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Dienstag, 31. Oktober 7916.

Coronel.

Zum zweiten Male fährt sich der Taq von Coronel. Da ist es Ehrenpflicht unseres Volkes, in Dankbarkeit lener Männer zu gedenken, die den ersten wuchtigen Schlag gegen Englands seit mehr als 100 Jahren nicht besiegte Flotte führten und damit die Reihe jener ewig denkwürdigen Ruhmestaten zur See eröffneten. Was m langer harter Friedensarbeit unter voller Ein- 'etzung aller Kräfte und in treuester Pflichterfüllung von Offizieren und Mannschaften unserer Marine unter Leitung ihrer großen Lehrmeister Tirpitz und K o st e r vorbereitet und gesät war. trug an der chileni­schen Küste zum ersten Male goldene Früchte. Vor Coronel erhielt der Gedanke von der Unbesieg­barkeit der englischen Flotte fernen Todes sioß. .

Beim Ausbruch des Krieges waren die Schiffe der ostasiatrschen Station auf das weite Gebiet zwischen den chinesischen Gewässern und der Südsee verteilt. Ihre Lage war gleich zu Anfang äußersi ernst. Ohne reden Stützpunkt — denn der Fall Tsingtaus konnte nur erne Frage der Zeit sein — stand das Kreuzer­geschwader gewissermaßen in der Luft. Eine solche Lage war allerdings vorausgesehen worden, und die notwendigen Maßnahmen waren seit langein aufs sorgfältigste durchdacht und vorbereitet worden, so daß rm Augenblick der Kriegserklärung jedes Schiff jeder Offizier und Mann an Bord seine Aufgabe kannte. ...Kreuze r kri eg mußte die Losung sein, mög Irchste Schädigung des Feindes immittelbar nach Aus- bruch der Feindseligkeiten, zu einer Zeit, wo unser wohlvorbereiteter bis ins kleinste durchdachter Auf­marsch die geivaltige zahlenmäßige Überlegenheit des Gegners und seinen Überfluß an Stützpunkten und Hilfsquellen ieder Art zum Teil wenigstens wett machen konnte, dann tm weiteren Verlauf Zusammenfassung der Streitkräfte und Schädigung des Feindes ini großen, und wenn möglich schließlich Anschluß an die ' seeltrertkräfte der Heimat.

In der Tat eine fast nbermenschliche Aufgabe in Anbetracht der gewaltigen Ausdehnung des vom feinde beherrschten Seegebietes, in dem sich die Tätig­keit, unserer Kreuzer zunächst abzuspielen hatte, des fast völligen Fehlens von Troß- und Kohlenschiffen, von Slgnalstationen und all den niannigfachen, einem Ge­schwader fast unentbehrlichen Hilfsmitteln. Aber der Chef unseres Kreuzergcschwaders, Vizeadiniral Graf v. Spee war der Mann, das scheinbar Unmögliche durchzuseheii.

- Durch die Welt fliegt die überraschende Kunde von dem Auftreten der „Scharnhorst" und „Gneisenau" vor Tahiti, Papste wird bombardiert, das französische Kanonenboot „Zel6er" versenkt, die Zerstörung des kanadisch-australischen Kabels wird berichtet, Reuter meldet die Name!», von versenkten britischen Handels­schiffen, die der „Leipzig" und „Nürnberg" zum Opfer sielen. Der Kreuzerkriea ist in volles Tätigkeit. Dann wochenlanges Schweigen. Schon fraat man sich in Deutschland besorgt nach dein Schicksal unserer Kreuzer da draußen auf der anderen Seite der Welt­kugel. 1?nd endlich bringt uns ein unvergeßlicher Tag die herzerhebende Kunde vom Schlage bei Coronel am 1. November des Jahres 1914.

