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Nr. 347. . 64. Jahrgang.
mittags für die Morgen-Aura bis 3 Ubr nachmittags.
Zreitag, 10. November 1916.
klbend-Kusgabe.
Hebet 3400 Russen bei Zkrobowa gefangen.
17 feindliche Flugzeuge im Westen erlegt. Neue Fortschritte an der rumänischen Nordfronr.
Der Tagesbericht vom 10. November.
W. T.-B. Großes Hauptquartier. 10. November.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Bei günstigen Beobachtungsverhältnifsen war an vielen Stellen der Front die beiderseitige Feuertätigkeit lebhaft.
Im Som me gebiet erfolglose feindliche Teilangriffe bei Eaucourt-L'Abbahe. bei Gueudecourt, bei Lesboeufs und bei Preffoire. Stärkere französische Kräfte gingen beiderseits von S a i l l y vor. Sie wurden, zum Teil im Nahkampf, abgeschlagen.
Die Flieger fetzten ihre tagsüber sehr rege Tätigkeit in der mondhellen Nacht fort. In den zahlreichen Luftkämpfen haben wir im ganzen 17 feindliche Flugzeuge, die Mehrzahl beiderseits der Somme, abgcschoffeii. Unsere Geschwader wiederholten ihre wirkungsvollen Angriffe auf Bahnhöfe, Truppen - und Munitionslager, besonders im Raume zwischen Peronne und Amiens.
Litlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalseidmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Unter der Führung des Generalmajors v. W o h « a stürmten brandrnburgische Truppen und das Infanterie- Regiment Nr. 401 in der Gegend von Skrobowa in etwa 4 Kilometer Breite mehrere ruffische Berteidigüngslinien und warfen den Feind über den Skrobowa-Bach zurück. Unseren geringen Verlusten stehen bedeutende blutige Opfer des Feindes uud eine Einbuße an Gefangenen von 49 Offizieren, 3880 Mann gegenüber. Die Beute beträgt 27 Maschinengewehre, 12 Minenwerfer. Der Russe hat auch hier wieder eine schwere Niederlage erlitten.
Heeresgruppe des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Unsere Angriffe im Gyergyö -Gebirge nehmen einen g L n st i g e n Fortgang. Gelände, das in den seit dem 4. November hier im Gang befindlichen Kämpfen verloren gegangen war, wurde bereits fast vollständig z u r ü ck g e - Wonnen. Im Predeal - Abschnitt wurden westlich von A z u g a neue Fortschritte gemacht und rumänische Gegenangriffe beiderseits der Paßstraße abgeschlagen; 183 Gefangene und 4 Maschinengewehre blieben in unserer Hand.
Beiderseits des Alt erfolgreiche Gefechte, in denen sich neben bayerischer Infanterie und österreichischungarischen Gebirgstruppen auch unser Landsturm besonders auszeichnete.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Bei G i u r g i u erbeuteten Monitore 2 rumänische, mit Petroleum beladene Schlepper. An der Dobrudscha-Front keine wesentlichen Ereignisse.
Mazedonische Front.
Dir Lage ist unverändert.
Der erste Generalquartiermeister.
Ludendvrff.
Die militärische Lage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin, 10, Nov. (Eig. Drahtber. zb.) Im Westen dauerten die Kämpfe nördlich und südlich der Somme mit unverminderter Heftigkeit an den beiden letzten Tagen an. Auf dem Frontstück Grandcourt- Lc Sars wurden vorgestern feindliche Angriffe durch unser gut gerichtetes Feuer zermalmt. Auch feindliche Borstöße gegen den St. Pierre-Baast-Wald bis,znm späten Abend wurden abgeschlagen. Gegen Preffoire südlich der Somme richtete sich, lebhaftes Artillrriefeuer. Vorgestern herrschte im ganzen Offensrvgebict lebhafte Fliegcrtätig- keil; unsere Geschwader belegten rückwärtige Bahnverbindungen des Feindes mit beobachtetem guten Erfolg mit Bomben. Die feindlichen Geschwader verloren teils im Lustkampf, teils durch unsere Abwehrgeschütze insgesamt 17 Einheiten, darunter rin französisches Grohkampfflngzeug, das mit zwei Motoren und mehreren Maschinengewehren ausgerüstet war und von uns unbeschädiqt geborgen wurde. ^ Aus dem Osten wird ein schöner deutscher Erfolg gemeldet. Bei S k o g o l a, das 15 Kilometer nördlich des Krenzungsvunktes liegt, wo die Bahnstrecke Minsk - Barano- lviczi unsere Grabenlinie schneidet, wurden die feindlichen Stellungen in einer Breite von vier Kilometer von unseren Truppe« im Sturm genommen. Dabei fielen 30üv Gefaageue in unsere .Hand.
