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Wiesbadner Taablatt.

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Sonntag» 3. Dezember 1916.

Morgen'klusgabe.

Nr. 588. . 64. Jahrgang.

M erjtk möMe Me MMn i Ml»

Das hilssdienstpflichtgefetz fast einstimmig angenommen.

Line große Schlacht i« der Walachei.

SNS Mann, Sl Gfstziere, 4» Geschütze Deute bis 1. Dezember. Raumgewinn südöstlich Tampolung. Auch in den Waldkarpathen 1000 Gefangene. Der Tagesbericht vom 2. Dezember.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Dez. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Aus beiden Ancreuseru, am St.-Pierre-Baast- Walde und südlich der Somme bei C h a u l n e s entwickelten sich zeitweilig starke Artilleriekämpfe.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Russische Vorstöße nördlich von Smorgon und südlich von Pinsk scheiterten verlustreich.

Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Die Angriffe der Russen uad Rumänen in den Wald- karpathen und dem fiebenbürgischrn Grenzgc- birge dauern an. Der Ansturm richtete sich gestern vor­nehmlich gegen unsere Stellnngea an der B a b a - L u d o v a und Gura Rucada, östlich von Dorna Watra» sowie im Trotofu- und Eytoz-Tale. Er ivar vergeblich und mit schweren Verlusten für den Feind verbunden.

Deutsche Truppen in den Waldkarpathen machten bei Gegenstößen an einer Stelle über 1000 Gefangene.

Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls von Mackensen.

Die Kämpfe in der Walachei entwickeln sich zu einer großen Schlacht.

Der aus dem Gebirge südöstlich von Campolung heraustretende Arureeflügel gewann in den Waldbergen zwischen beiden Seiten des D a mbov ita- Abschnittes kampfend Boden.

Am A r g e s u l, südöstlich von Pitesti» ist die sich zum Kampf stellende rumänische erste Armee von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen nach zähem Ringen durchbrochen und geschlagen worden. Das bis zn einem Divisionsstabsouartier vorstoßende altbe­währte bayerische Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 18 nahm dort gefangenen Generalstabsoffizieren Befehle ab, ans denen hervorgeht, daß an der von uns durchstoßenen Stellung die erste Armee sich bis zum letzten Mann schlagen sollte. Der Armeeführer, wohl im Bewußtsein des geringen moralischen Wertes seiner Truppen, knüpfte an den in romanischem Phrasenschwung gehaltenen Ausdruck der Er­wartung auszuhalten und bis zun> Tode gegen die grausamen Barbaren zu kämpfen, die Androhung sofort zu voll- streckender Todesstrafen gegen die Feiglinge i» seiner Armee.

Weiter unterhalb bis nahe der Donau ist der A r g e s u l kämpfend erreicht.

An Gefangenen hat — so weit Zählung bisher möglich — der 1. Dezember uns 51 Offiziere, 6115 Maun, an Beute 49 Geschütze und 100 gefüllte Munitionswagen neben vielen anderen Trupvenfahrzeugen eingebracht.

In der Dobrudscha schlugen bulgarische Truppen starke russische Angriffe ab.

Mazedonische Front.

Auch auf diesem Kriegsschauplatz blieben Borstöße der Entente nordwestlich von M o » a st i r und bei G r u n i st e ohne jeglichen Erfolg.

Der erste Genrralquartiermeister: Ludendorff.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 2. Dez. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 2. Dezember, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Südwestlich von Bukarest wurde der untere A r g e f u l gewonnen. Alle Versuche des Feindes, dem Vordringen der Donauarmee durch Gegenangriff Halt zu gebieten, waren vergebens. Südöstlich von P i t e st i stellte sich die e r st e rumänische Armee erneut zur Schlacht. General Stratilescu trug in einem Befehl allen Offizieren und Truppen auf, auf ihrem Platz zu sterben, da von dem bevor­stehenden Kampfe das Schicksal Rumäniens abhänge. Öster­reichisch-ungarische und deutsche Truppen warfen den