Den geschickten weit vorausschauenden Anordnun­gen des Führers war es gelungen, über den Stillen Ozean hinweg und unbemerkt vom Feinde seine Streit- n-äfte in Höhe von Mittelchile an sich.zu ziehen. Hier konnte »r auf Gelegenheit rechnen, die Engländer zu fassen, und hier erhält er am 31. Oktober die ^Nach­richt, daß im Hafen von Coronel ein englischer Kreuzer Kohlen nimmt und mehrere andere von Süden her im Anmarsch sind Sofort steht der Entschluß fest, den Cernd anzugreifen. Das Geschwader, bestehend aus den großen Kreuzern „Scharnhorst" und „Gneisenau", den kleinen Kreuzern „Nürnberg", „Leipzig" und „Dres­den", nimmt Kurs aut den vermuteten Standort des Feindes, der am 1. November kurz nach 4 Uhr 40 See­meilen nördlich der Insel Santa Maria vor Coronel in öieftt kommt. Es war der dem englischen Admiral Craddock unterstellte Verband, der aus den Panzer­kreuzern „Good Hope" als Flaggschiff und „M o n» mouth", dem geschützten Kreuzer „Glasgow" und dem Hilfskreuzer „Otranta" gebildet wurde. Der Verlaut «der Schlacht ist bekannt. Nach kurzem Kampfe stink das englische Flaggschiff in Flammen gehüllt und bald darauf ereilte „Monmcuth" das gleiche Schicksal. '.Otranto" war schon bei Beginn des Gefechts detachiert worden, „Glasgow" entrann, schN'er beschädigt. Auf unserer Seite gab es keine Verluste inrd nur unbedeu­tende Befchäoigilngen. Über 1000 E n g l ä n d e r kNNgen mit ihren Schiften in die Tiefe, eine Rettung war infolge des schweren Seegangs ausgeschlossen

Nur wenige Wochen war es den Siegern von Coronel vergönnt, ihres sunaen Ruhmes ffoh zu wer­den. Schon am 8. Dezember erreichte sie bei den Falk-

Kbend°5lusgabe.

landsinteln das längst erwartete imabwendbare Geschick. Aber im siegreichen Untergang bei den Falk- landsrnfeln offenbarte sich noch einmal der erhabene Gerst, das n n ve r g l e i ch l i ch e Heldentum un­serer Besatzungen. Das Hurra der dem Tode geweihten Mannichatten der „Gneisenau" und , Scharnhorst ', wir hören es wieder, als in der Schlacht vor dem Skagerrak „Frauenloh" und „Wiesbaden" mit webender Flagge bis zuletzt feuernd auf den Grund sinken. Der Gei st der S i e g e r von Coronel war es, der die Befatzun- gen unserer Flotte beseelte, als Admiral Scheer am Nachmittag des 31. Mai seine Schiffe gegen die weit überlegenen Linien der britischen Flotte ' znm Siege führte.

Ereignisse zur §ee.

Der peinliche Eindruck unseres Torpedobootsvorstosres in den Kanal.

W.T.-B. Rotterdam, 30. Okt. Der Marine-Mit­arbeiter der Londoner „Times" schreibt: So lange keine Einzelheiten über das Gefecht zwischen den Torpedojägern in der Nacht vom Donnerstag vor­liegen, wird über die Umstände, unter denen die Deut­schen so viel ans richten konnten. Unsicherheit herrschen. Das englische Publikum ist offenbar einiger­maßen erstaunt darüber, daß feindliche Streitkräfte, dre u b e r W a s s e r fuhren, d u r ch d i e S t r a ß e von Dover kommen konnten und cs ist erstaunlich, daß sie, ohne schwere Verluste zu entkommen vermochten. Diese Frage und der große Unterschied zwischen dem, was aus Berlin gemeldet wird und der Mitteilung der englischen Admiralität macht eine nähere Erklärung notwendig. So irreführend und übertrieben der deut­sche Bericht uns zu sein scheint, so verdient er doch ein Dernenti.

