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Wiesbadener Tsgblstt.

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„^agblaiihans" Nr. S65S-53.

So» 8 Uhr morgen» bis 7 Uhr abends, außer ETeeninK.

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»"*»8!*"*“$^ Berliner Abteil«», »es Wiesbaden« Tagblatts: Berlin Ast» Potsdamer Str. 121L. Fer»s»r.: »mt Lützow 6202 u. 6203. Nge»»»d'WA"iRc?Kn-°«ewäb"Kn"°En".

Zreitag, 17. November 1916. Kbeild-KU§HabE. Ur. 560. . 64. Jahrgang.

Mitzerselge der Engländer und Franzosen an der §omme.

5 englische Maschinengewehre erbeutet.

Erstürmung des Runeul.

2150 Rumänen gesungen genommen.

ver Tagesbericht vom 17. November.

W. T.-B. Großes Hauptquartier. 17. November. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht.

Auf beiden Somme-Ufern kam es zu zeitweilig sehr starkem Artilleriekampf.

Gegen Abend erfolgte ein englischer Angriff auf Beaumont» dessen Borbereitungsfencr auch auf das süd­liche Ancre-Ufer Übergriff; er scheiterte ebenso wie ein Nachtangriff westlich von Le S a r s.

Am Wege Flers-Thilloy wurden durch das Garde- Grenadier-Regimcnt Nr. 5 bei Säuberung eines Engländer- nestes 5 Maschinengewehre erbeutet.

Französische Vorstöße beiderseits Sailly - Sail- lisel brachten dem Angreifer keinerlei Vorteil.

Am Tage und während der Nacht war die beiderseitige Fliegertätigkeit rege.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Die Gefechtstätigkeit zwischen Meer und Karpathen blieb gering.

Front des Generalobersten Erzherzog Karl.

Im Gyergye-Gebirge» auf den Höhen östlich des Putna- Tales leistet der Rüste unserem Angriff zähe» Widerstand.

An der Grenze östlich von Kezdivasarhely wurde von dem oft bewährten bayerischen Reservr-Jnfanterie-Regi- mcnt Nr. Ist der Gipfel des Runcul Mr. im Sturm g e - »ommen und gegen starke Angriffe behauptet.

Westlich der Predeal st ratze brachen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen in die rumänische Stellung ein. — Die unter dem Befehl des Generalleutnants Krafft von Delmensingen südlich des R o t e n - T u r m - P a s s e s tordringenden Truppen konnten als Ergebnis ihrer gestrigen Kämpfe wieder 1» Offiziere» 1500 Mann als Ge­fangene znrückführen. An anderen Stellen der sieben- bürgischen Front wurden außerdem 650 Rumänen gefangen genommen und 12 Maschinengewehre erbeutet.

Nach Meldungen der Truppen beteiligt sich die rumä­nische Bevölkerung am Kampfe.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalirldmarschalls van Mackensen.

Bei Silistria lebhafteres Artillerirfeuer als m den Vortagen.

Mazedonische Front.

Zwischen Malik und Prespa-See» am Wcstrande der Ebene von M o n a st i r und an den Höhen nordöstlich von Ccgel lim Eernabogen) sind neue starke Angriffe der Entente-Truppe» znrückgewiesen worden.

Der erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

erfolgreicher verbringen in Sieben» bürgen.

W. T.-B. Berlin, 16. Nov.» abends. (Amtlich.) Auf nörd­lichem Ancre-Ufer ist Kampf bei B e a » c o u r t im Gange.

An siebenbürgischer Südfront '»lgreiches Bordringe.r.

Bom Balkan bisher nichts Neues.

Um Sein oder Nichtsein.

Von Dr. Friedrich Naumann» Mitglied des Reichstags.

