Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

„Sag« att*eitf".

Gchalter-Hallk geifftttt von 8 Udr morgens in» 7 Uhr aLcnvr.

wöchentlich

vkz»gS-Prkis für beide Ausgaben: Sit. 1.— mi-nailich, Sit. 3— vierteljLbrliib durch den Berlao Langgaffr 21. ohne BringerloK» Sit. 4.05 vieneljährlich durch olle dennchen Potzcnftolten. auSickiietzlich Beitcügeld — BezugS-Beitellnngen nehmen außerdem emgeaen: in Wjeddaden die Zweigstelle BiS' mariiring IS. sowie die Auraabestellen in allen Teilen der «tad»; in Biebrich: dir dortigen Uul- gadeftellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die detreffeitden TagbiaN» Träger

13 Ausgaben.

Fernruf;

„SagMatrtaust“ Nr. 6658-53.

Bon 3 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Eonntazi.

«nzergen-vr-is für die Zeile: 15 Big. für «rtl.che Anzeigen im „Arbettsmarlt- und Kleiner Anzeiger» m einheitlicher Sagiormi 20 Pfg. in davon abweichender SatzanzMrung, sowie für all- übrigen örttichen Anzeigen; 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Sit iür örtlich- Reklamen: 2 MI. sur auswärttge ReNamea. «Lange. halbe, drittel und viertel Seiten, durchlausend, »ach befonderer Berechnung, - «n wi-derbolter Aufnahme unveränderter Anzeigen i» kurzen Zwischenräumen entsvrechender Nachlaß

»erliuer Abteilung d;s Wiesbadener T-gbl.ttS: Berlin W., P-tSd-»er Str.121L K»ns»r.: A«t Lützow 6202 «.6203. Ug'-n und

Donnerstag» 9. November 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 544. . 64. Jahrgang.

Die englischen ttriegrschisfrverlufte.

Die englische Kriegsflotte hat nach einer kürzlichen Mitteilung der Presse bisher nicht weniger als 500 000 Tonnen verloren. Bei dieser Zahl find nur die Linien­schiffe, Panzerkreuzer und geschützte Kreuzer berücksichtigt worden. Die Zahl der eng­lischen Kriegsschiffverluste erhöht sich beträchtlich, wenn man alle Hilfskreuzer, Unterseeboote, Torpedo­boote und Wachtschiffe hinzurechnet, die während der ganzen Kriegszeit unseren Waffen zum Opfer gefallen find. Fernerhin ist zu bedenken, daß bei der Zahl von 500 000 Tonnen nur diejenigen Kriegsschiffe berück­sichtigt wurden, deren Verlust unzweifelhaft fest- steht. Die englische Admiralität hat aber seit Beginn des Krieges das Bestreben gezeigt, möglichst wenig von den Verlusten zuzugeben. Allein von Linien­schiffen haben sie den Verlust des „Warspite", des „Euryelus" und „Prinzeß Royal" verschwiegen, die in der Skagerrakschlacht zugrunde gegangen sind. Don anderen Linienschiffen, deren Verlust von der eng­lischen Admiralität nicht zugegeben wird, seien erwähnt: „Audacious", das am 27. Oktober 1914 an der Nord­küste Irlands durch eine Mine unterging, ferner gehört in die Reihe der nicht zugegebenen verlorenen englischen Kriegsschiffe außer dem oben erwähnten Schlacht­kreuzer „Prinzeß Royal" der Schlachtkreuzer „Tiger", der am 24. Januar 1915 an der Doggerbank vernichtet wurde. Von Panzerkreuzern ist ein Schiff der Donegalklasse, Mitte Februar 1916 bei den Orkney- Inseln auf eine Mine gelaufen und gesunken. Von kleinen Kreuzern wurde einer am 17. August 1915 bei Hornsriff durch Torpedoboote versenkt, ein Schiff von der Amethystklasse wurde im August 1915 westlich der Hebriden durch U-Boote vernichtet, der kleine Kreuzer „Caroline" wurde am 1. Februar 1916 an der Humbermündung durch ein Luftschiff versenkt und der kleine Kreuzer „Birmingham" durch die Artillerie in der Skagerrakschlacht am. 31. Mai 1916 vernichtet. Wir sehen also, allein an Linienschiffen, Panzerkreuzern und kleinen Kreuzern haben die Engländer bisher die statt­liche Anzahl von 10 Einheiten, darunter Schiffe größ­ter und modernster Bauart, verschwiegen. Wenn man den Gesamtinhalt dieser Schiffe rechnen wollte, dann würde sich die Größe der englischen Kriegsschiffs- Verluste naturgemäß noch ungemein steigern. England hat bisher im ganzen 10 Linienschiffe, 5 Schlachtkreuzer, 12 Panzerkreuzer, 2 geschützte Kreuzer und 8 kleine Kreuzer verloren. Jüngst wurde mitgeteilt, daß die englischen Verluste auf dem Gebiete der Handels­flotte nicht weniger als 2 Millionen Tonnen betra­gen. Für eine Jnselmacht, wie sie England darstellt, bedeuten diese, Verluste nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer Beziehung eine ungeheure Schwächung, zumal sie neben so ungeheuren Verlusten der Kriegsflotte auftreten. Wenn der englische Minister bei Ausbruch des Krieges erklärte, daß England durch den Eintritt in den Krieg nicht mehr Schaden erleiden würde, als wenn es sich vom Kriege fernhielte, so wird der Verlust an Kriegsschiffen und Handelsschiffen den Engländern schon jetzt gezeigt haben, daß diese Prophe- zeiung der englischen Regierung , sich ebensowenig be­wahrheitet hat wie alle bisherigen Prophezeiungen, welche wir aus dem Munde englischer Staatsmänner und Offiziere über Gestaltung und Verlauf des Krieges vernommen haben.

