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Dienstag, 21. November 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 566. ♦ 64. Jahrgang.

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Die militärische Lage.

(VonunsererBerlinerAbteilung.)

L. Berlin, 20. Nov. (Eig. Meldung, zb.) Im Weste« war der gestrige Sonntag ein Großkampftag erster Ordnung. Schon am Samstag setzte bereits sehr heftiges Artillerieseuer beiderseits des Ancrebaches ein. Am Vor­mittag schon setzte« die Engländer größere Infanteriewaffen zu einem Durchbruchsversuch bei Serres und aus der Linie Grandcourt-Barlencourt von äußerster Kraftcntfaltuug ein. Wiederum hatten sie ihrer ersten Frontstellung beträcht­liche Kavalleriemaffe« und Kampfantomobile bereitgestellt. Bei diesem ersten Gewaltstoß erreichte der Feind nur eine blutige Niederlage. Bon allen deutschen Regimen­tern, die an der Abwehr tapferen Anteil hatten, wurde ge­meldet, daß die Engländer haufenweise ihre Toten zurück- lassen mußten. Am Nachmittag des 18. und am Bormittag des 19. November wurde nach dem ersten Fiasko zu zwei weiteren Angriffen gegen dieselbe Frontstellung an­gesetzt. Die von «ns festgestellten neuen britischen Verstärkun­gen sollten anscheine»ch eine besonders blutige Feuertaufe erhalten. Bor solchem Maffenstnrm konnte es nicht aus- Ileiben, daß der Gegner an einzelnen Punkten tief in unsere Linie eindrang, so bei S c r r e S. Er wurde aber überall von unseren Truppen auf seine alten Stellungen zurückge- w o r f e n, so daß als Ergebnis der furchtbaren Kampftage ihm nur eine kleine vorspringende Ecke bei Serres und ei« Graben­stück rin Kilometer südlich Serres Übriqblieb. In einem Hand­granatenangriff wurde das Dorf Serres von unseren Truppen zurückerobert. Aus diesen Kämpfen brachten unsere Truppen vom 13. dis 17. November 11 Offiziere, 528 Mann und 14 Maschinengewehre, am 18. und 19. November 11 Offiziere, 379 Mann und 20 Maschinengewehre zurück. Gegen den St. - Pierre-Baast-Wald wurden von den Franzosen erneut sehr starke Angriffe gerichtet, die zurückgewiesen wurden. Südlich Grandcourt ver­nichteten wir wieder eines der berühmten englischen Panzer­automobile. Unsere Artillerie belegte feindliche Munitions­lager südlich Grandcourt erfolgreich mit Granaten. An der Maas und in den Vogesen stärkere Beschießung.

Von der O st f r o n t kam keine ergänzende Meldung von Bedeutung. Stur am Stoch od entwickelte sich ein Kampf; am 18. Artillerieseuer, am 19. Jufanteriezusammenstöße von größerer Heftigkeit.

Bon der siebenbürgischen Nordfront ist nichts zu berichten. Dagegen von der S ü d f r » n t weitere glück­liche Fortschritte unserrr Truppen. Nach dem entscheidenden Ringen der letzten Tage sind wir aus dem Ge­birge in die Ebene bis in die Nähe der Bahnlinie durchs Iin - Tal vorgerückt. DaS größte Stück Arbeit leffteten die heldenhaften Angreifer »ater den denkbar schwierigsten Ge­lände- und Witterungsverhältnissen nach dem weiteren Aus­bau unserer Stellungen südlich des Bulkan-Pafsrs. Die Schlacht bei Targul-Ji« hat den Rumänen so zuge­setzt, daß jetzt ihr Widerstand sehr beträchtlich nackläßt. über den Franktireurkrieg werden die schlimmsten Dinge gemeldet. Der Gesamteindruck auf dem westlich-rumänischen Kriegsschauplatz ist durchaus günstig und die Versuche der Be­völkerung, unseren Vormarsch durch verbrecherische überfalle aufzuhalten, sind gänzlich zwecklos.

