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Verlag Langgasse 21

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Mittwoch, 22. November 19!6.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 568. . 64. Jahrgang.

Craiova genommen.

WTB. Wien, 21. Nov. Das Armee- Oberkomaudo teilt am lich mit: Craiova, d-?r Hanptsitz der westliche» Walachei, ist heute Vormittag in Besitz genommen worden.

Die feindlichen Ariegrschiffrverlnfte feit Lriegrbeginn.

Die Beute im Monat Oktober.

W. T.-B. Berlin, 21. Nov. (Amtlich. Drahtbericht.) Im Monat Oktober find 146feindlicheHandels- fahrzeuge von insgesamt 306 500 Bruttoregister. tonnen von Unterseebooten und Torpedobooten der Mittelmächte aufgebracht, versenkt oder durch Minen verlorengegangen. Ferner sind neutrale Handelsfahr­zeuge mN insgesamt 87 000 Bruttoregistertonnen wegen Beförderung von Bannware zum Feinde versenkt worden.

Seit Kriegsbeginn sind durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte 3322000 Tonnen feindlichen Handelsschisfsraumrs verlorengegangen; da­von sind 2550000 Tonnen englisch.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

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U-Bootsleute im englischen Kanal.

W. T.-B. Berlin, 2t. Nov. (Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote hat am 14. November im englischen Kanal ein französisches Bewachungsfahrzeug, anscheinend einen Zerstörer der „Are"- oder „Sape"-Klasse, versenkt. Außer sechs feindlichen Handelsschiffen wurde von demselben Unterseeboot der norwegische Dampfer „Ullvang", der Kriegsmaterial für die französische Regierung an Bord hatte, versenkt.

Der Unfall der „Deutschland". ,

IV. T.-B. Amsterdam, 21. Nvv. Die Zeitungen melden aus New Dork, dah die Eigentümer der „Deutschland" für die Freigabe des Schiffes 87 000 Dollar hinterlegt haben, nachdem auf Grund des schwebenden Prozesses ein Zurückhaltungsbefehl gegen das Schiff ergangen war. Die ..Deutschland" darf demnach seht jeder Zeit den Hafen von New London verlassen.

znedenrkonferenz und Kriegsrat.

Wieder einmal mischen sich in den Klang der Kriegs­drommeten die sanften Töne der Friedensschalmeien. Sie kommen von jenseits des großen Teichs, von wo aus man uns bisher nur Granatengrüße sandte. Die Neutralen, an der Spitze der Präsi­dent der Vereinigten Staaten von Amerika, wollen, so versichert ein Basler Blatt, eine große Vermittlungs­aktion einleiten, eine Friedenskonferenz berufen, um auf diesem Wege dem Weltkrieg ein Ende zu bereiten. Es. wäre an sich nicht unmöglich, daß Präsident Wilson sich mit dem Gedanken trägt, sich durch eine solche Aktion einen großen diplomatischen Erfolg zu verschaffen. Denn er hat es nötig. Wenn auch die Angaben über die P a r t e i g r u v p i e r u n g im neu­gewählten Repräsentantenhause noch ungewiß und widerspruchsvoll sind, so hat es doch den Anschein, als ob die bisherige demokratische Mehrheit entweder ganz ui die Brüche gegangen ist oder aber auf des Messers Schneide steht, während sie im Senat auch nicht gerade imponierend ist. Unter diesen Umständen wäre es be­greiflich, daß Wilson durch den Glorienschein irgend­einer großen Tat werbend zu wirken sich bemühte. Da vun eine Steigerung der einträglichen Muni­tionsausfuhr schon wegen der unbequemen deut­schen U-Boote nicht mehr zu erzielen ist — weshalb sollte man es da nicht auf dem umgekehrten Wege ver­suchen? Als der Wall alt wurde und nicht mehr in die Hürden einbrechen konnte, bot er sich, wie man aus der bekannten Fabel weiß, den Hirten als Wächter an, als Friedensmittler.

