Verlag Langgasie 21
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Zreitag, 17. November 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 559. ♦ 64. Jahrgang.
Ein weiterer Erfolg östlich von Görz.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 16. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 16. November, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heeressront des Generalobersten Erzherzog Karl. Die Kämvfe beiderseits des Schyl und des Olt (Alt- Flufsesi schreiten günstig vorwärts. Es wurden über 1200 Gefangene eickgebrackit. Nördlich von Camvolung und bei Soosmezö wehrten wir starke rumänische Angriffe ab. Nördlich von S u l t a nnternahmen österreichisch-ungarische Abteilungen eine Erkundung des Mt. Alunis. Südöstlich von T ö l g y e s blieben ruffische Angriffe erfolglos. Auf de» Höhen von Mestekanesti Vorpostengefechte.
Heeresfront des Generalsrldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.
Bei den österreichisch-ungarischen Truppen keine Kampfhandlungen von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die gestern gemeldete Unternehmung östlich von Görz fortsetzend, eroberten unsere Truppen wieder einen feindlichen Graben, nahmen 60 Italiener gefangen und erbeuteten 2 Maschinengewehre.
Eines unserer Flugzeuggeschwader belegte die militärischen Anlagen bei der Station Per la Carana ausgiebig mit Bomben.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besondere» Ereignisse. .
Der Stellvertreter des Chefs deS GeneralstabeS: v. Hofer» Fkldmarschallcutnant.
Oer Krieg gegen England. Zeindliche Fliegerangriffe auf vrügge und Ostende.
W. T.-B. Berlin, 16. Nov. (Amtlich. Drahtbericht.) Am 15. November, morgens. warfen feindliche Flugzeuge Bomben auf die Häfen vonBrügge und O st e n d e. An Fahrzeugen und Anlagen der Marine ist kein Schaden angerichtet worden.
Dir englische Darstellung des Angriffes.
W. T.-B. London, 16. Nov. (Drahtbericht.) Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Am frühen Morgen des 15. November wurden die U-Bvotsstationen in Zee- brügge und Ostende von Marinefliegergeschwadern wiederum heftig mitBomben beworfen. Es wurden direkte Treffer am Atelier de la Merino und in nächster Nähe der elektrischen Kraftstation ein großer Brand beobacht:t, der wahrscheinlich von einem Petroleumdepot herrührte. Me Maschinen sind wohlbehalten zurllckgekehrt.
Englands Kampf gegen unsere U-Boote.
W. T.-B. London, 16. Nov. (Oberhaus.) In seiner Antwort auf die Bemängelung der Wirksamkeit der Maßnahmen der Admiralität gegen feindliche Unterseeboots sagte Marquis Crewe: Die Admiralität hatte in der Zerstörung von Unterseebooten entschieden Erfolg, und trotz der größeren Schwierigkeiten infolge der vermehrten Größe, schwereren Bewaffnung und stärkeren Wände der neuen Unterseeboote wäre es ein Irrtum, anzunehmen, daß er nicht auch diesen gegenüber erzielt worden wäre.
Eine unwahrscheinliche englische Angabe über die Schifksverlnste. 2
W. T.-B. London, 16 Rov. Der Parlamentssekcetär der Admiralität erklärte heute, von den: gesamten Tonnengehalt der britischen Handelsdampfer von 1060 Tonnen und darüber zu Beginn des Krieges seien bis Ende September 1916 etwas über 2t/, Prozentverloren gegangen. Dies umfasse alle Verluste, sowohl durch Kriegs- als auch durch Seegefahr.
Nochmals der neue „Baralong"-Fatt.
Eine weitere unwahre Erklärung der englischen Admiralität.