In dem Briefe Hindenburgs an den Reichskanzler finden sich folgende politisch sehr beachtenswerte Sätze: „In dankenswerter Weise hat das Kriegsernährungsamt der Ernährung der Arbeiter in der Kriegsindustrie seine besondere Aufmerksamkeit ge­schenkt. Da jedoch das Kriegsernährungsamt auf die Ausführung der Maßnahmen einen geringen Einfluß auszuüben vermag, bedarf es der einmütigen hingeben- den Mitwirkung der Landeszentralbehörden und der diesen unterstellten Verwaltungs- und Kom­munalbehörden. In den Kreisen dieser Behörden scheint mir nicht überall ausreichend erkannt zu sein» daß es um Sein oder Nichtsein linseres Volkes und Reiches geht." Schon die Tatsache, daß diese Sähe veröffent­licht werden, gibt zu denken. Es wird in ihnen der ge­ringe Einfluß des Kriegsernährungsamtes und die mangelnde Mitwirkung der Landeszentcalbehörden zum Ausdruck gebracht..

Vermutlich werden sich die betreffenden Amtsstellen in irgendeiner Form dazu äußern. An sich liegt unseres Erachtens ein Vorwurf gegen das Kriegs- ernährungsamt nicht in den Worten Hinden­burgs, sondern nur die Feststellung einer Tatsache. Das neue Amt ist Reichsamt uud hat als solches keine eigenen Organe und leidet ebenso wie das Reichsamt des Innern an der deutschen Bundesverfassung, die sich ini Krieg als nicht ausreichend zeigt. Mag diese deutsche Verfassung noch so viel Vorzüge haben, so erschwert sie ein schnelles und direktes Verfahren. Ein preußischer Landrat, der die eigentliche ausübende Kraft in den Ernährungsfragen ist, ist dienstlich denk Regie­rungspräsidenten unterstellt, dieser dem Oberpräsiden­ten, dieser dem Ministerium des Innern; das Ministe- riuni aber ist dem Kriegsernäbrungsamte nicht unter­stellt. Es empfängt seine Verordnungen wie Zuschrif­ten einer befreundeten Macht und gibt sie mit mehr oder weniger Eifer und Nachdruck weiter. Dazu tritt der weitere Umstand, daß zwar der Landrat als solcher im Abhängigkeitsverhältnis zum Minister des Innern steht, daß aber die Angelegenheiten, um die es sich han­delt, oft gar nicht ins Ministerium des Innern ge­hören, sondern ins Landwirtschafts- oder Handels­ministerium. Da nuu aber in Preußen die verschiede­nen Minister unter sich gleichgestellte Größen sind, so eröffnen sich hier für Hemmungsgeheimräte die ver­schiedensten Möglichkeiten, ohne daß gerade von direk­tem Übelwollen gesprochen zu werden braucht. Es ge­nügt etwas beamtenhafte Rechthaberei,um die Maschine langsamer gehen zu lassen. Und weiter­hin hat der Landrat als solcher eine selbstverständliche und berechtigte Neigung, gerade den Wünschen seines Kreises und seines Kreistages gerecht zu werden. Die Kreisinteressen umgeben ihn täglich, während das Kriegsernährungsamt hoch über ihm schwebt. Gesamt- ergehnis aller dieser Voraussetzungen sind die Sätze Hindenburgs. Wir vertiefen uns etwas in seine ein­zelnen Worte:

Das Kriegsernährungsamt hat nur geringen Ein­fluß auf die Ausführung der Maßnahmen. Es sendet Verordnungen, Ratschläge, Anweisungen, Umfragen in die Welt und freut sich, wenn die Aus­führung erfolgt. Eine drohende und strafende Gewalt ist nicht in seinen Händen. Wie sollte man auch eine derartige Gewalt verfassungsmäßig zurechtschnitzen?

Die Mitwirkung der Landesbehörden soll einmütig und hingebend sein. Es hat also leider an Zu­sammenarbeiten und an Eifer gefehlt. Das ist eine Anfrage an Bundesregierungen. °

Sowohl die Landeszentralbehörden wie auch die V e r w a l t u n g s- und K o m m u n a l - behörden sollen künftig besser mithelfen. Dabei lesen wir gewiß nicht ziftällig die Erinnerung, daß die letzteren den ersteren „unterstellt" sind. Der Wink soll verstanden werden.

