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Verlag Langgaffe 21

„Laztlatth»»«".

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Zrettag. 27. Oktober 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 520. . 64. Jahrgang.

Russische Angriffe

an der DreilSnder-Scke abgeschlagen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien. 26. Qkt. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 26. Oktober, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

kseeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Nördlich von K a m p o l o n wurden rumänische Gegenstöße abgeschlagen.

Südlich des Predealpasses sind unsere Hon- vedtruppen in erfolgreiche» Fort schreiten.

Im Berecker-Gebirge säuberten bayerische Truppen einen Grenzkamm. Am U j- nnd Patros- (T r o tu s u-) T a l warfen österreickiisch - ungarische Truppen, schon auf rumänischem Boden kämpfend, den Feind an mehreren Stellen.

I» der D r e i l ä n d e r e ck e, auf den .Höhen am Neagra-Bachc, wurden russische Angriffe abge­schlagen.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von vaqern.

Nördlich von Zaturcza brachen Angriffe russi­scher Bataillone vor den deutschen Hindernissen zu­sammen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Auf unseren Stellungen im Wippach-Talc und aus der Karsthochsläche lag gestern vormittag heftiges Artillerie- und Minensener, das gegen Mittag ein wenig nachließ.

Rekognoszierende feindliche Abteilungen, die sich unseren Stellungen näherten, wurden durch Hand­granaten zurückgetrieben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Aus dem Bereiche unserer Truppen nichts zu melden.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Der stanzSsische Vorstoß gegen Douaumont.

„ Zu dem jüngsten Generalstabsbericht über die Vor­gänge bei Verdun wird uns geschrieben:

Seit unseren letzten Erfolgen an der Bergnase von S o u v i l l e war iin Raume von Verdun kein größeres Ergebnis zu verzeichnen gewesen. Fast drei Monate schob' sich hier allerdings trotzdem die Artillerie- Schlacht hin, ohne nach der einen oder anderen Richtung hin wesentliche Ergebnisse zu erzielen. In den jüngsten Generalstabsberichten wurde dann mehr­fach der starken Artillerietätigkeit Erwähnung getan. Während nun also der Kampf an der Somme und um Rumänien mit größter Kraft tobt, haben die Fran­zosen wiederrmi unter Zusammenfassung stärkster Kräfte einen Vorstoß gegen das alte Ziel Douaumont unter­nommen und find bis an das brennende Tor dieser Festung vorgedrungen. Der Erfolg, an sich gewiß nicht für sich erfreulich, ist doch nach keiner Richtung hin groß zu bewerten, da bei deni augenblicklichen Stand der Schlacht vor Verdun ein größerer oder kleinerer Ge­lände-Gewinn oder Verlust völlig belanglosest. Verdun hat seine Hauptaufgabe, als Aus fall stör einer starken Armee zu dienen. Lurch unsere siegreiche Offensive eingebüßt und kann in absehbarer Zeit nie wieder dazu verwendet werden. Ein Geländegewinn bei Verdun bedeutet daruni nicht mehr als ein paar Flecken eroberten Boden an irgend einer Stelle der Front. Wir haben in der ganzen feindlichen Presse gelesen, daß jetzt an der ganzen Westfront die stärksten Angriffe gemacht werden würden, um ein Ab­ziehen deutscher Truppen zur Verwendung an der rumänischen Front zu verhindern. Wenn nun der neue Vorstoß bei Verdun einen derartigen Ent­lastungsvorstoß darstellen sollte, so hätte er seinen Zweck wie alle derartigen Entlastungsveriuche völlig verfehlt. Denn am selben Tage fiel zur Beleuchtung dieses Enüastungsversuches der starke Brückenkopf Cernavoda, und wir können versichern, daß unsere Heeresleitung sich in ihren Maßnahmen gegen Rumä­nien in keiner Weise durch einen Vorstoß der Fran­zosen bei Verdun beeinflussen lassen wird. Die Zen­tralmächte haben mit ihrer neuen Kraftleistung auf dem Balkan in der ganzen Welt Bewunderung erregt. Es fft einJrrglaube der Franzosen, daß sie diese gewaltigen Erfolge durch belanglose Angriffe an der Maas irgend- ■tote ausgleichen könnten.

