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Montag, 30. Oktober 1916. NIOrgLN-KUSgttbL. Nr. 525. . 64. Jahrgang.
Zalkenhayn im Vordringen.
Zusammenbruch feindlicher Angriffe an der
Somme und in Mazedonien.
Artilleriekämpfe an der Maas und am Stochod.
Tagesbericht vom 29» Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Okt. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Nach starkem Feuer zwischen Gueudecourt und Lesboeufs sich entwickelnde Angriffe der Engländer wurden größtenteils durch unsere Ar- tillerirwirkung niedergehalten; wo sic zur Durchführung kamen, wurden sie verlustreich abgewiesen, dabei sind zwei Pauzerkraftwagcn durch Volltreffer zerstört worden.
Später drangen östlich von Lesboeufs zwei feindliche Kompagnien in unseren vordersten Graben ein; dort wird noch gekämpft.
Heeresgruppe Kronprinz.
Nur der Artilleriekampf erreichte ans dem Ostufer der Maas zeitweilig beträchtliche Stärke.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Zront des Generalfelbmarschalls
Prinz Leopold von Bayern.
Fast die ganze Stoch odlinie hielten die Rüsten unter lebhaftem Feuer, das westlich von Luck größte Heftigkeit annahm. Ein aus dem Waldgebiete östlich von S z e l w o w erfolgender russischer A ng xiff brach in unserem Sperrfeuer zusammen.
§r«Nt des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
An der Ostfront von Siebenbürgen nichts Neues.
Südlich des Toemoeser-Pastes ist im Angriff Azuga erreicht; trotz zähen feindlichen Widerstandes sind in Richtung auf Campolnng und auch weiter westlich Fortschritte gemacht worden.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarfchalls von Mackensen.
Die Lage hat sich nicht geändert.
Mazedonische Front.
Südöstlich von K e n a l r und im C c r n a - Bogen sind feindliche Angriffe blutig gescheitert.
Der erste Generalquartiermeister:
Lndcndorsf.
Die höhe« über Grsova erstürmt!
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 29. Okt. -Drahtbsricht.) Amtlich verlautet vom 29. Oktober, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Westlich von O r s o v a » a h m e n wir in überraschendem Angriff die den Ort beherrschenden Höhen. Südlich des Börös Torony-(R o t e n - T u r m-jPasses, nördlich von Campolnng und südlich von Predeal gewannen die österreichisch-ungarischen «nd deutschen Streitkräftc unter erbitterten Kämpfen Gelände.
An der s i e b e n b ü r g i s ch c n Ostfront nichts von Belang.
Heeresfront des Generalfeldmarfchalls
Prinz Leopold von Bayern.
Westlich von L u ck und am Stochod heftiges feindliches Artilleriefeucr. Ein bei Szelwow versuchter Jufanterieangriff der Russen wurde im Keime vereitelt.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der k ü st e n l ä n d i s ch e n Front nimmt das feindliche Artillerie- und Minenwerierfeuer au Kraft feindliche Artillerie- und Minenwerferfeuer an Kraft fühlte feindliche Infanterie gegen unsere Stellungen vor.
In Tirol hat das italienische Feuer abgcslaut.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Albanien unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfe r, Feldmarschalleutnant.
Wechsel im preutzischen Kriegs- Ministerium.
Der frühere Generalquartiermeister v. Stein Nachfolger Wild v. Hohenborns.
W. T.-B. Berlin, 29. Okt. (Amtlich. Drahtbericht.) Se. Mas. der Kaiser hat den Kriegsminister Generalleutnant Wild v. Hohenborn mit der Führung eines Armeekorps im Westen beauftragt und den Führer des 14. Reservekorps Generalleutnant von Stein zum König!, preußischen Kriegs- und Staats- miuister ernannt. Diese Änderung ist durch die Notwendigkeit veranlaßt» daß der über die militärischen Maßnahmen im Heimatgebict entscheidende Minister über die in zunehmendem Umfange maßgebenden Be- dürfniffe des Feldheeres durch umfassende Erfahrung als Truppenführer unterrichtet sein muß.
Der Name des Generalleutnants v. Stein ist zu Anfang des Krieges infolge der markigen ftahlfcharfen Berichte aus dem Hauptquartier, die ihn zum Verfasser hatten, rasch volkstümlich geworden. Die Verdienste, die er sich an der Spitze des 14. Reservekorps erwarb, haben ein Zeichen äußerer Anerkennung in dem Orden Pour le merite gefunden. Herr n. Stein wurde am 13. September 1854 zu Wedderstadt in der Provinz Sachsen als Sohn eines Predigers geboren. Der Armee gehört er seit dem Jahre 1873 an.
Gewichtige AeutzerungenkZindenburgs und Ludendorffs.
„Es steht so günstig, wie nur möglich."
