Verlag Langgaffe 21
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Zreitag» 3. November 1916.
Morgen-klusgabe.
Nr. 533. . 64. Jahrgang.
Neue italienische Offensive im Görzischen.
Wütende Massenangriffe abgeschlagen. 1000 Mann gefangen genommen.
7 Maschinengewehre erbeutet.
Dsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 2. Nov (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 2. November, mittags:
Lstlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Im Raum südöstlich des Beres Toronyer-(R o t e n - T urm-)P asses machten wir weitere Fortschritte.
Südlich und südöstlich von Brasso (K r o » st a d t) auf feindlichem Boden kämpfende österreichisch-ungarische und deutsche Truppen schlugen rumänische An griffe ab.
In der südlichen Bukowina und im C a p u l - G e - b i e t erfolgreiche Brrfeldunternehmungen.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Deutsche Truppen der Arinee des Generalobersten von Tersztyanski warfen den Feind bei Witoniez (südöstlich von Solotwina) aus einer stark verschanzten Stellung; es wurden 22 russische Offiziere, 1500 Mann, 10 Maschinengewehre und 3 Minenwerfer eingebracht.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im Gdrzischen hat eine italienische Offensivo begonnen. Die zweite und dritte italienische Armee, die seit dem letzten großen Kampfe durch frische Truppen ergänzt wurden, griffe» abwärts Görz an. Der erste allgemeine Ansturm ist dank dem Heldenmut unserer Truppen abgeschlagen.
Nachdem sich das starke feindliche Feuer im Lauf des Bormittags zu außerordentlicher Heftigkeit gesteigert hatte, stürmte die feindliche Infanterie am Mittag los. Im Wippachtal sollten die Höhen östlich der Bertojvica um jeden Preis genommen werden. Sieben feindliche Brigaden, auf engem Raum angesetzt, wurden hier re st los abgewiesen. Auk dem Nordteil der Karsthochfläche setzte bald nach 11 Uhr vormittags ein Massen st oß italienischer Infanterie ein, der zunächst über unsere zerschossenen vordersten Linien Raum gewann. Die umfassend angesetzten Gegenangriffe unserer tapferen Truppe» warfen oie Italiener wieder zurück; doch blieb Lokwira in Feindeshand. 8 italienische Divisionen waren an diesem Stoß beteiligt.
Im Nordteil der Hochfläche behaupteten wir trotz wütender Angriffe alle Stellungen. An dem Erfolg des gestrigen Schlachttages haben das Greiner Land- wehr-Jnfanterie-Regimcnt Nr. 27 und das bewährte west- galizische Landsturm-Jnfanteric-Regimcnt Nr. 32 hervorragenden Anteil. Sie wiesen feindliche Angriffe stehend ab and behaupteten sich gegen größte Übermacht. Auch die Regimenter Nr. 11 und Nr. 11 verdienen alles Lob. Wir haben über 1 000 Mann gefangen genommen und 7 Maschinengewehre erbeutet.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabes: v. Höfcr, Feldmarschalleutnant.
Die Ankunft der „Deutschland" in Amerika.
W. T.-B. New London (Connecticut), 2. Nov. (Draht- bericht. Vom Vertreter des W. T.-B. verspätet eingetroffen.) Das deutsche Handels-Unterseeboot „Deutschland" ist am Mittwoch früh hier eingetroffen.
Nun erst, angesichts dieser untrüglichen Bestätigung der Nachricht, die gestern das Bureau Reuter verbreitete, ist der Ausdruck froher Genugtuung berechtigt.
Zum drittenmal hat Kapitän Paul König mit dem Handels-Unterseeboot „Deutschland" den Ozean durchquert. Aus dem Buche, in dem er seine beiden ersten Fahrten beschrieben hat, wissen wir, mit welchen Schwierigkeiten und Gefahren Kapitän König zu kämpfen hatte, nicht nur. daß er alle Wachsamkeit aufwenden mußte, um der^feindlichen Spähern zu entgehen, auch die Leitung des Schiffes erforderte die größte Umsicht und Sorgsamkeit und mehr als einmal geriet die „Deutschland" infolge widriger Zufälle in recht unangenehme Lagen. Immer wieder aber gelang es der Umsicht des Kapitäns, seiner Offiziere und Ingenieure, die Schwierigkeiten zu überwinden und das Schiff nach Baltimore und dann nach Deutschland wieder zurückzuführen.
