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Samstag. 4. November 1916.

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Morgenausgabe.

Nr. 535. ♦ 64. Jahrgang.

Erbitterte Kämpfe an der italienischen Zront.

Zusaunnenbritth feindlicher Mafsenstürme.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 3. Nov. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 3. November, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeressront des Geuerals der Kavallerie Erzherzog Karl.

I« der nördlichen Walachei griffen die Rumänen gestern an zahlreichen Stellen an; sie wurden überall zurück­geworfen. Dem Feinde nachstoßend, gewannen unsere Truppen südöstlich des Veres Toronyer- (Roten-Turm-) Passes und südwestlich von Predeal erneut Ge- lande. An der siebenbürgischea Ostfront und in den Wald­karpathen war die Kampftätigkeit gering.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

An der Bistriha-Solotwinska Borfeldkämpfe. An der N a r a j o w ka versuchten die Rüsten in sieben Maffen- stöhen die am 30. Oktober an unsere Verbündeten verlorenen Stellungen zurückzugewinnen. Alle Anstürme des Gegners brachen unter schwer st en Berlusten zusammen. Südlich von Hulewicze am Stochod vertrieb ein Jagdkom­mando österreichischer Landwehr einen rnffischen Vorposten.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Schlachtsront im K L st e n l ä n d i s ch e n wurde auch gestern mit größter Erbitterung gekämpft. Unter unge­heurem Aufwand van Menschen und Munition setzten die Italiener ihre Angriffe fort. Im Wippach-Tale waren unsere Stellungen am Panovitzer Walde bei Sober und öst­lich Bertojba erneut das Ziel wütender Angriffe, überall konnte der Gegner zurückgeworfe» werden. Das Gyulaer Landsturmregiment Nr. 2 und das dalma­tinische Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 23 hieltet» zähe stand.

Auf der Kar st Hochfläche wurde im Raume um Lokvica ein neuer italienischer Maffenstoß, der über die Höhe Pecinka und entlang der Straße nach Kostanjevica eingesetzt war, unter schwer st en Verlusten des Feindes zum Stehen gebracht. Zwei hierbei bis zum Äußersten ausharrende Batterien fielen, als Mann und Pferd überwältigt waren, in Feindeshand. Am südlichen Teile der Hochfläche brachen vor der Front des tapferen österreichischen Landsturm-Regiments Nr. 32 und der Infanterie-Regimenter Nr. 15 und Nr. 88 alle feindlichen Angriffe zusammen. Die Zahl der gefangenen Italiener ist auf 2200 Mann gestiegen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabes: v. Hofer, Fcldmarschallevtnant.

Ereignisse zur See.

Am 2. November, vormittags, hat ein S e e f l u g z e u g - geschwader die Semaphorstatio» und Anlagen von Bieste und Radiostation und Lagerhaus von Torre Porticevo er­folgreich mit Bomben belegt. Abends griff ein See­flugzeug,eschwader die Bahnhofsanlagen von Ronchi, dir mili­tärischen Anlagen von Selz. Eve, Starancano und die Batte­rien Golanetta an. Es wurden viele Treffer erzielt.

Flottenkommando.

Die Lage im Westen.

Die Entente und die Kriegsziele.

Bern, 3. Nov. (zb.) Wie der Haager Korrespon­dent der „Neuen Zürcher Zeitung" vernimmt, finden gegenwärtig innerhalb der Entente vertrauliche Besprechungen über die Frage statt: ob es möglich sei, die Kriegsziele und Friedensbedin­gungen der Entente in absehbarer Zeit bekannt Lu geben. ^

Die seindlichen Berichte.

Französischer Heeresbericht vom 2. November, nachmittags.