In der D o b r u d s ch a am rechten Flügel verschanzt sich der Russe, wogegen am linken Flügel Artilleriefeuer, beson­ders bei S i l i st r i a. über die Vorgänge in Südmaze- d o n i e n läßt sich erneut nur sagen, daß die Aufgabe der Stadt M o n a st i r keine militärische, sondern nur politische Bedeutung hat; vo» einemDurchbruch kann hier keine Rede sein, da das Gebirge, in das unsere Stellungen plan­mäßig zurückverlegt wurden, einen weit sicheren Schutz ge­währt, als wir ihn bei unserer Defensive im Tale fanden.

Bo« der italienischen Front wird Schnee und Tauwetter gemeldet.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. 1.-8. Wien, 20. Nov^ (Dcahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 20. November, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Karl. Die Operationen gegen Rumänien verlaufen planmäßig. Nördlich von Campolung wurden wieder heftige Angriffe abgeschlagen.

Heeresfront des Generalfeldmarschakls Prinz Leopold von Badern.

Nichts von Belang.

Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keinerlei Ereignis von Bedeutung.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö s e r, Feldmarschallcntnant,

Die Beteiligung der rumänischen Zivilbevölkerung ' am Kampf.

Genf, 19. Nov. (zb.) Die an dev rumänischen Front weilenden französischen Berichterstatter bestätigen, wie der Lyoner „Nouvelliste" mitteilt, daß sie wohl Zivilbe­völkerung, Greise, Frauen und sogar Kinder, in den

Reihen der Kämvfenden gesehen hätten, doch hätte sich ihre Teilnahme lediglich ans das Heranbringen von Munition und Lebensmitteln beschränkt. (Wir wissen, daß es sich um richtigen Franktireur-Krieg der rumänischen Zivil­bevölkerung handelt. Schriftl.)

Oer Rrieg gegen England.

Scharfe Hcranholung der Zurückgestellten in England.

(Drahtbericht unseres Il.-Sonderberichterstatters.)

17. Haag, 20. Nov. (zb.) Dem „Daily News" zufolge wird seht nicht nur in den Industrien, sondern auch in den Gewerben Englands eine sehr eingreifende Sichtung der bislang zurückge st eilten Mannschaften vorgenom­men. Es wird allen Arbeitgebern zu verstehen gegeben wer­den, so schnell als möglich, die Ausbildung weiblicher Arbeitskräfte durchzuführen. Es verlautet weiter, datz mit Beginn des Jahres IN 7 60 000 Bäckergesellen, 30 000 Fleischer und 40 000 städtische Strotzen- und Transport­arbeiter eingezogen werden sollen.

Haag, 20. Nov. Die „Central News" meldet aus Lon­don: Eine besondere IstegierungÄommission bereift zurzeit alle größeren Städte, um zu untersuchen, wie viele der bisher vom Heeresdienst befreiten Polizeimannschaften eingezogen werden können. In London haben in der letzten Zeit 2000 Polizeibeamte ihren Gestellungsbefehl erhalten.

Die Wirkung der Zeppelin-Angriffe.

Me Augenzeugen der letzten großen Zeppelinangriffe auf London in Christiania erzählten, sollen die Verheerun­gen ganz ungeheuer gewesen sein und in ihren Wir­kungen jeder Beschreibung spotten. Der Eindruck war ein befgebender, und der Schrecken ist im ganzen Lande äußerst nachhaltig. — Vielfach wurde die Ansicht geäußert, datz England auf die Dauer den Krieg nicht weiter führen könne, wenn Deutschland große Massenangriffe der Zeppeline in häufiger Wiederholung gegen England richten würde.

Die Inangriffnahme des Lebensmittelprvblems nach deutschem Vorbild.

(Drahtbericht unseres ^.-Sonderberichterstatters.)

17. Haag, 20. Nov. (zb.) „Central News" berichten aus London: Berichten aus parlamentarffchen Kreisen zufolge plant die Regierung die Errichtung besonderer Kontroll­stationen für alle Lebensmittelabschlüsse, die einen gt wissen Wertbetrag übersteigen. Alle Angaben über Ver­kaufspreise, Lieferzeiten, Lagerung usw. sind dort einzu­reichen. Unrichtige Angaben werden mit schweren Geldstrafen belegt. Ferner steht eine amtliche Bestandsaufnahme der Mehl-, Getreide-, Zucker-, Öl- und Petroleumvorräte bevor, ebenso die Einführung des Kartensystems zunächst für Brot, Mehl, Zucker und Milch, später auch ftir Kartoffeln und Fleisch. M dies sei nur ein Teil der sehr umfassenden Organisation, die für die Bewältigung des Lebensmittel- problems geschaffen werden soll.

