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vonnersrag. 9. November 1916.
6lbend-Kusyabe.
Nr. 545. . 64 . Jahrgang.
DK Unabhängigkeit Polens.
Eine weitere Polendeputation beim Reichskanzler.
Der Wille, mit den Zentralmächten gegen Rußland zu kämpfen.
W. 1.-8. Warschau, 8. Nov. Am 1. November empfing fcer Reichskanzler den Rechtsanwalt Makowiecki, den Schriftsteller Studnick und den Professor Humnicki. Nach der Vorstellung ergriff Makowiecki das Wort zu folgender Ansprache: Wir sind sehr glücklich, daß wir Gelegenheit erhalten. Euer Exzellenz persönlich zu sprechen. Wir können Ihnen deshalb unseren höchsten Dank aussprechen, daß die verbündeten Armeen, besonders die d'entsche Armee, i'.nser Vaterland von dem russischen Joch befreit haben. Jetzt ist es unser Wille, zusammen mit den Zentralmächten gegen Rußland zu kämpfen und schon jetzt mit unseren Kräften den zukünftigen polnischen Staat zu erweitern und zu organisieren. Wir haben die Hoffnung, daß das Deutsche Reich uns zu diesen Taten verhelfen wird, damit der zukünftige polnische Staat stark genug wird, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Befreier, die, ivie wir meinen, auch unsere Bundesgenossen sein werden.
Der Reichskanzler teilte den Herren die Eröffnungen mit, welche er der ersten Deputation machte. Einleitend bemerkte er:
Es ist mir eine Freude, nachdem ich vor wenigen Tagen eine Anzahl anderer polnischer Herren empfing, arrch Sie hier begrüßen zu können. Es ist mir bekannt, daß Sie die historischen Notwendigkeiten, welche den Anschluß Polens an die Zentralmächte fordern, erkannt haben und diesen Gedanken mit Unerschrockenheit vertreten. Bezugnehmend auf die Kundgebung des Klubs der Anhänger eines polnischen Staatswesens zur rumänischen Kriegserklärung und das an den Rerchstagspräsidenten gerichtete Begrüßungstelegramm fiigte er hinzu, daß er in den Herren tapfere Vorkämpfer für die gemeinsame Sache und Mithelfer an der bevorstehenden schweren Aufgabe erblicke und auf deren vecständnisbolle Mitarbeit rechne.
Die geheuchelte Ruhe in der russischen Presse.
W T.-B Petersburg, 7. Nov, Meldung der Peterslmrger Telegiavhenagentur. Die gcsavrtc russische Presse nimmt die Un- "bhäiigigkeitserklärung der besetzten Gebiete Russisch-Polens durch Österreich und Deutschland mit großer Ruhe aus. Nach der nnstinnnigen Meinung der Blätter hat diese Tat der Zentralmächte, sie von ncrrem die Prinzipien des Völkerrechtes gröblich verletze, un- >weifelhaft keinen anderen Zweck, als ihre erschöpften Reserven auf- jufüllen. Das polnische Voll wird Niemals einer so selbstmörde» cischen Politik Mstimnien, selbst wenn sie thin in der Form der Unabhängigkeit «usgeredct wird. Die verschiedensten politischen Richtungen sind einig, die Lage unter diesem Gesichtspunkt anzu- sthen, — „Rowose Wrenrja" bemerkt, daß die ruhnrreichsten Traditionen der polnischen Waffen sich an die Schlacht von Tannen- ierg knüpfen, wo polnische, litauische und klemrussische Regimenter ftn deutschen Horden Niederlagen beigebracht haben, Do.S vor fünf Fchrbunderten unternommene Werk soll gegenwärtig zu einem Men Ende xefübrt werden — Die „Börsenzeitüng" sagt: Entgegen allen Grundsätzen des Völkerrechts haben Österreicher und Deutsche beschlossen, Aushebungen vorzunehmen, und diese unter der Form eines Königreiches Polen mit sogenannter politischer Unabhängigkeit zu tun. Dieser Mummenschanz lvird niemanden täuschen, denn es handelt sich hier nicht um eine gesetzmäßige Politik, sondern um -ine einfache internationale Räuberei — „Rjctsch" stellt fest, daß der tatsächliche Zweck dieses hastigen deutsch-österreichischen Aktes in der Erklärung über die Rekrutierung enthalten sei. Die von den Österreichern und Deutschen proklamierte Rekrutierung stelle einen Akt der Vergewaltigung und die Erklärung der Unabhängigkeit Polens eine Heuchelei dar. — In gleichem Sinne äußern sich andere Blätter, darunter das Organ der äußersten Linken, welches hervor- hebt, daß die polnischen Volks,nahen und die polnische Demokratie das, was geschehen sei, als ein neues nationales Unglück betrachten würden. — Die Zeitung „Nawosti Dnia" zitiert die Worte einer der bekanntesten polnischen Persönlichkeiten, des Grafen Velopolski, der erklärte: Indem sie, Kaiser Wilhelm und Franz Joseph, russischen Pirvinzen Rechte einräumen, wollen sie nur einige Hunderttausend polnische Soldaten ausheben. Diese zutage liegende Absicht werde unzweifelhaft von den Polen verstanden werden, die sich nicht durch solche heuchlerische Geschenke täuschen lasten werden.