Feind nach heftigem Ringen. Ein bayerisches Regiment stieß im Argesultal weit über die durchbrochenen Linien des Gegners hinaus. Die Rumänen weichen in Un­ordnung. Auch im Dambvvitatal, südöstlich von C a m Po­lung, wurde rumänischer Widerstand gebrochen. Ein feindlicher Gegenstoß im Brahovotale schei­terte an dem Widerstand der dort sichtenden österreichisch­ungarischen Regimenter. * Die Beute des gestrigen Tages — es wurden über 6000 Gefangene, 49 Geschütze, 100 gefüllte Munitionswagen gezählt «— bietet einen Maßstab für die N i e d e r l a g e, die der Gegner erlitt. Vergebens versuchten die Rüsten, durch ihre Karpathen offensive noch in letzter Stunde Hilfe zu bringen. Die Angriffe der Rumänen im Grenzgebirge westlich von F o s c a n i, die Anstürme zweier rnffischer Armeen gegen die Linien der Generale v. Arz und v. Koevetz, scheiterten gestern wie an allen vorange-, gangenen Tagen. Außergewöhnlich hohe feind, l i ch e Verluste bilden vorerst das einzige Ergebnis, das die EntlaftungSoffensive in den Karpathen für unseren Gegner aufzuweiscn hat.

Nördlich der Karpathen bei den K. und K. Streitkräftrn nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Italiener setzten ihr Grschützfeuer im K a r st a b - schnitt mit großem Muuitionsanfwand fort. Auch nachts war der Artilleriekampf, insbesondere im SLdteile der .Hoch­fläche, lebhafter als bisher. Ein Angriff, feindliches Flieger auf Ortschaften im Wippachtale hatte nicht den geringsten Erfolg. ,

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

In Albanien unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: d. Hofer, Feldmorschalleutuant.

*

„Wieder ein Märtyrerland.'

W. T.-B. Bern, 2. Dez. „D6nwcrate" schreibt zu dem Zusammenbruch Rumäniens: Wieder

ein Märtyrerland, wieder ein Volk, das unter der Ge- lvall der Übermacht zusammenbricht, wieder einmal wundervolle Hoffnungen, die enttäuscht werden. Der schwarze Adler hat seine Beute soeben gepackt. Tapfer hat Rumänien standgebalten, tapfer bat 'es sich ver­teidigt, tapfer verteidigt es sich noch, aber es wird besiegt werden. Die Dämmerung steigt her­nieder. 'Ein ganzes Heer zieht sich zurück. Die Haupt­stadt wird von den Granaten der Eindringlinge be- droht, die Regierung wurde gezwungen, B u k a r e st zu räumen und nach Jassy zu flüchten. Welch be­sonderes Hs r z z e r reißen des Schicksal erdul­det dieses Land, das als letztes in den Krieg eingctre- ten ist und unter den Doppelschlägen des Feindes zu­sammenbricht, der nach zwei harten Kriegssahren noch furchtbar ist. Mit Rumänien erhält die Märtyrerkrone der kleinen Völker einen neuen Heiligenschein.

Deutscher Reichstag.

Ein Zeugnis deutscher Volkseinheit.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

1-- Berlin, 2. Dez. (Sig. Drahtbericht, ch.) Der vater­ländische Hilfsdienst ist Gesetz geworden. Die Zustimmung des Bundesvats erscheint sicher, auch lvenn bi« in zweiter und dritter Lesung eingesügten Abänderungen recht wesentlich sind. Die Riesenmehcheit, die das Gesetz annahm

— 2 33 gegen 19 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen

— gab wieder ein solches Zeugnis deutscher Volks­einheit und Volksentschlossenhcit, daß man diesem Tag die Bedeutung einer gewonnenen Schlacht bei- messen kann. Unsere Frontheere halten in West und Ost der Übermacht stand. Sie zeigen in Rumänien einen Angrissö- geist wie in den Augusttagen 1914, und da ist es gut, ja aus­schlaggebend, dah in dem Zlugenblick, wo das deutsche Heim­heer gegründet wird, auch die Volksvertretung den Geist vom 4. August 1914 zeigt. Dieses Schauspiel wird über­all in der Welt Eindruck machen. Der Feind mag sich die Frage vorlegen, ob ein solches Volk zerschmettert werden kann. Präsident Dr. Kaempf sagte dies alles unter st ü r - mischem Beifall, Staatssekretär Helffcrich über­brachte den wärmsten Dank der verbündeten Regierungen und

der Ehef des Kriegsanrts General Grüner rief soldatisch das Schlußwort: Mag der englische Leu den

Rachen auf sperren, so weit er will — e r wird auf Granit beißen!