Nördlich der Summe setzten die Franzosen trotz des anhaltenden schlechten Wetter- im Lause der Stacht ihre Fortschritte zwischen -esb o en ss und Sailly-Sailisel sort, beseitigten das erobert: Lclände, nahmen mehrere Stützpunkte und zerstörten Moscht,icnacwehrnefter. Im Verlaufe dieser Tätigkeit brachten si- -R Gefangene, darunter 8 Osstziere, ein, wodurch die Zahl per rat gestern in d-.csini Atlchmtt* gefangen genommenen Deutschen öch auf 536 erhöht. Auf dem rechten Maasufer verhältnismäßig -ruhige Nacht Von der übrigen Front ist nichts zu melden.

: Französischer Heeresbericht vom 2. November, abends. Nördlich

°er Srmn-e brachte am Nachmittag eine zwischen Lesbocufs und vaillh-Saikrsel durckgefuhrte Operation uns einen schätz­baren Gckändegcil-inn. 200 Gefangene kamen zu den feit gestern ge­machten Die Sumnie der in diesem Abschnitt gemachten Ge­gangenen beträgt 736, darunter 20 Ossiziere, auch nahmen wir «wo io Maschinengewehre.

Englischer Heeresbericht vom 2. Roveniber, nachmittags. Gene­ral H a i p melde!, daß nachts schwerer Regen siel.

Heeresbericht vom 2. November, abends. Der Feind "eschoß unsere Front bei Hebuterne und A r r a s. Unsere Ar­terie war tätig südlich Armentieres und nördlich Aper Unsere bwgzeuge beschossen gestern eine Anzahl feindlicher Baticricn.

Die englischen Niesenverluste.

I« 3 Monaten 14469 Offiziere, 341217 Manu.

Br. Bern, 3./Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach dem „Daily Telegraph" betrugen die englischen Ver­luste im Oktober 4368 Offiziere und 162 340 Mann an Getöteten, Gefangenen oder Vermißten gegenüber 5408 Offizieren und 113 780 Mann im September und 4693 Offizieren und 125 097 Mann im August. Die Marine verlor in den letzten drei Monaten 60 Offiziere und 355 Mann.

Wieviel englische Soldaten stehen in Frankreich?

Auf einem eigenartigen Wege stellt das „St. Galler Tagblatt" vom 27. Oktober die Zahl der englischen Soldaten an der französischen Front fest, obgleich der englische Kriegs­minister darüber das strengste Schweigen beobachtet. Der „Daily Telegraph" hat nämlich unter Zustimmung des Gene- ralisfimns Haig eine Sammlung eröffnet, um jeden briti­schen Soldaten in Frankreich einen Weihnachtspudding zu- kommen zu lassen. Neuestens gibt das Blatt bekannt: „Total der bisher eingegangenen Gaben: 222 303 Schilling; ferner benötigte Summe: 977 697 Schilling." Dies ergibt zusam­men 1 200 000 Schilling, und wenn wir für einen Pudding einen halben Schilling rechnen, so folgt daraus, daß 2400000 Mann britischer Truppen auf französi- schem Boden stehen.

Der Verwundetensustausch zwischen Deutschlnnd und Frankreich.

W. T.-B. Konstanz, 2. Nov. Mit dem 20. November wird der Austausch SchLververwnndeter zwischen Deutschland v:ü> Frankreich wieder ausgenommen. Zugleich sollen zu dieser Zeit wieder erholungsbedürftige Offiziere und Soldaten von Frankreich, England und Deutschland als Internierte nach der Schweiz kommen, die von einer Schweizer Ärztekommission untersucht sind. Eingeschloffeu sollen diesmal auch öster­reichische Zivilinternierte in Frankreich werden, falls diese noch rechtzeitig von der Schweizer Ärztekommission zu er­reichen sind. Frankreich hat seine Zustimmung dazu gegeben.

Oer ttrieg gegen England.

Das Versagen der englischen Luftverteidigung.

Rotterdam, 2. Nov. Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Balfaur hatte gestern eine Unter­redung mit 80 Mitgliedern des parlamentarischen Luft­schiff« h r t s a u s sch u s se s. Nach einer Mitteilung der „Times" hat die Haltung des Ministers einen sehr un­günstigen Eindruck auf den Ausschuß gemacht. Es scheint, sagt das Blatt, für die erste Zeit keine Aussicht zu sein auf ein engeres Zusammenwirken des Ministeriums für Lnstschisfahrt mit dem Munitionsministerium.