W. T.-B. London, 16 Nov. (Drahtbericht.) Das Reuterbureau nieldet unter dem 15. Novesiiber: In
bezug auf die Darstellung über den sogenannten zweiten „Baralong"-Fall erläßt die Adniiraliiät eine weitere Erklärung, in der ihr voller Unwille ausgedrückt wird. Es sei ein- für allemal u n w a h r, daß ein Befehl der Admiralität besteht, nach dem es nicht möglich sei, überlebende Mannschaften der deutschen Unterseeboote zu retten. Zur Widerlegung der deutschen Veröffentlichung in dieser Angelegenheit gibt die Admiralität eine lange amtliche Erklärung des Kommandanten des Schiffes bekannt, das „U 41" versenkte. Dieser sagt, es sei un- wabr, d.,ß er das Boot übercannt, in dem sich noch Überlebende befunden hätten. Sie feien über Bord gesprungen, als sich das Schiff dem unbeschädigten Boot
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genähert hätte. Als sie ausgenommen waren, waren sie behandelt worden, wie es die Aerhöltnisse des Schiffes zugelassen hätten. Aus den Schiffsbeständen wsiren sie mit trockenen Kleidern versehen worden. Ein Arzt sei nicht an Bord gewesen. Trotzdem seien die Wunden der verwundeten Gefangenen gewaschen und sierbnnden worden. Sie seien alle mit Matratzen und Kopskissen und genügenden Bettdecken versehen worden. Ärztliche Hilfe sei den verwundeten Gefangenen zuteil geworden, als das Schiff am folgenden Tage im Hafen angekommen sei. t r deutsche Offizier gab zn. er habe keine Erinnerung d> - an, auf welche Weise ec aus dem U-Boot herausgekommen sei und was er dann getan hätte. Der unverwundete Offizier schien mit. seiner Behandlung völlig zufrieden zu sein, er lächelte immer, wenn man ihn anredete. Er sagte in gebrochenem Englisch: „Nicht mehr kämvien!" (Anmerkung der
Schriftleitung: Diese Darstellung von englischer Seite trägt den Stempel der Unwahrbeit an der Stirne. Denn wenn sie wabr wäre, hätten die Engländer den Oberleutnant Crampton nach den Schweiz entlassen.)
Bonar Laws Antwort an einen Friedensfreund.
Br. Haan, 16. Nov. (Eig. Drahtbericht. zb.) Das Unterhausmitglied M a s o n ersuchte um Bestimmung eines Tages zur Beratung.eines Antrags, der sich mit dir Beendigung des Krieges und mit den Vorschlägen des deutschen Reichskanzlers beschäftigen soll. Bonar Law antwortete für den Ministerpräsidenten: „Ich kann nicht zug°ben, daß der deutsche Reichskanzler irgendwelche Fnedensbedingungeu gestellt hat, die nicht die Anerkennung eines deutschen Sieges zur Voraussetzuna haben und ich bin überzeugt, daß die überwältigende Majorität des Hau>es init mir darin eins ist, daß es k e i n e n N u tz e n haben kann, im aegenwärtigen Augenblick eine derartige Erörterung stattfinden zu lassen."
Die Heranziehung der Irländer zur Wehrpflicht.
17. Haag» 16. Nov. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der „Nieuwe Courant" meldet aus London: In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß die Regierung das Problem der Heranziehung der Irländer zur Wehrpflicht in der Weise Iö f ea zu können glaubt, daß sie für alle Irländer bis 41 Jahre, welche bis zum 1. Januar nicht freiwillig Heeresdienst genommen hab-n, die Einführung der industriellen Dienstpflicht vorschreibt.
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Die feindlichen Berichte.
Frarrftifischer Heeresbericht vom 15. November, nachmittags.