Die Gründe für die französische Offensive bei Verdun.

Clemencoan und Briand.

(Drahtbericht unseres Kr.-Sonderberichterstatters.)

Kr. Genf, 26. Okt. (zb.) Aus Mitteilungen, die mir von einem genauen Kenner der gegenwärtigen Stimmung in Paris zugehen, ist ersichtlich, daß die Offensive der Franzosen bei Verdun aus drei verschiedenen Grün­den einen Erfolg herbeifühcen sollte. Zunächst wollte man der neuen Kriegsanleihe einen vollen Erfolg sichern, weiter wünschte man die Aufmerksamkeit von der rumä­nischen Tragödie abzulenken, schließlich gedachte man auch bei England und Rußland starken Eindruck zu machen, damit die politische Fühcervollmacht an Briand übertragen wird. Clemenceau findet, es wäre furchtbar, daß die Londoner offiziöse Presse nicht mehr als bloßen Widerstand der Russen und Rumänen erhoffte. Dadurch sei die rumä­nische Intervention zu einem Verbreche:! an diesem Staate gestempelt. Die Neutralität hätte genügt Briand trage eine furchtbare Verantwortung.

Die feindlichen Berichte.

FrenMkcher Heeresbericht vom 25. Oktober, nachmittags. Nörd­lich von B e r d u n machten die Deutschen zwei Gegenan­griffe auf die Flügel der neuen sranzösischeu Front, einer am späten Abend gegen die Steinbrüche von H a u d r o m o n t wurde abgeschlagen, ein anderer heute morgen um 5 Uhr gegen die Batterie von D a m l o u p scheiterte gleichfalls. Das ganze von den Fran­zosen eroberte Gelände wurde vollständig behauptet; die Säuberung des Forts Douaumont wurde im Lause der Nacht beendet. Der Kommandant des Forts wurde gefangen genommen.

Französischer Heeresbericht vom 25. Oktober, abends. Nördlich von Verdun unternahm der Feind nacheinander drei Gegen an griffe auf die Gegend Haudromont- Douaumont. Keiner dieser Angriffe glückte, unsere Front wurde vollständig bebauptet. Östlich vom F n m i n - W a l d e und nördlich Le C b e n o h machten wir im Lause des Tages Fortschritte. Die Zahl der bis jetzt gezählten «»verwundeten Gefangenen über­steigt 4500. Von der übrigen Front ist kein wichtiges Ereignis zu melden.

Englischer Heeresbericht vom 25. Oktober. Während des ganzen gestrigen Tages schwerer Regen. Während der Nacht war die feind­liche Artillerie nordöstlich von Conrcelette und cm der Straße Pozüeres-Bapaume sehr tätig.

Oer Krieg Rumäniens.

Die rumänischen „Thermopylen".

Bnkaresrer Beschwichtigungsartikel.

