Einzelbild herunterladen
 

Verlag Limgzaffe 21

,^«gdlatth,uS".

Kchallrr-H»lle geöffnet von 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr »beub«.

wöchentlich

ii»är>geu.«nn»hme: Für die Abend-Aura, bi» t 2 Uhr <_

«atoaä: tut die Morgen-Aurg. bi« z Uhr nachmittags. Berliner Abteilung des Wiesbadener TagblattS:

13 Ausgaben.

„T-,»!»t,h«nS" Kr. 6650-53.

® cn 8 Uhr irrer grnä bis ? Uhr abends, außer Smtnkaz»,

DZUMMSW^WM

Be, wiederholter Aufnahme unveränderter An^igen in Inrz7n 8«i,chentäum^ttp"e>W K-Llaß,

Dienstag, 7. November 1916 .

Der Tag wn Tsingtau.

Unvergängliches Heldentum vielerlei Art brachte der große Krieg hervor, erzeugt er noch immer alltäglich, zu Lande, auf dem Meere, in der Luft. Unter allem am größten und bewundernswertesten wird das Heldentum bleiben, das sich betätigte, ohne daß es durch irgend einen Hoffnungsschimmer, durch die kleinste Aussicht auf endlichen Erfolg Stär- ^Mg. empfangen konnte. Hier gipfelt in Wahrheit.die „Pflichterfüllung bis aufs äußerste". Und wer etwa memt. derartiges Heldentum, in der Voraussicht des unausbleiblichen Unterliegens, sei nutzlos verschwendet, der würde ganz und gar die Vorbildlichkeit der eben darin liegenden sittlichen Größe verkennen.

Zwei Jahre schon sind heute vergangen, seit Tsingtau frei. Dauer und Schwere, die ganze gewaltige Ausbrei­tung des Krieges entrücken die Ereignisse der ersten Monate, soweit ihnen keine nachwirkende Bedeutung zu­kam, mehr und, mehr dem Gesichtskreis und laAen auch den Verteidigungskampf unseres Schutzgebiets in Ost­asten immer mehr nur als Episode nun erscheinen. Mag das berechtigt sein oder, nicht, wir haben jedenfalls allen Anlaß, jenen Kampf in der Erinnerung festzuhalten. Das sind wir den Tapferen schuldig, die für Tsingtau gekämpft haben oder gestorben sind.

Lange bevor das japanische Ultimatum über Tsing taus Schicksal entschied, war die Festung verteidig»«gs bereit. Wo immer im Osten Asiens waffenfähige Deut sche sich aufhielt-m, strömten sie, Reservisten und Kriegs­freiwillige, sogleich nach Bekanntgabe der Mobil- machimg herbei, um DeutschLand dort zu verteidigen, wo es ihnen allein möglich war. Noch war man voller Hoffnungsfreudigkeit, rmd auch Englands Kriegs­erklärung wirkte dort, wie in der ganzen deutschen Marine, eher wie eine Befreiung von bedrücken­der, lähmender Unsicherheit denn aks ein betäubender Donnerschlag. Japans Eingreifen freilich, das mit Be kanntwerden des Ultimatums aks bevorstehend anzu sehen war. kam unerwartet. Daß England alles, was in seiner Macht stand, tun Wörde, um Deutschland zu schädigen, daß es von vornherein mit angestrengte­stem Eifer gegen den Feind Vorgehen und darum auch ^apan zur Teilnahme am Kriege aufhetzen würde, dar­auf war man Wohl gefaßt: aber nicht darauf, daß die ostasiatische Macht auf die Wünsche des Kriegsanstisters entgehen würde. Nun war die Hoffnungslosigkeit der Lage klar. Ehrenvoller Untergang konnte die einzige Losung sein, die es für die deutschen Der leidiger gab.

Die Gesamtbesatzung betrug nach Heranziehung des ostasiatischen Marine-Detachements, der Reservisten und Freiwilligen und der Besatzung der weniger kampf kräftigen Kriegsschiffe, chwie des österreickisch-ungari scheu Kreuzers „Kaiserin Elisabeth" etwa 4800 Mann, die einer vielfachen japanischen Übermacht, ver­stärkt noch durch eine englische Abteilung — sie hat eine wenig glückliche Rolle gespielt — gegenüber- standen.

