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Verlag Langgaffe 21

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Zreitag, 24. November l9I6.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 57l. . 64. Jahrgang.

Telegrammwechsel zwischen Kaffer Wilhelm und Kaifer Marl.

W. T.-B. Berlin, 23. Nov. (Drahtbericht.) Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Seine Majestät der

Kaiser hat an Se. Maj. den Kaiser von Österreich und König von Ungarn nachstehendes Telegramm ge­richtet:

Auf das tiefste erschüttert von dem Heimgang Deines hochverehrten Oheims, d<P Kaisers Franz Joseph Majestät, tage ich Dir meine i n n i g st e herzlichste Teilnahme. Die Regierung des verewigten Kaisers, die durch Gottes Gnade die seltene Dauer von 68 Jahren erreichte, wird ^in der Geschichte der Monarchie als eine Zeit des Segens fortleben. Die Völker Österreich-Ungarns trauern um ihren Führer, an dem sie in vollstem Vertrauen und innigster Liebe hingen. Wir, die wir einer jüngeren Generation angehören, waren gewohnt in der Gestalt des Heimgegangenen Monarchen ein Vorbild schönster Herrschertugend und wahr­haft königlicher Pflichterfüllung zu er­blicken. Das Deutsche Reich verliert in ihm einen treuen Bundesgenossen, ich persönlich einen väterlichen, hochverehrten Freund. Mitten in dem größten Völkerkriege hat Gottes unerforschlicher Wille den bis zum letzten Atemzuge treu an der Seite seiner Verbündeten Stehenden dahingenommen und ihm nicht mebr gestattet, den Ausgang des Kampfes und dix Wiederkehr des Friedens zu sehen. Der All­mächtige gebe ihm nach seinem langen segensreichen Leben den ewigen Frieden, Dir aber Kraft und Bei­stand, die schwere Bürde zu tragen, die in dieser ernsten Zeit Dir zufällt. Der Segen des Heim- gegang-e»«-« möge über Dir und Deinen Völkern weiter walten! Mit innigsten Gebeten und treuester Teilnahme gedenke ich Deiner.

Wilhelm.

Se. Maj. der Kaiser und König Karl hat darauf mit folgei'dem Telegramm geantwortet:

In der schicksalsschweren Stunde, da mein er­lauchter Großoheim. Se. Majestät der Kaiser und König zu Gott abberufen wurde und bitterster S ch m e r z mich, mein Hans und Österreich-Ungarns Lande erfüllt, war mir die mich tief e r g r e i- sende Teilnahme, die Du in treuer Freund­schaft mir bekundet hast, ein demutsvoller Trost. Habe a l l e r w ä r m st e n Dan! dafür und für all die Verehrung und echte Freundschaft, die Du dem Hochseligen, der Dich so sehr hochgeschätzt hat, be- wahrest.

Wie Deine und seine Bündnistreue im jetzigen Weltkriegs beldenfest stand, so soll es für uns bleiben, indem das leuchtende Andenken und der Segen des Verewigten uns leiten möge auf der g e- meinsamen Bahn zu dem ehrenvollen Erfolge unserer gerechten Sache! Das walte Gott! In treuer Freundschaft drückt innigst Deine Hand ^ Kar l.

Auch die übrigen deutschen Bundesfürsten, eilen voran der greise König von Bayern, der König von Sachsen, deffen Neffe der n anmehr regierende Kaiser Karl ist, und der König von Württemberg, haben in Drahtungen nach Wien bekundet, ivie nahe ihnen der Heimgang des Patriarchen auf den Thronen gegangen ist. War er ihnen allen doch nickt bloß als das Haupt der uns engverbündeten Donaumonarchie lieb und wert, sondern auch als persönlicher treuer Freund. Desgleichen haben die Hansestädte ihre Teilnahme an dem Sckmerz Österreich-Ungarns in würdiger Weise zur Geltunq qebrackt. Die Tatsache, daß eine große Reihe offizieller Kondolenzbesuche bei den diploma­tischen Vertretern der Doppelmonarchie im Innern des Deut­schen Reiches erfolgte, registrieren wir, ohne aas die Einzel­heiten einzugrhen.

