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WiksbÄener

Verlag Langgasse 21

Tagdlanhaus".

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SSetliiifs «Heilung d°s Wi-sb»L-««T»,»>.ttS: «erU» P.ts».«« Str.1A L. Ker»spr.- -«t Lütz-w 6202 u. 0203. S^nSS^-WSlSf^SragJSSSSS

Donnerstag, 30. November 1916.

Morgeii-ktusgabe.

Nr. 382. 64. Jahrgang.

zriedenswimsche und Uamp^preis.

In der Presse des neutralen Auslandes wie in der unserer Gegner wird noch immer eifrig über die an­geblich vom Präsidenten Wilson angestrebte Frie­densvermittlung gesprochen, und es ist ebenso bezeichnend wie verdächtig, welche Rolle dabei die an­geblichen Zugeständnisse Deutschlands spielen. Eng­lische Blätter gehen mit Asquiths Behauptung krebsen, Deutschland habe durch Angebote über Belgien Eng­land veranlassen wollen, einen Sonderfrieden abzuschließen. Diese Taktik ist allzu durchsichtig. Aus Asquiths Rede sprach nur die Befürchtung, daß der eine oder der andere der Trabanten Englands, dem Deutschland günstigere Bedingungen stelle, eines Tages abfallen könnte. Im übrigen kann nur erneut ver­sichert werden, daß die deutsche Regierung überhaupt an keinerlei Verhandlungen beteiligt war oder ist, also auch keinerlei Zugeständnisse machen konnte.

Wir möchten uns überhaupt von vornherein gegen die ganze schiefe Auffassung, welche hier zutage tritt, mit unzweideutiger Entschiedenheit wenden. Nicht wir sind es, die Zugeständnisse zu machen haben, sondern diejenigen, die in dem bereits mehr als zwei­jährigen Waffengang unterlegen sind. Der Sieger hat nicht die Pflicht, Zugeständnisse zu machen, sondern das Recht zu fordern.' Wer der Sieger ist, dar­über belehrt ein Blick auf die Landkarte, in welche die deutschen Truppen, unterstützt von ihren Bundes­genossen, ihre Siege eingezeichnet haben. Noch haben unsere Gegner die Forderung des Reichskanzlers, die Schlußfolgerungen aus der Kriegslage, aus der Kriegs- karte zu ziehen, nicht erfüllt, obwohl doch gerade die unter ungeheuren Verlusten gescheiterte Sommeoffen­sive sie darüber belehren muß, daß die deutsche Wand von Stahl undurchdringlich ist, daß wir, was wir errungen haben, mit eiserner Faust fest- halten. Wer will von uns, die wir im Westen. Osten und Südosten unseren Gegnern gewaltige Gebiete ent­rissen haben und als Faustpfänder festhalten, Zuge­ständnisse fordern, bevor unsereGegner die Partie als verloren nicht nur erkennen, sondern einräumen und uns ihrerseits mit Angeboten kommen?

Gewiß ist der Krieg, den wir führen, im Gegen­satz zu dom Vernichtungswillen unserer Gegner von vornherein ein Verteidigungskrieg gewesen, ist es auch jetzt noch. Aber gerade weil wir den Ver­nichtungswillen unserer Gegner in seiner ganzen bru­talen Offenheit kennen gelernt haben, bedingt unser Verteidigungskrieg eine Verstärkung unserer Machtmittel, groß genug, daß wir in Zukunft neuen Vernichtungsanschlägen derselben oder anderer Koalitionen noch besser gerüstet gegenüberstehen._ Es würde die Unterstützung der Pläne unserer Feinde, es würde Selbstvernichtung bedeuten, wenn wir die Faustpfänder, die wir besitzen, nicht zu K o in- pensalio nen benutzen würden, zu einer günsti­geren Regulierung unserer Grenzen, um dem Gegner bequeme Einfallstore zu nehmen, zu weit­gehendem Ersatz für die ungeheuren Kosten, Schäden und Zerstörungen dieses Weltkrieges, zum Ausbau und zur Verstärkung unserer Macht, zur Vergröße- rung unserer Weltgeltung.