. Das Vorgehen der Japaner war durchaus methodisch; dre Beute konnte ihnen nicht entgehen, und so hatten sie keinen Grund, ihre Maßnahmen zu überstürzen. Ein Torpedobootszerstörer ging ihnen allerdings in den ersten Tagen des September durch Unfall verloren und wurde dann von S. M. S. „Jaguar" vollends zer­schossen. Im übrigen beschränkten sie sich zunächst wesentlich auf eifrige Fliegertätigkeit. Erst gegen Mitte September wurde ein gewisses Fortschreiten der Be- lagerung erkennbar. Seitdem kam es häufig zu Ge­fechten, die in den letzten Tagen des September durch große Heftigkeit, ausgezeichnet waren. Der Ring um dre Festung verengerte sich, und zugleich begann nun auch von See aus die Beschießung mit schweren Geschützen. Dennoch blieb der Kampfesmut der Einge­schlossenen ungebrochen. Man war gewillt, Tsingtau bis zum äußersten zu behaupten und dem Feinde den Sieg, so sehr es nur möglich war, zu verteuern. Die eigene Artillerie erwies sich zeitweise recht tätig, und selbst Ausfälle wurden unternommen. Der 17. Oktober sah eine Heldentat verwegenster Art, den kühnen Durchbruch der Blockadelinie durch das Torpedoboot „S 90", dem es obendrein glückte, in schneidigem An­griff den japanischen Kreuzer ..Takatsck'io" mit fast der gesamten Besatzung zu vernichten. Da eine Rückkehr für „S 90" ebenso aussichtslos wie zwecklos gewesen si>äre, wurde das Boot auf Befehl seines Kommandan­ten, Kapitänleutnant Brunner, auf Strand gesetzt, dre Besatzung in Nanking interniert. Indessen arbeitete sich der Belagerer iminer näher von der Landseite an lern Ziel heran und brachte zugleich seine schwerste Ar­terie in Stellung. Ende Oktober waren des Feindes Vorbereitungen zur Herbeiführung des Endes vollen­det. Nach sechswöchiger Belagerung folgte nun eirre veuntägige Beschießung schwerster Art; nachts unternahmen die Japaner Sturmangriffe. Acht Tage 'währte die Gegenwehr der heldenrnütigen Verteidiger.

INorgen-Kusgabe.

Nr. 540. ♦ 64. Jahrgang.

Dann erfolgte am 7. Növember die Übergabe. In der Meldung des Gouverneurs, Kapitän zur See Meyer-' Waldeck, an Seine Majestät den Kaiser hieß es: „Festung nach Erschöpfung der Verteidigungsmittel durch Sturm und Durchbrechung in der Mitte gefallen. Befestigungen und Stadt vorher durch ununterbroche­nes neuntägiges Bombardement von Land mit schwer­stem Geschütz bis 28-Zentimeter-Steilteuer, verbunden 2r U !-Beschießung von See, schwer erschüttert. Artilleristische Feuerkraft zum Schluß völlig gebrochen."

. Größte Enttäuschung bereitete den Siegern die g e- rrnge Beute, die sie in dem eroberten Platze vor­fanden. Sämtliches Kriegsmaterial war rechtzeitig ver­nichtet worden, die Geschütze zerstört oder unbrauchbar gemacht, alle im Hafen befindlichen Schiffe versenkt, ebenso wre das große Schwimmdock. Die deutschen Ver­luste waren verhältnismäßig gering; sie betrugen an Toten : 6 Offiziere und etwa 170 Mann, an Verwunde­rn etwa 600 Mann. Dem stehen an japanischen Ver­lusten 37 Offiziere und 1266 Mann tot, -108 Offiziere .und 3992 Mann verwundet gegenüber, außerdem 12 E und 61 verwundete Engländer. 220 Offiziere und 4401 Mann kamen m javanische Gefangenschaft. Nicht darunter, war der einzige Flieger, der der Verteidi­gung zur Verfügung gestanden und ihr ausgezeichnete Dienste geleistet hatte, Oberleutnant zur See Pluschow: Auf Befehl des Gouverneurs war er am Morgen vor der Übergabe in Richtung Schanghai davongeflogen.