W. T.-B. Berlin, 23. Nov. Die Hoftrauer für Kaiser Franz Joseph ist auf vier Wochen festgesetzt worden.

Armeebefehl des Kaisers Wilhelm.

W. T.-B. Berlin, 23. Nov. (Amtlich.) Dos „Armeevec- ordnungsülatt' gibt folgenden Armeebefehl bekannt:

Nach Gottes Ratschluß ist am gestrigen Tage des Kaisers von Österreich und Apostolischen Königs von Ungarn Majestät nach einer fast 68jährigen. reichgejegneten Regie­rung aus einem arbeitsvollen Leben geschieden. In auf­richtiger Trauer, vereint mit seinem uns in Freund­schaft so eng verbundenen Volke und mit seiner Armee, die mit den deutschen Trappen aas zahlreichen Schlachtfeldern dieses Weltkrieges in treuer Waffenbrüderschaft gefachten, geblutet und gesiegt hat, stehe ich mit meinem Hause, meiner Armee und dem ganzen Vateclande auf das schmerz­lich st eb e w e g t an, der Bahre dieses hochedlen Monarchen und treu bewährten Bundesgenossen. Meinem

in Gott ruhenden Herrn Großvater in wahrer Freund­schaft zugetan, war der hohe Entschlafene mir ein lieber, väterlicher Freund und Berater. Tief wurzelt in unser aller Herzen das Gedenken an ihn. Seine hehre Herr­sch e r g e st a l t steht leuchtend in der Geschichte aller Zeiten. Als Generalfeldmarschall und Chef zweier Regi­menter seit langem in näheren Beziehungen zu meiner Armee stehend, verliert diese in dem verewigten Kaiser einen hohen Gönner, dessen zahlreicher Beweise gnädigen Wohlwollens und lebhaften Interesses sie in steter Dank­barkeit eingedenk bleiben wird. Es wird ihr ein tief­empfundenes Bedürfnis sein, auch die äußeren Trauerzeichen anlegen za dürfen.

Ich befehle:

1. Sämtliche Offiziere des Feld- und Besatzungsheeres legen, so weit es die gegenwärtigen Verhältnisse gestatten, auf vierzehn Tage Trauer an.

2. Bei meinem Großen Hauptquartier, dem Kaiser- Franz-Garde-Grenadier-Regiment Rr. 2, dem Husaren- Regiment Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn (Schleswig-Holsteinisches) Nr. 16, währt diese Trauer drei Wochen.

3. Während der ersten drei Tage dieser Trauer: a) Flaggen sämtlicher militärischer Dienstgebäude in der Heimat halbmast) b) ist ebendort — außer bei Feuer­lärm und Alarm — von den Truppen kein Spiel zu rühren.

4. An den Beisetzungsfeierlichkeiten haben Abordnungen (Felduniformen mit Helmüberzug) der vor­genannten beiden Regimenter und des 2. Westfälischen Husären-Regiments Nr. 11 in folgender Stärke teilzu­nehmen: von dem Ersatzbataillon des Kaiser-Franz-Garde- Grenadier-Regiments Nr. 2 ein Stabsoffizier, ein Haupt­mann, ein Oberleutnant, ern Leutnant; von den beiden Kavallerie-Regimentern je ein Stabsoffizier, ein Ritt­meister, ein Oberleutnant, ein Leutnant.

Großes Hauptquartier. 22. November 1916.

Wilhelm.

Der Nachruf des „Reichsan^eigers" für Kaiser Franz Joseph.