Ein gemeinsamer Einspruch der Entente wegen der Wiederausrichtung Polens?
Nr. Kopenhagen, 9. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) ..Politiken" zufolge kündigt das „Echo de Paris" einen gegen die Proklamierung des Königreichs Polen gerichteten Protest an, den Rußland gemeinsam mit seinen Verbündeten erlaffen werde.
Herves Verzweiflung.
W. T.-B. Bern, 8. Nov. Zur Lösung der Polenfrage schreibt Herve: Man muß den Mut haben, anzuerkemien, daß die Ereignisse in Ruffisch-Polen keinen Sieg für uns bedeuten, Der Streich, den uns Deutschland spielt, ist zynisch und eine schöne Anwendung macchiavellistischer Gedanken. Auch verrät er G e s ch i ck l i ch k e i t und es ist notwendig, daß die alliierten Regierungen mit Ernst der neuen Sachlage Rechnung tragen. Als einzige Möglichkeit, das deutsche Manöver sofort zu parieren, verlangt Herbe (wie schon mitgeteilt) ein gemeinsames Manifest sämtlicher Alliierten an Polen. Er glaube jedoch, oaß ein solches Manifest, selbst wenn es von alle n Alliierten unterzeichne! wäre, die Polen nicht ententefreundlich er machen würde, wenn nicht zum mindesten sofort an die Bildung eines polnischen Heeres geangen würde, das an der Seite der Müsse» kämpfen würde.
Eine Interpellation in ser französischen Kammer.
W. T.-B. Bern, 8. Nov. „Temps" zufolge hat der Abgeordnete Vareune dem französischen Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß er ihn in einer der nächsten Kanimersitzungen über Maßnahmen interpellieren werde, die die alliierten Regierungen ergreifen würden, um dem österreichisch-deutschen Manöver der Unabhängigkeitserktärnng Polens entgegen- z u t r e t e n.
DK Präsidentenwahl in Amerika.
Das Ergebnis doch noch zweifelhaft?
W. T.-B, New Dort, 8. Nov. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Während die gestrigen Nachrichten über die Wahl Hughes so positiv lauten, laß sie von Wilson selbst anerkannt wurden, taffen die letzten Wahlnachrichten aus dem fernen Westen und anderen Staaten die Lage ziemlich unklar erscheinen. Beide Parteien nehmen den Sieg für sich in Anspruch.
Hughes' Wahlsieg wird bestritten.
W. T.-B. London, 9. Nov, (Dcahtbericht.) Reuter meldet nach New Yorker Zeitungen: Der Hauptvorsitz der demokratischen Partei hat den demokratischen Parteivorsitzenden in allen Staaten und Kreisen gedrahtet: „Wilson wiedergewählt. Sie müssen sich versönlich darum kümmern, daß die Wahlurnen überwacht werden, denn unsere Gegner rasen."
W. T.-B. Berlin, 9. Nov. (Drahtbericht.) Nach einem bei der Londoner Vertretung der Affociated Preß gestern abend 9 Uhr eingelaufenen Telegramm sind bisher für Wilson 248, für Hughes 243 Stimmen gezählt worden, 40 sind zweifelhaft. Die Wahlausschüsse beider Parteien beanspruchen für ibre Kandidaten den Sieg. Wilson habe mit Len mittelöstlichen Staaten an Boden gewonnen.
Widersprechende Meldungen.
