Lettr z, Samstag, 11. November ISIS.
Di« englischen Verlustliste«.
W. Tv-B. Zsnbin, 10. Nov. Die BertustliMl vom 6-, 7. und 8. November ««Hatten die Namen von 234 Offizieren (78 gefallen) und 4750 Mann und von 35 Offizieren (10 gefallen) und 3100 Mann, sowie von 41 Offizieren (10 ge- fallen ) mH 3814 Mann.
WresbaSerrrr Tagblatt.
Morgen-Ausgabe. Erstes Matt. Nr. 548«
Die Lage im Westen.
Sturmszenen in der französischen Kammer.
(Drahtbericht unseres Lr.-Sonderberichtrrstatters.)
Kr. Gens» 10. Nov. (zb.) Die Pariser Kammersttzung vom Donnerstag fallt« zu einer freudigen Kundgebung für den Opferfmn des französischen Volkes werden: Finanz-
minister R i bot hoffte bedeutenden Eindruck mit dem An- leiheergebnis zu machen, aber der Jubel wurde durch Sturm- szeaen vereitelt. Ribvt gestand bei feiner Rede, daß er nur on ein Ergebnis von 10 Milliarden geglaubt hatte, daß aber dann die Landgemeinden trotz der Propaganda der &neg§= gegner einen Überschuh von 1% Milliarden erbrachten. Der radikale Sozialist Brizon unterbrach Ribot wiederholt durch Zwischenrufe über die wahre Bedeutung der Anleiheberech- nung. Von feinen Anhängern auf der äußersten Linken unterstützt, forderte Brizon die sofortige Anbahnung von Friedensverhandlungen. Sr erhielt einen Ordnungsruf. Auf den Bänken der Mehrheit ertönte der Ruf: „Wir verwerfen einen schmachvollen Frieden!" Als Brizon ferne Aoischenruse fortfetzte, rief ihn der Präsident ein zweites Mal zur Ordnung und drohte, auch die Genossen BrizonS mit Namensnennung zu Protokoll zu nehmen, damit auch sie «mit ewiger Schmach" bedeckt seien. Danach ereignete sich ern anderer Zwischenfall, der beinahe zur Demission des iczialistischen Ministers der öffentlichen Arbeiten S e m b a r t geführt hätte. Der Abgeordnete O u t r e y interpellierte wegen einer Bestechnngsaffäre in Algerien, bei der die en^ifche Firma Thomscm gewaltig ausgedehnte Dergwerksgebrete in ihren Besitz brachte. Der Sozialist B e d o u c e forderte Aufhebung der Konzession sowie die sofortige Änderung des Berg- werksgefetzes. Der Radikale Tiffier sprach fern lebhaftes Bedauern ans, daß die Verbündeten seit Kriegsbeginn die nationalen Bodenschätze anSvlimderten. Auch England dürfe kein größeres Recht eingeräumt werden als den Franzosen selbst. Minister Sembart machte darauf den Vorschlag, kos Parlament möge alle Bergwerlslonzesitonen nachprüfen und eventuell annullieren. Er verlangte aber ein Vertrauensvotum, das ihm denn auch nach lebhaften Zwischenfällen von einer schwachen Mehrheit erteilt wurde, Abgeordneter Jeanbon führte mit einer unbequemen Frage zu einem Zwffchenkonflilt. Er tadelte die ungeschickte Zensur. Man habe die „Liberte" wegen ihrer Meldung und Besprechung über die Wahl des angeblichen Präsidenten Dr-gheS beschlagnahmt, währeiid die Morgenpresse den gleichen Bluff ungestraft bringen durfte. Tue Zensur erweise sich als unfähig, sie verdiene ein Mißtrauensvotum, Die Sitzung wurde unter großer Erregung geschloffen.
Die feindlichen Tagesberichte.
»nmEsö- Heeresbericht vm» S. November. nachunttozS. A>. der große Tätig keit.der Artillerie. D.e nervme dusche
Infanterie ließ zahlreich«- Sperrfeuer aussuhren und richtete abends gegen die französischen Linien Vvn Saillisel einen Ang riff, der „ach hir-em Nahkamps vollständig zuruckgeiv lesen wurde. Auf der übrigen Front verlies die Nacht ruhig.