In Siebenbürgen hat sich durch das Eingreifcu der Bayern auch an da» Punkte», wo das Gefecht bru- mü.
herwogte, die Lage zu unseren Gunsten verschoben. Der Feind ist bis zur Grenze zarückgeworfen. Westlich Predeal sind wichtige Stellungen von deutschen und österreichischen Truppen erobert. Der Feind setzte seine Tastversuche nach Süden in der Dobrudscha fort. Zwei Lonaumonitoren gelang cS, zwei rumänische mit Petroleum beladene Schleppschiffe vom feindlichen Ufer nach dem südlichen herüber zu bringen. Bon der mazedonischen Front nichts Neues. Auch am Jsonzo verhinderte Regen jede Tätigkeit.
Deutschland und der Hriede.
Noch am gestrigen Vormittag, kurz vor der Kanzlerrede im Hauptausschuß des Reichstags, hatte der ehemalige Staatssekretär Bernhard Dernburg irr einem iangen Leitartikel des „Berliner Tageblattes" bedauert, daß die deutsche Regierung stch von einem Edward Grey den Wind aus den Segeln nehmen und es geschehen lasse, daß das deutsche Volk auf das unerhörteste verunglimpft wird. Keine englische Äußerung Grey- scher Art sollte in Zukunft unwidersprochen bleiben. Grey habe zwar überstaatliche Organisationen als eins der Kriegsziels bezeichnet und der Reichskanzler habe in seiner letzten Rede Gedanken nach dieser Richtung mit dem Kommentar begleitet: „Das wollen wir ja auch." Aber ein solches Wort müsse weiter getragen und deutlicher gemacht werden, sonst verliere es
sich^ ;
Nun. Herr v. Bethmann Hollweg hat sein Wort weiter getragen und deutlicher gemacht imd wenn es daran etwas auszusetzen gibt, so ist es höchstens der Umstand, daß die Antwort an Lord Grey ebenso wie die Darlegungen über die Gründung Neupolens nicht vor dem Plenum des Reichstages erfolgte. Aber nachträgliche Kritik bessert hier nichts. , Die große Rede des Kanzlers wird auch so ihre Wirkung auf das neutrale und das feindliche Ausland nicht verfehlen, soweit dort der Wille zu sachlicherBeurteilung besteht. Die Rede enthält in ihrer ersten Hälfte wieder die bekannten Tatsachen über den Kriegsausbruch, die jedem politisch Denkenden geläufig sind, aber Herr von Bethmann Hollweg hat diese Tatsachen diesmal so treffend und schlüssig znsammengestellt, daß die Greyschen Spiegelfechtereien davor nickt mehr bestehen können. Lückenlos und unwiderleglich ist der Beweis für Englands Schuld am Weltkriege, für Greys grauenhafte Verantwortung geliefert, und keiner noch so verschlagenen Wortfechterkunst wird es gelingen, diese Beweisführung zu erschüttern. „28h: haben kein Tribunal zu scheuen", das erklärte der Kanzler an die russische Adresse. Es gilt auch gegenüber England und es gilt endlich in jener Frage, die Grey so geschickt aufgriff, um Deutschland, das 1914 den Frieden nicht störte, vielleicht doch als den Friedensstörer künftiger Abmachungen hinzustellen, was nebenbei gesagt, ein bemerkenswertes Geständnis Greys war, nämlich, daß er Deutschland, wie es aus dem Kriege her- vorgeht, fürchtet! Wer gerade im Punkte künftiger Friedenspolitik braucht die Welt das Deutsche Reich nicht zu fürchten. In den Schrei der Menschheit nach Friedenszwang stimmen auch die Deutschen ein. „Deutschland wird ieden Versuch, eine praktische Lösung zu finden, ehrlich mitprüfen und an seiner möglichen Verwirklichung Mitarbeiten", so verkündete der Reichskanzler den Willen der deutschen Reoierung, an derneuenWeltordnung bauen zu hellen, und es gibt nur eine Bedingung, die vorweg gestellt werden muß: daß diese Weltordnung keine englische, sondern eine internationale fei, eine, die das Weltmeer sreigibt und zu Lande niemand einzukreisen trachtet.