Englische Frivolität.

Der „Züricher Tagesanzeiger" meldet aus London: .Lloyds" verlangt 30 v. H. für Versicherungen, daß der Krieg vor dem 3 0. S e p t e m b e r 1917, aber nur 15 v. H. dafür, datz er vor Ende 1918 beendet sein wird.

Oer Rrieg gegen Rußland.

Großfürst Nikolai zum Zaren berufen.

Br. Genf, 20. Nov. (Eig. Drahtbericht, ch.) Der Pariser „Temps" meldet aus Petersburg: Dem „Rjetfch" zufolge be­rief der Zar den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch ins Große Hauptquartier.

Das polnische Linsengericht des Zaren.

Der „Pester Lloyd" veröffentlicht einen Artikel, in dem es heißt: Kein der Herrschaft Rußlands entrückter Pole, und kaum viele von den seiner Gewalt noch unterworfenen Holen werden sich von den längst erneut erwartet«! russischen Verheißungen locken lassen. Die Mittelmächte selbst fühlen sich von dem mit gemachter richterlicher Strenge ihnen ent- gegengeschleuderten Vorwurf der Völkerrechtsverletzung nicht im mindesten betroffen. Es ist einfach nicht wahr, datz die Bevölkerung des neuen Kömgrucbs gezwungen wird, cm unserer Seite gegen den russischen Erbfeind zu kämpfen. Es gibt keine Zwangsrekrutierung in Russisch- Polen, nur eine freiwillige Werbung für ein nationales Heer, und diese Tatsache kann durch die bewußte und absicht­liche Lüge in dem russischen Protest keineswegs „null und nichtig" gemacht werden. Die russische Regierung mutet uns da ein Vergehen gegen das Völkerrecht zu, dessen sie selbst sich tatsächlich in zahlreichen Fällen schuldig gemacht hat, indem sie Staatsangehörige der Monarchie als Kämpfer­in Massen in ihre Armee vereinte. Und das waren nicht ein­mal Bewohner eines von Rußland vorher für unabhängig erklärten Teiles- unseres Gebiets. Es waren vielmehr dem Kaiser von Österreich durch Treueid verpflichtete Bewohner eines Landes, in dessen eroberten Hauptstadt der Zar vor­eilig die „Vereinigung für immer mit der russischen Krone"

verkündet hatte. Das nationale Heer der Polen kommt nicht durch Gewaltakt, sondern durch einen freiwilligen Akt des Volkes zustande, das seinen eben errungenen selb­ständigen Staat gegen den früheren Zwingherrn verteidigen und sichern helfen will. Der Zar sollte das Wort Völkerrecht nicht in den Mund nehmen! Die Polen werden die russische Kundgebung mit Augen, die verschärft sind durch jahrzehnte­lange, bittere Erfahrung, lesen. In Frankreich und in Eng­land mag es naive Leute geben, die der Zar mit edelkliugen- deu Worten noch täufcken kann. Den geschulten polnischen Augen muß sich aber die Unaufrichtigkeitder Kund­gebung in einem einzigen Augenblick enthüllen. Was ver­spricht denn der Zar den Polen? Ein Gesamtpolen, zu dem ihm in diesem Augenblick nicht weniger als alle polnischen Gebiete fehlen Was müßte der Zar olles zurückerobern, und was alles hinzueroberu, um über ein Gesamtpolen ver fügen zu können! Heute klingt das Wort in seinem Munde wie die bitter st e Selb st Verhöhnung. Angenommen ävec, das ungeheure Wer? gelänge: Was will der Zar aus Gesamt­polen machen? Er will ibm eine lokale Selbstverwaltung geben, und das heißt, nach alledem, was die russische Ge­schichte von dem Begriff und der Praxis .der Selbstverwaltung aussagt, noch lange nicht das Ausmaß der Autonomie, das Galizien bis zrwn Krieg besessen hat, und das durch das kaiserliche Handschreiben an den österreichischen Ministerprä­sidenten noch gewaltig gesteigert werden soll. Der eigene Staat bleibt, wenn es nach Rußlands Will«! geht, Polen vorenthalten.