Bl - Rotterdam, 9. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Je mehr Ergebnisse bekannt werden, desto mehr bilde,t sie eine Ermutigung für die Anhänger Wilsons, weil sie auf die Möglichkeit Hinweisen, daß er mehr Stimmen bekommen wird ,n den Staaten Kansas. Idaho, Washington, Wyoming und Neumexiko. Die Republikaner behaupten, die Mehrheit zu baben. In allen anderen Staaten, wo aber das Ergebnis noch zweifelhaft ist, wie in Kalifornien, Oregon und in New- bampshire, gehen die Erwartungen der Republikaner dahin, daß Hughes noch einen kleinen Vorsprung gewinnen würde. Wilson hat aber noch immer die Führung in Minnesota. Auch in Kalifornien steht das Ergebnis auf des Messers Schneide. Beide Parteien rechnen sich den Sieg zu, wie auch in anderen Staaten des Westens.
Br. Rotterdam, 9. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) New Yorker Blätter melden- Der Präsident der demokratischen Parteien drahtete an die Abteilungspräsidentrn der Parteien in allen Staaten und Distrikten: „H u g h e s ist gewählt. Sie müssen persönlich dafür sorgen, daß die Stimmung ü verwacht wird. Unsere Gegner sind verzweifelt.‘
Eine Erklärung des republikanischen Nationalkomitees.
W. T.-B. New York, 8. Nov. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Daö republikanische Nationalkomitee erklärt: Der Sieg ist größer, als wir gehofft haben und zeigt, daß man dem amerikanischen Volke ruhig anvertranen kann, bei der Präsidentenwahl unter den Losungswort der Wahlkampagne d,e richtige Entscheidung zu treffen. Es sieht im Augenblick darnach aus, daß nicht nur Hughes zum Präsidenten gewüblt wird, sondern auch die beiden Häuser des Kongresses republikanisch sein werden.
Der letzte Schutz Roosebelts im Wahlfeldzug.
Haag, 9. Nov. Reuter meldet auH London: Roose- velt feuerte seinen letzten Schuß im Wahlfeldzug in einer Rede in Oisterbay ab. Er sagte, Wilson brächte ,n Wirklichkeit den Vereinigten Staaten den Krieg, denn wenn er am Ruder bliebe, würde sich das Selbstgefühl der Bürger schließlich gegen die fortwährenden Demütigungen wehren, die das Land zu erdulden hätte, und so würde es dem Kriege entgegengetrieben werden. Das schlimmste Beispiel der Charakterlosigkeit Wilsons liege in seinem Vor- >! e h e n gegen „U 53". wo er die amerikanische Flotte dazu benutzt habe, Leute von den durch „U 63" versenkten Schiffen aufzufischen und Deutschland dabei zu helfen, seine Versprechungen nicht brechen zu müssen.
Ereignisse zur See.
Eine ganze Anzahl weiterer Versenkungen.
Berlin, 8. Nov. Außer den bereits gemeldeten sind in den letzten Tagen noch folgende feindliche Handelsschiffe versenkt worden: Die englischen Damvfer „Rappa Hannock" (887 l Tonnen), „North Wales" (4072 Tonnen), „A. B. Davidson" (1640 Tonnen) und „Barcnmble" (3823 Tonnen); die französischen Segler „Iduna" (165 Tonnen) und „Felix Louis" (275 Tonnen) und der italienische Dampfer „Ostmarck" (4490 Tonnen).
W. T.-B. Bern, 8. Nov. „Marin" meldet aus Marseille: Ter französrsche Dampfer „Mogador" wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet.
W. T.-B. London, 8. Nov. Lloyds meldet, daß der Schlepper „Caswell Horfateastle" aus Kyoto und der Fracht- dampfer „Learonm" versenkt worden sind. Die Besatzungen des Schleppers und 16 Maan von der „Leatonia" wurden von dem dänischen Schlepper „Bragi" ausgenommen. Die übrige» 15 Mavn der „Leatonia" sind vermutlich von einem englischen Kriegsschiff ausgenommen worden.
W. T.-B. London, 9. Nov. (Drahtbericht.) Lloyds meldet: Der norwegische Dampfer „Furnland" ist gestern nachmittag versenkt worden. Die Besitzung ist gelandet.
W. T.-B. London, 9. Nov. (Dcahtbericht.) Reuter meldet: Wie Lloyds Agentur berichtet, ist der norwegische Dampfer „Reime" (912 Tonnen) versenkt worden.
Aufbringung eines Bannwarenschiffes.
Br. Christiania, 9. Rov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach der „Middagsavian" wurde der norwegische Dampfer „Pluto" (1128 Tonnen) im Holgesund auf der Reise von Göteborg nach Ronen von den Deutschen nach Cuxhaven eingebracht.