Oie weitere Debatte im Reichshaus- haltsausschutz.
Au der gestrigen Sitzung des Reichshaushaltsausschusses, über die wir in unserer heutigen Morgen-Ausgabe berichteten, sind nur noch die Ausführungen eines Vertreters der F o r t - schrittlichen Volk Spartet nachzutragen. Dieser erklärte, daß ungezählte Menschen, nicht nur bei uns, dem Reickskanzlec für die Zusammenstellung, die er gegeben habe, dankbar sein würden. Die historischen Vorgänge seien außerordentlich glücklich und ivirknngsvoll zusammengestellt. Das Gedächtnis, auch mancher Staatsmänner, für die tatsächlichen Vorgänge sei merkwürdig schwach. Der Redner wandte sich sodann scharf gegen den ..Berliner Lokal- Anzeiger", der mit seiner unüberlegten Handlungsweise fast in die Geschicke der Menschheit eingegrisfen habe. Seine Freunde seien damit einverstanden, daß internationale Friedensbindungen stattfänden. Ob Lord Grey im Ernste die Hand zum Frieden ausgestreckt habe, wolle er nicht untersuchen. Wir sollten aber zeigen, daß uns ernst sei, zu seinen Gedanken Stellung zu nehmen. Ob es möglich sei, eine dauernde Friedenswahrung zu schaffen, sei gewiß sragM. Seins Freunde feien immer oafüx gewesen.
einen Versuch zu machen. Es werde keine ganz verloren« Mühe sein. Jetzt habe die Sache natürlich eine andere Bedeutung als vor dem Kriege. Durch die ganze Menschheit werde ein ernstes Sehnen nach der Friedenssicherung gehen. Er sei froh, daß der Reichskanzler so deutlich ernste Mitarbeit versprochen habe. Vielleicht sei das von größerer. Bedeutung, als man sich im Augenblick vorstelle. Es sei gut, daß unsere Friedensliebe so klar und unzweideutig festgestellt worden sei. Erst müßten natürlich die Konsequenzen aus dem gezogen werden, was uns angetan worden sei. Eine Weltordnung im englischen Sinne und nach englischem Wunsche dürfe es nicht geben. Das sei das Interesse der ganzen Welt. Greys Ansichten böten nicht die Grundlagen für einen Weltfrieden. Darin teile er völlig die Auffassungen des Reichskanzlers. Wir verlangen Schutz unserer Rechte und Sicherheiten für unsere Entwicklung. Auch seine Freunde haben niemals auf dem Standpunkt gestanden, daß Belgien annektiert werden müsse, und wünschen dies auch jetzt nicht. Damit sei die Frage aber nicht erledigt. Belgien dürfe nicht der Tummelplatz englischer Machtbestrebungen auf dem Kontinente werden. Der englische Einfluß müsse zugunsten des deutschen zurückgeschnitten werden. Zwischen diesen beiden Gesichtspunkten gebe es eine Reihe von Möglichkeiten, über die eine Auseinandersetzung erfolgen werde. Seine Freunde seien bereit, an diesen Fragen mitzuarbeiten.
Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion führte aus, der Reichskanzler habe die. S ch u l d f r a g e anfgcrollt und auögesührt, wie er sich die Herbeiführung des Friedens denke. Diese letztere Frage sei die wichtigere. Es wäre besser gewesen, daß manches, was über die Schuldsrage erklärt worden sei, schon früher bekannt gegeben worden wäre, wie die zweite Instruktion nach Wien. Der russische Befehl von 1912 müsse das Märchen zerstören, daß Rußland der angegriffene Teil gewesen sei. In allen Ländern wachse der Gedanke, es müsse ein Ende des Krieges werden. Mit Recht habe der Kanzler gesagt, der Schrei, daß in Zukunft die Kriege durch internationale Verträge verhindert würden, sei so groß, daß er schließlich einen Erfolg haben müsse. Wir bätten früher die Schiedsgerichte zu sehr sn bagatelle behandelt gegenüber der Bedeutung, die ihr in Frankreich uud England beigelegt worden seien. Der Kanzler habe die Befürchtung ausgesprochen, daß England eine Friedenskoalition nur wieder auf englische Bedürfnisse zuschneiden würde. Trotzdem sei das Prinzip als richtig anzuerkennen. Wichtig sei, daß der Kanzler niemals eine Annexion Belgiens verlangt habe. Es dürften aber Belgien niemals unehrenhafte Bedingungen auferlegt werden, die eine Verständigung hindern würden. Das Reichsinteresse verhänge nicht, daß wir Belgien militärisch, politisch und wirtschaftlich in der Hand behielten. Es sei ein gutes Programm, daß wir uns an die Spitze einer Koalition stellen wollten, die den Krieg verhindern solle.
Das Deutsche Reich führe einen Verteidignngs-, keinen Eroberungskrieg.
Daß der Reichskanzler in den früheren Reden die Tapferkeit der Franzosen gelobt habe, habe gut gewirkt; es sei zu hoffen, daß er noch über seine heutige Rede hinaus die Friedensbereitschaft Deutschlands erkläre, dann würden die feindlichen Völker ihren Regierungen die Schuld an der Weiterführung des Krieges geben.
Der Vertreter der konservativen Partei erklärte, was der Kanzler über die Kriegsursachen gesagt habe, sei überzeugend und wert, im In- und Ausland verbreitet zu werden. Unsere Feinde, die stch auch durch unwiderlegliche Tatsachen nicht überzeugen lassen wollten, würden es auch nach diesen Ausführungen nicht tun. Für den Frieden sei ledenfalls wohl nicht die Auffassung über die Ursachen des Krieges entscheidend, sondern die Machtstellung, die wir uns errungen hätten. Was den internationalen Bund zur Erhaltung des Friedens betreffe, so könne er dem Vorredner nicht beistimmen, daß wir im Haag uns zu wenig zu- stimmend zu diesen Ideen verhalten hätten. Es sei notwendig, gewesen, die Vorbehalte offen auszusprechen. Wenn man meine, dos habe die Feindseligkeit gegen uns erhöht, so könne er dem nicht zustimrnen. Die Feindseligkeit habe die anderen bekannten Gründe gehabt, bei England lag sie in dem Entschluß, uns nicht hochkommen zu lassen. Wie die Dinge heute lägen, könne er dem Gedanken beipslichten, daß auch wir nach dem Kriege ekrlick versuchen müßten, an den internationalen Friedensabma'chungen mitzuwicken. Der Vorschlag allerdings, den Grey in dieser Beziehung mache, sei als solcher nicht ernst zu nehmen. Wenn Grey von idealen Bestrebungen zur Erhaltung des Friedens spreche, so meine er das englische Ziel, einen Bund zu schaffen, der Deutschland politisch isoliere, militärisch vernichte und wirtschaftlich boykottiere. Ein Bund mit dem Ziele, den Friedensstörer tm Zaume zu halten, sei erstrebenswert; entscheidend für die Erreichung dieses Zieles werde letzten Endes die Machtstellung sein, die sich Deutschland in diesem ihm aufgezwnngenen Ver- teidigungskxiege erkämpfe. In diesem Zusammenhang stehe auch die Erörterung des Manifestes über Polen. Dessen Zweck erblickt der Redner Sarin, daß Polen den Anschluß an die Z e n t r a l m ä ch t e erh ilte. Er könne vielleicht nicht in dem Matze, wie die Boccedner, die Zweifel zurückstellen, ob dies Ziel erreicht werden würde, und ob der jetzige Augenblick der richtige gewesen sei, um diese« Teil der Friedensverhand- langer vorwegzunehmen. Er lege jetzt weniger Wert auf die Erörterung dieser Aveifel, soiidern sei gewillt, mit den vollen-