Kurz gesagt: Der große Feldherr betrachlet den

Zivilregierungsapparat mit kritischem Blick und spricht mit der ihm eigenen Freiheit das offen aus, was auch sonst kein Geheimnis war, wovon man aber wenig redete, teils weil ohne Hindenburgs Öffnung des Mun­des die Zensux leicht kleineren Leuten dieselbe Sprache verboten hätte, teils weil man besorgte, daß derartige Mitteilungen einen unerwünschten Eindruck in In- land und Ausland machen können. Diese Sorge setzt Hindenburg mit Bewußtsein beiseite: Mag alle Welt davon hören, wenn nur der Schaden gebessert wird! So ist es richtig! Es ist ganz gleichgültig, was jetzt tn den feindlichen Zeitungen steht, falls nur später die deut­schen Siege desto sicherer erfolgen. Darauf kommt alles an. Das müssen auch die Behörden begreifen.

Der Hindenburgsche Satz, daß es von den Behörden nicht überall ausreichend erkannt zu sein scheint, daß es um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes und Reiches geht, ist von unheimlicher Wucht.

Wie oft haben wir in diesen zwei Jabren etwa die­selben Ausdrücke gehört und gelesen, aber hier werden sie gewaltig durch den. der sie spricht, und durch die, an welche sie gerichtet sind. In Hindenburg lebt das Gefühl der weltgeschichtlichen Entschei­dung. Die Macht, die von ihm befehligt wird, und zu der alle mitteleuropäischen Nationen gehören, ist das letzte Mittel, den Zusammenbruch von Volk und Reich abzuhalten, ein treues, gewaltiges Mittel, wenn jeder in Feld und Heimat seine Schuldigkeit rut. >Lollten sich aber Mängel der Vorbereitung und Mitwirkung zeigen, dann ist alles verloren: Sein oder Nichtsein! Ein

solches schweres Gewicht wird dem Beamtenkörpcr vor­gehalten. Sie, gerade sie, scheinen die unvergleichliche Wucht des geschichtlichen Zeitpunktes noch nicht überall ausreichend erkannt zu haben. Wie muß das auf die betreffenden Beamtenstellen wirken!

Es ist das gute Recht unserP' Landes-, Provinz- und Kreisbehörden, sich gegen den Wurf Hindenburgs zu

wehren. Je besser sie es können, desto günstiger ist es für die Gesamtheit. Wir wünschen, daß sie einmütig zu protestieren in der Lage sind, denn dieser Protest würde der Anfang neuer Taten sein. Batocki und sein Kriegsernährungsamt stehen dann nicht mehr neben dem großen allgemeinen deutschen Beamtenapparat, sondern mitten drin. Sie stehen unter Hindenburgs Schutze. Die Wirklichkeit wird dann besser, als die Ver­fassung ist.

Alls Volksteile müssen es sich gefallen lassen, an ihre vaterländischen Pflichten gemahnt zu werden. Wir alle sind bereit, uns täglich von neuen: in den vaterländischen Dienst zu stellen. Auch alle Behörden werden es sein. Indem der Reichskanzler als Kopf der Zivilverwaltung diesen Brief Hindenburgs zur Veröffentlichung gibt, drückt er sein Siegel darunter.

Die Wirkung des Appells von Hindenburg.

W. T.-B. Berlin» 17. Nov. (Drahtbericht.i Die „Rordd. 2111(3- Ztg." schreibt: Der Brief des Generalfeldmarschalls

v. Hindenburg» in dem er den Reichskanzler bittet» alle Bun­desregierungen und Kommunalvertretungen in eindringlicher Weise den Ernst der ErnährungSfrage in der Kriegs­industrie vor Augen zu führen, ist vom 27. September datiert. Der Reichskanzler entsprach dem Wunsche des Generalfeld­marschalls alsbald durck ein eindringliches Rund­schreiben an sämtliche Behörden.

Verplan eines vorbereitenden Schritts zur Zriedensvermittelung.

