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Für die Aufnabme von Anzeigen an vor geschriebenen

Mittwoch, 1. November 1916.

wUssn oder Hughes?

Wohl noch nienrals waren die Verhältnisse bei der amerikanischen Präsidentschaft so unklar als diesmal, wo die große Frage wenigerDemokraten oder Re­publikaner?" als vielmehrWilson oder Hughes?" lautet. Denn der Wahlkampf dreht sich im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten diesmal noch weniger als sonst um die Partei Programme, welche jenseits des großen Teichs ohnehin mehr und mehr zu Atrappen herabsinken, als vielmehr um Personenfragen und um die Stellung dieser Personen zum Weltkrieg, der für die Jankees in erster Linie ein Geldkrieg, ein Busineß ist. Am 7. November wird die Entscheidung fallen, denn wenn an diesem Tage auch nur die Elcktoren ge­wählt werden, so bedeutet doch die nachher durch die Wahlmänner erfolgende Wahl des Präsidenten nur eine F o r ni a l i t ä t, da die Elektoren in der Praxis eine gebrmdene Marschroute haben. Von den 531 Stimmen des Elektorenkollegiums mutz der Kandidat, der am 7. November durchs Ziel gehen will, 266 erhalten. Wird Wilson oder Hughes der glückliche sein? Bei der letzten Wahl im Jahre 1912 wurde Wilson in der Hauptsache gewählt, weil sich von der republikanisches Partei die progressive Rooseveltgruppe abgelöst hatte, denn Wilson hatte an sich eine Minderheit der Wähler­stimmen, 6 292 670 gegen 7 611050 der beid m anderen Kandidaten. Diesmal hat Roosevelt zwar zum Schluß auf seine Kandidatur, nachdem sein Durchsall offenbar geworden war, verzichtet, aber durch seine anfängliche Wahlagitation hat er doch wieder eine Zersplitterung in die Reihen der Republikaner getragen, während die Demokratische Partei einiger ist denn je. Ja, selbst die deutschen Wähler, die bisher ganz über­wiegend müden Republikanern gingen und auch dies­mal zuerst teoWff für Hughes eintraten, scheinen jetzt angesichts seiner zweideutigen Stellungnahme zu den drirch den Weltkrieg entstandenen Fragen und vor allem auf Grund der unverschämten Hetze seines Schild­trägers Roosevelt gegen Deutschland und die Deutsch- Amerikaner zum nicht geringen Teil von den Republi­kanern abzufallen. So kommt es denn, daß die Wetten (die bei der amerikanischen Präsidentenwahl eine große Rolle spielen), während sie erst auf 2 :1 für Hughes abgeschlossen wurden, jetzt bereits gleich stehen.

, Es wäre ein rein akademisches Vergnügen, sich mit den Programmen der beiden konkurrierenden Parteien zu beschäftigen, denn Programme sind bei den amerika­nischen Wahlen im wesentlichen ein Aushänge­schild. Ihre Verwirklichung erfolgt nur in ver­schwindend geringem Maße, wird meist nicht einmal ongestrebt, wie z. B. der Glanzpunkt des demokratischen ProgrammsKampf gegen die Trusts",, den auch Wilson nickt zu verwirklichen wagte. Die Republi­kaner sind die Partei der Schutzzöllner, aber auch unter dem demokratischen Regime ist der von den Republi­kanern gemacht hohe Zolltarif nur wenig ermäßigt worden. Die Republikaner sind die Partei des Im­perialismus, das heißt einer aktiven auswärtigen Politik, aber auch der Demokrat und Philosoph Wilson hat sich einigermaßen auf diese Bahn drängen lassen, wenn auch mit erheblichem Mißerfolg, vergleiche vor allem Mexiko.

Im übrigen kann gar nicht entschieden genug be­tont werden, daß die FrageDemokraten oder Re­publikaner, Wilson oder Hughes?" eine rein a m e- r i k a n i s ch e ist, der wir allen Anlaß haben, kühl bis ans Herz hinan gegenüberzustehen.