In einer Unterredung, die der Berliner Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse" im Beisein des General- quartiermeifters Lndendorff mit Generalfeldmarschall von Hindenbnrg hatte, kennzeichnete dieser die Kriegslage mit den Worten - „Es steht so günstig, wie nur möglich, und alles wird weiter gut gehen. Prophezeien ist undankbar, aber es ist möglich, daß das Jahr 1917 die Kämpfe bringt, die den Krieg entscheiden. Ich weiß es nicht, niemand weiß es. Ich weiß nur, daß wir den Krieg durchkämpfen werden bis zur Entscheidung."
Hindenbnrg erkundigte sich nach der Stimmung in Österreich-Ungarn. Ruf die Antwort, daß sie gut und zuversichtlich sei, daß man aber, wie überall, das Ende des Krieges herbeisehne, erwiderte er: „Das wünschen wir alle, das kann ich wohl verstehen. Österreich-Ungarns Volk erfüllte in diesem Kriege seine volle Pflicht und brachte alle schweren Opfer, die es bringen mußte. Aber noch müssen neue Opfer gebracht werden, damit die bisherigen nicht vergeblich sind."
Hier griff L u d e n d o r s f in das Gespräch ein und sagte: „Sagen Sie Ihren österreichischen Freunden, es gibt nur ein sicheres Mittel, den Krieg abzukürzen: der feste Wille, ihn siegreich zu beenden. Jeder Soldat oder Nichtsoldat muß am Kriege Mitwirken und sich dessen bewußt sein, daß es keinen Weg zum Frieden gibt als derr Krieg. Die ganze Volkskraft mutz sich in den Dienst des Krieges stellen. Nicht die Granate, sondern der Geist der Soldaten führt die letzte Entscheidung herbei und der Geist der deutschen und österreichisch-ungarischen Soldaten ist allen Gegnern überlegen. Dennoch bedeutet die Munition im modernen Krieg ungeheuer viel. Die Herstellung der Munition inr höchsten Ausmaße ist die wichtigste Aufgabe der Kriegführung.
„W erden sich die russischen Kräfte erschöpfen?" fragte der Besucher. — „Sie erschöpfen sich schon", lautete die Antwort Ludendorffs. „Dafür sorgen vor allem die russischen Heerführer. Allerdings wachsen auch in Rußland Menschen nach. Das macht aber nichts aus. Auch wir haben Menschen g e n u g. I Deutschlaird verfügt über Mannschaftsersah tu Fülle, und in Österreich-Ungarn sind die Reserven noch lange nicht erschöpft. Wir haben uns vor der großen Zahl der Russen niemals gefürchtet. Übermacht und Gefahr existieren nur für den Schwachen. Ein fester Wille schafft sich sein Schicksal selber. E§ gibt kein Verhängnis."
Dann sprach wieder Hindenbnrg: „Die neuen russi-' ''chen Armeen sind so gut und so schlecht wie die alten. Die hervorragendste Eigenschaft des russischen Soldaten bleibt sein blinder Gehorsam. Fortschritte in militärischer Richtung hat er nicht gemacht. Nur die russische Artillerie ist infolge der Ausbildung durch französische und japanische Offiziere, die sie zum Teil auch kommandieren, leistungsfähiger geworden. Aber unsere bleibt ihr auch jetzt überlegen. Eine Zeitlang hatten die Ruffen mehr Munition als früher. Ihre Muni- tionsbestände wurden jetzt geringer und die Munitionszufuhr über Archangel und Wladiwostok wird infolge der Vereisung bald aufhören."
Das Programm Hindenbnrg?.
Der Besucher verwies darauf, daß es bei der Ernennung Hindenburgs zum Generalftabschef allgemein hieß, er werde jetzt endlich sein Programm durchführe«, daß der Krieg nun im Osten beendet werden könne. Hindenbnrg antwortete: „Die Leute ahnen nicht, welchen Unsinn sie reden. Man tut einem Heerführer ganz Unrecht, ihm ein Programm anzudichten. Gewiß bildet sich in seinem Kops ein Kciegs- plan, eine Gesamtansicht vom Kriege. Aber es gibt kein
fertiges Programm oder vielmehr nur eines: den Sieg zu erringen. Wo und wie er zu erringen ist, kann nur immer von neuem auf Grund der Ereignisse beurteilt werden. Deshalb kann die Entscheidung in diesem Kriege ebensowohl im Osten wie im Westen gesucht werden. Unsinn ist es, zu behaupten, ich beabsichtige, die Front im Westen zu verkürzen. Das fiel mir niemals ein. Warum soll ich es auch tun? Die Front im W e st e n steht bombenfest und wenn auch die Gegner mit riesigem Aufwand von Artillerie und Munition hier und da ein wenig Boden gewinnen, durch- kammen werden sie nie! Da müßten sie noch 30 Jahre an- greifen, wenn sie Menschen genug haben. Die Franzosen zeigen große Zähigkeit. Aber sie rotten sich selbst durch diese Kampsesweise aus, und auch ihre Zähigkeit wird ihnen nichts nützen, weil sie eben schließlich nicht mehr da sein werde«. Das französische Volk dankt dieses Schicksal vor allem den Engländern. Wenn die Engländer im Frühjahr eine neue Offensive im selben Stil verlangen sollten, werden sie Frankreich um den Rest seines Heeres und seiner VolkSkrafl bringen. — In dem Urteil über den Wert der militärischen Leistungen Englands wird «uch dieser Krieg wenig ändern; namentlich die großen englischen Strategen sind auch diesm il ausgeblieben."
