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Verlag Langgasse 21

„Tagdlauhaus".

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Berlin W., P,ts»,«r, Str.181 &. Kernspr.: ,«l Lützow 6202 «. 6203.

Mittwoch, 29. November 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 530. . 64. Jahrgang.

Ein erso^greicher Luftangriff aus Mittel-England.

Zwei deutsche Luftschiffe verunglückt.

W.T.-B. Berlin, 28. Nov. (Aintlich. Drahtbericht.)

In der Nacht zum 28. November haben m e h r e r e Marine!n ftschifse Hochöfen und Industrieanlagen Mittel-Englands mit gutem Erfolg mit Bomben belegt. An verschiedenen Orten konnten Brände beobachtet werden. Die Gegenwirkung war außerordentlich stark. Ein Luftschiff ist der feind­lichen Abwehr zum Opfer gefallen und in der Nähe von Scarborough abgcstürzt. Ein zweites ist nicht zurückgekehrt, so daß mit seinem Verlust zu rech­nen ist. Die übrigen Luftschiffe sind zurückgekehrt und gelandet.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

- I

Dsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 28. Nov. (Drahtbericht.) Amtlick -verlautet vom 28. November, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront deS Generalobersten Erzherzog Joseph.

Der Alt ist gestern überschritten. Im Argesu-Tal ist Curtea de Arges in unserem Be­sitz. An der siebenbürgischen Ostfront wiesen unsere Feldwachen stärkere russische Erkuudungsabteilun- gen ab.

^eercssront des Generalfkidmarschalls Prinz Leopold von Bavern.

Keine besonderen Ereignisse.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldnmrschalleutnant.

Wie weit stehen wir vor Bukarest?

Über den konzentrischen Vormarsch gegen Bukarest und unsere jetzige Stellung der runiänischen Haupt­stadt gegenüber wird unZ auf Grund des neuesten Generalstabsberichtes geschrieben: Unser Vormarsch in West-Rumänien erfolgt von drei Serken, nachdem der Übergang Mackensens über die Donau zu größeren Fortschritten gegenüber den Rumänen geführt hat. Drei Heeressäulen bewegen sich nun einkreisend gegen die Hauptstadt und Hauptfestung Rumäniens Bukarest, nämlich von N o r d w e st e n her die Trup­pen gegen die Linie Camv o tun g-Sin aiu, von W e st e n her die Truppen Falkenhagns, welche bereits den Attsluß überschrittten haben, und von Südwesten naht sich nun Mackensen mit seinen sieggewohnten Scharen von der Grenz- Bulgariens. Es fragt sich nun, wie weit unser Vormarsch gegen Bukarest heute bereits gediehen ist. Zu diesem Zwecke muß man vor­erst feststellen, daß Bukarest als Hauptsestungszenlrum Rumäniens . einen weit ausgedehnten Fe stungs gürtet besitzt, der einen Umfang von rund 75 Kilometer aufweist, und daß die Forts in neuester Zeit auf 9 bis 14 Kilometer vor die Haupt­stadt vorgeschoben sind. Die Entfernung kann darum nur bis zum Festungsgürtel gemessen Iverden, da im kriegstechnischen Mnne Bukarest bei seinem Forts- Gürtel beginnt. S v i st o v, wo Mackensen mit seinen Truppen über die Donau setzte, liegt ungefähr 100 Kilometer in südwestlicher Richtung von der Stadt Bukarest selbst entfernt, dagegen nur rund 85 Kilo­meter von dem Festungsgürtel, der gegen Südwesten seine größte Tiefe aufweisi und ungefähr 16 Kilometer vorgeschoben ist. Weiter östlich, bei R a h o v a, wo die Rumänen vor einigen Wochen einen mißglückten Donau-Übergang versuchten, ist Bukarest von der Donau am wenigsten entfernt: da hier der Zwischtzn- wnm nur 50 (60) Kilomet^: auftveist. Unser von Westen heranmarschierender Heeresteil, der den Alt- Fluß überschritten hat. ist beut wohl noch 120 Kilo­meter von der Stadt Bukarest und 110 Kilometer von dem Festungsgürtel entfernt. Der weitere Vormarsch gegen Osten mit Richtung auf Bukarest stößt insofern auf mancherlei Schwierigkeiten, als in diesem Raume nne Anzahl größerer oder kleinerer Flüsse das Gebiet von Norden nach Süden durchqueren und sich aus diese Weise einem Vormarsch voir Westen nach Osten w den Weg hindernd stellen. Östlich vom Alt fließt der

