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Montag» 27. November 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 576. ♦ 64. Jahrgang.

Der Donauübergang.

(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)

Nachdem Feldmarschall Mackensen in den Lagen vom 6. bis 10. Oktober v. I. an mehreren Stellen die Donau von Norden nach Süden überquerte, wenige Wochen vorher starke Heeresteile die Weichsel nördlich von Jwangorod überwanden, war der unerschütterliche Glaube an die Unüberwindbarkeit breiter Strom­barrieren, ivie diese beiden Flüsse es sind, stark erschüt­tert worden. Zum dritteninal im Lause dieses Welt­krieges erleben wir aus unserer Seite einen Uferwechsel. Der diesmalige Donauübergang der Armee Macken­sen fand nicht zu Anfang des runiänischen Feldzuges statt, sondern nachdem bereits die Schlachten im öst­lichen Ungarn und der vergebliche Widerstand des Feindes auf seinem eigenen Boden die Aussicht auf Rettung stark vermindert hatte. Die strategische Lage Serbiens, vor einem Jahre und diejenige Rumä­niens in dem gegenwärtigen Feldzuge ist eine wesentlich andere. Sie unterscheidet sich vor allen Dingen dadurch, daß Rumänien im engen An­schluß an Rußland känivft, von ihm Nachhaltig unter­stützt wird, während Serbien allein aus sich angewiesen war, seine Unterstützung nur in Versprechungen und nicht in Taten bestand. Mit einer Planmäßig­keit, wie wir sie bei unserer Heeresleitung gewöhnt find, wurde dieser neue Donauübergang von den ver­antwortlichen Stellen vorbereitet. Sie bestand darin, daß seit Mitte September die österreichisch-ungarische Donauflotte die Herrschaft auf der Donau an sich riß, mehrfach erfolgreiche Vorstöße gegen die Hasenanlagen des südlichen Rumänien unternahm und hierdurch die gegnerischen Wasserstreitkräste zur Untätigkeit verur- Pe. Anfang Oktober glückten deutschen Truppen nere Unternehmungen auf das nördliche Donauufer. Am 8. Oktober eroberten einzelne deutsche Kompagnien die Donauinsel nordwestlich von Sistow, der Stelle, tm welcher am 24. Oktober Teile der Armee Mackensen das nördliche User erreichten. Auch weiter östlich ge­lang es den österreichischen Donaumonitoren die feind­lichen Wasserstreitkräste zur Untätigkeit zu verurteilen. Nachdem so ditz Herrschaft auf der Donau in Unsere Hände übergegangen war, setzte in den Novembertagen ein heftiges Artilleriefeuer auf Unserer Seite ein. Seine Feuerwellen schlugen mit wechselnder. Stärke auf das rumänische Ufer uird zwan- die Verteidigung, sich weiter nordwärts zurückzuziehen. Nach diesen Vorgängen, welche mehrere Wochen in Anspruch nahmen, war die Hauptarbeit auf unserer Seite geleistet worden. Auf allen Punkten konnte die rumänische Heeresleitung auf ihrer Donauseite nicht stark sein, wenn sich ein übermächtiger Gegner mit Energie zum Donauübergang anschickte. Auf feind­licher Seite hatte nian als Flußverteidigung die un­mittelbare Verteidigungsart gewählt. Diese bestand darin, daß die Sffombewachunq nahe dem Ufer in der Verteidigung beharrte jeden Augenblick bereit, den Übergehenden in den Arm zu fallen. Diese starre Form erwies sich jetzt als unzulänglich, denn an mehreren Punkten ist es den verbündeten Truppen ge­lungen, das nördliche Donauufer zu gewinnen. Der Uferwechsel in diesem Abschnitte brachte die Angriffs- truppen in den Besitz der südlichen Walachei. Er brachte sie nach dem heutigen Heeresbericht bereits in Fühlung mit den Truppen, welche am inittleren Altflusse unter dem Befehl des Generals v. Falkenhayn den Feind von Westen nach Osten drücken und ihn bereits von seinen westlichen Kampftruppen restlos getrennt haben.