Ans den Verhandlnnnen des englischen Unterhauses.

W. T.-B. Amsterdam, 8. Nov. (Drahtbericht.) Wie einem "hiesigen Blatt ans London gemeldet wird, erklärte Rainsah Macdonald vor einigen Tagen in einer öffentlichen Ver­sammlung, daß alle, die jetzt ans den Schlachtfeldern rn Frankreich und Belgien fallen, umsonst st erben. — Gestern kragte Outhwaite (Lib.) im Unterhaus, ob alle Alliierten gleichmäßig zu der gesamten Truppenmacht beitrügen. Lloyd George antwortete, es sei uner­wünscht, darüber Ausschlüsse zu geben. Outhwaite begnügte stch damit nicht, sondern stand nochmals aus. Es erschollen von allen Seiten Protestrufe. Man rief: Sitzen bleiben, wir brauchen hier keine Freunde der Deutschen! Oberst Craig (Un.) fragte, ob es nicht möglich sei, Fragen zu verhindern, die offenbar bezweckten, Schwierigkeiten zwischen den Alliierten hervorzurufen. Der Sprecher erklärte, er würde das gerne zur Regel machen, wenn das Haus einen derartigen Antrag annehme. Er habe nichts dagegen, daß die Mitglieder des Hauses ihre Meinungen zum besten geben, könne aber nicht zulassen, d-aß die Verhandlungen gestört wer­den. Outhwaite fragte hierauf, ob das Kriegsamt Lord Rorthclifse gewisse Informationen gegeben habe. Von radikaler und konservativer Seite wurde wegen der Ereig­nisse in Athen am Auswärtigen Amt Kritik geübt. Es wurde der Wunsch nach kräftigeren Maßregeln gegen die Deutschfteunde in Griechenland geäußert. Einige Abgeord­nete verlangten, daß die Alliierten endgültig mit König

Konstantin brechen sollten. Lord Robert Cecil er­klärte. daß die Alliierten energische Schritte tun würden, um zu verbüten, daß die griechischen „Patrioten", die sich der Saloniker Bewegung anschließen, auf Schwierigkeiten stoßen. Im allgemeinen hätten die Regierungen der Alliierten keine Ursache zur Unzufriedenheit über die Art, wie die griechische Regierung ihren Verpflichtungen nachkäme.

Englands Weltherrschaftswille.

Berlin, 8. Nov. Englands Wille zur Weltherrschaft wird von dem bekannten militärischen Sachverständigen R e p i n g - ton im Novemberheft des „London Magazine" verkündet. Es heißt dort: Wir haben die Führung in dem Bündnis übernommen und die Führung Europas gehört uns mit Recht. Wenn der Krieg endet, wie werden wir dastehen? Wenn wir Armee. Flotte und alle Hilfsquellen zusarmnen- nehmen, so werden wir die erste militärische Macht der Welt sein. Wir werden in der Hauptsache Seemacht vor allem anderen bleiben. Aber die Landesgrenzen des Reiches werden weiterhin dem Erdumfang gleichen. Unser Volk hatte und hat den Eroberungswillen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt hierzu Repington ist zu ehrlich, als daß er die ewige Heuchelei mitmachen will, England kämpfe für das Recht der Kleinen, für die Freiheit und Gerechtigkeit der Welt. Der Wille zur Eroberung, der bei anderen Völkern ein Verbrechen, ist Englands alleiniges göttliches, ewigesRecht. -

Die große Teuerung in England.