d e a in die Donau. In ungefähr gleicher Richtung ümßt dessen Nebenfluß, der Teleorman, der süd- uch von Alexandria in den Vedea mündet. Wieder öst­lich dazu fließt der größere Strom A r g e s u l mit

seinem^ rechten Nebenfluß Niaslow in die Donau nach Süden. Der Argetul schneidet in dem südwest­lichen Abschnitt bereits ben Festungsgürtel von Bukarest. Nun steht Mackensen bereits in dem südlich von Bukarest gelegenen Giucgiu, das nur noch etwa 50 Kilometer vom Bukarestec Festungsgürtel entfernt liegt Auf der entgegengesetzten Seite im Nordwesten von Bukarest stehen wir in R i m n i c u V a l c - a in einer Erftfernung von ungefähr 120 Kilometer von Bukarest, eine gleiche Strecke, wie unsere Stellung bei Campolung. Geradeswegs nördlich von Bukarest be­trägt die Entfernung bei Sinaia noch rund 100 Kilo­meter von der Stadt Bukarest, während der Raum bis zu dem Festungsgürtel nur 90 Kilometer beträgt.

Österreich wurden immer mehr zu einer eingeschlussenen Festung, bis ihnen die Rumänen Gelegenheit gaben zu einer Offensive, zu Siegen, die die Stimmung an der Front er­höhen und auch in der Heimat die Ernährungsschwie- rigkeiten leichter ertragen lassen. Nicht zu ver­gessen sind die Getreidebeständr, die vielleicht in Rumänien erbeutet werden können; auch die Petroleum- und Benzinquellen werden den Deutschen gute Dienste leisten. Fest steht, daß die Erfolge der Mittelmächte in Rumänien so­wohl von einer überlegenen Führung als auch von hohen militärischen Tugenden der Truppen zeugen. Die Rumänen, die verwunderlich planlos begannen und sich in Siebenbürgen verhältnismäßig leicht schlagen ließen, habm aber ihrerseits auch neue Kraft gewonnen, nach­dem sie auf eigenem Boden kämpften. Sie verteidigten die

Die wesiZiehe Wa/ache^

Bukarest musr von der Zivilbevölkerung geräumt werden!

(Drahtbericht unseres L.-Sonüerberichterstatters.)

8. Stockholm, 28. Nov. (zb.) Der Bukarcster Potizeichef und General Bertilleau Unterzeichneten einen Aufruf an die hauptstädtische Bevölkerung, der besagt: In jedem Häuserguudrat eröffnet das Militär­kommando eine militärische Meldungsstelle. Für jeden Einwohner über 16 Jahre besteht die Verpflichtung, sich dort persönlich mit einer Legitimation über seine Be- russverhältnisse einzusinden. Die militärische Mel- dnngsstelle entscheidet sodann, ob und wie lange der betreffende Einwohner in der Hauptstadt bleiben darf. Der größte Teil der Bevölkerung, besonders die Frauen und Kinder werden den Bereich Irer Festung B u k a r e st innerhalb 5 Tagen verlassen xu ü s s e n. Sie werden auf Staatskosten in die nähere Umgebung der Hauptstadt gebracht und dort angesiedelt Zierden. Reisen nach I a s s y und Gala tz können wegen Über­lastung der Eisenbahnen selbst auf Grund ärztlicher Be­scheinigung nicht bewilligt werden. Alle zurück­gebliebenen Personen werden in militärischen Betrie­ben oder im Sanitätswesen Verwendung finden. Vom 29. November wird die gesamte Lebensmittel­versorgung durch die Armeeverwaltuno geregelt werden. Alle Lebensmittelvorräte, die sich in Privat- besttz befinden, sind der Heeresintendantur zu über­geben und werden Eigentum derselben. Die Nah­rungsmittel werden nach einem besonders bekannt­gegebenen System täglich rarionsweise aus- geteilt werden. Wer die Anmeldung unterläßt, hat außer strengen Strafen auch zu gewärtigen, daß sein Anspruch auf Versorgung von Nahrungsmitteln ver­loren geht.