„In Siebenbürgen", sagte Hindenbnrg zuletzt, „geht es ausgezeichnet. Die Rumänen gehen zurück und bekommen ihren Zahltag. Ich begrüße ihr Losgehen mit Freude, dadurch sind wir aus dem Stellungskrieg herausgekomme n."
Hauplmann voelcke bei einem Luftkampf tödlich verunglückt.
W. T.-B. Berlin, 29. Okt. (Drahtberrcht.) Hauptmann B o e l ck e ist im Verlaufe eines Luftkampfes am 28. Oktober mit einem anderen Flugzeug zusammengestoßen und bei der darauf erfolgten Landung hinter unseren Linien tödlich verunglückt. Am 27. Oktober hatte er sein 4 0. feindliches Flugzeug abgeschossen.
So ist denn nun auch der Held, der unter allen unseren Kampffliegern weitaus die meisten Erfolge erzielt hat, ein Opfer seines unsäglich gefahrvollen Berufes geworden. Mit schneidendem Schmerz wird man in Deutschland die erschütternde Kunde vernehmen. Unter den besten Namen von unseren Tapferen, unter dem Kreis unserer Nationalheroen hat Hauptmann Boelcke einen Platz gefunden, den nie verwelkender Lorbeer ziert. Was er durch seine gewaltige Fliegerkunst und durch seine Unerschrockenheit innerhalb unserer jüngsten ruhmreichen Truppe geleistet hat, das erschöpft sich nicht in der gewaltigen Zahl von 40 feindlichen Flugzeugen, die seinen Angriffen zum Opfer gefallen sind, sondern das wundervolle Vorbild, das er gegeben hat, ist nach der moralischen Seite hin vielleicht noch viel höher zu werten. Selbst bei unseren Feinden, deren Schrecken er war, genoß er höchste Bewunderung, und in der ganzen Welt ist das Gefühl lebendig gewesen, daß dieser deutsche Offizier eine Erscheinung von leuchtendem Glanze sei. Wir haben ihn verloren, aber wir behalten sein Bild im Herzen als das eines herrlichen Soldaten, dessen Taten unser Stolz >varen und dessen Tod für das Vaterland noch in spätesten Zeiten begeisterte Lobpreisung finden wird.
Oskar Boelcke wurde am 19. Januar 1891 in Giebicheu- stein bei Halle als dritter Sohn des Professors und Seminaroberlehrers Boelcke, der zurzeit in Ziebigk bei Dessau wirkt, geboren. Ec besuchte dos Gymnasium in Dessau und war dort schon ein ausgezeichneter Turner und Freund sportlicher Betätigung. Als sein älterer Bruder Wilhelm Offizier wurde, schrieb der junge Oswald heinrlich an den Kaiser die Bitte, er möge ihm dazu helfen, auch Soldat zu werden. Der Brics erreichte sein Ziel und gefiel dem Kaiser. Dem Professor B wurde für seinen Sohn ein Platz in der Kadcttenanstalt zur Verfügung gestellt. Er bat indes, das Anerbieten ablehnen zu dürfen; sein Sohn solle das Gymnasium ducchmachen. Als Oswald B. dann hier die Reifeprüfung bestanden hatte, ging er zu den Tclefunkern nach Koblenz. Bei Ausbruch des Krieges machte er leine Fliegervrüfung und führte dann bei der Staffel seines Bruders Wilhelm auf dem westlichen Kriegsschauplatz und mit dieseni zusammen längere Zeit Beobachtungsflüge aus. MlS die Kampffliegerei anfkam, wandte sich Boelcke dieser Tätigkeit zu und errang sich auf diesem Gebiete nun rasch seine Außerordentlichen Erfolge, sowohl als Flieger selbst wie auMals vorbildlicher Lehrer für andere. Jmmelmann ist unter anderem sein Schüler gewesen, und es ist Boelcke immer eine besondere Freude gewesen, wie glänzend auch dieser sich entwickelte und gleichstrebend mit ihm Schritt hielt. Als Jmmelmann verunglückte, hat der Kaiser, selbst in Sorge uni Boelcke, diesen für mehrere Monate vom Frontdienst beurlaubt. Er tvat nach einigen Reisen ausschließlich damit beauftragt, sein großes Können durch Aus' lildung von Flugschülern weiter zu verbreiten. Doch so wert' voll diese Tätigkeit war. es duldete ihn nicht, bis er End, August die Erlaubnis zu eigenen Kampfslügen wieder, gewami.