Schlimme Zeiten für Lloyds Schiffahrtsbörse in London.

Dem „B. T." wird aus dem Haag gemeldet: Der „Daily Telegraph" berichtet: Eine der aufregendsten und verhängnisvollsten Wochen, die Lloyds Schiff- sahrtsbörse während des Kriegs durchgemacht hat, schloß am Samstag mit der Nachricht von dem Verlust weiterer dreier Schisse ab, die sich der langen Reihe der in dieser Woche untergegangenen Schiffe anschlossen. Angesichts der schweren Opfer dieser Woche forderten die wenigen Versiche­rer, die überhaupt anwesend waren, hohe Prämie». Für norwegische Schiffe wurde vielfach jede Versicherung der- weigert, und zwar nicht nur wegen ihrer gefährlichen Route, sondern auch aus Vorsicht angesichts der politischen Situation.

Ein Verbot für Engländer, feindlichen Boden zu betreten.

IV. T.-B. Rotterdam, 2. Nov. Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London, daß die Regierung beschlossen -habe, auf Grund der Reichsverteidigungsakte eine Verord­nung zu erlassen, die Strafe daraus setzt, wenn ein briffscher Untertan ohne besondere Erlaubnis den Boden -des Landes einer feindlichen kriegführenden Macht betritt.

Oer U-Voot-Rrieg.

„Die unverschämten und vorlauten Peers."

Zur U-Bootstätigkeit an der amerikanischen Küste.

W. T.-B. New York, 28. Okt. (Funkspruch vom Vertreter des W. T.-B.) Unter der Überschrift „Die unverschämten und vorlauten Peers" schreibt „New York World" in einem Leit­artikel zu der D e b a t t e, lue kürzlich im Oberhaus statt- gesunden hat und sich mit der U-Boottätigkeit ander amerikanischen Küste und Amerikas Haltung dazu beschäftigt hat: „Die Vereinigten Staaten sind Richter ihrer eigenen Neutralität und Wächter ihrer eigenen Ehre, besonders aber und an erster Stelle haben sie die Ver­antwortung für die Haltung ihrer eigenen Kriegsschiffe zu tragen. Die Rettung von Menschenlebeit ist selbst in Kriegs­zeiten keine Verletzung der Neutralität; das haben die Eng- länder selbst vor vielen Jahren bewiesen, als eine ihrer Jachts die ÜberleLenden des Kapers „Alabama" vor Cherbourg rettete. Heute scheint es die Ansicht des erblichen

Hauses in Westminster zu sein, daß ein amerikanisches KriegKschiff, faüs -es bei der Versenkung der „Lusitania" zu- gegen gewesen wäre, die Pflicht gehabt hätte, davon zu fahren. Lord Deressords Bezugnahme aus die Anwesenheit amerika­nischer Zerstörer, d:e aus einem außergewöhnlichen Grund zufällig zur Stelle gewesen feien, als „U 5 3" Handelsschiffe versenkte, war nicht anderes als eine absichtliche Be leid i- gnng der Flotte der Vereinigten Staaten. Wenn die britische Flotte zufällig etwas häufiger an Ort und Stelle sein könnte, so würde manche Tragödie zur See vermieden werden."

Eine unsinnige spanlsche Meldung.

^ erBn ' 3. Nov. Nack spanischen Zeitungs- nachrrchten v e r s e n k t e ein deutsches Unterseeboot ain Oktober, 6 Uhr früh, einen norwegischen Dampfer 28 Seemeilen von Kap St. Vincent. Der Kommandant des Unterseebootes soll dem norwegischen Kapitän erklärt haben, er habe Befehl, alle Schiffe, die er antreffe, ohne Rücksicht auf die Nationalität zu versenken und nur spanische Schisse zu schonen. Die dem Kommandanten zugeschriebene Äußerung ist so unsinnig, daß diese Nachricht einer besondere» Widerlegung nicht bedarf.

