richtuno vor und bedrohten Flanke und rückwärtige' Verbindungen des Gegners. Man muß sich vergegenwärtigen, daß der Dambovitafluß durch Bukarest fließt. Die Kämpfe auf seinen beiden Ufern haben sich also vollkommen im Norden der F e st u n g abgespielt, und bedrohen die ganzen Ver­bindungen. die aus der Festung in nördlicher Richtung nach der Moldau führen. In der Mitte der Schlacht- front wurde der Arges u - Abschnitt von den sieg­reichen Truppen der Mittelmächte überschritten. Vergebens haben die Rumänen versucht, sich in der Gegend südwestlich von Bukarest durch einen Gegen­angriff Luft zu schaffen. Eine rumänische Division stieß über den Argesu- und Neaflow-Abschnitt vor, wurde dann aber in ihrer Südflanke gepackt und nach Nordosten zurückgeworfen. Südlich von Bukarest ver­suchte eine russische Division ebenfalls einen Angriff auszuführen, der aber gleichfalls gescheitert ist. Die hohe Zahl von 2860 Gefangenen und von 15 Geschützen, die erbeutet wurden, legt Zeugnis davon ab, welchen günstigen Verlauf auch der zweite Schlachttag für uns nahm. Und der dritte brachte die Krönung des Er­folgs: es konnte gemeldet werden, daß die Schlacht am Argesu von der 9. Armee gewonnen worden ist und daß aus diesem Anlaß vom Kaiser allge in eines Kirchengeläut angeordnet wurde.

Konnte der innere rnoralische Wert des rumänischen Heeres infolge der ununterbrochenen Niederlagen und des steten Zurückgehens schon vor der Schlacht nicht all­zuhoch veranschlagt werden, so wird jetzt durch die neue schwere Niederlage auch die letzte Widerstands­kraft der rumänischen Truppen ge­brochen sein.- Mit großer Schnelligkeit hat sich das Schicksal dieses Volkes vollzogen. Am 28. August er­klärte Rumänien den Krieg an die Donaumonarchie, weil es die Widerstandskraft der Mittelmächte für ge­brochen hielt und sich beeilen wollte, an der großen Siegesbeute, die in Aussicht stand, teilzunehmen, und heute, nach wenig mehr denn drei Monaten, stehen die Heere der Mittelmächte siegreich vor der rumä­nischen Landeshauptstadt, haben einen großen TeÜ des Landes, darunter die ftuchtbarsten Getreide­

gegenden, besetzt, sind im Besitze des Donau­weges, haben den letzten feindlichen Widerstand nie­dergeworfen und schicken sich an, ihr Feuer auf die Landeshauptstadt selbst zu richten.

*

W. T.-B. Wien, 4. Dez. (Drahtbericht.) Aus dem Kriegspreffequcrrtier wird vom 3. Dezember, abends, ge­meldet: Neue wichtige Erfolge in Rumänien! Viele Ge­fangene und reiches Material wurden eingebcacht. In den Karpathen geringere Kampftätigleit in den letzten Tagen.

Eine Kette von Ruhmestaten.

Berlin, 4. Dez. (zb.) Die herrlichen Siege unserer Truppen in Rumänien, so schreibt die „Tägl. Rundschau', der Übergang über die Gebirge, die.Eroberung der Walachei, der Donauübergang, die Siege in der Dobrudscha, der Vor­marsch bis nahe an Bukarest und nun neuestens als Krönung der Sieg am Argesu, den heute die Glocken in ganz Preußen verkünden werden — es ist eine Kette von Ruhmes­taten, zu deren Vollbringung sich Feldherrngeist mit stürmender Tapferkeit einer wunderbaren Truppe vereint haben. Rumänien liegt am Boden und so soll „es der ganzen Gesellschaft ergehen".

Meutereien im rumänischen Heer.

Berlin, 4. Dez. (zb.) Über Meutereien im rumänischen Heere heißt es im „L.-A.": Das 9. rumänische Kavallerie- Regiment hat den Gehorsam beim Abmarsch ver- w e-i g e r t. Den zur Erstickung der Meuterei entsandten Soldaten bot das Regiment einen förmlichen Kampf. Schließlich war es gezwungen, der Übermacht zu weichen und zerstreute sich in alle Windrichtungen. Drei Infanterie- Regimenter verweigerten den Gehorsam, als sie zur Karpathenftont abgehen sollten. In den meisten Fällen wurden die unzufriedenen Soldaten von den Offizieren unter­stützt. Die Offiziere find der Ansicht, daß König Ferdinand und Bratianu Rumänien zugrunde gerichtet haben.

Der amtliche bulgarische Bericht.

Der Vormarsch gegen Bukarest.

