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Der Roman.

Morgen-Vellage -er Wiesbadener Tagblatts, i «m

Nr. 273.

Dienstag, 21. November.

1916.

{ 2 . Fortsetzung.)

Und das Glück kam.

Bon Elisabeth Feie»,

(Nachdruck verboten.)

Wie ist es dmn^ auf Kaum? Erzähle doch. Hast du angenehmen Berkehr?"

Sehr. Ich werde dir mit der Zeit davon erzählen, aber jetzt ist es, als ob alles hinter mir wäre. In all den Jahren glaubte ich so vieles von hier vergessen zu haben, und nun steht die alte Zeit vor mir, als sei es gestern gewesen, daß wir als Pennäler in den Pausen auf dem Luisenplatz auf und ab gingen"

Oder uns beim Konditor stärkten"

Das tatest du"

Natürlich, dafür warst du zu gesittet!"

Laß nur. Es hat uns beiden nichts geschadet, Was ist aus Wiesbaden geworden? Es ist seltsam, aber es Erscheint mir beinahe mehr als Heimat als Schwal- bach. Das ist, weil ich die beiden Jugendjahre da ver­lebt habe." «

_Du wirst dich Wundern, es hat sich sehr verändert. Wiesbaden ist Großstadt geworden."

Philipp hörte nicht zu. Er erhob sich, um eine auf­fallend schöne Dame zu grüßen, die von draußen herein- ram. Sie dankte mit strahlendem Lächeln.

Ah", machte Randolph,so was kennst du? Ist sie mit auf dem Schiff gewesen? Wie heißt sie?"

Noch ganz der Alte", lachte Philipp belustigt.Mit sechsundzwanzig genau wie mit sechzehn. Ein schönes .Gesicht bringt dich aus der Fassung! Ja, sie war mit auf derWerra", und ich war sogar ihr Tischnachbar."

Und wußtest nicht, daß sie auch hier wohnen wollte? Wir hätten doch mit ihr speisen können!"

Gewiß, das hätten tvir gekonnt. Aber sieh mal, mir nichts daran, und daß du kämest, konnte ich nicht

Ja, natürlich, alter Kerl. Das vergaß ich."

Das Mahl ging zu Ende. Randolph bestand darauf, bas Wiedersehen mußte im Ratskeller noch mit einem Extratropfen gefeiert werden. Philipp war viel zu glücklich, um zu widersprechen.

Das Trinken als Selbstzweck kennt man da drüben kaum", sagte er.Aber es schadet nichts, man kommt sa nicht alle Tage aus Hawai, nur mußt du dich darauf gefaßt machen, daß du micki nach Hause bringen mußt!"'

Es soll, mir ein Fest sein , freute sich Randolph. Philipp erwies sich jedoch als trunkfester, als er selbst ge­dacht hatte. Bis in die späte Nacht saßen die Freunde und plauderten von alten Zeiten. Vielleicht, daß der Me Wein die Herzen weiter öffnete, als es sonst der Fall gewesen wäre, denn manch ein Wort wurde ge­brochen, das bis dahin noch nie den Weg bis auf die Lippe gefunden hatte; und als sie sich endlich trennten, taten sie es mit dem begliickenden Gefühl, daß die Freundschaft der Jugend Jahre dauern würde wie sie hofften, fürs Leben.

Am nächsten Tage reiste Philipp nach Hause. Er wußte^ seine Mutter erwartete ihn, sonst hätte er gerne Noch erneu Tag mrt Randolph verlebt. Aber sie würden Wiedersehen, wenn nicht eher, dann bei der Rück- se im Spätherbst.

Randolph hatte die Zeit verschlafen, auch Wohl nicht im Ernst daran gedacht, daß Philipp nach der schweres Sitzung des gestrigen Abends wirklich abreisen würde. Dieser war in der Tat noch sehr müde, und während der ersten Stunden der Fahrt dämmerte er still vor sich hin? Die GeMnd, die er durchfuhr, interessierte ihn, der in bezug auf Natucschönheiten sehr verwöhnt war, nicht, denn der Blick für die bescheidenen Reize des flachen Landes ging ihm völlig ab. Und dann er war so erfüllt von dem Zusammensein mit Randolph, und eine lebhafte Vorfreude auf das Wiedersehen mit Mutter und Schwestern kam immer mehr zum Durchbruch bei ihm., Erst als der Zug in Gegenden kam, deren er sich hon früher erinnerte, gewann er Interesse für die Land- schaft. Kurz vor Frankfurt stellt er sich an das Fenster seines Abteils, um nichts inehr zu versäumen. Das Herz wurde ihm weit, als die wohlbekannten Taunus­berge herüber grüßten, und nachher, als es immer näher auf Wiesbaden zu ging, war er ganz von Erinne­rungen eingesponnen. Dort die Mühle wie hieß sie doch noch? Der )unge Besitzer war ein Schulkamerad gewesen, und Philipp hatte vor Jahr und Tag die Nach- richt erhalten, daß er gestorben sei,Armer Kerl", dachte er wehmütig,du lebtest so gerne!" An der an­deren Seite lief die Adolfsallee schnurgerade nach Biebrich hin, genau wie vor zehn Jahren. Wie oft war Man dort hinaus gewandert, um im kühlen Rhein zu baden!

Plötzlich hielt der Zug, der schon allmählich seine Fahrt verlangsamt hatte. Philipp hatte staunend beob­achtet, wieviel neue Gebäude in der Mainzerstraße ent­standen waren; es war ihm daher entgangen, daß er am Ziel war. Erst der Ruf des Schaffners:Wiesbade, alles aussteigeI", machte dem Weitgereisten klar, daß er vergeblich auf den altenNheumatismusbahnhof" ge­wartet hatte. Er stieg aus und befand sich in einer fremden großen Bahnhofshalle, die ebensogut in irgend einer anderen beliebigen Stadt hätte sein können.

Wie klebt man doch am Alten", dachte Philipp, während er sich nach dem Zug nach Schwalbach durch­fragte,es bereitet mir geradezu Schmerz, daß di« früheren unbequemen Verhältnisse ausgehört haben." Sein ganzes Sein war in gespannter Erwartung. Ec empfand vorahnend, wie anders er vieles beurteilen würde als vor zehn Jahren, und er freute sich darauf. Die Fahrt über die Eiserne Hand und an der anderen Seite hinunter über Hahn und Bleidenstadt verging wie im Fluge, denn überall her grüßte die Jugend, und viel zu schnell wechselten die Bilder, die Philipp hätte fest- halten mögen. Wie hatte er nur so lange fernbleiben können? Und wie war es möglich, daß er jahrelang an manche Stellen hier im heimatlichen Walde kaum noch gedacht hatte, von denen jede einzelne ihm heute Erinnerungen zuraunte? Er breitete die Arme auch als wolle er die Berge und Wälder und Wiesen an fein Herz pressen. ,

Und dann hielt der Zug in seinem HennatstädtchelL,