Die deutsche Leistungsfähigkeit.

„Politiken" (Kopenhagen) schreibt am 24. November zu len Erfolgen in Rumänien: Vorläufig haben die Mittelmächte zweifellos mehr Freude an Rumäniens Ein­greifen gehabt als die Verbandsmächte. Es zeigt sich, daß sie für einen Balkanfeldzug genügende Reserven zur Verfügung hatten, ohne daß sie ihre übrigen Fronten zu schwächen brauchten. So haben sie wenigstens durch ihr siegreiches Vor­dringen in Rumänien eine Stimulanz geschaffen, die für die Bevölkerung der Mittelmächte bewnders wertvoll ist, da der Sommer nicht gerade günstig für sie verlief. Deutschland und

Pässe und Täler, die in die walachische Ebene führen, mit großer Tapferkeit und Todesverachtung. Sie hatten auch alle Vorteile der Lage für sich. Dagegen hatten die Heere der Mittelmächte außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden. All-: Zufuhr mußte über die Paffe, über Berge bis zu 2000 Meter Höhe herangeschafft, jeder Berg mußte erklefteft oder umgangen, die Artillerie in un­wegsamem Bergterrain in Stellung gebracht werden. Dazu war das Wetter schlecht. Regen und Schneestürme herrschten. Aber wie gewöbnlich haben die Mittelmächte bessere Ordnung in ihrer ganzen Kriegführung gehabt, ihre Truvpen hatten weiter die zweijährige Kriegserfahrung vor den Rumä­nen voraus. Nachdem die Mittelmächte nunmehr in die Ebene vorgedrunaen sind, hat sich i h r e L a g e s e h r ge­bessert. Die runiänischen Kräfte, die nordwestlich von Craiova stehen, können nur so schnell wie möglich in den noch freien Zwischenraum zwischen der Stadt und der Donau zurückgehen.

Die verzweifelte Lage Rumäniens.

(Drahtbericht unseres Ni.-Sonderberichterstatters.)

Ni. Wien, 28. Nov. (zb.) Das Ergebnis der bisherigen Operationen ist das Zusamnienbrechen und immer weitere Abbröckeln des feindlichen Westflügels bis Tig- veni. Die Ausdehnung dieses Flügelabbruchs erstreckt sich auf über 100 Kilometer und ist für den Feind mit dem Verlust der wichtigsten Lebensquelleu des Landes, Craiova und Statt na, verbunden; ferner muß der Feind die Gefähr­dung des noch wichtigeren P i t e st i befürchten. Die Wirkung dieser Zerstörungsarbeit ist bei dem Feind im weiteren er­zwungenen Abbau seiner Front zu bemerken, von der gegenwärtig nur mehr die Hälfte der ursprünglichen übrig­geblieben ist. Stück für Slück niuß er sie ausgeben und die Reste der geschlagenen Heereskörper immer weiter nach dem Osten zurücknehmen. Der D uiauübergang hatte aus di? rumänische Front die Wirkung, daß ihr Abbau nach Osten ein immer beschleunigteres Tempo aunahm. Soll sie nicht ganz zertrümmert werden, ist eine Schwenkung um 90 Grad un­ausbleiblich. Schon bereitet die Wahl der neuen Vertei­digungslinie den Rumänen schmerzliche Verlegenheit, weil insbesondere die Donauarmee Mackensens bedenklich nahe Bukarest vorgedrungen ist.

Vcmizelos „Kriegserklärung.

Die „Köln. Ztg.", die sebr oft zu halbamtlichen Verlaut­barungen benutzt wird, beleuchtet die „Kriegserklärung" der provisorischen Regierung in Saloniki an Bulgarien und an rins folgendermaßen- „Venizelos' Regierung, die Regierung