XV. T.-B. Softd, 3. Dez. Generalstabsbericht vom 2. Dezember: Mazedonische Front: Nordwestlich von Bitolia schlugen wir einen feindlichen Angriff durch Feuer ab. I» der Umgebung van Grnniste wurden mehrere Angriffe, die der Feind nach heftiger Artillerievorbereitung und Minenwerfcrtätigkeit unternahm, a b g e w i e s e n. In der Gegend der M o g l e n a, an beiden Wardarufern und ans der Bclasitza Planina zeitweilig Brtilleriefeuer. An der Struma schwere Artillerietätigkeit. Wir zerstreuten durch Artilleriefeuer zwei feindliche Eskadrons bei OSmau-Kamila. An der Front des Ägäischen Meeres wurden zwei feind- l i ch e W «s s e r f l u g z e u g e, die von der Insel Thüsos gegen Portolagos flogen, durch Artillerie- und Maschinen­gewehrfeuer emvfangen. Gleichzeitig flogen ihnen zwei deutsche Wasserflugzeuge entgegen. Die beiden feindlichen Wasserflugzeuge wurden abgefchossen, das eine fiel zur Erde, das andere ins Meer. Wir machten die vier Insassen, von denen einer verletzt war, zu Gefangenen.

Rumänische Front: In der Walachei dauert unser Bor marsch fort. Gegen Bukarest vorrückende Dioi- stouen bestanden, nachdem sie auf das linke Ufer des Neajlow übergesetzt waren, einen heftigen Kampf mit dem Gegner. Sie warfen ihn zurück und fügten ihm schwere Ver­luste zu. Wir machten 370 Gefangene und erbeuteten 21 Kanonen. Wir nähern uns dem unteren Lauf des Arges. An der D o n a u, zwischen Tutrukan und Cerna- voda Jnfanteriekeuer. Bei Popina und Tutrakan Artillerie- feuer.

In der Dobrudscha griffen im Laufe des Tages die Russen unseren linken Flügel zwischen Satiskoej und der Donau an, wurden aber überall zurückgeschlagen. Wir machten 30 Soldaten des russischen Infanterie-Regiments Nr. 32 gefangen und erbeuteten 4 Maschinengewehre. Gegen 2 Uhr nachmittags näherten sich zwei Panzer­automobile unseren Stellungen» sie wurden aber durch Feuer verjagt. In der Nacht zum 2. Dezember um 2 Uhr gingen die Russen mit außerordentlicher Erbitterung gegen unsere Gräben vor, sie wurden aber von unseren uner­schütterliche» Regimentern blutig zuriickgeworfen. Der Gegner hatte schwere Berluste.

•*

Große französische Verluste bei den Kämpfen im Ccrnabogen.

W. T.-B. Sofia, 4. Dez. (Drahtbericht. ) In den letzten Kämpfen im Cernabogen haben die Franzosen große Opfer gebracht, um die bulgarischen Stellungen angugrei­sen. Das 14ö französische Regiment verlor bei diesen vergeb­lichen Angriffen 709 Tote an den Drahtverhauen und 699 in dem Schützengräben.

In Monastir verwundete italienische Offiziere.

W. T.-B. Bern, 2. Dez. Nach einem Telegramm des „Corriere della Sera" aus Athen platzte in Monastir ein feindliches Geschoß unter einer Gruppe italienischer Offiziere. Der Oberstkommandierende, General P e t i t t i, und ein anderer General sowie ein Offizier des, GeneralstabS wurden dabei verwundet.

W. T.-B.. Bern. 2. Dez. Nach denr „Petit Journal" wurde in Monastir auch der italienische General Desenzani verletzt.

Oer nähergerückte Zrreden.