Die Mitteilung aus Berlin, daß die Torpedojäger aus der Deutschen Bucht gekommen seien, ist offenbar darauf berechnet, einen falschen Eindruck zu erwecken, falls nicht dies eine neue Bezeichnung für den einen oder anderen Teil der belgischen Küste sein sollte. Die Scksiffe sind zweifellos ursprnnalich ans Emden oder einem anderen deutschen Hafen gekommen, aber nicht am Tage des Vorfalles in: .Kanal. Wahrscheinlicher ist, daß sie in Zeebrüggc lagen und dort auf eine günstige Gelegenheit warteten. Das stürmische Wetter und die Finsternis haben das Unternehmen besonders be- günstfgt. Die wiederholten Besuche von feindlichen Flugzeugen über der Küste von Kent werden den Feinden einen allgemeinen Überblick über die Patrouillenmaßnaymcn und die Möglichkeit, diese durch einen überraschenden Angriff zu verwirren, gegeben haben. Die Entfernung von Zeebrügge bis zu dem Punkte, wo der überfall durchgeführt wurde, ist nicht so groß, daß sie von modernen ichnellfahrenden Torpedofägern nicht während der Dunkelheit zu­rückgelegt werden könnte, llnter derartigen Umstän- den ist es auch einigermaßen schwierig, Freunde von Feinden zu unterscheiden. Wahrscheinlich haben die Deutschen bei ihrem Rückzug auch Minen ausgestreut, um die Verfolgung gefährlich zu machen. Angesichts des ungewöhlich großen Interesses, das die Deutschen daran haben, den Verkehr über den Kanal zu stören, muß man erwarten, daß der Versuch wiederholt sverden wird.. Es ist offenbar der Befehl gegeben wor­den. häufiger angreisend ankzutreten. Die Gefahr wird nicht aufhören, che nicht die deutsche Basis in Zeebrügge unbrauchbar geniacht oder zerstört ist. Inzwischen müssen die Vorbeugung^maßregeln einen offensiven Charakter haben, damit >e3 für die feind- licken Schiffe zu gefährlich wird, den Hafen zu ver­lassen.

In einem Leitartikel schreibt die „Times"- Die Täffgkeit Deutschlands zur See beschränkt sich nicht auk gelegentlich verstohlenes Auftanchen von Torpedo­jägern. Die U-Boot-Kampagne hat vielmehr einen Umfang angenommen, über den die Admirali­tät uns nur sehr wenig erzählt oder nur auf eine Weise die das Publikum wenig klüger macht. Die deutschen U-Boote haben in der letzten Zeit zweifellos sehr an Zahl zugenommen, sowohl in der Nähe Eng- lands als auch in den entfernteren Gewässern. Es wäre zwecklos, die Tatsache zu verheimlichen, daß die U-Boote unseren Schiffen beträchtlichen Schaden znsügen, sii daß die Behauptung der Admiralität, sie sei der U-Boots-Gefahr größtenteils Meister geworden, nicht länger aufrechterhalten werden kann. Die wachsend? Verlegenheit über unsere Unterseebootserfolge.

Eine wirkungslose Drohung.

\\ . T.-B. Rotterdam, 30. Okt. In Betrachtung des dcut- 'chen Vorstoßes in den Kanal schreibt die „Times" weiter: Die törichte Annahme, daß Deutschland nicht imstande sein werde, eine große Zahl neuer U-Boote zu bauen und daß es nicht geübte Mannschaften dafür aufbringen

Nr. 528. . 64. Jahrgang.

l wurde, ist Lügen gestraft. Die deuffchen U-Boote sind jetzt größer, rascher, zahlreicher und stärker be­waffn e t als früher. Jeder Mensch würde froh sein, wenn die Organisation der Admiralität gegen die U-Boot-Gefaihr in demselben Maße verbessert worden wäre. — In einem Brief des imionistischen Abgeordneten Leverton Harris wird vorgeschlagen, laß die Regierung endlich ein- für alle­mal erklären sollte, daß sie nach dem Kriege d e u t s ch e n Schiffen, auch wenn sie unter anderer Flagge fahren, ver­bieten werde, in britischen Äohlenstationen Kohlen einzu- nehmen. Ferner verlangt Harris, daß in keinem Teil der ^belt englische Kohlen an deutsche Schiffe geliefert wer­den dürfen. Man müsse zwar bezweifeln, ob ein derartiger Schritt dem U-Boot-Krieg, dessen unmittelbarer Zweck ein' militärischer sei, ein Ende machen würde, aber eine solche Versüsu-ng würde einen großen Einfluß (?) auf die deutsche U-Bvot-Polit:k haben und es sei an der Zeit, um die eine oder andere Erklärung in dieser Richtung abzugeben. Man muffe Deutschland zwingen, zu glauben, daß der Augenblick kommen würde, in dem für alle die Verwüstungen, die durch seine U-Boote anyerichtet worden seien, eine Ent­schädigung gegeben werden müsse und daß erne Strafe für! diese Politik kommen werde. Inzwischen liege es an der eng­lischen Admiralität. neue Schritte zu unternehmen, um mit den feindlichen U-Booten abzurechnen, rm den unbestrrit- boren Erfolg des letzten Jahres zu wiederhrlen.

Unsere U-Boote an der amerikanischen Küste.

Abweisung der englischen Anzapfungen in Washington.