Noch ist es, während die ehernen Würfel rollen, zu früh, um im einzelnen zu sagen, was wir erreichen wollen, denn das wird selbstverständlich in letzter Linie auch davon abhängen, was wir erreichen können, von unserer Entschlossenheit, nicht nur durchzuhatten, sondern, wie es auch das Hilfsdienstpflicht­gesetz anstrebt, alle Kräfte aus unserem Volke heraus­zuholen. Immerhin haben wir im Gegensatz zu un­seren Feinden, deren Kriegsprogramm im wesentlichen negativer Natur ist, da es an die Spitze die Vernich­tung stellt, ein positives Kriegsziel nicht nur verkün­det,- sondern bereits verwirklicht, nämlich die B e- freiung Polens. Der Vierverband erzählt, daß er die Völker befreien will, und er hat Belgien und Serbien vernichtet, zu denen sich langsam aber sicher Rumänien gesellt, und erbefreit" Griechenland, indem er es knechtet, es gleichfalls zur Schlacht­bank zu führen sucht. Heute beginnen die Neutralen bereits einzusehen, daß zu unseren Kriegszielen wirk­lich die Befreiung der Nationen gehört: betrachten wir doch als unser vornehmstes, die Freiheit der Meere zu sichern, die Welt von der Tyrannei briti­scher Seeräuberwillkür zu befreien.

, Wären wir noch das Volk der Dichter und Denker wie einst, so hätten wir uns vielleicht mit der Be­freiung Polens und der der Meere begnügen können. Aber das sind wir nicht und wollen wir nicht sein. Wir wollen die ungeheuren Opfer dieses Weltkrieges nicht fruchtlos gebracht haben, deutsches Blut soll nicht um­sonst geflossen sein. Wir fordern weitgehenden E r- satz und Entschädigungen, fordern Sicher­heiten gegen die Wiederholung solcher Naubanfälle Kr die, Zukunft und die zuverlässigsten. Sicherheiten

werden immer in der Verstärkung unserer eigenen Macht liegen. Das sindreale Garantien". Über das Maß dessen, was hier zu fordern ist, mögen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Nicht aber dar­über, daß von einer Wiederherstellung des Statusquo ante nicht die Rede sein kann. Freilich auch darüber nicht, daß bis auf weiteres das Nächstliegende und wich­tigste Kriegsziel noch immer ist: Den-Feind zu

schlagen. _

Der Krieg Rumäniens.

Der Zusammenbruch des rumänischen Widerstandes.

(Drahtbericht unseres 8.-Donderberichterstatters.)

8. Stockholm, 29. Nov. (zb.) Der Kriegskorre- spondent desRußkoje Slowo" schildert das Leben an der russisch-rumänischen Grenze: Die Straßen sind von Flüchtlingen überfüllt, welche in ihrer Hilfslosigkeit einen traurigen Anblick bieten. In den Städten B r a i l a und G a I a tz sitzen Hunderttansende von Flüchtlingen aus den besetzten Gebieten. Die Städte erinnern an Bilder aus dem Eskimoleben, denn die Rumänen befinden sich augenblicklich in ebenso primi- tiveni Zustand.Jndäpendance Roumaine" schreibt: Nach der bedenklichen Zuspitzung der militärischen Lage in der Walachei ist es wirklich nötig, die Ver­bündeten auf die Bedeutung des Landes und die all­gemeine Kriegslage hinzuweisen. Einem jedem ist es nun klar, daß Rumänien außer st ande ist, länger Widerstand zu leisten. Wir haben im Jiu-Tale zu bedeutende Verluste erlitten, um noch län­ger energisch standhalten zu können, und zwar blutioe Verluste, und nicht wie bei dem russi­schen Rückzug im vorigen Jahre vornehmlich Gefan­genenverluste. Der Rumäne ergibt sich nicht!" Diese Äußerung des halbamtlichen rumänischen Blattes ist eine bezeichnende Antwort auf die Erklärung der Pariser Presse, die Räumung der Walachei sei nur eine Falle für Deutschland.