Nr. Bafel, 17. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Basler Nationalzeitung" verbreitet folgendes Extrablatt: Wie wir aus unabhängiger diplomatischer Quelle erfahren, soll gegen­wärtig wirklich ein vorbereitender Schritt zu einer Friedensvermittelung von den neutralen Staaten geplant sein. Die Regierung von Washington soll sich bereit erklärt haben, auf die Einberufung einer Kon­ferenz entweder in Nordamerika oder in einem neutralen Lande Europas hinzuarbeiten. Die kriegsführenden Mächte sollen eingelwden werden, bei dieser Gelegenheit ihre Frie- densibedingungen 'zu formulieren, worauf diese der Geaen- partei zur Prüfung und Erörterung übermittelt werden. Die neutralen Staaten, die an der Konferenz teilnehmcn, würden versuchen, einen Ausgleich der Meinungsverschieden­heiten anzubahnen. Es soll gegenwärtig zwischen perschteidc- nen uPitralen Regierungen ein Meinungsaus­tausch über diesen Schritt stattfinden. Die kriegsführenden Staaten hätten sich unter allen Umständen den Borschlag eines Waffenstillstandes während dieser Ausgleichs­verhandlungen verbeten. Sobald aber ein Ilnhaltspunkt erreicht sei und die Mächte sich einigermaßen verständigt batten, werde ein Waffenstillstand eintreten. Deutschland ioll sich bereit erklärt haben, Belgien zu räumen und dessen Wiederherstellung als Staatseinheit zu garantieren unter der Bedingung, daß gewisse Neutrale sich Deutschland gegenüber verbürgen, daß Belgien in Zukunst eine wohl­wollende und von jedem ausländischen Einfluß freie Politik gegenüber dem Deutschen Reiche führen werde. Auch sämr- liche von den Deutschen besetzten Gebiete Frank­reichs sollen unter gewissen Zugeständnissen in den Kolonien geräumt werden. Wie man vermutet, werde das koloniale Programm am schwierigsten zu lösen sein. Man erwartet gerade in lbezng auf diesen Punkt schwierige Mei­nungsverschiedenheiten zwischen England und Deutschland.

Das Basier Blatt sagt zu dieser Meldung: Unter allen Friedemsmeldungen ist diese die ernsthafteste. Wilsons Wiederwahl hat die bereits früher angebahnten Ver­suche sofort wieder auinehmen lassen. Dennoch darf man sich darüber nicht täuschen, daß sehr starke und mächtige Ein­flüsse Wilsons Plan und der Einmischung der Neutralen ent­gegenwirken. Sollte es den Anstrengungen der neutrale« Vermittler, die gegenwärtig teilweise mit fieberhafter Ge­schäftigkeit auf Friedensreisen arbeiten und sehr umfcmg- reiche Denkschriften den Kriegsgegnern übermitteln, nicht ge­lingen, die Kriegsstimmung zu überwinden, so ist wohl eine spätere Ableugnung unserer Friedensnachricht zu gegenwärtigen. Wir betonen deshalb nochmals, daß uns be­kannte und über jeden Zweifelerhabene Tat» stachen zugrunde liegen.

*

Anmerkung unserer Berliner Wteilung: Die Meldung

des Basler Blattes eilt, soweit sie von einem Schritt der Washingtoner Regierung spricht, den Ereignissen zum min­desten voraus. Es ist bekannt, daß die anierikanifche Regie­rung den Wunsch zu haben scheint, einen vorbereitenden Schritt sür die Einleitung einer Friedensbewegung zu unter­nehmen. Die „Evening Post", die mit dem - Staatsdeparte­ment zweifellos Fühlung hat, deutete jüngst Ähnliches an. Bisher ist aber nichts bekannt geworden, daß Präsident Wil­son schon irgend einen Schritt in der angedeuteten Richtung gemacht Hütte. Der ganze übrige Inhalt der Basler Meümng scheint uns nach unseren Erkundigungen an verschiedene« diplomatischen Stellen nichts als Kombination au§ den Reden i>er leitenden Staatsmänner, Kriegsführender und neutraler Mächte, die in der letzten Zeit gehalten worden sind.