Tsingtaus heldenmütiger Verteidigung wurde die gebührende Anerkennung zuteil So fand sie zunächst I" et " et " Jä GflrQ . mrn Seiner Majestät des Kaisers an den Brstschafter in Washington zur Weitergabe nach Peking Ausdruck. „Den schönsten Lohn", hieß es hier Ec rm Bewußtsein treu erfüllter ßf-.* '^oen und tn ber ungeteilten Bewunderung welche chnen weit über die Gänsen des Vaterlandes hinaus gezollt wird , rmd d»e Kaiserliche Antwort auf ein Telegramm des Reichstagspräsidenten sprach von dem „neuen Richrnesblatt für den Geist der Treue bis zum Tode, den,das deutsche Volk mit seinem Heer und seiner Flotte m dem gegenwärtigen Verteidiqunas- kampf gegen eine Welt von Haß, Neid und Begehrlrch- keit schon zu mannigfach - will's Gott nicht vergeblich — betätigt hat. _ _ ’

Abflauen ler italienischen Offensive.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

. W. T.-B. Wien, 6. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 6. November, mrttn.qs:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Die rumänischen Angriffe in der nördlichen «lache, bliebe» auch gestern völlig erfolglos. Wir ge­wannen südöstlich des Vörös-Toronh- (R o t e n - T u r m>- Paffes Raum und nahmen denBergLaOmu -im Vodznr-Grenzgebiet und bei Bokas und Toelghes wird ge­kämpft. Östlich von Kirlibaba bemächtigten sich Abteilungen des tapferen Theresienstädter Infanterieregiments Nr. 42 und andere Truppenteile in überraschendem Borstoß der Höhe S e d u l, wobei 100 gefangene Russen und ein Minenwerfer eingebracht wurden.

Heeresfront des Gencralfrldmarschalls Prinz Leopold von Bayern- Nichts von Belang.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Küste »lande bat die Angriffstätigkeit der Italiener bedeutend nachgelassen. Dem Mastcneinsatz der Infanterie entsprechend waren ihre Verluste in den letzten Tagen außerordentlich schwer. Gestern war das Brtilleciefeuer nur bei Biglia, Hudi Log und westlich Jamino lebhafter. Bei Biglia wurde vorgehende feindliche In­fanterie durch Feuer abgewicsen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs drS Grneralstabes: v. Hofer, Fekdmarschallcutnant.

Die militärische Lage.

(V o „unsere rBerlinerAbteilung.)

L- Berlin, 6. Nob. ,(Eig. Drahtberickt. zb.) An der

Sommefront planten unsere Gegner gestern wieder einmal eine Durchbruchsschlacht, und zwar längs der Straße Bapaume-Albrrt-Bouchavcsnes. Daß es sich um einen An. griff größeren Stiis handelte, bewiesen nicht nur die bereitgrstellte bedeutende Jnfantcricmacht, die ins Feuer ge­worfen wurde, sondern auch vnr allem die hinter den Sturm, kokonqe« ausgestellten Kavallcriemassen, die von unserem Aufklärungsdienst fcftgeftellt wurden, und denen die Aufgabe zugcdacht war- nach gelungenem Durchbruch weithin verfol.

gend unsere Stellungen zu überreiten. Die Tapferkeit der Verteidiger wies die'Übermacht glanzend ab, und der Durch­bruchsversuch ist g ä n z l i ch gescheitert, über die Kümpfe am St. Pierre-Ba aft-W ald liegen keine abschließen­den Meldung»« vor. Östlich der Maas wurden Handgranaten- angriffe der Franzosen abgewiesen.

Aus den Meldungen, die vom östlichen und stebenbürgi- schen Kriegsschauplatz einliesen, läßt sich nichts Wesentliches zur Ergänzung des Heeresberichts hinzufügen.

Auf der mazedonischen Front wurden die An- wnffe der Engländer auf die bulgarischen Vorposten an der Struma nicht wiederholt.

. italienischen Kriegsschauplatz wird mit- geterlt. daß die vorgestrigen Angriffe der Italiener erfolglos blreben. Die getroffenen Gegenmaßregeln lasten auch er- hoffen, daß es bei diesen nnbedcntenden örtlichen Borleilcn fern Bewenden haben wird. Man darf betonen, daß die Ge- samtfront unserer Verbündeten unerschüttert da st eh t.

Dar LSnigreich polen.