Vergleicht man diesen Donauübergang mit dem der Rumänen am 1. Oktober d. I., welcher von so kurzer Dauer war, so zeigt sich, mit welcher Gründlich­keit das deutsche Unternehmen vorbereitet wurde, w daß es zu einem glücklichen Ausgang führte. Angesichts der nahe russischen Hilfe war ein Übergang unsererseits nur dann möglich, wenn auf einer Frontstelle starke feindliche Teile vernichtend ge­schlagen waren. Dies geschah durch die Schlacht am 18. November bei Targu-Jiu und durch den weiteren Siegesmarsch der Armee Falkenhayn, in südlicher Rich­tung. Wie schon so oft in diesem Feldzuge wechseln sich die beiden Heerführer im Norden und Süden er- solgreich ab. Auf die Erfolge Mackensens in der Do- brudlcha folgten diejenigen Falkenhayns in Sieben­bürgen und ebenso wurde der zweite Dobrudschasieg Mackensens durch neue Siege von Falkenhayn im Nor­men beantwortet. Aus ihrem strategischen Zusammen­wirken wird jetzt ein taktisches Jneinanderarbeiten, wo­durch die unhaltbare Lage der R u s s o- Rumänen im nördlichen Rumänien noch mehr her­dortritt. Der Donauübergang in der Zeit vom 23. No­vember ab ist ein neues Ruhmesblatt in unserer Kriegsgeschichte und ein neuer erfolgreicher Schritt auf dem Woge zur endgültigen Niederringung dieses Feindes. M.

Die Armee Mackensen vor Alexandria.

Mackensens und Falkenhatzns Armeen bereits in Fühlung.

Rimnik Valcea im Alttale genommen. Eine rumänische Kavallerie-Division von deutscher Kavallerie geworfen.

Französische Infanterie bei St. Mihiel abgewiesen.

ver Tagesbericht vom 26. November.

W. T.-B'. Großes Hauptquartier, 26. Nov. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht.

Bei Nebel und Regen keine größere Kampfhandlung. Forsch durchgeführtr Patrouillen - Unternehmun­gen mecklenburgischer Grenadiere und Füsiliere des In­fanterie-Regiments Bremen nordöstlich von Arras brachte» aus den englischen Gräben 26 Gefangene ein.

Nordöstlich von Beaumont holten Abteilungen des badischen Infanterie-Regiments Nr. 185 i Offiziere und 157 Engländer sowie ein Maschinengewehr aus der feindlichen Stellung

Heeresgruppe Kronprinz.

Im Apremont-Walde östlich von St. Mihiel griff nach starker Fenervorbereitung französische Infanterie an; sic wurde abgewiesen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Nahe der Ostseeküste, nördlich von Smorgou, sowie an der Serwetsch- und Schtfchaca-Fro.it nahm das feindliche Artilleriefeuer zu.

Ruffifche Abteilungen, die dicht am Meere in der Gegend von Krafchin und bei Ozierki im Gebiet des oberen Sthr vorgingen, wurden zurückgetrieben.

Front des Generalobersten Erzherzog Joseph.

Wieder griffen bei Bapcn Reagra im Gyergyo-Gebirge russische Kompagnien ohne jeden Erfolg un­sere Stellungen an. Im Alttale ist Rimnik Valcea genom­men. Auf den Höhen nördlich von Curtea de Arges leistet der Rumäne noch hartnäckigen Widerstand.

Im Gelände östlich des unteren Alt hat unter Führung des Generalleutnants Graf v. Schmettow deutsche Kavallerie eine sich zum Kampf stellende rumänische Kavallerie-Division geworfen und ist in siegreichem Borwärtsdringen.