IV. i.-B. Köln, 30. Okt. Dre „Köln. Ztg." meldet aus Washington vom -27. Oktober: Hohe Regicrungsbeamte er-, klärten heute, man werde den Klagen im englischen Parla- inent über die Haltung Amerikas gegen die jüngste Tätigkeit der deutschen Unterseeboote keine B e a ch-t u n g schenken, es sei denn, daß sich klar ergebe, tah dieses Gerede im Auf­trag der englischen Regierung erfolge. Die Führer der deuffchen Unterseeboote hätten sich völlig korrekt ver­halten. Sollte man in England die Anzapfungen fortsetzen, rann könnte maii sich in Washington gezwungen sehen, alle Dokumente der ganzen Welt vorzulegen. Es würde sich dann ergeben, daß sich seit dem „Suffex"-Fall nichts ereignet habe, was irgendwie dem Völkerrecht und dem Versprechen, das Deutschland Amerika gegeben habe, zuwider sei. Eine andere hohe Regierungsstelle äußerte, der Führer von „17 53" habe sich wunderbar verhalten. Seine Leistung, ein Rettungsboot nach dem Leuchtturm zu ziehen, sei etwas Außerordentliches, wie man es nie zuvor in der ganzen Ge­schichte des Seekrieges erlebt habe.

Oer Krieg auf dem Balkan.

Oer amtliche bulgarische Bericht.

W. T.-B. Sofia, 30. Okt. Bericht des Gcneralstabes vom SO. Oktober:

Mazedonische Front: Südwestlich vom Prespa - See für uns günstige Gefechte zwischen Aufklärnngsab- tetlungen und Wachtposten Beiderseits der Eisenbahn Bitolia-Lerin lebhafte Actillerietätigkeit. Ein schwacher An­griff des Feindes südlich von Gradespica und ein ser­bischer Angriff gegen Kenali wurden zurückgewiesen. Im C e r n a - Bogen ernste Kämpfe. Unsere deutschen Ber- bündete» schlugen tagsüber neue starke Angriffe des Gegners bei Boljeselo durch Gegenangriffe zurück. Der Feind wieder­holte mehrere Male seine erbitterten Angriffe auf einer aus­gedehnten Front, wurde aber mit blutigen B e r l n st c n für ihn zurückgcworfen.

Im Moglenica-Tal und beiderseits des Wardar schwaches Artilleriefeuer. Wir Waffen die Serbe» aus ihren Gräben südlich von Route. Eine feindliche Gruppe wurde nördlich von L j u m n i tz a durch Feuer vernichtet.

Am Fuße der Belasica-Planina und an der Strumu- front schwaches Artilleriefeuer und Gefechte zwischen Erkun­dungsabteilungen. An der ägäischen Küste Ruhe.

Rumänische Front: Es ist nichts Wichtiges v« melden.

Der Kaiser an Mackensen.

W.T.-B. Berlin, 30. Okt. (Amtlich.) Der Kaiser richtete an Generalfeldmarschall v. Mackensen nachstehen- des Telegramm: „Mein lieber Feldmarschall! Nach dem

glänzenden Verlauf der Operationen in der Dobrudscha, die unter Ihrer bewährten und musterhaften Leitung durch den Fall von Cernavoda gekrönt sind, danke ich Ihnen für alles das, was Sie und die Ihnen unterstellten Truppen in gemeinsamer Waffenbrüderschaft erneut geleistet haben. Ich' will meinem königlichen Dank dadurch besonderen Ausdruck geben, daß Ihr N a ui e fortan auch von dem Truppenteil ge­führt wird, zu dessen Chef ich Sie schon ernannte und be­stimme, daß das 3. westpreußische Infanterie-Regiment Nr. 129 fortan die Bezeichnung „Infanterie-Regi- tuent Generalfeldmarschall v. Mackensen,

8. Westpreußisches Nr. 129', zu führen hat. Ich bitte, den Ihnen unterstellten Truppen meine wärmste Anerkennung ’ und Grüße zu übermitteln. Großes Hauptquartier, den 26. Oktober 1916. (Gez.) Wilhelm R."

Verstärkung der russischen Truppen in der Dobrudscha.

Br. Haag, 31. Okt. (Eig.' Drahtbericht, zb.) Dem „Daily Telegraph" wird aus Rom berichtet, daßnach Meldvrrgen ans