Wie steht es nun mit der anqekündigtcn Friedens- Vermittlung? Wie das Basler Blatt behauptet, findet zurzeit zwischen verschiedenen neutralen Regierungen 'kin Meinungsaustausch statt. Kann sein, kann auch nicht sein. Verdächtig klingt die zaghafte Versicherung: ..Sollte es den Anstrengungen der neutralen Vermitt­lung nicht gelingen, die Kriegsstimmung zu überwin­den, so ist wohl eine spätere Ableugnung unserer Frie­densnachrichten zu gewärtigen." Der kluge. Basler Mann beugt vor. Völlig in das Gebiet der Fabel kann jedenfalls das verwiesen werden, was das Blatt über die angeblichen Zugeständnisse der deutschen

Regierung melden zu können glaubte. So soll Deutsch­land sich nicht nur zur R ä u m u n g der besetzten Ge­biete Frankreichs gegen gewisse Zugeständnisse in den Kolonien, sondern auch zur Räumung Bel­giens bereit erklärt haben „unter der Bedingung, daß gewisse Neutrale sich Deutschland gegenüber verbürgen, daß Belgien in Zukunft eine wohlwollende und von jedem ausländischen Einfluß treie Politik gegenüber dem Deutschen Reiche üben werde". Diese Zumutung zeugt von einer gcrazu erfrischend wirkenden Naiv i- t ä t. Was sind Zusicherungen Neutraler wert? Was sind nach den Erfahrungen des Welt­krieges Zusicherungen überhaupt wert? Und wo gibt es denn noch wirklich Neutrale und dazu solche, die willens und in der Lage wären, irgendwelchen Zusiche­rungen Nachdruck zu verschaffen?

Nein, was^die deutsche Regierung betrifft, so können wir erklären, daß sie mit einer solchen V e r- mittlungsaktion bisher überhaupt nichtszutunhatte, mithin nicht in der Lage war, irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Wir haben es auch weder eilig damit, noch einen Anlaß dazu, denn die Kriegs karte zeigt, daß wir der gewin­nende Teil sind' es ist aber Sache der Verlieren­den, Angebots zu machen, wenn sie friedensbedürftig sind. Nach dem Scheitern der mit so großen Opfern eingeleiteten Somme-Offensive müssen das auch unsere Gegner einsehen, und der erfreuliche Fortgang der Er­eignisse in Rumänien wird dafür Sorge tragen, daß sich die K r i e g s k a r t e weiter zu unseren Gunsten ändert.

Unterdessen hat ein aktuelleres Interesse für uns als alle Vermittlungsversuche der Neutralen der Vermitt­lungsversuch zwischen unseren Gegnern. Denn als einen solchen Versuch müssen wir den großen Kriegsrat betrachten, der soeben in Paris abgehal­ten wurde, und dem noch weiters folgen sollen — um end­lich die „einheitliche Front" herzustellen. In Wahrheit ist sie weder militärisch noch politisch einheit­lich. Engländer und Franzosen werfen den Russen vor, daß sie Rumänien im Stich lassen und die Polen ins gegnerische Lager getrieben haben. Franzosen, Russen und Italiener klagen die Engländer wegen Vorenthal­tung von Geld und Kohle an, und die Italiener wer­den von den Ententegenossen wegen Assentierung vom gemeinsamen Kriegsschauplatz gerüffelt.

Diese tiefgehenden Unstimmigkeiten zwischen den Alliierten, die Kohlen- und Nahrungsmittelnöte un­serer Gegner — beginnt doch jetzt sogar England, das uns auszuhungern gedachte, unter ernstlichen Er- nährungsschwierigkeiten zu leiden — und endlich der Blick auf die Kriegskarte sollten die Neutralen, wenn sie sich wirklich mit der Absicht eines Vermittlungsver­suches tragen, darüber belehren, daß sie sich mit ihren etwaigen An- irnd Umfragen nach Bedingungen und Zugeständnissen an diejenige Partei wenden sollten, welche bei nüchterner Beurteilung der Sachlage die Par­tie als verloren ivenn nicht einräumen, so doch jedenfalls erkennen muß. W i r aber sind das gewiß nicht. Also möge Herr Wovdrow Wilson sich an die richtige Adresse, an seine bisherigen — guten Kunden wenden, init denen vielleicht auch dies Geschäft zu machen ist.