Als Kapitän König die erste Fahrt mit der „Deutschland" Ende Juni d. I. antrat, stand er vor einer völlig neuen Aufgabe. Noch niemals hatte ein Unterseeboot eine derartig lange Reise unternommen, noch niemals vor allen Dingen ein derartig großes Boot, das noch dazu imt Fracht beladen war, so daß die geringste Störung des Gleichgewichts in der Ladung unheilvolle Folgen haben konnte. Trotzdem legte König die 3600 Seemeilen lange Strecke nach Baltimore in nicht ganz drei Wochen zurück und traf am 9. Juli dort ein. In unserer Erinnerung ist noch, mit welchen Mitteln unsere Feinde versuchten, die Amerikaner zum Bruch der Neutralität zu bewegen und die Internierung des Handels-Unterseebootes durchzusetzen. Die Amerikaner ließen sich aber zu einem solchen Schritte nicht bewegen. In seiner überwiegenden Mehrheit erkannte das ganze amerikanische Volk die große, seemännische Leistung und die Kühnheit der „Deutschland"-Leute an, wie denn auch Kapitän König in Baltimore und wo er sich sonst sehen ließ, auf das lebhafteste gefeiert wurde. Am 1. August trat dann die „Deutschland" die Rückreise von Baltimore an und trotzdem die Rückfahrt weit gefährlicher war als die Ausreise, entkam sie auch diesmal der großen Zahl der Bewachungsschiffc, die die Engländer und Franzosen auf ihre Spur gehetzt hatten. Wessen sie sich hätte versehen müssen, wenn es gelungen wäre, sie abzufangen, hatten ja die französischen und englischen Blätter deutlich genug gesagt. Wir denken dabei an den Ausspruch des „Temps": „Auf jedes Periskop wird geschossen."
Beispiellos war der Jubel in ganz Deutsch- land, als dann am 22. August, abends, die Meldung von der glücklichen Ankunft „U-Deutschlands" auf der Unterweser eintraf und unvergeßlich wird allen, die dabei waren — und es waren Hundecttausende — die Weserfahrt der „Deutschland" und ibr Empfang in Bremen sein. Kapitän. König und seine Leute sind gefeiert worden wie die Größten in der Geschichte. Die Universität Halle ernannte König zum Ehrendoktor. Reeder, Kapitän, Offiziere und Mannschaften erhielten vom Kaiser Auszeichnungen. Der bremische Senat ließ zur Ankunft der „Deutschland" eine Medaille prägen, die nur für die Mannschaft der „Deutschland" und ihren Kapitän — für diesen in Gold — bestimmt war. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Deutschen Ozean- Reederei, Alfred Lohmann, wurde von der Universität Kiel zum Ehrendoktor der Staatswissenschaften ernannt. 1 König und Lohmann wurden vom Kaiser ins Große Hauptquartier befohlen.
. Lange hat Kapitän König nicht der Ruhe gepflegt. Die „Deutschland" löschte zunächst in Bremen ihre wertvolle Ladung, ging dann ins Dock und wurde wieder reisefertig gemacht.
Mitte Oktober trat Kapitän König, wie er in einem durch die Presse gegangenen Artikel schon vorausgesagt hatte, die z w e i t e R e i s e nach Amerika an.
' Seine Mannschaft, die schon bei der Rückkehr von der ersten Reise Herrn Dr. Lobmann, der bis zur Löhe von Helgoland der „Deutschland" entgegengefahren war, gleich bei der Begrüßung erklärt hatte, sie wolle ° sich auch für die nächste Reise wieder anmustern lassen, ist ihm treugeblieben. Esistfastgenaudiegleiche Mannschaft, die. auf ihren Führer und die Seetüchtigkeit ihres Schiffes vertrauend, auch diese Reise gemacht bat. Ihr Vertrauen hat sie nicht betrogen.
Kavitän König hat abermals ein glänzendes Zeugnis seiner seemännischen Tüchtigkeit, größter Umsicht und deutschen Wagemutes abgelegt. Das deutsche Volk stellt seine Leistungen den größten Einzelhandlungen des Krieges gleich.
Beförderung der vrutsch-ainctttkanischen Post durch Handelstauchboote?
W. T.-B. Amsterdam, 2. Nov. Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Graf Bernstorff hat den Vorschlag unterbreitet, die P o st zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland durch Han- d e l s t a u ch b o o t e befördern zu lassen. Ein Beamter des Postdevartements erklärte, die Postbehörde sei bereit, den Vorschlag anzunehmen, aber ein endgültiger Beschluß sei noch nicht gefaßt.
Neno U - Bootopfer.
vV.T.-B. London, 2. Nov. Meldung des Reuter- scheu Bureaus: Der englische Dampfer „Rio Pirahy" ist versenkt worden.
W. T.-B. Athen, 2. Nov. Meldung des Reuterschen Bureaus: Der^Dampfer „Kiki Jsais" ist gestern an derselben Stelle wie zAngeliki" von einem Unterseeboot versenkt worden.
Die Versenkung des Damptzrs „Angcliki".
W. T.-B. Amsterdam, 2. Nov Das Reutersche Bureau meldet aus Athen vom 1. November: Die
Regierung teilt mit, daß keine amtlichen Schritte wegen der Versenkung des Dampfers „Angeliki" getan werden sollen, ehe die Untersuchung beendet ist.
Kommodore Michelsens famoser Streifzug.
Die Wahrheit bricht sich in England Bahn.
