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Samstag, 2. Dezember 1916.

Die militärische Lage.

(B 0 n unsercr Berliner Abteilung.)

I». Berlin. 1. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Im Westen var gestern bei nebliger und seuchter Witterung die beiderseitige gampstätigkeit gehindert. Der schon gemeldete Angriff, der bei villers am stärksten cinsetzte, ist sehr verlustreich sür den Gegner abgeschlagen worden und meist schon im Sperrfeuer erstickt, vo der Feind in unsere Gräben gelangte, wurde er ni-dergemach«.

In der Nacht war im Abschnitt vo« Ypern bis zur Küste das Lrttlleriefeuer stärker, auch suhlte» Patrouillen vor.

Aus dem O st e n weisen die Meldungen besonders aus d.e Tapferkeit der ott-manischen Truppen hin. die °« der Zleta-Lipa zwei russische Angrifsr abwieseu und den anstürmen. den nicht nur grobe Verluste beibrachtrn. sondern auch Ge­sängen- abnahme». Die Entlastungskämpsc. die gegen­wärtig von den Russen in de» K a r p a t h ° n und an der s r e b ° n -

bürgischcn Ost grenze durchgesührt werden, haben den ver­bündeten Vertctdigungskrästeu nur an Teilstellen der Gebirgssront etwas Geläude abgeuommen; Brnssilow war, grotzere He-res- maflen vor, griff in einzelnen Abschnitten bis zu sechsmal hiuter- einander an uud opferte wiederum rücksichtslos seine Menschen. Bei K i r l i - B a b a und I a k u b e »i und im Abschnitt des Uz-Tals und des Oitustals hat der Feind zwar kleine Erfolge, man darf aber sagen, datz sie ihm unverhältuismätzig teuer zu stehen kamen. Der Ausgang aus dem Törzburger Pas! ist erstritte», was unvermeidlich war, seit wir südlich des roten Turmpasses ausräumten uud Gampolung sowie Pitesti in unseren Besitz gebt acht hatten. Die Regimenter Falkeuhahns erreichten den Niasl°v-Al schnitt, schon sehr nahe dem Buka­rest «rFe st ungsgürtel. Wiederum ist eine der Linien über­schritten, wo nach Enteuteberichien di« Rumänen und Russen sich aus «in« «n'iberwiudliche Verteidigung vorbereitet haben josien. In Ergänzung des gestrigen Heeresberichtes ersährt mau. dag dl- Beute. die bei Campolung gemacht wurde, sich aus 11 .Kanonen und 3 Mörser erhöht, die G-sangenenzisser aus 1700 Mann, Dazu mnrde eine außerordentliche Menge Bagage abgeschnitten. In der Dobrudscha geringe Gesechtstattgkeit, ebenso im Cerua- bogen. An der Struma stärkeres Geschützseuer. Von der italie­nischen Front werden nur Artillerietämpse. leine Jusanterie- uuternehmungen berich tet. _

Vsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 1. Dez. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vvm 1. Dezember, mittags:

Litlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschakls v. Mackeufen.

Die Donauarmee dringt südlich von Bukarest gegen den unteren Argesu vor. Südöstlich von P i t i st i und südlich und östlich von Earnpoluny ttnirden durch die siegreichen Kolonnen der Verbündeten erneuter rumänischer Wider st and gebrochen, Einbuße des Feindes an Gefangenen betrug auch gestern einige Tausend. Die Beute an Geschützen und Kriegsgerät ist groß.

Front des Generalobersten Erzherzog Joseph

Die Russen setzten nach wie vor alles daran, gegen die tapferen Truppen der Generale v. Arz und von Koeveß durchzudringen. Die Schlachtfronl erweiterte sich gegen Süden, da sich im Grenzgebirgc östlich von K e z d e v c s a r h e l v die Rumänen dem Angriss an- schlosscn. Der Kampf wurde wieder mit größter Erbitterung geführt. An zahlreichen Stellen ging der Verteidiger zum Angriff über. Der E r s o l g war auch gestern ganz ans n n s c r c r Seite.