Oie Ereignisse in Griechenland.

Dir Vertreibung der Gesandten des Vier­bundes aus Athen. \

I*. Berlin, 21. Nov. (Eig. Drcchtbericht. zb.) über die ge­waltsame Vertreibung der Gesandten des Bierbundes liegen hier keine direkten Nachrichten vor. Das Wenige, was Reuter darüber melden darf, läßt kaum einen Zweifel darüber, daß das an den König und sein Ministerium gestellte Verlangen bereits heute zwangsweise von Admiral Fournct durchgeführt wurde. Es ist kaum anzunchmen, daß die Gesandten der Ansfordernng. sich auf einen von Fournet be­stimmten Dampfer zu begeben, freiwillig gefolgt sind. Der französische Seemann, der es mit seiner Ehre für verein­bar hält, in Achen die roheste Polizeirolle zu über­nehmen, wird schon genötigt gewesen sein, die beim griechi­schen Herrscher beglaubigten und als unverletzlich geltenden Diplomaten durch seine Häscher von chrem Posten fortholen Hu lassen. Sie sind zweifellos nur der brutalen Gewalt ge­wichen. Damrt hat die Entente jetzt nahezu den letzten Schritt getan, um den NeutralitätÄbruch und die Völkerrechtsver- letznngen zu vollenden. Man denke zurück an das Geschrei bei dem deutschen Einmarsch in Belgien. Die Preisgabe von M o n a ft i r hat den König auch nicht überzeugt, daß die Mittelmächte besiegt werden können. Er ahnt wohl den Verlauf der Kämpfe in Rumänien, wenn chm auch die Nachrichten von diesem Kriegsschauplatz vorenthalien worden sein dürften.

Der griechische Krourat will die Entente­fordeungen nicht bewilligen.

Sr. Lugano, 21. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einem Telegramm des „Corriere della Sera" aus Athen soll

der K r o n r a t beschlossen haben, die Forderungen der Entente, welche • sich auf Auslieferung des Kriegsmaterials und Ausweisung der Gesandten der Mittelmächte bezogen, obzulehnen.

Ein neuer übcrredungsversuch Briands gegenüber König Konstantin.

(Drahtbericht unseres Kr.-Sonderberichterstatters.)

Kr. Genf, 21. Nov. (zb.) Nach der Lyoner Presse unter­nahm Briand einen letzt«« Versuch, König Kon­stantin zum Anschluß an die Entente zu bewegen. Er sandte dem König einen Brief, worin der Fall von Monastir als ein untrügliches Zeichen für den kommenden Sieg der Entente hingestellt wird. Ein weiteres Zögern würde nur dazu sichren, daß die Entente Venizelos in weitestgehendem Maße ihre Unterstützung angedeihen lasse, wodurch das Königshaus in die schlimmste Lage geraten müsse. Die Forderung des Admirals Fournct ans sofortige Auslieferung des sämtlichen Kriegsmaterials wäre gestellt wovden, um die Wirkung des Kriegs zu ver­stärken und zu zeigen, daß die Entente sich nicht länger Hin­halten lasse. Die Blätter glauben, mit Recht behaupten zu müssen, die plötzliche erneute Krankheit des Königs Konstantin wäre nur simuliert, um Zeit zu gewinnen.

Verstärktes Eingreifen Italiens an der mazedonischen Front?

Br. Stockholm, 21. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Laut , Tidningen" glaubt man in Paris zu wissen, daß Italien in absehbarer Zeit eine mehr aktive Rolle an der mazedonischen Front spielen wird. Der Herzog von Aosta soll den Oberbefehl an jener Front übernehmen.