Es ist richtig, daß der Präsident Wilson uns gegenüber eine ausgeprägte Unfreundlich­keit und sogar Feindseligkeit an den Tag gelegt und daß er den Deutsch-Amerikanern gegenüber mancherlei Unverschämtheiten begangen hat. Es ist auch vielleicht nicht ganz unmöglich, obwohl wenig wahrscheinlich, daß die Parteilichkeit, die Wilson in seinem recht differen­zierten Verhalten zu Deutschland und England zeigt, auf irgend welchen geheimen Verpflichtungen beruht, die der Präsident eingegangen ist, wenn auch die durch und durch englische Gesinnung Wilsons und seiner Ratgeber wohl als Erklärung für sein Ver­halten, das so weit von der echten Neutralität entfernt ist, ausreicht. Aber wir haben keinerlei Sicherheit, daß Hughes den Begriff der Neutralität ge­rechter auslegen würde. Ja, der Einfluß, den der Prahlhans und Draufgänger Roosevelt auf ihn ausübt, könnte leicht dazu führen, daß Hughes den Versuch wachen würde, Wilson in bezug auf die berüchtigte amerikanische Munitionsneutrolität noch zu über­trumpfen.

Ob Wilson oder Hughes, wir müssen uns darauf ge­iaßt machen, daß jeder Präsident Bankee - Poli- t i k mit einem starken Schuß Begünstigung E n g- l a n d s, von dem man kurzsichtigerweise einen Rück­halt gegen Japan erhofft, treiben wird. Wie stark lener Schuß sein wird, das hängt nicht so sehr von der Perlon des Dräsidenten. als vielmehr einmal von den

Morgen-Kusgabe.

Munitionsvsrdienstmöglichkeiten und zweitens auch von der Gestaltung der Kriegslage ab, denn die praktischen Jankees haben doch im GrundeSym­pathien" für den vermutlichen Sieger. Aus allen die­sen Gründen können wir uns zu der FrageHughes oder Wilson?" mit den Worten aus Schillers Ritter Toggenburg stellen:Ruhig kann ich euch erscheinen, ruhig gehen'seh'n."

Oer ttrieg Rumäniens.

Flucht der geschlagenen russisch-rumänischen Armee nach Besiarabien.

Br. Basel, 31. Okt. (Eig. Drahtberichs, zb.) Rußkoje Slowo" meldet aus Reni: Zwei Drittel der russisch-rumänischen Armee seien aus der Dobrudscha nach Beßarabien gerettet.

Die Stellung Bratianus erschüttert.

Br. Zürich, 31. Okt. (Eig, Drahtbericht, zb.) DerBund" meldet nach russischer Quelle, daß König Ferdinand von Rumänien den früheren Ministerpräsi­denten Mar philo man, den Führer der konser­vativen Partei, zu sich gerufen bat. Die Stellung Bratianus gelte als erschüttert.

Der leichtbefriedigte rumänische Gesandte in London.

W. T.-B. London, 31. Okt. (Drahtbericht.) Wie das Reuterfche Bureau von maßgebender Seite erführt, ist Grund zu glauben, daß die Neugrnppierungder rumäni­schen Armee und die beträchtliche, von Rußland geleistete Hilfe bald einen völligen Umschwung der Lage herbeiführen werde. Der rumänische Gesandte in London erhält täglich die rührendsten Beweise für die Sympathien, die das eng­lische Volk für Rumänien empfindet und für feinen Wunsch, dem neuesten Bundesgenossen zu helfen. Er drückt seine böchste Befriedigung über die wiederholten Versicherungen aus, die er in diesem Sinne von Ministern, Parlamentsmit­gliedern und fübrenden Männern aller Richtungen erhält. Ebenso war er über die festen Versicher ungen befrie­digt, daß die alliierten Regierungen alle Anstrengungen machen würden.

Die Petroleumbeute von Constantza.