W. T.-B. Berlin, 23. Nov. (Drahtbericht.) Der „Reichs- onzeiger" schreibt: Das Hinsckeiden des Kaisers Franz Joseph wird überall im Deutschen Reiche in aufrichtiger Trauer be­klagt. Auf das Sterbelager des edlen Monarchen, der länger als zwei Menschenalter die Geschicke Österreich-Ungarns ge­leitet hat, sind aller Augen in ern st er und herzlicher Teilnahme gerichtet. Mit den Völkern der österreichisch­ungarischen Monarchie vereint sich ganz Deutschland in dem tiefempfundenen Gefühl des gemeinsam erlittenen schweren Verlustes. Trauer herrscht bei allen deut­schen Fürsten, die mit dem habsburgischen Hause so vielfach eng verknüpft sind. Besonders schwer und schmerzlich ist der deutsche Kaiser betroffen. In innigsten Beziehun­gen hat Seine Majestät seit Beginn seiner Regierung mit dem Heimgegangenen Monarchen gestanden. Seine Majestät hat es oft ausgesprochen, daß er in dem verblichenen Kaiser einen Freund von wahrhaft väterlicher Gesinnung verehrte. Mit dem Freunde verliert Seine Majestät einen crprobtei' Bundesgenossen, der in unwandelbarer Treue im Frieden wie im Kriege zu seinem kaiserlichen Worte stand. Mitten im Weltkriege durch den Ratschluß des Allmächtige» nt die Ewigkeit abbecufen, hat Kaiser Franz Joseph die feste Zuversicht mit sich hinübernehmen dürfen, daß das zur Ver­teidigung geschlossene Bündnis sich in der schwersten Kriegs- Prüfung zum Heile beider verbündeten Reiche uner­schütterlich bewährt hat. Ein gewaltiges Vermächt­nis hat das nachbleibende Geschleckt aus der Hand des ver­ewigten Herrschers empfangen. Es getreulich zu verwalten :m Sinne und Geiste des so allseitig verehrten Toten, das ist das Gelöbnis, in dem stck die Völker der verbündeten Reiche an seiner Bahre vereinigen.

Wettere Beileids-Kundgebungen.

W.T.-B. Berlin, 23. Nov. (Drahtbericht.) Der Prä­sident des Herrenhauses, Graf Arnim-Boitzenburg, sprach namens des Hauses dem österreichisch-ungarischen Bot­schafter, Prinz zu Hohenlohe, anläßlich des Todes des Kaisers Franz Joseph telegraphisch die Teilnahme des Hauses aus.

Die Trauer der galizischen Pole«.

W. T.-B. Lemberg, 23. Nov. (Drahtbericht.) Die ge­samte Presse drückt ihren Schmerz über den Tod des Kaisers Franz Joseph aus, welchem das polnische Volk Treue, Zuversicht, Dankbarkeit uud Hingebung entgegengebracht habe, und an dessen Sarg es mit anderen Völkern in tiefster Trauer eingedenk der empfangenden Gaben trete. Nachdem er feine ganze Regierungszeit hindurch seinen polnischen Untertanen Wohlwollen geschenkt habe, werde 'die große Zeit, die den Namen Franz Josephs untrennbar an die neue Ära des nationalen Lebens der Polen verknüpft habe, unvergeßlich bleiben. — Der galrzrsche .Landesausschuß sprach in einer

Depesche an die Kabinettskanglei die Worte aus, „der derck- wüvdige 5. November wird stets in den polnischen Herzen fortleben".

Die Befttmmungen über die Leichenfeier.

Die ersten Trauergästc.