Im St. P i crr e - V a a ft h' aIbc haben wir Fortschritte gemacht. Nachts ziemlich lebh, ftc Artille: ietätigkeit in der Gegend von Saillisel. Südlich der Somme erreichte die seit zwei Tagen in der Gegend von Ablaincourt und Prehone andauernde Beschießung nachts höchste Stärke, Ihr folgte heute inorgen ein deutscher Gegenangriff mit bedeutenden Kräften auf die von den Franzosen am 7. November eroberten Stellungen, Von 6 Uhr morgens an wurden von der Zuckerfabrik von Ablaincourt ors Lhaulnes erbitterte Angriffe unternominen. Aber trotz des Umfanges der Stürme, ausgiebigem Gebrauche brennender Flüssigkeiten und rränenerregender Granaten erlitten vre Deutschen einen blutigen Mißerfolg, Südlich der Zucke-fabrik gegenüber Ablaincourt und Pressoire sowie im Walde südlich dieser Orstldast brachen die französischen Geschütze und Maschinengewehre die Wellen der Stürinenden, die schwere Verluste erlitten. Nur einige deutiche Bruchteile konnten die Läuier- grnvpe östlich Pressoire erreichen. Die ivirksanie Gegenbeschießung der Franzosen dauert rn der ganzen Gegend an. Östlich Reims niißlang em deutscher Handstreich gegen cmen kleinen Posten vor Trosnes,
Französischer Heeresbericht vom 15. November, abends. An
der S o m m e s r o n t dauerte dre Schlacht den ganzen Tag über heftig fort. Der Fernd machte nnt beträchtlichen Kräften gleich, zeitig verblich und südlich des Flusses mächtige Anstrengungen. Der Widerstand unserer Truppen siegte über die Sturmangriffe des Gegners, dieser vermochte um den Preis hoher Beriusie nur beschränkte Vorteile zu erzielen. Nach heftiger Beschießung erfolgte nördlich der Somme ein Angriff auf unsere Stellmigen vcn Les- boeuss bis südiiid Bonckavcsnes. Es gelang dem Feind, in unsere vorgeschobenen Stellungen em Nordzipfel und am Westrands des St. Pierre-Baastwardes Fuß zu fassen. Sonst vereitelte überall unser Maschinengewehr-- und Sperrfeuer die Versuche de-Z Feindes. Süd. lick des Fluffes Wiederdolten die Deutschen ihre Angriffe im Laufe des Nachmittags aus der Front Ablaincourt-Wald von Ebaulnes. Der mrt Erbitterung gesüdrte Kampf endete mit einer Schlappe der Deutschen, dre nach blutigen Verlusten in ihre Ausgangsgräben zvrückkehren mußten, außer im Ostteil des Dorfes Pressoire, wo sie vorwärts kommen konnten. Aus der übrigen Front Geschütz- scuer mit Unterbrechungen,
Englischer Heeresbericht vom 15. November, ncchmittaas. Wäh-
rcnd der Nackt sicherten wir das Gelände nördlich der Anore, das wir in der gestrigen Nacht gewonnen hatten. Es wurden wertere Gesäusene gemacht, idre Zahl wird später bekannt gegeben werden.
Englischer Heeresbericht vom 15. November, abends. Während des Taae- machten wir an der Front nördlich von der Ancre weiter: Fortschritte Die Zahl der Gefangenen seit Montag erreicht 5678. Die hie- eingesetzten Truppen haben ein glänzendes Geschick bewiesen. Schneid und Tapferkeit, Unser Erfolg konnte nur in hartem Kampfe errungen werden, da der Feind kräftigen Widerstand leistete und der Zustand des Bodens dre Schwrerigkert _ des An- ctnvfeS sebr Vermehrte. Unsere Verluste waren rm Verhältnis zu dem Gen inn nicht hoch. Eine Division, die eine Meile weit vor- atiu’ mackte über 1000 Gefangene um den Preis von 450 .Daun an twenen Verlusten. Südlich von der Innere richteten war uns in den gestern gewonnenen Stellungen o|llid) von der Butte Warlen- corrt ein. Der Feind, der sich an einer Stelle zum Gegenangriff sammelte, wurde durch Artilleriesener zerstreut.
Abgeordnetenhaus«
(Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener TagblattS'.s
$ Berlin, 16, November.
Am Regierungstisch: Frhr. v. Schorlemer, v. Loebell.
Der Platz des Ende Jul: gefallenen nationalliberalen Abgeordneten D u m r a t h ist mrt einem Lorbeerkranz mit weißer Schleife geschmückt.