Berlin, 31. Okt. Unter den durch die Einnahme von Constantza den Zentralmächten in die Hände gefallenen großen Petroleumvocräten befinden sich solche, die die Rumänen be­reits an verschiedene Ententsländer verkauft hatten und wo­für sie, trotzdem die Lieferung noch nicht erfolgt war, bereits 75 Prozent der Zahlungen durch telegraphische Anweisungen erhalten hatten.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien. 31. Okt. (Drahtberichi.) Amtlich ver­lautet vom 31. Oktober, mittags:

Lftlichev Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Bei O r s o v a und jenseits der südlichen Grenzgebirge Siebenbürgens wird weiter gekämpft. Die von den Rumänen nördlich von Eerna Heviz und nördlich von C a m p o - l u n g unternommenen Angriffe scheiterten. An der ungarischen Ostgrenzc und in den Waldkarpathen herrschte auch gestern verhältnismäßig Ruhe. Die öster­reichisch-ungarischen und deutschen Streitkräfte des Generals von Falkenhayn haben seit dem 10. Oktober 151 Offiziere und 0920 Mann als Gefangene emgcbracht, die Beute beträgt .37 Geschütze, 4k Maschinengewehre, 1 Fahne und viel Kriegs­gerät.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Bei Lipnica-Dolna bemächtigten sich die deutschen Truppen südlich von Brzezany und türkische Bataillone stark verschanzter feindlicher Stellungen, wobei 4 Offiziere, 17V Mann und 9 Maschinengewehre in der Hand der Angreifer blieben. Bei Lobaczewka in Wolhynien wurde» ruffische Vor­stöße abgeschlagen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Teile der küstenländischen Front stehen unter Artillerie- und Miucnfeuer wechselnder Stärke. In Tirol wurde der Angriff eines Alpinibataillons gegen den Gardinal in den Fasoner Alpen unter erheblichen Feindverlusten abgrwiesen.

Südöstlicher Kriegsschauvlatz.

Bei den österreichisch-ungarischen Streitkräften nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes:

«. Hofer, Fcldmarschallentnant-

Nr. 529. . 64. Jahrgang.

Oer U-voot-Nrieg.

Versenkt!

W. T.-B. Berlin, 31. Okt. (Drahtbericht.) Drei kürz­lich nach dem Heimatshasen zurückgekehrte Untersee­boote versenkten im englischen Kanal in wenigen Tagen insgesamt 21 Schiffe mit rund 28 500 Tonnen Darunter be­finden sich folgende bisher in Zeitungsmeldungen noch nicht genannte Schiffe: die französische BarkCondor" (760

Tonnen), die französische BarkCannebiere" (2454 Tonnea) mit Farbholz, der französische- DreimastschonerS t. Charles" (521 Tonnen) mit einer Ladung von 421 Tonnen Fischen.

W. T.-B. London, 31. Okt. Der griechische Dampfer , G e r m a i n e" (2573 Tonnen) ist am 28. Oktober von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Die Mannschaft wurde gerettet. Die Besatzung des französischen Fischer­bootesSt. Ch ar l e s" landete in Plymouth und berichtete, daß ihr Fahrzeug versenkt wurde.

W. T.-B. Hmuiden, 30. Okt. Der niederländische Dampfer Hector", der aus Buenos Aires hier angekommen ist, brachte den Kapitän und 10 Mann der Besatzung des norwegischen SeglersRegina S k i e n" mit, der mit einer Ladung Grubenholz auf dem Wege nach England am 23. Oktober von einem deutschen Unterseeboot in Brand gesteckt und versenkt worden war.

W. T.-B. Stockholm, 30. Okt. (Meldung des Schwedischen Telegraphen-Bureaus.) Aus Gefle wird berichtet, daß das MotorschiffE l l y". das ani 22. Oktober von Oeregrund nach Raumo in See gegangen war, von einem deutschen Untersee­boot versenkt worden ist. Die Besatzung wurde gerettet.

W. T.-B'. Stockholm, 30. Okt. Hiesige Blätter melden aus Christiauia: Der SchonerEllen", der mit Grubenhölzern nach England unterwegs war, wurde in der Nordsee von. einem deutschen Unterseeboot versenkt. Die Besatzung wurde in Norwegen gelandet.