W. T.-B. Wien, 23. Nov. (Crg. Drahtbericht) Die Leichen­feier für Kaiser Franz Joseph wird sich zu einer großen Krirgstrauerkundgebnilg gestalten. Der Leichenzug wird sich am 3u November aus der Hofburg über den Burgplatz durch die Ring­straße und Wollzeile zur Stephauskirche bewegen, wo Kardinal P i f f l die feicrlichc Emsegung vornehmen wird, worauf die Leiche in der Kapuzmergrust bergesetzt wird. Am Sarge des Kaisers beteten gestern neben anderen Persönlichkeiten auch die Witwe des deutschen Botschafters, Frau v. Tschirschky. Gestern vormittag er­schien der Minister des Äußern, Baron Bur tan, im Schön­brunner Schloß und erbat von Kaiser Karl die Unterschrift für den Staatsakt, durch den der Monarch seinen Willen kundgibt, den Thron zrc besteigen. Prinzessin Gisela von Bayern traf gestern 6 Uhr abends ein. Um %11 Uhr abends lani Prinz Leopold von Bayern an. Er wurde am Nordbabnhof von der Prinzessin Gisela und dem bayerischen Gesandten empfangen. Nach herzlicher Begrüßung sichren der Prinz und die Prinzessin zur Hrsburg.

Kaiser Karl an den Grafen Lisza.

W. T.-B. Budapest, 23. Nov. (Drcchtbericht.) Kaiser Karl richtete an den Grafen Tisza ein Handschreiben, in welchem er ihn und die Mitglieder des Ministeriums in ihren lbisherigen Stellungen bestätigt und den Ministerpräsi­denten damit betraut, die übersandte Proklamation, di« mit der in Österreich erschienenen gleichlautend ist, kundzumachen.

Der Eindruck der Proklamation des jungen Herrschers.

W. T.-B. Wien, 23. Nov. (Drahtberimt.) Die Prokla­mation, die der Kaiser Karl an seine Völker gerichtet hat, findet in der Öffentlichkeit wegen ihres mit Kr a f t- hewußtsein gepaarten liebevollen, warmherzigen Tones begeisterten Widerhall. Die Presse begrüßt mit allgemein hoher Genugtuung die kaiserlichen Worte, die den Blick in eine Zeit eröffnen, die alle glücklichen Erwartungen zuläßt, weil der kost- bare Schatz an Erfahrungen, die der Kaiser Franz Joseph seinem Nachfolger hinterläßt, lebendig fortwir­ken und sich dem Geists der neuen Zeit segensvoll on- passen werde. — Das „Fremdenblatt" führt aus: Ein leuchtendes Bekenntnis legt der neue Herrscher zu dem Vermächtnis seines Oheims ab, zu Österreich-Ungarn, dessen Geschick ihm in sturmbewegter Zeit anvertraut wird. Sein Glaube an die Lebenskraft der Monarchie, seine Liebe zu stinen Völkern weihen ganz die ihm erwachsende hohe Aufgabe, gewährleisten die Erfüllung unserer Hoffnungen nnd Erwartrmgen und verheißen den habsburrftschen Landen, daß die Saat, die Kaiser Franz Joseph gestreut, von dem Kaiser Karl liebevoll gehegt und behütet aufgehen und sich z u mächtiger Blüte entfalten wird.

Erch-rzoq Zostph Am-eMrer an Stelle der jetzigen Kaffers Marl.

Kktarreichisch-ungarischsr Tagesbericht,

W. T.-B. Wien, 23. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 23. November, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Gcneralobrrsten Erzherzog Joseph.

An der unteren C e r u a haben wir auf dem linken Ufer Fuß gefaßt. Sonst aus der Walachei nichts zu melden. An der ungarischen O st g r e n z e und in den Waldkar- pathen war die Aufklärnngst.itigkeit reger.

Heeresfront des Generalfrldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.

Stellenweise gesteigerter Grschützkampf.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des GrnerslstalwS: v. Hofer, Fckdmarschallcutnant.

Oie Lage im westen.

Die Musterung des Jahrgangs 1918 t« Frankreich.

Eine erregte Kammersitzung.

W. T.-B. Bern, 23. Nov. (Drahtbericht.) Lyoner Blättern zufolge verlies die Dienstagssitzung der fran­zösischen Kammer sehr erregt. Nach den Regierungs­erklärungen, die in einer halbstündigen geheimen Sitzung abgegeben wurden, nahm die Kammer jedoch mit 450 gegen 38 Stimmen die Vorlage, betr. Muste- rung des Jahrganges 1918, an.