Oer ttrieg gegen Rußland.

Die tägliche Sorge des Vierverbandes.

Stockholm, 21. Nov. <(zb.) Unter dem Titel „Wie lange wird Rußland noch durchhalten?" schreibt die „Nha Dagligt Allchanda": Die Frage, ob Rußland noch im englischen Dienst genügend lange anshalten wird, ist die tägliche und'große Sorge des Bierverbands. Die heutigen Dementis, daß Rußland keineswegs gewillt ist, einen Sonderfrieden zu schließen, deuten hierauf hin. Wohl wirken die Erklärungen der russischen Kriegs- und Marineminifter, daß Deutschland jeden Tag seinen: Unter­gang näherkomme, wie Keulenschläge, doch hat es keineswegs den Anschein, als würden sie die Wirklichkeit dieser Beteue­rungen bekräftigen. Das groß angelegte Aufgebot der ganzen deutschen Volkskraft hat ernste Unruhe in den Vierverbandsstaaten geweckt. Obgleich nicht daran zu zweifeln ist, daß der Vierverband Deutschland an Menschen­vorräten übertrifft, so bleibt das entscheidende Rkoment nur eine intelligent durchgeführte Organisation, und in dieser Beziehung kann der Vierveüband sich nicht mit Deutschland messen. Was Rußland im besonderen betrifft, so verfügt cs noch über Vorräte von Menschen, aber um zu siegen, bedarf man noch anderer Faktoren als Kanonenfutter.

Ein Familienrat des Hauses Romanow.

Änderung in der russischen Thronfolge?

(Drahtbericht unseres L.-Sonderberichterstatters.)

8. Stchkholm, 2!. Nov. (zb.) Dem zarischen Familienrat, der im Kiewer Schloß stattfand, lommt nach Petersburger Nachrichten die größte politi- sche Bedeutung zu. Der Zar begab sich, begleitet aus­schließlich von: Thronfolger und dem Großfürsten DimitriPawlowitsch, nach Kiew, wo er von der Zarin- Mutter sowie den Großfürsten Paul Alexandrowitsch und Alexander Michailowitsch am Bahnhof empfangen wurde. Nach dem Gottesdienst in der Sofiakirche, be­gaben sich die Fürstlichkeiten zu den Beratungen in das Schloß. Bei dem bedeutenden Einfluß, den die Zarin- Mutter stets in den Angelegenheiten des kaiserlichen Hofes besaß und weil man in ihr die letzte wahre Hüterin der Romanowichen Dynastie erblicken will, ist aus südrussischer Quelle nach Petersburg das Gerücht gedrungen, der Familienrat habe eine Änderung in der Thronfolge erwogen, wozu der erschütterte Gesundheitszustand des Thronfolgers den Anlaß bot.

Die Leiden der Fremdvölker Rußlands.

Eine harte Nuß für Herrn Asquith.

Die Liga der Fremdvölker Rußlands hat sclgendes Telegramm an Me. Asquith gerichtet: „Die An­teilnahme, die Sie in Ihrer letzten Rede den Leiden der Armenier gezeigt haben, hat lebhaften Widerhall in unseren Herzen gefunden: — ist es doch ein weiterer Beweis, daß die Rechte und Freiheiten der kleinen Nationen anerkannt wer­ten. Das Schicksal unseres Brudervolkes geht uns nahe! Wir bitten Sie aber nicht zu vergessen, daß wir Fremdvölker Rußlands ungleich schwerere Leiden ertragen haben vnd noch ertragen müssen. Viele Millionen Finnländer, Balten, Litauer, Weiß-Ruthenen, Polen, Juden, Ukrainer, Kolonisten, Georgier und Kaukasier, Tataren und Völker­schaften Zentralasiens sind auf Veranlassung der russischen Regierung evakuiert, verhungert und der-