Die vom Alt ostwärts führenden Straßen sind mit flüchtenden Fahrzengkolonncn belegt. Ihr Weg ist durch in Brand gesteckte Ortschaften gekennzeichnet.

Mit den über die Donau gegangene» Kräften ist Fühlung ausgenommen.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Ein durch Feuer von See unterstützter Borstoß feind­licher Schützen längs der Küste gegen den rechten Flügel der Dobrudscha-Armec scheiterte.

Unter den Augen des Generalfeldmarschalls von Mackensen ist der U f e r w e ch s e l der für die weiteren Operationen in Wrstrumänien bestimmten Donau-Armee planmäßig durchgeführt. Wir stehen vor Alexandria.

Bei Überwindung des infolge des Tauwetters hoch angeschwollenen Stromes durch die Kampftruppen wirkten in hervorragender Weise neben unseren braven Pionieren auch-Teile des Kaiserlichen Motorbootkorps, der K. und K. Donau-Flottille unter Kommando des Linien­schiff-Kapitäns Lucich, und die österreichisch-ungarischen Pionier-Abteilungen des Generalmajors Gaugl mit.

Mazedonische Front.

Keine besonderen Ereignisse.

Der erste Generalquartiermerster:

Ludendorff.

Abendberichte der deutschen Heeresleitung.

W. T.-B. Berlin, 25. Nob., abends. (Amtlich.) An der Somme nur geringes, östlich St. Mihiel nachmittags lebhafteres Artilleriefeuer.

Am mittleren und unteren Alt Fortschritte; die bei Sistow Lbergegangenen Teile der Heeresgruppe Mackensen gewannen Boden.

An mazedonischer Front Ruhe.

W. T.-B. Berlin, 26. Nov., abends. (Amtlich.) Außer südöstlich Bouchavesnes vormittags gescheitertem französischem Bor stoß im Somme-Gebiet nichts Wesentliches.

In Wa l a ch e i plangemäße Fortschritte.

In Dobrudscha und an mazedonischer Front für uns günstig verlaufene Kämpfe.

Oie Lage im westen.

Kein Angriff an der Westfront.

Großes Hauptquartier-West, 24. Nov. Die schwere» Schläge, welche die verbündeten Feinde durch den verlust­reichen Zusammenbruch ihrer letzten Angriffe erlitten haben, sind offenbar noch nicht so weit überwunden, daß sie an die hartnäckige Fortsetzung der Somme-Angriffe denken konnten. Ein englisches Teilunternehmen, welches sich von Westen und Süden gegen Secre richtete, erstickte in unserem Sperrfeuer. Nördlich von Secre wurde ein englischer Rauchangriff wahcgenommen, der unschädlich blieb. Patrouillenvorstöße zwischen Gueudecourt und LeS- boeufs, die sich in engerem Raume hielten, wurden abge­wiesen. Selbst die Actillerietätigkeit blieb, wie in den letz­ten Tagen, stör die Verhältnisse der Somme-Schlacht in mäßigen Grenzen, und nur den Abschnitt zwischen Sailly und dem Peter-Vaa st- Walde überschüttete der Feind mit einem unverminderten Granatenhagel. Südlich der Somme und an der ganzen übrigen Westfront außer in Flandern, wo das Feuer zunahm, erhielt sich der Artillerie­kampf in seinem täglichen Takte. In der Champagne begannen sich stärke Batterien einzuschießen; dort bliesen die Franzosen gestern auch zweimal erfolglos Gas ab. Ein eng- lischer Monitor, der sich in respektvoller Entfernung von der Küste hielt, beschoß Westende ohne Wirkung. Englische Patrouillen wurden bei Armentieres verjagt.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Bedenkliche französische Handels-Untcr- bilanz.

XV. T.-B. Bern, 26. Nov. Nach einer amtlichen Statistik weist der französische Handel für Oktober über 1,3 Milliarden Unterbilanz aus. Für die zehn Monate des laufenden Jahres über 11,6 Milliarden. Der „Temps" oerweist darauf, daß dieser an das Ausland geschuldete Betrag größer ist als das Ergebnis der letzten Kriegsanleihe.