(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatrecs.) - 8. Stockholm, 26. Okt. (zb.) Unter der Spitzmarke „Bei den rumänischen Thermopylen" schreibt die „Jndependance Roumaine": Die Karpathenpässc werden die rumä­nischen Thermopylen. Wir sind noch die Besitzer die­ser wichtigsten DurchgaugSstellcu, welche die Pforte unseres Reichs öffnet, aber unsere heroischen Heere verbluten s i ch hier in aufreibendem Vernichtungskampf. Immerhin ist die Lage an unserer nördlichen Front einstweilen noch nicht hoffnungslos. Der Fernd muh an den Pässen aufgehalten werden, ohne daß wir Blutopser scheuen dürfen. Wir sprechen unser volles Vertrauen aus, daß ein günstiger Umschwung an der Nordfiont bevorstehtz der die Lage des Landes retten wird. Wir ermahnen damrm die Bevölkerung zur Wiedergewinnung ihrer Ruhe, die in den letzten Tagen geschwunden war. Die Lage an der Südfiont, die in den amtlichen Heeresberichten nur unklar umschrieben ist; wird auch von den offiziösen Kommentaren nicht berührt. Rur des Regierungsblatt „Vittorul" bringt in Riesenlettern über vier Spalten die ominöse Jfftstellung: Unsere Front au der ungarischen Grenze ist nicht durchbrochen. Die dortigen Kämpfe tragen einen örtlichen Charakter. Wir fühlen uns verpflichtet, unsere Mitbürger in Kenntnis zu setzen, daß auch den sonstige.a Sensationsmitteilungen über eine katastro­phale Wendung der Ereignisse ein ausschlaggebender Anlaß fehlt. An der Südfront sind alle Maßnahmen gegen den Feind getroffen worden. Der Aufmarsch der feindlichen Heere trägt aagenscheinlich einen strategischen Charakter, aber wir konnten die feindlichen Absichten einstweilen nicht fcststellen. — Warghilomans „Minerva" bringt nach der Audienz der Ovpositionssührer beim König, welche die Ge­rüchte über den Eintritt Marghilomans in das Ministerium rcranl-ahten, einen bemerkenswerten Beschwichtigungsartikel, cn dem es lzeitzt- Ein Sieg werde nicht bestimmt .durch den Umfang des verlorenen Landes, der Verlust Sieben­bürgens bedeute keinen Nachteil für die rumänischen Stellungen.

Die neue russisch-rumänische Verteidigungslinie.

Nachdem den Rumänen, die gesamte befestigte Linre Cernavoda - M e d j i d i a - C o n st o n tz a und damit die stärkste Stellung, welche das russisch-rumänische Heer in dem Osten Rumäniens besaß, entrissen worden ist, haben die Feinde nur Aufuabmelinien zweiter Ordnung zur Ver­fügung. Der stärkste Stützpunkt nördlich von Cernavoda ist dre Donaufestung Hirsot> a, von der aus schon im Frieden nach rumänischen Zeitungsberichten nach dem Meer zu Feld- befestigungswecke aller Art bis zum blauen See angelegt wurden. Besonders in den beiden Kriegsjahren, die für Rumänien Friedensfahrt: waren, wurde an der Befestigung

dieser Linien gearbeitet. Nun hat unser Angriff aber, nach dem bulgarischen Generalstabsbericht bereits Caramurat erreicht. Caramurat ist ein wichtiger Straßenkuoteupunkt, tez vou Constantza ungefähr 80 Kilometer nordwestlich ent­fernt ist. In Carrrnurat kreuzen sich die Straßen von Dded- jidia (20 Kilometer entfernt) an die große Eisenbahnlinie Constantzit-Tultscha und von Constantza nach der Festung Hirsova. Wir sehen also, daß das rumänische Heer aus der Straße nach Hirsova zurückflutet und zugleich die S'«aße nach Baoaüagh im Osten an der eben erwähnten Eisen­bahnlinie benutzt.

Die Zustände und die Stimmung in Bukarest

(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)