Heeressront des Generalscldmarschalls Prmz Leopold von Bayern.

An der ZIota - Lipa schlugen otwmanrsche Trup pcn einen rusiischen Vorstoß ab. Sie folgten dem ge­schlagenen Gegner bis an seine Gräben.

Italienischer Kriegsschauplatz

Der Geschützkampf südöstlich von G ö r z und auf der Karsthochflächc hielt in wechselnder Stärke an. Unser Feuer brachte mehrere Munitions- und Minen­depots der Italiener zur Explosion. Auch an einzelnen K ä r n t n e r- und T i r o l e r - A b s ch n i t t e n herrschte lebhaftere Artillerie t ä t r g k e i t. Feind­liche Flieger warfen im Etschtale Bomben, ohne Schaden zu verursachen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: p. Hafer, Feldnurrschalleutnant.

Morgen-klusgabe.

Griechenland am Ende seiner Geduld.

Die Stimmung in Griechenland.

Der aus Athen vertriebene Gesandte Bulgariens P a s s <i r o w hat sich in Kavaka hem Sonderberichterstatter der „Boss. Ztg." gegenüber wie folgt über die infolge^ des brutalen Vorgehens der Entente in Griechenland entstan­dene Stmimrung ausgesprochen: „Wenn ich", sagte er, „nach Sofia kommen werde, dann werde ich beantragen, daß >n:t unserem hoch st c n Orden ausgezeichnet wenden: -— wer glauben Sie wohl? — Sarnail und der französische Ge­sandte in Athen. Sic haben uns dort unschätzbare D i e n st e geleistet. Die Dinge stehen schlecht sür d:e Entente in Athen. Der König ist förmlich zum Gegenstand der Anbetung im Volk geworden. In vielen Häusern hat mau unter seinem Bild das ewige Lämpchen entzün­det. Benizelos' Fastnachtszug nach. Saloniki wild immer lächerlicher. Die Entente wird immer wütender und da griechische Vcckk immer ungehaltener über ihr Verhalten. Daß man uns ausweisen konnte, hat dem Faß den Boden amsgc- schlagen. Man hat uns mit niedergeschlagenen Augen und Tränen abreisen lassen, weil man uns nicht verteidigen konnte. Wir kannten die Lage und die Aufrichtigkeit dc- griechischen Regierung und haben uns ins Unvcrmeid- lichc gefügt, um keine unnützen Schwierigkeiten zu schaffen? Sie können ganz beruhigt sein, in Athen wird nichts passieren, was uns mißfallen würde — uns nicht. Wie es mit der anderen Partei sein wird, das wird sich noch erweisen. Bei allen anderen Vertretern unserer Mächte fand ich die Bestätigung dieser Angaben, und alle sprachen dich ohn-e Ausnahme voller Anerkennung über bas Ve^ya,- ten der griechischen Negierung aus.

Die Waffenausliesernng endgültig abgelehnt.

W.T.-B. Athen, 30. Nov. Meldung des Reuter- scheu Bureaus.) Tie Reglernug hat dem Admiral Fournet geantwortet, daß sie sich endgültig w e r- gerc, die Waffen abzuliefcrn.

Befehl des Königs znm Widerstand. W.T.-B. London, 1. Dez. „Daily Telegraph" mel­det aus Athen vom 3V. November- Ter König hat an geordnet, daß das erste Armeekorps gegen die Besetzung griechischer Gebäude, die bereits von gricchl scheu Truppen besetzt sind, Widerstand leisten soll

Die Absichten Fournets.