Französischer Heeresbericht vom 4. November, abends. An der Sommesront keine Unter,-ehmung von Bedeutung ArNllerie- kampf und »leine Jnsanteriegesechte bei Satlly-Sa,ll,,el und südlich Pressoire, nobel wir ennge Nester säubert«, und Gefangene niachtkri Diese bestätigen die großen Verluste de«- Feinde» bet Scilli'el, Im Abschnitt Douaumont und Bau; heftige Beschießung durch feindliche Artillerie; die unsere erwiderte das Feuer, »on der übrigen Front ist nichts zu melden.
Englischer Heererbericht vom 8. November, abends. Während des Tapes erfolgt, südlich der An er e eine hetrachtliche Beschieß«,lg seitens des Feindes. Wir beschossen das feindliche Gebiet östlich des R-ßinaprabrns, Der Feind erhebt Anspruch darauf, iwß am b. November unsere Truppen »nt ungeheuren blutigen Verlusten m einer Schlacht erster Ordnung, die mit sehr starken Kräften geführt worden sei. zurückgeschlagen worden seren. Es ist dies wieder «„er der falschen Berichte, di« er in letzter Zeit häuftg ,n Zwischenräumen äuszugeben für nötig hielt. Der Tatbestand verhält sich so, w,e be- refts in dem englischen Bericht des genannten Tages festgestcllt worden ist Unsere Angriffe waren örtlich und wurden mit wenigen Bataillonen in der Absicht geführt, etwas Gelände zu gewinnen, um unsere Gräben an drei Punkten zur Verbesierung unserer Front- linie etwas verznschieben. Die meisten dieser Gräben winden genommen; unsere Verluste entsprechen der kleinen eingesetzten Streit. «acht und dem Umsang der Kämpft.
Aus Rußland.
Bon G. v. Seffen.
Wie deutsche Bestialitäten erfunden werden. — Neue Ber- svlgungSmaßrvchmen gegen die Juden — Juden und Deutsch- batten. — Das ^plünderte Rittergut. — Des Glöckleins frohe Kunde,
Beim ersten Grnrücken der Feldgrauen m Kurland, also i« letzten Frühjahr war es, da besetzte eine unserer vorgeschobenen kleinen Abteilungen ein dortiges Landhaus, deffen Bewohner bis auf eine auch dort wohnende Krankenschwester geflohen waren, räumten aber das Anwesen nach einigen Tagen wieder vor den anrückenden Ruffen. Diese brachten die Pflegerin nach dem Diakoniffenhaus des damals noch unter der Herrschaft des Zaren stehenden Mitau. Schwere, rm Fehlen einiger Finger bestehende Wunden an der Hand und das Unvermögen, auf dem Lande die nötige ärztliche Hilfe «gedeihen zu kaffen, veranlatzten die Überführung.
Fieber und die Anstrengungen des Transports machten es der Pflegeschwester ursprünglich unmöglich, Auskunft über die Entstehung ihrer schweren Verletzungen zu geben. Wer die Einlieferung der Kranken und die durch die russischen Truppen bereitwilligst mitgetetlte Tatsache, datz sie in der Gewalt der Feldgrauen gewesen, erst durch Väterchens tapfere Schar erlöst worden sei, genügte vollständig, Mitcrus letttsche und siawische BevMerungskreife bereits von der ersten Stunde der Ablieferung der Kranken an mit der festen, lauten Ausdruck verliehenen Überzeugung zu erfüllen, daß hier wieder eine furchtbare, fluchwürdige Bestialität der Deutschen vorliege.
Aber das Gerücht beschränkte fich rächt lediglich auf Mitau
Mid rief, wie tzaS von Kriegsausbruch an Sitte ist, «in paar
Der Rrieg auf dem Balkan.
Nene schwere Verluste der Rumänen.
(Drahtbericht unseres ^Sonderberichterstatters.)
S. Stockholm, 10. Nov. (zb.) Aus Bukarest wird gemeldet: In den letzten Tagen waren di« Karpathen-
kämpse besonders verlustreich. Zahlreiche höhere Offiziere, darunter General Dragolima, find gefallen.
Eine Umbildung des Kabinetts Bratiauu.
(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 10. Sßjö. (zb.) „Adeverul" erfährt aus angeblich zuverlässiger Quelle, daß eine Reorganisation des Kabinetts Brattanu nun doch bevorsteht. Große Bedeutung trird dmn Umstand beigemessen, daß Take Jonescu zum Führer der vereinigten Gruppen der hauptstädtischen Konser- vattven gewählt wurde. Im Falle der Kabinettsumbildung, heißt es, stünde auch «ine außecordeatliche Parlamentssitzung bevor.