Die Arbeitsleistung des Reichstags war auch in den letz­ten Stunden nicht ohne Meinungsstreit abgegangen. Der von dem Mann des Tages, dem Abg. Legten, zum Artikel 14 cingebrachte sozialdemokratische Antrag, auch die Staatseisenbahnbstriebe durch die zuständigen Arbeiteraus­schüsse überwachen zu lasten, wurde von Dr. Helfferich als das ganze Gesetz gefährdend so lebhaft bekämpft, daß trotz der liberalen Fürsprache nach dem „Hcnmnelspriuig" die Ab­lehnung mit einer Stimme Mehrheit (139 gegen 138!) er­folgte. Hinterher sagte der Staatssekretär, er habe, als er den Ausdruck, das „Gesetz gefährdend", gebrauchte, weder bei die­sem Antrag, noch zum Artikel 17 über den Fünszehneraus- schutz des Reichstags sagen wollen, daß der Bundesrai sich unbedingt ablehnend verhalten würde. Man beklagte, daß man dos nicht früher erfuhr! Diesmal vertagte sich der Reichstag selbst auf unbestimmte Zeit.

Ihm Krieg samt ist es setzt, gemeinsam mit dem Fünszeihnerausschuß und dem Bundesrat an die Ausführung des Gesetzes herarizutreten. Für das Volk beginnen ne me Pflichten — tem kämpfenden Heer aber wird es wicht an Waffen fehlen!

*

Sitzungsbericht.

(Fortsetzung des Drahtterichts in der gelingen Abend-Ausgadc.)

G Berlin, 2. Dezember.

Abg. Gothein (Bpt.): Ich muß mein Erstaunen über die Haltung des Staatssekretärs aussprechen.

Abg. Bauer (Soz.)- Die Jntecesten der Landwirtschaft sind genügend gewahrt.

Staatssekretär Dr. Helfferich: .Ich verstehe nicht, wre mir Abgeordneter Gothein Solidarität mit dem Abgeordneten Dittmann vorwerfen kann.

Abg. Gothein (Bpt.): Der Staatssekretär muß doch für Klarheit feiner Gesetze sorgen, er darf doch nicht lediglich einer kleinen Gruppe des Reichstags dienen, die dem Gesetz sowieso feindlich gegenübersteht.

Abg. Erzberger (Zentr.)- Es ist wohl am besten, im Ge­setz selber die Bestimmungen zn treffen. Der Staatssekretär scheint selbst ruf die Äussühruagsbestimmungcn nicht viel Wert zu legen. (Heiterkeit.)

Staatssekretär Dr. Helfferich: Das letztere ist nicht der Fall. (Heiterkeit.)

Abg. Gras Westarp (kons.): Die Erregung des Abgeord­neten Gothein war nicht ganz verständlich.

Die Abstimmung über den konservativen Antrag ergibt dessen Ablehnung.

§ 9 bleibt unverändert. — § 10 wird angenommen, ebenso 8 11 mit einem redaktionellen Änderungsantrag des Abg. Dr. Spahn, und § 12.

Zu § 13 bemerkt Abg. Da Rvesicke (kons.): Die Einigungs- ämter . für die .landwirtschaftlichen Betriebe müflen wir streichen.

Abg. Brey (Soz.): Gerade für die Landarbeiter sind diese Schlichtungsstcllen nötig. In anderen Ländern haben die Landarbeiter völlige Gleichberechtigung. Dahin müssen wir auch in Deutschland kommen.

Abg. Behreuds (D. Fr.): 8luch ich muß mich gegen den Antrag Roeftcke wenden. Gerade jetzt, wo die industriellen Arbeitskräfte in die Landwirtschaft übergeführt werden, sind Sicherheiten dafür nötig, daß das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht gestört wird.

Nach weitereil Bemerkungen der Abgg. Brey (Soz.) und Stolle (S. A.-G.), die sich nochmals gegen den Antrag wenden, wird der Antrag abgelehnt und 8 13 angenommen.

8 13a besagt, daß die im vaterländischen Hilfsdienst be­schäftigten Personen in dem ihnen gesetzlich zustehenden Vereins- und Bersammlungsrecht nicht beschränkt werden dürfen.

Abg. Bauer (Soz.): Der Antrag, statt „beschränkt werden", zu sagen „gewährt werden", ist nicht zu empfehlen. Wenn der Staatssekretär selbst noch nicht alle Arbeitstagen übersehen kann, so sind doch die Untersta-rtssekretär derart eingearbeitet, daß Mißverständnisse ausgeschlossen sein dürften.

Staatssekretär Dr. Helfferich: Ick habe mich stets auf das eingehendste orientiert und glaube auch einigermaßen ein zu­treffendes Urteil zu haben. Die vorgeschlagene Fassung halte ich indessen für präziser.