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Der Roman.

Nr. 282.

Morgen-Vellage der Wiesbadener Tagblatts.

Samstag, 2. Dezember.

1916.

( 11 . Fortsetzung.)

Un6 6os Glück kam.

Bon Elisabeth Feie»,

(Nachdruck verboten.)

•jr nein, er hört gar nicht zu. Eben so gut formte

td) Sen Wanden etwas Vorsingen, und das macht natür­lich keinen Spatz.

r mußt e § tDtffen", sagte Viktor trocken. Er

hatte die letzten Worte gehört, da er unbeinerkt einge- treten war. Die beiden am Klavier erschraken wie er­tappte Sünder: aber Alix trotzte kamvsbereit:

• ,«~ lt Wst es nur oft genug gesagt und kannst dich Nicht wundern, wenn ich es dir glaube."

.?h^espaiint warf sich Viktor in seinen beguemen

iu! r, r a'cht streiten", sagte er müde:

..lch habe Pech gehabt, der Mann in Kemel ist mir qe- storben , fugte er. zu Philipp gewandt, erklärend hin- SN. Diel er war voll ehrlicher Teilnahme.

n A ir IeiJ> j iil ' *!$“' ^agte er warm, „du glaubtest doch gestern noch —

„So, das Herz hat uns wieder mal einen Streich gespielt. Das hielt ich bet diesenr Manne für ausge­schlossen — enr baumlanger Mensch, ein Kerl wie ich Und noch gar nicht alt. Aber die Fünfziger, das sind bow^ahre, man steht es immer wieder. Dabei liegen die Verhältnisse so traurig, ich hätte mich gefreut, wenii ich rhu hatte durchlotsen können!"

mit der schmalen sehnigen Hand über ^ seltsam weiß gegen das sonnver- brannte Gesicht abstach. „Na", sagte er, mit einem ^wst-ch, ^lner trüben Stimmung Herr zu werden, „da^ ist nun nicht anders. Sing doch nur weiter" wandte er sich an Alix, die noch kein Wort gesprochen' hatte, „ich kann mich ja in ein anderes Zimmer setzen " lunge Frau sah Philipp an, als ob sie tagen " $a ,aöen ® te e§ sehort", und schloß den

^ sie gar kein Wort der Teilnahme für ihn hat?" dachte Philipp Ferber und wartete beinahe angstvoll.

war als hinge wer weiß wieviel davon für ihn ab, ob sich Alix uberwinden könne, den kleinen Groll zu vergessen oder nicht. Sie war hin und her gegan- ' flen, hatte die Flügeldecke zurecht gezogen, die Noten weggeraumt imd sagte endlich, als sie sich auf ihren Platz am Tisch setzte, ruhig, aber doch mit einem warmen Ton in der Stimme:

„Dürfen wir wissen, inwiefern die Verhältnisse bei den Leuten in Kemel besoiiders traurig sind?"

^... "Die Kinder verlieren ihr Heim. Der Vater war Pachter des Gutshofes, und ich glaube nicht, daß viel Vermögen da ist. Die Mutter ist vor einigen Jahren gestorben, und die Alteste - sie ist vielleicht achtzehn oder neunzehn — führte, so gut es ging, die Wirtschaft: Hahr"" ro'' ^ tnf,cl ‘ "och jünger, das Kleinste drei

„Und wieviel Kinder sind es im ganzen?"

. „Eine ganze Hetze — ich glaube fünf oder sechs."

r_r.r" o,l l - wußte sehen, ob sich nichts für sie tun läßt", schlug Alix vor.

„Dacht' ich's doch!" rief Viktor. „Willst du dich Nicht mit Frau Landrat von Hillern in Verbindung

setzen? Es wäre eine gute Gelegenheit. Theater spielen zu lassen, vielleicht konntest du auch etwas singen "

"Warum nicht?" entgegnete Alix ruhig. „Es fragt sich nur, ob von wirklicher Not die Rede sein kann."

, wäre mir lieb, wenn du deine Hände von

so chen Dingen ließest, du weißt, davoii halte ich nichts." Mr sprach sehr gereizt. „Die Verwandten würden u wahrscheinlich bedanken, die Kinder zum Gegen- stand der öffentlichen Wohltätigkeit gemacht zu sehen."

„Du vergißt, daß der Vorschlag von dir ausging." .„.xNa- lassen wir das, Es ist die alte Geschichte, ich weiß recht gut, warum ich nichts zu Hause erzähle."

. ''Viktor, werde nicht ungerecht. Deine Frau kann fs""wglrch wissen, wo es not tut, und wemi du ihren Vorschlag nicht billigst, brauchst du es doch nur zu sagen , mischte sich setzt Philipp Ferber in den Zank dem er m,t einem unsäglich peinlichen Gefühl gefolgt war.

„Lieber Junge, das verstehst du nicht. Mir weiß genau, daß ich von der Art von Wohltätigkeit, wie sie hier beliebt ist, nichts halte, und dckch kommt sie mir immer wieder damit."

„Heute hast du aber angefangen."

„s "f°l wenn du das auch sagst, dam, muß ich es glauben. Sie hatte aber merken müssen, daß das nie und nimmer mein Ernst sein koiinte." Zu Ali- gewandt fuhr er fort: „Warte nur, bis ich es dir sage, dann ist immer noch Zeit."

„Da könnte ich warten bis zum Nimmermehrstag", antwortete Alix mit zuckenden Lippen. „Ich soll wie ein kleines Kind nur tun, was du qestattest. nur denken, wav du mir vorschrekbst." Große Tränen stürzten au^ ihren Augen und ste verließ rasch das Zimmer, gon^wrge Augenblicke verharrten die Herren schwel.

„Na. was sagst du zu dieser Familienszene?" fragte Dr. von Dille den Freund dann spöttisch.

Dieser zögerte. Es schien ihm nicht der rechte Mo. meklr zu fein, um ©tfior, ü6et'nuibet, U)ie et* ohne Zmet» tel war, auf die Fehler, die er beginq, aufmerksam zu machen. Und doch, wann würde sich eine solche Ge­legenheit wieder breten?

"Du solltest dich mehr schonen, Viktor", sagte er end- lich m so herzlichem Tone, daß jedes Mißverstehen ans- geschlossen ivar. „Selbst deine Nervei, halten ein Leben, wie du es in diesen Taqen geführt hast, nicht aus, und die notwendige Folge ist dann, daß du alles im schwärzesten Lichte siehst. Derne Frau", fuhr er rascher fort, als Dille etwas sagen »vollte, „bat es ent- schieden gut gemeint mit ihrem Vorschlag, helfen zu wolle», und es hatte nur an dir gelegen. ihr das Rich- tige zu raten. Du solltest sie überhaupt mehr an deinem Leben teilnehmen lassen, sie führt doch ein recht einsames Dasein hier", fügte er tapfer hinzu, als Viktor liiimer noch schwieg.

. , Er blieb auch noch eine ganze Weile schweigend und sah nachdenklich vor sich hin. Endlich sagte er langsam:. '