W.T.-B. London, 1. Dez. (Drahtbericht. Reuter.) Der Athener Berichterstatter des „Daily Telegraph hatte am Mittwoch eine Unterredung mit dein Admiral Fournet aus dessen Schlachtschiff. Ter Admiral setzte dem Berichterstatter auseinander, warum er in dem Briese an die Regierung den langen Ter­min bewilligt habe. Die Waffen befänden sich nicht in Athen, deshalb war es notwendig, zur Überbringung der Waffen nach Orten, Avo die Ablieferung stattsrn den könne, entsprechend viel Zeit zu gewähren. Der Admiral sagte, er müsse aus der Ablieferung aller Waffen bestehen. Die Ententeregrerun- gen seien sich über die Notwendigkeit, sie zu besitzen, einig. Man fragte ihn, ob er auch den Soldaten die Gewehre aus der Hand reißen wollte? Er sei aber der letzte, so etwas zu wünschen. Der König sei sür friedliche Lösung. In seiner Umgebung befan­den sich aber einige überspannte Personen, die royalist,- scher als er selber seien. Wenn die Regierung bei der Weigerung bleibe, lasse er Truppen landen und die Punkte, die dafür in Betracht' kämen, be­setzen. Fournet schloß: Ich verfüge über Marine­

soldaten und Truppen, über das beite, schwere Geschütz Ich hoffe, daß kein Blut fließen löirii. Was mich be trifft, versichere ich, daß kein Soldat oder Matrose der Entente den ersten Schuß lösen wird.

Lord Cecil über neue Zwaugsmasrnahmen Fournets.

W.T.-B. London, 1. Dez. (Drahtbericht.) Unter­haus: In Beantwortung einer Anfrage, betr. die

neue Lage, die durch die Weigerung der griechischen Re­gierung geschaffen sei, gemäß der Forderung der Alliier­ten die Waffen ausznlrefern, erklärte Lord Robert Cecil: Admiral Fournet hat die griechische Regierung davon in Kenntnis gesetzt, daß er, sofern ihm nicht die Artillerie im Laufe des morgigen Tages ausgeliefert werde, gezwungen sein lverde, gewisse Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Natur dieser Gegenmatznahinen kann nicht im voraus bekannt­gegeben werden.

Die Entfernung allen Kriegsmaterials aus Athen.

Br. Haag, 1. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Morning Post" ineldet aus Athen: Die von Offizieren gegrün­dete M i l i t ä r l i g a bat alle Kanonen und Muni- tion aus den Magazinen in Athen nach Parnas, Tatoi

Nr. 586. . 64. Jahrgang.

und Theben gebracht. Der Zustand in Athen ist un­verändert.

*

Die Vergewaltigung Griechenlands, die von der Entente mit einer in der Geschichte beispiellosen Verletzung aller Völkerrechte öurchgesuhrt wird, ist auch nach den neuesten Maßnahmen noch nicht zu Ende. In französischen Regierungskreisen, die ln der griechischen Frage die Führung unter deii wer- bandsmächten haben, beabsichtiat man, wie aus guter Quelle bekannt wird, eine weitere Gewaltmatzrcgel gegen das unglückliche Land. Man denkt in Frankreich, wo der Menschenmangel aufs höchste gestiegen ist, e r n st l i ch daran, aus der griechischen Bevölkerung Streitkräfte zu gewinnen, die unter dem Kommando Sarrails kämpfen sollen. Man rechnet mit einem Heer von zirka 150 000 Mann, das man aus diese Weise den Zwecken der Entente opfern könnte. Jeder Zufluß an neuem Mannschastsmaterial ist ja sür das erschöpfte Frankreich, das sich vor allem entlasten möchte, cm großer Gewinn. Um die Stimmung für diese mili­tärische Hilfe in Alt-Griechenland zu entfachen, soll dort eine starke, mit großeil Geldmitteln arbeitende Pro­paganda ins Leben gerufen werden. Die antr- venizelistischen Blätter sollen stunim qeniacht oder unterdrückt werden' neue von der Entente unter­stützte Zeitungen werden gegründet, die den Griechen des Festlandes die Vorteile auseiiiandersetzen sollen, die sie bei einem gemeinsamen Kampf an der Seite Englands und Frankreichs finden würden. In alle griechischen Provinzen wird sich ein Heer von Wan­derrednern ergießen, das die unteren Volksschich­ten zu den Anschauungen Venizelos' zu bekehren suchen, wird, und die Hellenische Vereinigung in Paris, die schon bei der Zusammenstellung des an der französi­schen Front im Westen kämpfenden gci'ch( har Frei- willigen-Korps eifrig tätig war, wird alle ibre Kräfte zur Verfügung stellen. Man steht in Parts auf dem Standpunkt, daß die einzige Art, durch die man die großen, zur Knebelung Griechenlands angewendeten Kosten zinstragend verwerten kann, darin besteht, m ö g l i ch st v i e l K a n o n c n f u t t c r aus dem Laude zusammenzubringen. Da unter der neuen französischen Polizeiherrschaft in Griechenland keine gegnerische Stimme laut werden kann, so wird man Wohl bald hören, daß inl Reiche der Hellenen eine „allgemeine Begeisterung" für die Sache der Entente entstanden sei lind die Freiwilliaen in Scharen unter die Fahnen Sarrails strömten. In Wirklichkeit wird ein neuer Zwang auf das arme Land ausgeübt, um ihm mög- '.ichst viel Soldaten anszupressen, die für die En- tente aus die Schlachtbank geführt werde» sollen. _