W. T.-B. London, 30. Okt. Lloyds meldet, man glaube, daß der DampferMarina" (5204 Tonnen) versinkt wor­den ist.

vre Lage im westen.

Die französischen Verluste an der Sornme.

Die Funkenstation Lyon verkündigte am 24. Oftober, vor­mittags, die Äußerung des Spezialberichterstatters der United Preß Association, der eine Lobrede auf die französische Artillerie mit den Worten schließt: ..Die französischen Ver­luste an der Somme sind auf einer Stufe geblieben, die bei Bekanntwerden die Welt in Staunen setzen würde." Hören wir zu dieser Auffaffung des Poilu der Feder die französischen Gefangenen, die das Leichenfeld an der Somme durchschritten baben. Alle bezerchnendie Sommefront als die Hölle und sind erschüttert von den ungeheuren Ver­lusten, die die Franzosen hier erlitten haben. Gefangene Jäger von der 47. Division schätzen die Verluste, die ihr Bataillon bei den letzten beiden Angriffen erlitt, auf 30 bis 50 Prozent. Offiziere der 10. Division sagen aus, daß ihre Mannschaften einen ausgesprochen demoralisierten und verwahrlosten Eindruck machten. Die Ver­luste hätten schon vor Antritt zum Sturm 20 Prozent, im ganzen wenigstens 60 Prozent betragen. Gefangene Jäger der 127. Division meinen, die Angriffe könnten nur noch Schlächtereien" genannt werden. Bald werde Frankreich keine Menschen mehr haben. Ein Sergeant der 56. Division erklärt, sein Regiment habe allein Nährend des Anmarsches und in der Bereitschaftsstellung durch tie deutsche Artillerie 30 bis 50 Mann pro Kompagnie ver­loren. Besonders groß sind die Verluste bei der Feldartillcrie. Leute von der 51. Division geben als Beispiel an, daß eine einzige Batterie 20 Tote und 10 Verwundete hatte. Ein Jäger der 47. Division kam als Überläufer und erklärte, Hunger habe ihn zum Überlaufen getrieben, weil seine Truppe seit zwei Tagen nichts mehr zu essen bekommen habe. Infolge des deutschen Artilleriefeuers seien von 10 Essen- bolern 7 tot liegen geblieben; sein Regiment wäre infolge der schweren Verluste keine AngrisfStruppe mehr. Ein anderer Gefangener erzählt: Meine Kompagnie ist vernichtet. Wir waren 220. jetzt sind noch 40 übrig, un^ es ist immer noch nicht zu Ende. Es ist ein wahres Gemetzel an der Somme. Im Briefe eines Verwundeten vom 5. Oktober findet sich folgende Stelle: In meiner Korporalschaft sind fast olle gefallen. Es ist wirklich schrecklich! Ein Brief aus B. vom 26. September an einen Sergeanten des Regiments 208 lautet: Das 8. Regiment 2. Division hat an der Somme sehr schwer gelitten. 1500 außer Gefecht, davon 800 Tote. -Es ist nicht mehr zu glauben. Ein Brief vom 7. Oktober an einen Soldaten des 121. Regiments lautet: Marcel schreibt, er wolle noch ein paar Zeilen sende.n, ehe er ganz verrück: würde. Es seinichtmehrzum Aushalten. Armand schrieb heute morgen, die 17 Tage in vorderster Linie seien entsetzlich ge­wesen. Die Beschießung habe viele Opfer gefordert. Seine Kompagnie zähle 15 Tote und 70 Verwundete. Bezeichnend war auch jener Ausspruch eines Gefangenen aus der Somme­schlacht, der lautete:Erst unsere Kinder werden die deutsche Grenze erreichen." Lyon wird also wobl recht brhritteu. Die Welt wird taffächlich erstaunt sein, wenn sie einmal die Höhe der französischen Verluste an der Somme erfährt.