Großfürst Nikolai Oberkommandierender in Rumänien?

Br. Basel, 29 N:w. (Eig. Draikstbericht. zb.) Die Agencin Stekani" verbreitet eine Zürcher Meldung ver Iden Nationale", wonach Großfürst Nikolai eiligst in das Hauptquartier des Zaren berufen wortden sei, mn den Oberbefehl der russisch-rumänischen Armee in Rumä­nien zu übernehmen.

Verlegung der rumänischen Regierung und des Hofes nach Galair?

(Drahtbecicht unseres bl-Sonderberichterstatters.)

TJ. Haag, 29. Nov. (Eig. Drahtbertcht. zb.) Aus England engckoinn'cne bollänSische Reisende berichten, daß in London vorgestern die Meldung verbr-itet wurde, daß die rumänische Negierung sowie der Hol B u k a r e st verlassen haben und nach Galatz über­siedelten.

Der Wechsel in der Bukarcster Gesandtschaft Rußlands.

sDrahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.i

8. Stockholm, 29. Nov. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die kürzlich gemeldete Abberusung des russischen Gesandten in Bukarest, Poklcwski. -Koselt, ist tatsächlich aus dem Grunde hervor- gegangen, Rumänien in völlige Abhängigkeit von Rußland zu bringen Zu simem Nachfolger wurde Generalleutnant M o s s o - lass ernannt, kein Diplomat, sondern ein Polizeiofstzier aus der persönlichen Unigebung des Zaren. Seme Rücksichtslosigkeit ist allgemein bekannt. Rußland hält ossenbar dem geschlagenen Verbündeten gegenüber die diplomatischen Formen! sür überflüssig.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 29. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 29. November, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Die Armee des Generals der Infanterie von Falkenhayn ist in der Walachei in sic gr rich em Vordringen.

Starke russische Angriffe in den W a l d - karpathen und an der sieben bürgt scheu Ostfront scheiterten an der zähen Ausdauer der österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen. Un­sere Stellungen sind behauptet. Um einzelne Grabenstücke wird noch gekämpft.

Heercsfront des Generalfrldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.

Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Der Krieg gegen Rußland.

Panik in Odessa

wegen des deutschen Vorrückens.

(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)

8. Stockholm, 29. Nov. (süj.)Rußkoje Slowo" schildert die völlige K o p i l o > i g k e i t, d'e infolge des deutschen VorrückenS iu Rumänien die Stadt Odessa ergriffen hrt. Die tollsten Gerüchte lausen in den Straßen um. Es heißt, Reni sei abgebrannt, die Donaulinie nicht mehr zu hasten Ismail bereits in Händen der Deutschen, überall finden die Geisch'ichten Glauben und werden pessimistisch besprochen. Man sieht schon den Fall Odessas voraus und folgert, daß dann auch die K r i m und das ganze Becken des Don unhalt­bar werben würden. Dann fei Rußland verloren.

Die Sehnsucht nach deutscher Ware in Russland.

Br. Stockholm, 29. Nov. (Eig. Drahtbertcht. zb.) Der japanische Minister des Äußern Moteno, der aus Petersburg in Tokio eingetrofsen ist, erklärte Pressevertretern gegenüber, der japanische Kandel habe geringe Aussichten, sich aus dem russischen Markt zu vergrößern. Die japanische Industrie könne sich mit der europäischen nicht messen. Daher sei in der russischen Geschäftswelt der Ruf nach deutscher Ware allgemein.

Wechsel im russischen Ministerium der Landwirtschaft.

V/. T.-B. Petersburg, 29. Nov. (Eig Drahtbericht> Graf Bobrinsly wurde von dem Amt des Landwirtschaftsministers enthoben mid zum Obersthosmeister ernannt. Die einstweilige Führung des Landwrrtschaftzmlnisteriums ist dem Gehilfen rm Land» wntschaflsministcrmm Bitttt übertragen worden.