Die Vergewaltigung Griechenlands durch die Entente.
(Drahtbericht unseres Is.-Sonderöerichterstatters.)
HI. Haag, 10. Nov. (zb.) „Daily Telegraph" meldet aus Athen: Die Entente besetzte setzt auch das Zollhaus in der Bucht von Salami, wo die gesamte Munition für die griechische Armee lagert und die Reserpegeschütze der griechischen Flotte aufbewahrt werden. — „Central News" melden weiter aus Athen-. Es verlautet, daß die Entente auch die Zensur der griechischen Post übernehmen wird.
Vermutungen zum letzten Besuch der Ententegesandten bei Lambrvs.
W.T.-B. Bern, 9. Rav. Ein Telegramm des „Corriere della Sera" meldet aus Athen vom 8. November, man kenne die wahren Beweggründe des vorgestrigen Besuches des englischen und französischen Gesandten bei Ministerpräsident LambrvS immer noch nicht. Der bulgarische Gesandte sprach die Vermutung aus, die Schutzinächte verlangten von der griechischen Regierung die Überlastung des gesamten Artillerieparks mit Munition und 60 000 Gewehren sowie die Erlaubnis, in Vo!o eine serbische Regierung einsetz-n zu dürfen. Die Antivenizelisten befürchten, datz, falls sich dies bewahrheiten sollte, Venizelos mit revolutionären Truppen in Altgriechenland einfallen und sich mit seiner Regierung in Athen niederlassen werde.
Zur Verhaftung des Abgeordneten Kalimaffiotis.
\y. t.-B. Genf, 9. Nov. Wie „Matin" aus Athen meldet, wurde der Abgeordnete Kalimaffiotis, der beschuldigt wird, feindlichen Unterseebooten Lichtsignale gegeben zu haben, verhaftet und nach dem englischen Konsulat übergeführt. Mehrere Personen, darunter ein ehemaliger Minister, werden als Mitschuldige des Abgeordneten Kalimaffiotts bezeichnet. __
Der Krieg gegen Italien.
Dir Ersetzung Tittonis in Paris.
Br. Lugano, 10 Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) In der nächsten Tagung wird fich die Frage der Nachfolge auf dem italienischen Botschafterposten in Paris entscheiden. Laut „Corriere della Sera" ist Marchese Salvago Raggi aus Kairo in Rom eingetroffen und hatte in der Confulta bereits eine Unterredung mit Sonnino und dem Generalsekretär des Ministeriums des Äußern, Martini. Das Blatt vermutet, daß die Absicht bestehe, Raggi nach London zu versetzen. Marchese Jmveriali, der jetzige Botschafter in London, werde der Nachfolger Tittonis in Paris fein.
Neue italienische Steuern.
IV. T.-B. Rom, 10. Nov. (Drabthericht. Agencia Stefanr.) Gin Erlaß kündigt neue Fmangmaßnahmen an, -deren Er- trag rund 200 Millionen jährlich ergeben sollen, namentlich eine Erhöhung der Abgaben für außerordentliche Krregsge- winne, Schaffung einer Militärpslrchtersotzsteuer, Steuer auf Parfümerien und medizinische Spezialartikel, Einsühruiig neuer Driefnmrken, Erhöhung des UrkundenstempelS, Steuer auf Motorräder, Kraftwagen, Motorbcote, Erhöhung der M>- gaben für Liegenschaften, gewisse Arten, des beweglichen Einkommens, Einführung einer Kriegsabgabe auf Mietzinsen, Verkaufsmonoool auf Spielkarten und Abänderung der Telephon- und Postgebühren.