Frucht einjähriger Verhandlungen zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn.

sk'- Br ' ™ 6 - Vov. (Eig. Drahtbericht, zb.) ' Der

2Liene r Be-lchterstrtter des „Az Eft" meldet: Laut Jnfor- mationen suhcender Persönlichkeiten 'st die Lösung des polui- Problems^ und aas ergangene Manifest das Ergebnis einsahriger Verhandlung»» zwischen Deutschland und Öster- ^ich-Ungarn. Was bis heute nusgeführt wurde, sei nur das A eS äufünftigen Staates. An den weiteren Arbeiten der Ausarbeitung der Konstitution werden führende polnische Persönlichkeiten teilnehmen, die noch nicht genannt werden können. ^ w

Neutrale Pressestimmen.

o. W-T -; B - Rotterdam. 6. Nob. (Drahtbericht.- Der .S.iei we Rätterdumsche Eoncant" schreibt in einem Leitartikel über das iiengeschaffene Königreich Palen: Das Manifest der beiden Kaiser ist van großer Bedeutung für die Zukunft Europas und für die Weltgeschichte. Die Mittelmächte rich­teten Polen natürlich deshalb auf, weil es in ihrem

s \ V n A ntCr J ffe . Ia Es soll aber kein Tadel sein, ras festzustellen. Nur ern Tor könne von dem Oberhaupt eines Staates verlangen, daß er gegen das Interesse seines Staates handle. Das Blatt schließt: Möge sich Polen aus dem Puffer zu einem wahrhaft unabhängigen und blühenden Staate entwickeln.

„Der erste Lichtstrahl in einer langen Nacht." W.T.-B. Bern, 6. Nov. (Drahtbericht.) Das „Berner Tagblatt' schreibt zu der Wiederaufrichtung des .Königreichs Polen u. a.: Palen als ein blühendes, selbständiges euro­päisches Königreich! Und diese Umwälzung ist das Werk des blutigsten aller Kriege, eine Tat der d e u t s ch e n u „döst e r reich,sch-ungarischen Barbaren. ..Wir werden nicht eher den Kampf beenden, als bis Europa von der Knecht­schaft befreit ist, dir Deutschland ihm bereitet", also sprachen noch dieser Tage die Wortführer der Entente. Aus Warschau und Lublin wird ihnen die Antwort, die einzige, die der Entente nicht behagen wird, denn sie beraubt sie end­gültig der Wirksamkeit der großen Schlagworte, mit denen i,e bei den Neutralen und eigenen Völkern ihren Krieg recht­fertigt, sie bringt ihr auch den Beweis für die u n g e - schwächte Siegeszuversicht der Zentral- möchte, die, um diesen großen Schluß zu fasten des End­sieges sicher sein mußten. Aber außer der Entente wird es niemand geben, der über die Lösung nicht froh ist. Den Polen selbst erfüllt sich ein alter, lang begrabener Traum sie krauchen, angclehnt an die Zentralmächte, nicht mehr die Rückkehr unter die russische Herrschaft zu fürchten. Alle Polen stehen heute ,n einem Lager. Ein fteies Königreich, ein freies Volk! Das ist di? ungeahnte Frucht, die ihnen der mörderische Krieg gebracht hat. Der Tag der Wiederaufrichtung Pol--ns wird ein Siegestag für Europa bleiben. Er ist der erste Lichtstrahl in einer langen Nacht.

Die Beurteilung in Schweden.

W. T.-B. Stockholm, 6. Nab. (Drahtbeeicht.) Die Wieder­errichtung des Königreichs Palen wird heute von den schwe­dischen Blättern aller Richtungen eingehend besprochen.

, Astonbladed" schreibt: Für Polen ist das Manifest die größte und wertvoll st e Gabe, aber auch für andere von Rußland unterdrückte Völker ist es zweifellos ein Licht­strahl in ihrer schwarzen Nacht. Doch auch die, welche Freiheit genießen, werden, wenn sie nicht ganz von ein­seitiger Parteileidensch-rft verblendet sind, in dem Manifest ein wertvolles Ergebnis des Krieges erblicken, das großer Opfer wert war. — „Nya Dagblad Allehanda" findet vor allem den Aussatz in de- „Nacdd. Allg. Ztg." über das Ereignis äußerst interessant. Hier begegnet man, schreibt das Blatt, nicht vielen schönen Phrasen, wie sie 'die Erklärungen zu politischen Taten der Entente auszuzeichnen pflegen, sondern statt dessen realvolitischen Gründen. Die Entente- möchte hielten Polen nur mit Phrasen. — „Stockholms Tid- ningen" meint, die geschaffene Lage werde jetzt zum Prüf- stein für die Fceiheitsliebe-der Ententemächte. — „St-ock- kclms Dagbladed' schließt seinen Leitartikel mit den Worten: Daß Polen zu Westeuropa und nicht zu Rußland gehört, ist eine historische Wahrheit, au der nicht einmal der jetzige Wett-