Die feindlichen Berichte.

Französischer Heeresbericht vom 25. Novcmber. nachmittags.

Vom Verlauf der Nacht ist außer der üblichen Beschießung nichts zu berichten,

L u f t k r r c g : Am 2t. November zwischen 11 und 1 Uhr mittags bewarf eine Gruppe engilischer Wasserflugzeuge die Hochöfen von D i l l i n g e n (Saargegend). Im Verlaufe dieser Unternehmuug wurden 1000 Kilogramm Explosivstoffe abgeworfen. Die meisten Geschosse trafen ihr Ziel. Ein feindliches Flugzeug wurde auf dem Rückweg abgeschossen.

Französischer Heeresbericht vom 25. November, abends. Ziem­lich rege Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien in der Gegend des Forts Vaux, An der übrigen Front Beschießung mit Unter­brechungen.

Englischer Heeresbericht vom 25. November. Die feindlichen Batterien und Grabenmorser sind im Laufe des Tages gegen unsere Linien südlich der A n c r e tätig gewesen. Unser: schwere Artillerie beschcß wichtig- Punkte hinter der Front des Feindes. Das Wetter ist andauernd stürmisch

Oer Krieg gegen Nutzland.

Der Dumabgeordnete Milsukoff unter Anklage.

(Drahtbericht unseres Z.-Sonderberichtrrstarters.)

8. Stockholm» 26. Nov. (zb.) Nach der „Petersburger Börsenzeitung" beabsichtigt die russische Regierung, den be­kannten, der Kadettenparici angehörigen Abgeordneten Miljukoff unter Anklage zu stellen wegen seiner in der ersten Duma gehaltenen, von der Zensur beschlagnahmt»! Rede. Der Anklage liegt nach meinen z'-werlässigen Infor­mationen folgender Vorfall zugrunde: Miljukoff zitierte die von mehreren deutschen Blättern gebrachte Nachricht, daß B u ch a n a n die Absetzung S f a s o n o w s als eine P e r - fidie des Zaren bezeichnet hatte. Er betonte seine Ver­wunderung, daß derartige Nachrichten in der deutschen Preffe erscheinen könnten. Ihre Veröffentlichurig gefährde die Sache der Verbündeten aufs empfindlichste. In diesem Auftreten Miljnkoffs sicht die Regierung eine Verletzung der Dumastatuten, weil erstens die Benutzung einer frem­den Sprache unstatthaft fei, und zweitens die Person des Zaren nicht in die Debatte gezogen werden darf. Das Steno­gramm der Rede wurde dem Juftizminister zwecks Aus­arbeitung der Anklageschrift übermittelt. Der Vizeprä­sident der Duma, der die Bemerkung Miljukoffs durch- gchen ließ, brachte in der letzten Sitzung der Duma eine Ent­schuldigung fiir seine Haltung vor. Er erklärte, daß er die deutsche Sprache nicht beherrsche, und darum den Inhalt von Miljukoffs Ausführungen nicht verstanden habe. Wegen der außerordentlich schwerwiegenden Bedeutung des Zwischenfalls sehe er sich jeÄoch genötigt, den stelwertretenden Vorsitz der Duma n i e d e r z u l eg e n. Der ganze Zwischenfall, insbe­sondere die von Mljukoff in die Öffentlichkeit getragenen Nachrichten erregen in Petersburg im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen russisch-englischen Gegensatz lebhaftes Aufsehen.

Mn neuer russischer Minister des Austern.

Br. Stockholm, 25. Nov. (Erg. Drahtbericht, zb.) Amtlich wird mitgeteilt: Der bisherige Gehilfe des

Ministers des Auswärtigen N s r a t o w ist zürn Minister des Auswärtigen ernannt worden.