Präsident Graf v. Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 2,lö Uhr mit folgender Ansprache: Meine Herren! Wieder treten wir nach einer mehrmonatigen Unterbrechung unserer Beratungen zu einer neuen Tagung zilsammen, und noch immer, nach mehr als zwei Jahren, tobt um uns her der furchtbare Weltkrieg, in den wir trotz aller Friedensliebe getrieben wurden. Abermals hat sich in diesen Monaten unserer Vertagung zu den alten Feinden der zehnte gesellt, ist ein mehr als dreißigjähriger Verbündeter der unerschöpflichen Bestechung und Erpressungskunst der Ententemächte erlegen. Aber wohl noch schneller als Italien wird Rumänien das Strafgericht ereilen und wird dieses Volk den schamlosen perfiden Treubruch zu bereuen haben, mit dem es seine ganze national? Unabhängigkeit aufs Spiel setzte, um sich noch an der Beraubung der vermeintlich unterlegenen Zentralmächte mitbeteiligen zu können. Mit der Aufwendung geradezu ungeheuerlicher, immer neuer Kriegs mittel haben unsere Feinde unsere Front rm Westen, Osten und Süden zu durchbrechen versucht. Aber alle diese Anläufe sind restlos an der beispiellosen helden- ruütigen Tapferkeit unserer herrlichen Truppen gescheitert l Allseitiger Beifall.), wofür ihnen die unvergängliche Dank- barkeit des Vaterlandes gebührt. Bombenfest, wie Hin- denburg sagt, stehen auch heute noch unsere Fronten rm Westen wie im Osten, und bombenfest werden sie bleiben, mögen die Feinde ihr nutzloses Blutvergießen fortsetzen, so lange sie wollen. (Beifall.) Immer größere Opfer fordert auch der W i r t s ch a f t s k a m v f von unserem Volke, Opfer nicht nur an Einschränkungen und Entbehrungen, sondern auch der äußersten Anspannung aller Kräfte zur Überwindung der unserem vollen Sieg noch entgegenstehenden Schwierig. . keiten. Aber auch diese Opfer werden mit einem, wenn auch stillen, so doch nicht minder großen und schönen Heldentum als die Blutopfer unserer Helden an der Front von unserem Volke getragen und weiter getragen werden. (Allseitiger Beifall.) Und wenn im vergangenen Jahre unser Durchkommen durch eine besonders ungünstige Ernte bedroht schien, so ist rn diesem Jahre die Vorratsversorgung unserer Feinde mit einem gewaltigen Rückgang der ganzen Weltproduktion stärker bedroht als die unsrige. Fehlt doch selbst nach englischer Berechnung schon heute an dem zur Ver- sorgung der Ententemächte erforderlichen Getreide auf den Weltmärkten mehr als ein Drittel. Und auch die verbleibenden zwei Drittel ihres Bedarfs hereinzubringen, wird der Entente hoffentlich von unseren Unterseebooten recht sauer gemacht werden. (Allseitiger lebhafter Beifall.) So haben wir denn in keiner Hinsicht auch nur den geringsten Anlaß, uns in der festen Zuversicht in unseren vollen Sieg auch nur im mindesten erschüttern zu lassen. Und so hoffe ich, werden auch unsere - Verhandlungen, die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses, wieder von dieser Zuversicht und von dem unerschütterlichen Willen zum Siege getragen sein, der sa gottlob heute, wie im 'ersten Kriegsjahr, unser ganzes Volk bis auf den letzten Mann erfüllt. sAllseitigec lebhafter Beifall.)
Innerhalb der Zwischenzeit der Vertagung sind g e» storben: Abg. Pietzger (Vpt.) am 11. Juli; Graf von Willamowitz-Möllenborf (kons.) am 19. Juli in Teheran am Herzschlag; Dumrath (natl.), Oberleutnant, gefallen am 28. Juli; Dr. Schröck (freikonf.) am 4. Sept.; Graf Harrach (kons.) am 0. Sept. Der Präsident widmete insbesondere dem Grafen Willamowitz und dem aut dem Felde der Ehre gefallenen Abg. Dumrath ehrende Worte des Nachrufs. Das Haus hat sick> zu Ehren des Andenkens der Verstorbenen von den Plätzen erhoben.
Der Abg. Dr. v. Samte (natl.) ist infolge Ernennung zum Landgerichtspräsidenten in Stade aus dem Hause ausgeschieden, inzwischen indessen in seinem Wahlkreis wicder- gewählt worden.
Aus der Tagesordnung lieht lediglich die erste Beratung des Gesetzentwurfes, betreffend
Abänderung des Artikels 85 der Vcrfasiungsurkunde und der Gesetzentwurf, betr. Gewährung einer Ent- schädigung an die Mitglieder des Abgeordnetenhauses.
Die erste Lesung beider Gesetzentwürfe wird auf Vorschlag des Präsidenten verbunden.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (kons.): Ein Teil meiner Freunde wird die Vorlage ablehnen, alle aber sind der Meinung, bafc es nveckmähig ist, sie debattelos sofort an eine Kommission zu überweisen. Ich beantrage demgemäß Überweisung beider Vorlagen an eine .Kommission von 28 Mitgliedern.
Abg. Dr. Porsch IZentr.): Ich hatte mich gemeldet, um den gleichen -Antrag zu stellen.
Abg. v. Hepdebrand (kons.): Wir find in der Sache selbst geteilter Meinung, wollen aber den Wünschen, die Vorlage