Übergriffe mehr gegen die unglücklichen Deutjchbalten. als wehrlose stammverwandte Racheolffekte der angeblichen Täter hervor, sondern durchdrang das ganze Reich und lockte nach dem Gesetz der Anziehungskraft, die der Aasgeruch auf Raben ausübt, einen der besonderen Berichterftatier der „Nowoje Wremja" für deutsche Bestialitäten nach Kurlands Hauptstadt. Hier sammelte der Vertreter der panslannstischen Hetzblätter mit dein größten Eifer alle über den Fall der Krarrken- fchwester verbreiteten Gerüchte, und merkwürdig war es, daß die Erzählungen) die bisher wehr die Form der Vermutung gehabt, von jetzt an feste Gestalt annahmen. Zum Schwur bereite Airgen- und Ohrenzeuyerl fandeir sich für jede Kleinigkeit. Als nun die Beiveiskette sclchergestalt geschloffen war, snchte der „Nowoje Wremja"-Mci,:n auch zu wrederholten- malen die Kranke auf, fertigte Silber von ihr an und verließ dann M'tau. . ,
Run erschienen in der „Nowoje Wremja' eine Reihe von Artikeln, die unter der Überschrift „Neueste Bestialität der Deutschen", der Krankenschwester Erlebnisse in den blühendsten Farben schilderten. Kurz zusammengefaßt, sollte sich nach ihnen der Vorfall so zugetragen haben: Alle Bewohner des Landhauses wären in weiser, sich später als nur gar zu gerechfferttgt herausstellender Furcht vor den anrückenden Deutschen geflohen, lediglich die Pflegerin fei zurückgeblieben. Sie habe voll heiligen kindlichen Glaubens auf die durch ihr Amt gewährleistete Unverletzlichkeit ibrer Person vertraut, zudem noch gemeint: Die Deutschen wären ja schließlich auch Gottes Geschöpfe, ständen im Kampf, hätten also Verwundete, wären bei der mangelnden Vorsorge, die drüben herrsche, gewiß sehr der Hilfe bedürftig. Doch dies unerschrockene Verharren aus Christenpflicht wäre ihr schlimm bekommen. Die Feldgrauen seien wie die wilden Tiere in des Hauses tiefen Frieden eingedrungerr, hätten alles, roas zum Mitnehmen un- geeignet, beschnrutzt, vernichtet, hieraus fich der Kranken- fäätpK venrÄhtiKtz ihr Geständnisse über Rußlands Heere,
Ereignisse zur §ee.
Eine neue Aufgabe für unsere HondelS- tauchboote.
W.T.-R. Ke» 8. Nov. (Funkspruch des Vertrete« von W. T.-B.) Bei Besprechung der Meldung chatz die Postdirektion bereit sei, den Vorschlag anzunehmen, Post nach Deutschland mit Unterseebooten zu schicken, sagt »New Uork World" in einem Leitartikel: Geschwindigkeit gibt es nicht mehr, die schnellen Dampfer liegen in den Häsen oder dienen zu Truppentransporten, die langsameren Schiffe, di« aus der Fahrt sind, können keine Geschwindigkeit garantieren, wenn sie gezwungen werden, brittsche Häsen anzulausen, um dort eine ungesetzliche Zensur ducchzumachen. Die „Deutschland" würde die Geschwindigkeit der Briese sehr vergrößern, die bisher drei bis vier Monate zur Reise zwischen Berlin und New Dort brauchen, wenn sie überhaupt ankommt. Als Kriegseinrichtung bietet das Unterseeboot einen Ausweg aus den Quälereien der Einmischungen und aus den Verzögerungen. Es ist wohl wert, einen Versuch mit der „Deutschland' zu machen.
Zum TorpedobootÄvorstoft in den Kanal.
Auszeichnung deS Kapitäns Michelse«.
W. T.-B. Berlin, 9. Nov. Nach dem ..Staatsunzeiger" ist dem Kapitän zur See Mich elfen, beauftragt mit der Führung von Torpedostreitkräften der Hochseestreitkräfte, der Kronenorden 2. Klaffe mit Schwertern verliehen worden.
Eine falsche Anschuldigung unsere U-Boote.
Br. Lugano, 10. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) ..Corrier» della Sera" meldet vom 7. d. M. ans Athen: In bezug auf die Versenkung griechischer Schiffe erklärte der deutsche Gesandte einem Journalisten, datz diese keinem deutschen Unterseeboot zugeschrieben werden könne.
Ausbringung eines Bannwarenschiffes.
W. T.-B. Hamburg, 10. Nov. Der norwegische Dampfer , Pluto", von Norwegen nach Frankreich bestimmt, ist mit Bannware ans der Nordsee von einem deutschen Kriegsschiff angehallen und abends nach Hamburg ausgebracht worden.
Versenkt.