W. T.-B. Rotterdam, 2. Nov. (Drahtbericht.) D« „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Das Unterhaus wurde durch die Mitteilung Bal- fours über den deutschen Streifzug in: Kanal nicht befriedigt. Dalciel stellte sofort die Frage über den Punkt, den Balfour in der vorher auf- gesetzten Erklärung nicht berührt hatte: Ist die deutsche Behauptung richtig, daß die Deutschen keine Verluste hatten? Balfour antwortete, die Admiralität habe keinen Grund anzunehmen, daß ein deutscher Zerstörer.durch das Feuer englischer Schisse in den Grund gebohrt worden wäre. Aber cs sei Grund zu der Annahme vorhanden, daß zwei deutsche Zerstörer auf Minen liefen und wahrscheinlich sanken. Die „Times" sagt, daß Balfours Erklärung keinen g ü n st i g e n Eindruck auf das Unterhaus machte und daß man wohl nichts mehr über die Sache hören werde. Henry Normann teilte dann auch sofort mit, daß er morgen an Balfour die Frage richten werde, ob seine Antwort als abschließende amtliche Erklärung aufgefaßt werden müsse, oder ob eine Untersuchung der Umstände dieser deutschen Expedition stattfinden solle und ob hierüber weitere Mitteilung zu erwarten seien. „Daily Chronicle" schreibt in einem Leitartikel: „Die Admiralität war auch diesmal mit ihrem amtlichen Bericht nicht sehr glücklich. Der amtliche Bericht, der am Freitag bekannt gegeben wurde, sagte, daß das Transportschiff „Q u e e n" und der Torpedo- Zerstörer „N u b i a n" verloren seien und gab zu verstehen, daß keine anderen Schiffe verloren seien. Sogleich behaupteten aber die Deutschen, daß sie mindestens 11 Patrouillenfahrzeuge in den Grund gebohrt hätten. Jetzt teilt man uns mit, daß tatsächlich 6 Netzleger versenkt wurden, die der Beschreibung der Deutschen ziemlich entsprechen. Nun spielen die Drifters im modernen Seekriege keineswegs eine unwichtige Rolle. Daher ist es verständlich, daß die Admiralität diese Verluste v e r s.ch w e i g t. Der deutsche Angriff brachte in seinen bescheidenen Grenzen dem Feind bc- stimmt gewisse Vorteile. Wenn Balfour auch bei seiner ursprünglichen Behauptung bleibt, daß zwei deutsche Zerstörer, in den Grund gebohrt seien, sagte er es doch jetzt viel weniger bestimmt, was be- zweifeln läßt, ob sie wohl jemand an jenem dunklen Abend wirklich sinken sah. „Daily Chronicle" sagt weiter, es widerspreche der Erwartung der Engländer, daß 10 feindliche Kriegsschiffe imstande waren, quer durch die Kanalsperre zi> fahren und zurückzukehren, ohne mindestens auf fünf Schiffe eines zu verlieren. Die meisten von uns glaubten, daß die Sperrung des Kanals viel gründlicher ist.
Oer Krieg Rumäniens.
Große russische Truppentransporte nach Rumänien.
. Br. Stockholm, 2. Nov. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das .Journal du Balcan", das nun in Odessa erscheint, versichert, der Personenzugverkehr nach Rumänien wurde in der vorigen Nacht wegen großer TrupoenVerschiebungen eingestellt. Wie verlautet, soll in dieser Gegend eine vollständige Einstellung des Personenzugverkehrs bevorstehen.
Teilung des Oberbefehls über'die rumänisch-russische Armee.
(Drahtbericht unseres Lr.-Sonderbericbterstatters.)
Kr. Genf, 2. Nov. (zb.) Die Agentur Radio erfährt aus Bukarest: Der russische General Beli-ew, dessen Ankunft in Rumäniien kürzlich gemeldet wurde, inspizierte die russischrumänischen Truppen an der Moldauftont. Der General hatte im Anschluß hieran Besprechungen im rumänischen Hauptquartier bei Jassy. NgH am Dienstag reiste er nach Bukarest weiter, um die dortiK Behörde wegen des allgemein befürchteten Durchbruchs der Deutschen an der Moldauftont zu beruhigen. Er erklärte, daß durch die dott oingetroffenen großen russischen Hilfskräfte die Gefahr als abgewendet angesehen werden könne. Die Lyoner Presse erfährt, daß eine Teilung des Oberbefehls über die an der K a r p a t h e n f r c n t stehenden russisch-rumänischen Heeresteile vorgenommen wurde. Nach ihren Informationen leitet der russische General Beliew die Operationen au der Nordftont, während dem französischen General Bertlielot der Abschnitt Predeal-Prtz-Orsova untersteht. ’
Ein neuer Oberbefehlshaber der 1. rumänischen Armee.
W. T.-B. Bern, 1. Nov. Der „Temps" meldet aus Bukarest: General Gulger ist an Stelle DragalinaS, der rm Jiu-Tal verwundet wurde, zum Oberbefehlshaber der 1. rumänischen Armee ernannt worden.