Berlin, 8. Nov. Die Nahrungsmittelsorgen beginnen in England immer größer zu werden. In manchen Orten wurde der höchste Preis für Weizen seit 50 Jahren erreicht- Auch die Kartoffelpreise zeigen eine ständig steigende Tendenz.

Die englische Oktober-HandelMIanz.

W. T.-B. London, 8. Nov. (Drahtbericht.) Nach einem Ausweis des Handelsamtes belief sich die englische Einfuhr im Oktober auf 81 135 376 Pfund, was gegen Oktober des Vorjahres eine Zunahme um 13 818 970 Pfund bedeutet. Die Ausfuhr betrug im Oktober 44 715 248 Pfund, so daß die Zunahme gegen das Vorjahr 12 746 283 Pfund beträgt.

Der ttrieg gegen Italien.

Einführung der fleischlosen Tage in Italien.

W. T.-B. Bern, 8. Nob. (Drahtbericht.) Mailänder Blätter melden aus Rom: Die Verpflegungskonimission hat beschlossen, zwei fleischlose Tage einzuführen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 8. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 8. November, nachmittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Südlich und südöstlich des Czurduck-Passes wur­den rumänische Angriffe abgeschlagen. Bei S p i n i und süd­westlich von P red eal drängten wir den Feind weiter zurück. Beiderseits der Budza-Stratze sind wir wieder im Besitz aller unserer früheren Stellungen.

Nordwestlich von T o e l g y e s vermochten die Russen abermals etwas Raum zu gewinnen.

Bei Tartarow schoß ein österreichisch-ungarischer Flieger einen russischen Nienport-Dopveldecker ab.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Ruhe im Görzischen hält an. An der Fleims- t a l f r o n t wurden Angriffe einzelner italienischer Bataillone im Col-Bricon-Gebiet und an der Bocche-Stellung abgewiesen. Drei Offiziere, 5» Mann und 2 Maschinengewehre sielen hierbei in unsere Hand.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Der Stcllvrrtrrler des Chefs des GrneralstabeS: v. H ö f r r, Frldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

Am 7. d. M„ nachmittags, haben feindliche Flieger auf die Städte Rooiglo, Parenzo und Citta Nova Bomben abgeworfcn. Es wurde nicht der gering st e Sach­schaden angerichtet und niemand verlebt. Eigene Flug­zeuge stiegen zur Verfolgung auf. Eines derselben, Führer Linienschiffsleutnant Drakulir, schoß einen feindlichen Flieger ab, der bei in hoher See befindlichen Torpcdofahrzeuge» niederging. Diese wurden von unseren Flugzeugen mit Bomben angegriffen »nd entfernten sich gegen die feindliche Küste. Am Abend des gleichenTages warf ein feindlicher Flieger gleichfalls erfolglos Bomben bei Umago ab. Eigene Seeflngzcuge bewarfen abends die militäri­schen Objekte von Vermegliano sehr wirkungsvoll mit Bomben und kehrten unbeschädigt zurück.

Die 9. Isslizoschiacht.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Jy 4 Monaten raffte sich Italien viermal zu großen militärischen Leistungen auf, um das Ziel seiner poli­tischen und strategischen Wünsche zu erreichen, den Durchzug von dem Ostufer des Jsonzo nach der nur 30 Kilometer entfernten Seestadt Triest. Die 6. Offen­sive begann am 2. August und endete am 8. nach der Eroberung der Stadt Görz und eines schmalen Strei­fens östlich von ihr. Am 16. September brach die

7. Offensive bei Görz los, um 5 Tage später allmählich abzuflauen. Als Preis errang der Gegner einige Grabennetze auf dem Westabfall der Karsthöhe. Die