VI. T.-B. Christiauia, 9. Nov. Nach einer Mitteilung an das Ministerium des Äußern wurde der Dampfer „Tulaug" am 7. November von einem deutschen Unterseeboot vor Kap Le Havre versenkt. Ein Boot mit dem Kapitän und drei Mann traf in Havre ein. Das zweite Boot mit dem Steuermann, Maschinisten, Koch lind zwei Heizern wird noch vermißt.
W. T.-B. London, 10. Nov. Lloyds meldet: Der brittsche Dampfer „Synnfide" wurde versenkt.
Gesunken.
W. t.-B. London, 10. Nov. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der brittsche Dampfer „Sheldrake" (2697 Brutto- registertonnen) ist gesunken.
Die Neutralen.
Der deutsch-norwegische Konflikt.
I« Erwartnng der norwegischen Note.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin 10. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die norwegische Antwort aus die deutsche Note liegt zur Stunde an amtlicher Stelle in Berlin noch nicht vor, obschon der norwegischeGesandte v.Ditten gestern abend hierher zurückgekehrt ist. Über den Inhalt weiß man auch noch nichts Bestimmtes. Doch deuten einige Blat- ter in Christiania an, daß die Note eine Verande- r u ng der deutsch-norweqischen Beziehungen m ernem oder anderen Sinn bewirken könne. Es verlautet, daß die Regierung in Christiania angekündigt hat, Zugeständnisse zu machen, indem sie erklärt, gegen den Aufenthalt von Handelstauchbooten in den nor- wegischen Gewässern wäre nichts einzuwenden, während sie bei ihrem Standpunkt b e h a r r t, daß zu K r i e g s- zwecken verwendete Unterseeboote nur aus Seenot oder zur Rettung von Menschenleben in diese Gewässer einfahren dürften. Da das angebliche Zugeständnis hinsichtlich der Sandelstauchboote vollkommen wert- s o s ist, weil niemand daran denkt, nach dem nahenNor- wegen eine ebenso überflüssige wie unvorteilhafte Tauch bootverbindung einzurichten und da andererseits
deren Bewegungen und Zusammensetzung «rpreffen wollen. Wer Unkenntnis und vor allen Dingen Vaterlandsliebe habe ihr die Lippen geschaffen. Auch das langsame Wreißen eines Fingers nach dem anderen mit der am Seitengewehr wohl für solche Zwecke angebrachten Säg«' sei nicht imstande gewesen, ihr auch nur ein Wort zu entreißen. Vor dem Schlimmsten aber, der Gefährdung der werblichen Ehre, oätte nur das ge- wrtterartig schnelle Kommen der ruhmreichen Truppen deS Zaren sie bewahrt, ihr das Leben gerettet.
Die Schilderung des angeblichen Loses der KranLen- schwefter erschien aber nicht nur rn der „Nowoje Wremja" und anderen Blättern und ries massenhaft gleichfalls veröffentlichte Zuschriften aus dem Leserkreis hervor, die alle sich voll blühendster Erfindungsgabe damit beschäftigten, welche Vergeltungsmahregeln für solche Greueltaten zu ergreifen seien, lenkte so in einer dem Zarismus mehr als höchst genehmen Weise die Blicke von den Ereignissen des Schlachtfeldes ab, sondern die vom Berichterstatter ausgenommeneu Bilder wurden noch, um die Empörung zu verni ehren, in für diese Zwecke besonders bestimmten Albums wiedergegeben. Solche Sammelwerke, die mit ter Auftchrift „Deutsche Bestialitäten" geziert sind, hat die Regierung des Zarenreiches bald nach Kriegsausbruch angelegt, veröffentlicht in ihnen angeblich von unseren prachtvollen Truppen begangene Gräueltaten durch Abbildungen und verteilt diese Erzeugnisse kostenlos an das Volk, um deffen KampfeSdrcmg zu steigern, macht sich aber auch so zur Mitschuldigen der zahlreichen, an unseren Stammesgenoffen begangenen Übergriffe.
Trotzdem nun das Gottesländchen damals noch unter Väterchens Herrschaft stand uu-d das Bckkanntwerden auch nur des leisesten Versuches, fich gegen die von aer Regierung gebilligte Darstellung der Erlebnisse der Krankenschwester aus- zulehnen, genügt hätte, denen, d:e das gewagt, an den Galgen oder bei miloer Beurteilurig nach Sibirien zu verhelfen, fand dre deutjchbalttsche Bewohnerschaft Mitaus doch den Mut, den