Oer Krieg gegen England.

Cecil über die englische Blockade gegen uns.

W. T.-B. London, 1. Dez. (Drahtbericht.) UntachanZ. Bei der Erörterung der englischen Blockade Denhchlauds sagte Lord Robert Cecil: Ich kann sagen, daß im großen und. ganzen jetzt keine überseeische Zufuhr mehr Deutschland durch neutrale Länder erreichen, wenn auch Beispiele von Schmuggel und gelegentliches Durchschlüpfen durch die Seepatrouillen immer noch Vorkommen.

Das Verlangen nach mehr Offenfivgeift der englischen Flotte.

Ruf der anderen Seite Abneigung gegen zu hohen Einsatz.

(Drahtbericht unseres I 7 .-Sonderberichterüaiters.)

U. Haag, 1. Dez. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die eng­lischen Blätter kommentieren, so weit bislang bekannt, zwar befriedigend, aber zietnlich zncüikhaltend die Änderungen in der britischen Admiralität. Die „Morning Post" sagt, daß man eber als die jetzige Änderung im Oberbefehl den Rücktritt B a l s o u r? erwartet habe. Das englische Voik aber hoffe, die Zusammenarbeit Balfours mit dem zum ersten Seelord ernannten Admiral z^ellicoe werde mehr Offen­st vg ei st in di- englische Flotte bringen. Die „Times" zeigt sich mit der Änderung nicht befriedigt. Das Blatt empfiehlt, abzuwact-n, ob nunmehr moderne strate­gische Auffassung bei d-r Flotte iestznstellen sein werde. Bessere Vekämvfung der deutschen Unterseeboote, größerer Schutz der heimischen Küste und mebr Offensivgeist Ans­uchen der deutschen Flotts werde nötig sein. Die Ernennung Admiral BeattieS zum Oberbefehlshaber der britischen Flotte wird allgemein begrüßt': ohne einen neuen Geist in der Admiralität werde diese Änderung jedoch wenig tatsächktchen Wert haben. „Dailv News" meinen, daß unter der neuen Leitung, Balfonr, Jevicoe und B-attie, alle Garantien für . Erfolgreiche Arbeit der Admiralität und kühne Führung der Flotte gegeben seien. Allgemein werde angenommen, daß Beattie der Mann sei, um ein- starke Blockadetaktik dnrchzu- führe», doch ist di- Bevölkerung sich darüber einig, daß die Flotte iticht leichtsinnig anfä Hpiel gesetzt werden dürfe. Es sei für England verderblich, durch eine Pressekampagne die Admiralität anzuspornen. um alles zu wagen, um einen großen Schlag auSzuführen. England könne mit bemi