Schwedische Stimmen zur neuen Fahrt der „Deutschland".

v Stockholm, 3. Nov. (Drahtbericht.) Die zweite

Fahrt des Handelsunterstebootes „Deutschland" nach Amerika wird von der schwedischen Presse als bedeutsames Er- ergnis begrüßt. „Astonbl-rded" schreibt: Da das Schiff jetzt noch einmal den Atlantischen Ozean überwunden und den Gefahren getrotzt hat, beweist es wirklich in vollem Ernst, daß es einen Faktor bildet, mit dem gerechnet werden muß. Daß die Zuversicht und die Si e g e s g e w i ß h e i t des deut­schen Volkes kräftige Anregungen ans dieser letzten Tat der „Deutschland" empfangen wird, braucht kaum gesagt zu werden. — „Nha Dagblad Allehanda" ' erklärt: Die „Deutschland" hat jetzt ihre wunderbare Fahrt mit dem gleichen Glück wie das erstemal wiederholt. Noch gestern horte matt ans sicherer Quelle der Entente, daß das Schiff untergegangen sei. Am Tage darauf muß das englische Tele­grammbureau in den sauren Apfel beißen und der Welt den Trrumph des verhaßten Feindes verkünden.

Oer ttrieg gegen Rußland.

Rückkehr des Zaren von der Front. »

W. T.-B. Petersburg, 3.- Nov. (Drahtbericht. Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentnr.) Zar, Großfürst und Thronfolger sind aus dem Großen Hauptquartier nach Zarskoje-Sselo zurückgekehrt.

Oer Krieg Rumäniens.

Die Absetzung des Oberbefehlshabers der rumänischen Dobrudscha-Armec.

Br. Lugano, 3. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Oberbefehlshaber der rumänischen Do- b r u d s ch a - A r m e e ist, wie der „Secolo" aus Odessa meldet, zusammen mit mehreren Offizieren seines Stabs zur Disposition ge st eilt worden. Die Neuregelung ist erfolgt, weil infolge von Unfähigkeit der Führung die rumänischen Truppen in den vorbe­reiteten Stellungen, die die Bahnlinie Constantza- Cernavoda schützen sollte, nicht genügend Widerstand geleistet haben. _

Oie neutralen.

Die Lebensnrittelknappheit in Schweden.

W. T.-B. Stockholm, 2. Nov. Die Lebensmittel­fragen bereiten in Schweden immer größere Schwierig­keiten. Seit dem 1. November werden Zuckerkarten ausgegeben, die Punsch- und Spirituosenfabriken erhalten nur ein Fünftel ihres früheren Verbrauches, Hotels und Wirt­schaften nur vier Zehntel des bisherigen Bedarfes. Auch Butter wurde in Stockholm und anderen Lcmdesteilen sehr krtapp. Der Hauptgrund hierftir liegt in der Lahmlegung der schwedischen Margarineindustrie durch England, die den Bntterverbrauch unverhältnismäßig steigerte. Ebenso geht die Mi Ich menge bedenklich zurück. Die Zeitungen sind voll Erörterungen über geeignete Gegenmaß. regeln. Auf die Verhandlungen mit England werden im allgemeinen nicht allzu große Hoffnungen gesetzt. — „Stock­holms Dagblad" meint in einem Leitartikel: Selbst wenn die Verhandlungen ein günstiges Ergebnis zeitigen, müsse man damit rechnen, daß die überseeische Zufuhr immer knapper werde. Das Hauptaugenmerk sei daher darauf zu richten, wie Schweden mit den eigenen Vorräten auskommen könne. Man dürfe sich jetzt nicht zu Tode organisieren, son­dern müsse vor allem die Produktion der Landwirtschaft steigern. — Von anderen Blättern wird die bastsige Ein- führung von B r o t k a r t e n in Aussicht gestellt.