Oie Lage im Westen.

Ern neuer englischer Luftangriff auf Ostende und Zeebrügge.

Br. Rotterdam, 20. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die englische Admiralität teilt mit, daß die Wasser­flugzeuge gestern morgen einen erfolgreichen Vorstoß nach Ostende und Zeebrügge auSgeführt und erfolgreich große Me'igen Bomben auf die Hafen und die dort liegenden Schiffe ausgeführt hätten. Alle Flugzeuge seien wohlbehalten zu- rückgekehrt.

Die feindlichen Berichte.

Französischer H«er«sbericht vom 19. November, nachmittags.

Die Nacht war au der ganzen Front verhältnismäßig ruhig. Die Truppen der Orient arm e e rückten morgens um 8 Uhr in M o „ a ft t v cm. Heute ist der Jahrestag der Einnahui« von Monaltir durch die Serben nn Jahre 1912.

Französischer Heeresbericht vom 19. November, abends. Außer hestiger Beschießung des Forts Douaumont und seiner Um­gebung von der ganzen Front nichts zu melden.

Englischer Heeresbericht vom 19. November, nachmittags. Die Lage ist mlverändert. Das Wetter ist weiter stürmisch und regnerisch.

Englischer Heeresbericht vom 19. November, abends. Die Lage ist unverändert Du Zahl der gestern an der Aucre gmrachten Gefangenen beträgt 29 Osiiziere und 762 Wann, was eine Gesamt­zahl von 6952 Gefangenen seit dem 13. November abends ergibt.

Der Rrieg gegen Italien.

Das kümmerliche Gesamtergebnis für die Italiener im Küstenlande.

W. 1.-8. Wien, 19. Nov. Aus dem Kriegspreffemut wird gemeldet: Die feindliche Presse, ' insbesondere jene

Italiens, kann sich in Übertreibungen der in den Rechten Schlachten im Gör zischen erzielten Erfolge nicht genug tun. Demgegenüber seien die Tatsachen zu- sammenfaffend klargeleqt- Im Küstenlande hatten unsere Truppen.bisher neun Verteidigungsschlachten zu schlagen. Unsere Front blieb nördlich Salcauo unverändert. Nur zwischen diesem Orte und dem Meere erfuhr sie eine Veränderung. Somit hat sec Feind im Görzischen, wo nach und nach fast alle Verbände seines Heeres auftraten, tu anderthalbjährigem Kriege einen maximalen Raumgewinn Ion zwölf Kilometer erzielt. Dieser Fortschritt kostete die Italiener weit über eine Million blutiger Verluste. Die Z-ah! der seit Anfang August also in vier Schlachten gemachten Gefangenen wird von italie- 'nischer Seite bekanntermaßen auf 40 000 zusammengerech­net. Wir haben an der Südwestfront einmal angegriffen und dabei 50 000 Gefangene und über 300 Ge- schütze eingebracht. ________

Griechenland.

Fournet drangt auf beschleunigte Aus­lieferung des griechischen Kriegsmaterials.

\\r. l.-ß. Bern, 20. Nov. (Drahtbericht.) Der „Corriere della Sera" meldet aus Athen: Admiral Fournet hat eine neue Note übecreicht, die die Übergabe von Waffen, Munition und sonstigem Material beschleunigt wissen will. Das zu überreichende Kriegsmaterial soll der Ausrüstung zweier griechischer Jahrgänge entsprechen.

Die Umgrenzung der neutralen Zone.

W. 1.-8. Amsterdam, 20. Nov. Nach einem hiesigen Blatte meldet die Londoner „Times" aus Athen: Die neu­trale Zone zwischen d«u treugebkdebenen und aufstän­dischen Griechenland soll 3 bis 7 Mieter breit sein. Sie soll sich erstritten vonl Litochori am Golf von Salruiki über