Einberufung aller Wehrfähigen in Turkestan.

Berlin, 29. Nov. (zb.) Malmöer Blätter berichten aus Turkestan, laß nunmehr niil der Einbcrusung aller wehrfähigen Mannschaften der Fremdvölker begonnen worden ist. Die Einbe­rufungen werden mit großer Rücksichtslosigkeit und ausfällizer Elle durchgefühit. In Turkestan finden M a s s e n d e s e r t l o n e n nach A f g h a n i st a n statt. Die Freindstämmigen werden nicht zu Ar­beiten hinter der Front verwendet, sondern in die Kasernen gekracht und militärisch ausgebildet. Im Gebiet der Kirgise» spielen sich geradezu M e n s ch e n j a g d c » ab.

Der Krieg gegen England.

Die gründliche Wirkung unseres letzten Lustnngrisfs auf Gnglaitd.

I-. Berlin, 29. Nov. (Eig. Meldung, zb.) Der Angriff unserer Marineluftschiffe auf Mittelengland hatte, wie nähere Mitteilungen der Kommandanten besagen, eine sehr gründliche Wirkung gehabt. So wurden in Dork, das 60 Kilometer innerhalb des Landes liegt, in Dornsea usw. beträchtliche Explosionen und Brände einwand­frei festgestellt. Betroffen wurden Verteidigungsanlagen und Fabriken. Der Feind verteidigte sich mit Abwehrgeschützen auf Autos und mit Fliegern, denen die Vernichtung von zwei unserer Luftschiffe gelang. Führer der verlorenen Fahrzeuge waren die Kapitänleutnants D i e d e r i ch und Franken- b e r g. Erstecer, ein Kapitän des Norddeutschen Lloyd, hatte uns zu Beginn des Krieges große Dienste geleistet, u. a. führte er den DampferBrandenburg" obschon die Engländer mit zwei Kreuzern Baltimore blockierten, kühn in die See. Das Andenken dieser tapferen Männer mit ihren Mannschafteti wird in der Kriegsmarine gewahrt bleiben.

W. T.-B. London. 29. Nov. lDrahtbericht.) Amtlich? Meldung: Bei dem Zeppelinangriff wurden neun Pec­s' onen verwundet.

Unbequeme Unlerhnusansraqen zu unseren letzten Flotlenvorstösren.

W. T.-B. London, 28. Nov. (Unterhaus.) Houston lUnionist) fragte den Ersten Lord der Admiralität, ob er in der Lage sei, einen vollständigen und genauen Bericht über den kürzlichen Angriff im Kanal zu geben und ob er endgültig erklären könnte, ob feindliche Schiffe versenkt oder wenigstens beschädigt worden wären sowie, ob er festgestellt hätte, ob seitens der Admiralität oder von Per­sonen, die mit ihr in Verbindung ständen, ein Mangel an Wachsamkeit oder eine Versäumnis stattgefunden habe. McNamara antwortete, daß Balfour seinen bisherigen Erklärungen nichts hinzuzufügen habe. Houston fragte darauf, ob die Negierung sich nicht klar mache, daß es an der Zeit sei, die volle Wahrheit zu sagen. McNamara erwiderte, er müsse die Unterstellung, als ob nicht die Wahr- heit gesagt worden sei. sehr übel nehmen. Houston sagte: Ich sprach von der vollen Wahrheit! Edward Carson fragte darauf, ob dem Hause die Informationen mitgeteilt werden könnten, die Balfour der Presse gemacht habe. McNamara erwiderte, er könne sich im Augenblick dessen nicht erinnern. Oberst Date fragte, ob kein Kriegs­gericht gehalten worden sei, um den Verlust des Torpedo­bootszerstörersF l i r t" zu untersuchen. McNamara erklärte, daß über den Verlust sowohl desFlirt" als des Nubien" ein Kriegsgericht stattgefunden habe. Dalziel fragte, ob jemand infolge jener Vorgänge einen Tadel er­halten habe. McNamara erwiderte: So viel ich weiß»