8. Stockholm, 26. Okt. lzb.) Der Berichterstatter der Petersburger „Börsenzeitung" schildert das gegen­wärtige Leben in Bukarest. Er berichtet: Alle Schulen, Pensionats, Hotels, die öffentlichen Lokale und die Universität sind in Lazarette umgewandelt worden. Allenthalben herrscht N o t, selbst in begüterten Familien, obwohl der Magistrat kürzlich zusammen mit den bäuerlichen Korporationen die Unterstützung der Familien der zum Heeresdienst Einberufenen be­schlossen hat. In Bukarest sind alle Nahrungs­mittel knapp und nur_ teilweise zu unerschwing­lichen Preisen zu haben, weil der Eisenbahnverkehr in den letzten Tagen wieder vollkommen stockt. Die Aus­länder verlassen fast sämtlich eilig die rumänische Hauptstadt. Obwohl die Züge überfüllt sind und ihre Anzahl verstärkt wurde, sind doch die Fahrkarten für die nächsten zwei Wochen bereits ausverkauft. Die meisten Ausländer, die nach Petersburg oder London zurückkehren, nehmen ihr Eigentum und ihre Familie init. Nur wenige ziehen nach Jassy und K i s ch i n e w um, um die weitere Entwickelung der Ereignffse einst­weilen abzuwarten. Nach einer „Itfrö' Rossie"-Meldung kursieren in der Bukarester Bevölkerung tausend Gerüchte zugleich. Man wundert sich, daß die Regierung immer noch einen klaren Kopf (?) behält. Neuerdings läuft eine wahrscheinlich von der Regie­rung lancierte B^ruhigungsnachricht um, die Deutschen wollten Bukarest nicht einnebmen, um die rumänischen Gefühle nicht zu verletzen. Sie erstrebten nur die Er­oberung der sogen, kleinen Walachei. Mit spärlichen, von den Rumänen erbeuteten Trophäen wird eine lächerliche Reklame getrieben. Das Gtanzstück spielen sechs veraltete österreichische Fetdartilleriehaubitzen, die vor dem Standbild Michaels des .Whnen zur Bewun- derung für die Massen aufgestellt wurden. Der fran­zösische General Berthelot befindet sich immer noch m Bukarest. Bis zum 18. Oktober mußten alle niiti- tärpflichtigen Untertanen der Verbündeten Mächte in die ruinänische Arnree eintreten oder wurden ausqe- wiesen.

Wachsendes Mißtrauen im rumänischen Volk

Die Dynastie als Schutzschild für Bratianu?

Berlin, 25. Okt. (zb.) Nach Meldungen englischer Blätter, die sich zum Teil auf die Telegramme ihrer Korrespondenten, zum Teil auf »die Äußerungen rumänischer Zeitungen stützen, ist ersichtlich, daß das Mißtrauen gegen die Heeresleitung breite Volksschichten erfaßt hat und die allge­meine Stimmung stark beeinträchtigt. Um dieser Rechnung zu tragen, riet Bratianu dem Kön ig, den Ober­befehl zu übernehmen. Dadurch soll demonstriert werden, daß die Dynastie die Verantwortung für den Krieg über­nimmt.

Die ersten rumänischen Kriegsgefangenen in Deutschland.

Berlin, 26. Okt. Nach einer Mitteilung verschiedener Blätter sind die ersten rumänischen Kriegsgefangenen in Deutschland in der Zahl von 3000 im Gefangenenlager zu Haminecstein eingetcoffen.

Eine Ohrfeige für die ganze Entente!

Was Herbe sagt.

W. T.-B. Bern» 25. Okt. Herbe schreibt in der .Vtctoire": Die Einnahme von Constantza ist eine Ohrfeige für die ganze Entente. Die Vogelstraußvolitik verfängt nicht mehr. Die Russen müssen mindestens 500 000 Mann Ver­stärkungen schicken, selbst auf Kosten ihrer Offensiven gegen Lemberg und Kawel. Die Tatsache, daß die Deutschen l'ngeheure Mengen Korn in Rumänien beschlagnahmen werden, wird das Kriegsende um ein weiteres Jahr hinaus- lchieben, wenn eS den Deutschen gefällt. Darum muß Rumä­nien um jeden Preis geholfen werden, sonst sind die Folgen des Sieges Mackensens nicht abzusehen.

Das Urteil eines welsch-schweizerischen Blattes.

W. T.-B. Bern, 25. Okt. In einem militärischen Leit­artikel schreibt das „Journal de Geneve" über die Einnahme von Constantza u. a.: Der Steg Mackensens ist für die Ver­bündeten unter verschiedenen Gesichtspunkten sehr unbc- guem. Er versetzt ihnen einen moralischen Schlag, da er die schlechte Vorbereitung des rumänischen Eingreifens unwiderleglich beweist. Politisch ist er insofern bedeutungs­voll, als er unter den Verbündeten selbst U nsti m rat.««