8. Schlacht nahm ihren Anfang am 9. Oktober und endete nach einem Bodengelvinn von rund 2 Quadrat­kilometer am 16. Oktober. Die neue große 9. Offen­sive machte sich nach einer Pause von kaum 2 Wochen gegen Ende vorigen Monats bemerkbar. Starkes Ar­tillerie- und Minenfeuer lenkte der Feind aus größten Kalibern mit einer noch nie dagewesenen Heftigkeit auf die Stellungen der verbündeten Truppen. Das An­griffsfeld ist auch diesmal dasselbe wie bei den August-, September- und Oktoberunternehmungen. Es liegt im Norden im Werchbilde der Stadt Görz, es dehnt sich zu beiden Seiten der Wipp ach aus und grenzt im Süden in der Nähe des Meeres bis an den See von Doberdo. Räumlich gemessen beträgt der Angriffs­raum kaum 8 Kilometer. Auf diesem schmalen Streifen fühlten bereits Ende Oktober starke italieni­sche Erkundungsabteilungen die Stellungen der verbün­deten Truppen ab. Am 31. Oktober wurden die ersten feindlichen Jnfanterieabteilungen durch Gegenstöße der Verteidiger blutig zurückgeworfen. Den Hauptkampf­tag bildete der 1. November. An diesem Tage brachen die Truppen der 2. und 3. italienischen Armee zum Sturme vor. Im Wippachtale, auf dem Nordslügel der Angreifer, sollten die Höhenstellungen östlich von Görz um jeden Preis genommen werden. Mit einer Kampfkraft von annähernd 50 000 Mann hoffte der Feind auf diesem engen Raume den Durchbruch zu erzielen. Er wurde re st los abgewiesen. Süd­lich des Flusses gelang es dem italienischen Massen­stoße, in den vordersten zerschossenen Gräben anfangs Fuß zu fassen. Im frffchen Gegenangriff wurde der Feind jedoch wieder zurückgeworfen, nur der Ort Lok­vica blieb in der Hand des Feindes. Dieser schmale Ge­winn war der blutige Siegespreis von 8 feindlichen Divisionen, einer Kampfkraft von annähernd 100 000 Mann. Dieselbe Abfuhr wie auf dem Nordflügel und in der Mitte erlebte der Gegner am 1. November auf dem südlichen, nahe dem Meere. Der 2. Großkampf­tag, der 2. November, brachte noch kein Abflauen der gesteigerten Kampftätigkeit. Im Wippachtale sowie auf der Karsthochfläche ging der Gegner zu einem wütenden Sturme vor. Diesmal blieb eine bis zum äußersten mutig ausharrende Batterie in der Hand des Feindes. Es gelang ihm nicht, den Erfolg bei Lokvica vom 1. November erheblich zu erweitern. Wie groß die Ei n b u ß e des Gegners an diesen beiden ersten Kampf­tagen gewesen war, das zeigt die deutlich sichtbare Er­mattung, welche sich am 3. Schlachttage in den Reihen des Feindes einstellte. Er unternahm am 3. November nur stärkere Teilangriffe, die darauf hinzielten, das am 1. November geschlagene Loch zu erweitern. Sie waren wieder ein Fehlschlag. Die Angriffe auf dem Nord- und Südflügel Verliesen ebenso ergebnislos. Am vier­ten Schlachttage verlegten die Italiener ihre Haupt­anstrengungen auf ihren südlichen Flügel. Hier war der Ort Jcimiano der Brennpunkt des Kampfes. Alle gegnerischen Angriffe brachen unter den schwersten feindlichen Verlusten blutig zusanimen. Am 5. und 6. November wird die Müdigkeit des Feindes, seine Scheu zu großangelegten Jnsanterieangriffen noch deut­licher sichtbar. Die Hauptrolle wiesen die Italiener vom 5. bis 7. November ihrer Artillerie zu, welche ihrerseits mit unerhörter Heftigkeit und ohne Unter­brechung das Feuer forffetzte. Nachdem eine Woche lang die mutigen Verteidiger am Jsonzo zum 9. Male in wenigen Monaten wieder ihre glänzende Verteidigungs­kraft bewiesen haben und die österreichisch-ungarischs Heeresleitung wieder an den Tag legte, wie vortrefflich die Stellungen ans der Karsthochfläche dem beispiel­losen Ansturm zu trotzen vermöchten, scheint die Haupt­stoßkraft des Gegners erlahmt zu sein. Abermals hat also der Feind eine neue schwere Niederlage erlitten. Sein Gewinn ist so geringfügig, daß er nur auf Kar­ten größten Maßstabes und auch hier nur mit der Lupe erkennbar ist. Nördlich der Wippach erreichte der Feind östlich Görz überhaupt nichts. Seine Angriffsbasis in den Niederungen des Jsonzo, ohnehin schon so schmal, wurde nicht verbreitert. Südlich des Flusses wurde im Raume von Lokvica die Front unseres Verbündeten auf einer Breite von 2 Kilometer und einer ebensolchen Tiefe ganz geringfügig einqebeult Das Hauptziel des Feindes blieb auch diesmal nicht erfüllt. Die Jsonzo-