Br. Berlin, 4. Dez (Eig. Drahtbericht. zb.) Fast die gesamte Morgenpreffe nimmt heute in spaltenlangen Artikeln Stel-lung zur Friede usfrage. Das „B. T " glaubt in allen Ententeländecn wachsende Friedenssehn- s u ch t fesfftellen zu können. Dann drückt das Blatt seine Hoffnung auf eine amerikanische Friedensvermittlung aus und bringt schließlich Vorschläge ein, die ein alle Parteien be­friedigendes Übereinkommen ermöglichen sollen. Auch außer­halb der starken Kriegsparteien würde in den Eritenteländern jetzt noch keines die Rolle des Besiegten spielen wollen, alle würden vorläufig noch bereit sein, die Fortsetzung des Krieges einer Unterwerfung vorzuziehen. Ein Frieden auf der Grundlage des Status quo ante ist nicht nur einseitig unbe­liebt, sondern auch unmöglich. Denn die Proklamation des Königreichs Polen hat ja diesen Status bereits abgcschafst. Eher würde morgen oder übermorgen ein Geschäfts- frieden denkbar sein. Ein Geschäftsfriede ist ein Friede, bei dem natürlich jeder nach seiner Kraft und seinen Mitteln ein möglichst günstiges oder ein nicht allzu günstiges Geschäft zu machen versucht. Es ist ein Friede, bei dem man mit nahen und fernen Tauschgütern operiert und die Dinge so lange hin- und herschiebt, bis schließlich jede Regierung ihrem Volke irgend einen Gewinn vorzeigen kann. Die Welt ist voll von Pfandobjekten und es erscheint keineswegs unmöglich, auf diese Weise den Krieg ertragreich zu gestalten und die Niederlage zu verhüllen. Auch andere Blätter er­klären, daß wir uns dem Ende des Krieges zu nahen scheinen, betonen aber ibr Mißtrauen gegen Wilsons Per­mi t t l u n g s a b s i ch t. In der „Voss. Zig." heißt es: Heute empfinden wir alle, daß durch die Ereignisse der letzten Wochen das Ende dieses Krieges doch um ein Erheb­liches n ä h e r g e r ü ck t isr. Es scheint sogar, daß die Staatsmänner von einer gewissen Nervosität ergriffen sind. Es ist vielleicht verfrüht, sich über Sachen und den Sinn ihrer Worte den Kopf zu zerbrechen, aber eines bleibt, mag nun an allen Andeutungen und Voraussagungen sehr viel oder sehr wenig Wahres sein: Wir können froheren Herzens als bisher jemals diesmal unsere kriegs­stillen Weihnachten begehen. England sieht ein, daß der Zeitpunkt naht, wo die Verhältnisse bei seinen Verbünde­ten es zwingen, den Frieden von sich aus vorzubereiten.

Wachsende Friedensneigung in England.

Berlin» 4. Dez. (zb.) Daß in der englischen Arbeiter­schaft die Friedensbewegung wächst, gibt man, >oie das „B. T." schreibt, in England offen zu. Die Minister lassen ankün­digen, daß sie in den Industriestädten Reden halten werden.

W. T.-B. London, 2. Dez. Massingham schreibt in der Wochenschrift „Nation": Es scheint mir, daß es in England zwei Parteien gibt, die eine will einen raschen, ge­mäßigten, ehrenvollen Frieden, der sich auf solide internationale Abmachungen stützt, die andere Partei will sich auf unbestimmte Zeit in den Krieg stürzen. Ich sehe, daß die erste Partei im Gewinnen ist und daß die andere verliert. Dem Siege der Gemäßigten wird von zwei Seiten entgeqengearbeitet, erstens durch den sensationellen Pessimis­mus der Presse, die den moralischen Vorteil, den wir im Westen errangen, verschleiert, zweitens durch Deutschlands häßliche Weise, den Krieg zu führen. Diesem letzteren Faktor stehen indessen die gemäßigteren Gefühle der Armee gegen­über, die erfahren hat, daß auf den Schlachtfeldern gegen­seitige Achtung entsteht.

Uabmettrkrisis in England!

W. T.-B. London, 4. Dez. (Drahtbericht.) Das Rentersche Bureau meldet: Amtlich wird bekannt gegeben, daß

A s q u i t h zwecks wirksamer Durchführung des Krieges be­schloß, dem König zu raten, der N e u g e st a l t u ng d e r Re­gierung zuznstimmen.

Dev Stein durch Lloyd George ins Rolle« gebracht.

W. T.-B. London, 3. Dez. (Meldung des Reutevscheu Bureaus.) Die Sonntag-Abendblätter melden: Lloyd

George hat Asquith seine Demission überreicht. Sie ist aiber noch nicht angenommen. Asquith, der Senfes* gestern verließ, ist heute früh zurückgekehrt und hatte Be­sprechungen mit Lloyd George und verschiedenen andere» SK- nistern. Er erwägt jetzt Maßnahmen, um den Bed enken z» begegnen, die den Entschluß von Lloyd George hevbeigefÄhtt halben. Man hofft noch, daß irgend ein modus vivendi sich wird zustande bringen lassen. Carson und Bonar Law sprachen heute früh beiLe im Uniomstischen Komitee. Jhv. gleichzeitige Anwesenheft in dieser Sitzung wird für höchst be­deutsam gehalten. Man erwartet, daß Asquith sich msrye* rm Parlament äußern wird.

Tie Ursachen der Krisis.

(Drahtbevicht unseres Id-Sonderberichterstatters.^

U. Haag, 4. Dez. lEitz. Drahtbericht. zb.) Der ,&aagtx Courant" meldet aus London: Die MehvzM der englische»