Ein norwegischer Dampfer gesunken.
W. T.-B. London, 7. Nov. Nach einer Lloydsmeldung aus Falmonth brachte der Dampfer „Aalesund" die Bemannung des norwegischen Dampfers „Schweigaard" on Land, der vorgestern in sinkendem Zustand verlassen wurde.
Oer Krieg auf dem Balkan.
Oer amtliche bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia, 9. Nov. (Drohtbericht.) Bericht des Generalstabs vom 8. November: Mazedonische Front: Südlich des Malik-Secs haben wir abgcscffrne feindliche Kavallerie, die oorzudringen versuchte, zn rückgeworfen. Östlich des Prespa-Sees und im Cernabogen Ge- schützseuer wie gewöhnlich. An der Moklemitafront Geschütz- teuer und Minenkampf. Ein feindlicher Angriff wurde in der Nacht zum 8. November durch Feuer abgewiesen. Beim Rückzug verlor der Feind einen seiner Gräben. Beiderseits des Wardar einige Kanonenschüsse. An der Freut der B e l a- s i c a - P l a n i n a und Struma unwirksames feindliches Geschützfeuer auf bewohnte Ortschaften vrr unserer Stellung. Gefechte zwischen Erkundnngs- und Wachtabteilungen, ander Küste des Ägäischen Meeres Rnhe.
Rumänische Front: Längs der Donau nur an einzelnen Abschnitten Geschütz- und Gcwrhrfrner. In der Dobrudscha kleine Gefechte mit feindlichen AufMrnngS- irbteilungen, die gegen unsere Stellungen vorzugehen suchten. Am Schwarzen Meer Ruhe.
Die schweren rumänischen Verluste.
8. Stockholm, 9. Nov. (zb.) Die letzten Kämpfe in Transsylvanien waren für die Rumänen besonders t e r l u st r e ich. Jassy ist nach einer Meldung des „Utro Roffij" eine einzige Lazarettstadt. Alle Schulen, Universität usw. sind in Krankenhäuser verwandelt worden. Biele Lagerhallen wurden ansgeränmt und der Inhalt auf den Straßen aufgestapelt, um freie Baracken für die Verwundeten zu gewinnen.
W. T.-B. Wien. 8. Nov. Hinsichtlich des sieben- bürgischen Kriegsschauplatzes heben die Blätter hervor, daß trotz der Ungunst des Geländes und der Wfttcrnng- und trotz der Hemmnisse der schon im Frieden jenseits der Grenze von den Rumänen angelegten Befestigungsbauten wesentliche Fortschritte erzielt worden seien, denen nur kleine Erfolge des Feindes im nördlichen Siebenbürgen gegenüberständen. Die Presse hebt hierbei hervor, daß sich die Aligriffsbrwegungen in einem schwer zugänglichen bewaldeten Mittelgebirge, das mitunter, wie beispielsweise westlich der Predealstraße, zu Höhen von mehr als 2009 Meter emporsteigt, vollziehen, weshalb den verbündeten Truppen höchste Bewunderung gebühre. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Gegenangriffe der Rumänen für diese die schwersten Einbußen zur Folge hatten. So wurden unter anderem imch sechstägigen Kämpfen in einem Frontraume nur weniger Kilometer mehr als 1000 Feindesleicher, von den.verbündeten Truppen bestattet.
Die Beschlüsse eines verstärkten rumänischen Kriegsrats.
(Drahtbericht unseres L.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 9. Nov. (zb.) Im rumänischen Haupt- guartier südwestlich von Jassy fand ein verstärkter Kriegsrat statt, an dem außer dem Ministerium, den Spitzen der Heeresleitung Take Jonescu und Fürst Canta- cuzenn teilnahmen. Zuerst berichtete Fürst Cantacuzeuu ül>er die geringen Ergebnisse seiner Petersburger Mission. Nach dem Gutachten des rumänischen Generalstabes wurde der Schutz der Hauptstadt als ungenügend bezeichnet. Der Generalstab könne die Verantwortung, zumal der französische Stab das Kommando übernommen habe, nicht tragen. Es wurde folgende Resolution angenommen: Der rumänische Generalstab macht seinen Einfluß dahin geltend, daß die Hauptstadt bis zur letzten Verteidigungsmöglichkeit gehalten wird. Falls sich die Verlegung des offiziellen Regierungssitzes als nötig erweisen sollte, ist hierzu Jassy ausersehen. Das Parlament wird einstweilen nicht
