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Donnerstag, 26. Oktober 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 518. . 64. Jahrgang.
Die militärische Lage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin, 25. Ott. (Eig. Meldung. zb.> Der Fall von Cernavoda macht die verbündeten deütsch-bulgarisch- türkischen Truppen zu Herren der Dobrudscha. So lange Constantza allein in ihren Händen war, konnte die Aufgabe dieser Offensive noch nicht als vollendet bezeichnet werden. Cernavoda, an sich nur eine Kleinstadt von zuletzt vielleicht 15000 Einwohnern, erlangte als Brückenkopf an der Donau für Rumänien höchsten militärischen Wert. Angleich mit dem Bau des 14 Kilometer langen Brücken- shstemS über die beiden Stromarme und die Sumpfniederuu- gen hatten die Rumänen, was ganz selbstverständlich war. Forts und Befestigungen angelegt, die in den letzten zwei Jahren weiter ausgebaut wurden. Auch wenn die Feldbefestigungen vor der Linie Constantza-Medjidia durchbrochen waren, konnte man annehmen, daß sich die rumänische Besatzung bis aufs äußerste mühen würde, den Brückenkopf zu halten. Nur so konnte sie doch den feindlichen Vormarsch weiter nordwärts aufhalten, denn hier an dieser schmalen Landstrecke, die sich nördlich wieder erweitert, einen noch schlag- fähigen Heeresteil im Rücken, hätte Feldmarschall Mackensen keine ernste Bedrohung seiner Berbindung bestehen lassen können; die Gefahr, abgeschnitten zu werden, wäre zu groß gewesen. Glücklicherweise gelang es, Cernavoda mit derselbe» Schnelligkeit zu nehmen, wie zuvor das für fast uneinnvhmbar geltende Tutrakan. Die Einzelheiten über diesen besonders interessanten Kampfabschnitt wird man noch abwarten müssen. Es ist kaum anzunehmen, daß die Rumänen die w e r t v o l l e Brücke noch gründlicher zerstören, wie es unsere Flieger bereits besorgt hatten. Sie würden damit der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung ihres Landes nach dem Kriege einen erst nach jahrelanger Arbeit wieder gutzumachende» Schaden zufügen; der Bau der Cernavodabrücke war der Stolz Rumäniens. R »r d l i ch Constantza ist der rechte Flügel der verfolgenden Truppen schon beträchtlich gegen die weit ausgedehnten Küstenseen der Balta Ramrem vorgedrungen, wie schon aus den Ortsnenuuagen des bulgarischen Berichts hervorgeht. Man darf hoffen, daß die Verbündeten Trupven ihre großartigen Erfolge noch mehr ausnütze» werden. Fest steht die Tatsache, daß Rumänen und Russen den verbleibenden geringen Rest der Dobrudscha mit dem Ausmaß von etwa 4000 Quadratkilometer, rings von Wasser umgeben, nicht mehr zur Basis großer Operationen machen können. Das Ausfalltor nach Sofia und Konstanti- nopel ist gesperrt. Auch durch den Fall von Bredeak, der nunmehr von der deutschen Heeresleitung gemeldet wurde, ist die Lage Rumäniens sehr verschlechtert worden. Im Gebirgskrieg haben unsere Truppen harte Arbeit zu leisten. Ihre Erfolge werden sehr hoch veranschlagt. Hinzukommt, daß B «k a r e st erneut in vergangener Nacht den Besuch eines unserer Luftschiffe erhielt, das Bomben abwarf.
Daß man auf der W e st f r o n t das Äußerste daran setzen würde, um den niederschmetternden Eindruck der rumänischen Kampagne zu verwischen, war zn erwarten. Die ruffischen und rumänische« Vorwürfe, die französisch-englische Offensive habe so unwesentliche Ergebnisse, daß die Deuffchen nicht gezwungen seien, Verstärkungen hinznfüüren, hat im Sommegebiet ganz wahnwitzige Massenan- stürme veranlaßt. Der gestrige Heeresbericht sprach schon von Hansen von Feindesleichen, die vor unseren Stellungen liege». Trotz des großen Jnfanterieeinsatzes erreichten die Alliierten nichts, so daß wir mit Rücksicht auf die gewaltigen Opfer des Gegners uns diesen Schlachttag als Erfolg buchen dürfen. Dagegen gelang es den Franzosen östlich der Maas einen Vorteil zu erringen, den man auf deuffcher Seite nicht verkleinert, auch wenn man den französischen Funksvruch von gestern abend 11 Uhr, bei B e r d u n wäre ein Durchbruch der deutschen Stellung gelungen, als eine außerordentliche Übertreibung bezeichnet. Auf der Front Donau- mont-Baux drangen die Franzosen ein, doch geht der Kamps dort weiter. Man muß den Abschluß der Schlacht abwarten, ehe man ein Endurteil fällt. Aber entscheidende Bedeutung ist auch dem Ringen um die alte Kampfstelle Touaumont-Baux nicht b-izumeffen.
Die Schlacht vor Verdun.
Zweiter Abschnitt.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben:
3.
Die Vorbereitungen für eine so gewaltige Unternehmung nahmen naturgemäß einen längeren Zeitraum in Anspruch. Sie wurden dadurch wesentlich erschwert, daß sie während der ungünstigsten Zeit des Jahres, in den strengsten Winter- wonaten, zu bewirken waren, und daß uns für ihre Durchs Führung nur drei größere Anm arschstraßen zu Eebote standen, welche natürlich bei der starten Inanspruchnahme und der Ungunst der Witterung alsbald in den denkbar schlechtesten Zustand gerieten und ständiger, hingebender Aus- kesseruagsarbeit bedurften. Nach Abschluß der Vorarbeiten War der Beginn des Angriffs auf den 12. Februar in Aussicht genommen. Die Witterung war indessen in dieser Zeit fezmäg ungünGg, daß her Angriff baa Tag zu Tag hraauS-
geschoben wurde, bis am 21. endlich die Witterungslage, obwohl nach immer recht fragwürdig, den
Beginn der Kampfhandlungen
gestattete. Diese wurden durch eine lebhafte Feuertätigkeit auf der ganzen Westftont eingebettet. Während der Feind alle seine Offensiven durch ein mehrtägiges Trommelfeuer zu eröffnen pflegte, das an der Somme sogar sieben Tage lang unsere Stellung mit einem Eisenorkan überschüttete, begnügten wir uns mit einer 24stündigen Beschießung, die nur in den letzten Stunden sich zum Troimnelfener steigerte. Am Nachmittag des 21. Februar erfolgte auf der ganzen in Aussicht genommenen Offensivfront von der RtaaS nördlich C o n - fenvoye bis in die Gegen!? von Azannes der Angriff, der unS noch am selben Abend in den Besitz der gesamten feindlichen Stellungen erster Linie brachte.
So konnte der eigentliche Angriff um folgenden Tage schon von der vorderen feindlichen Linie aus erfolgen. Der 22. Februar brachte uns in den Besitz des stark ausgebauten Dorfes H a u m o n t, des größten Teiles des C a u r e s - Waldes und des Herbebois. Am 23. erreichte unser Angriff, der sich durch ein mit allen modernen Hilfsmitteln der Feldbefestigungstechnik ausgebautes System von Gräben ureb Stützpunkten, zudem durch die von unserer Artillerie wüst zerschossenen Wälder hindurcharboiten mußte, bereits die Linie Samogneut - Beaumont - Gremilly. Am 24. sttetz der Angriff wett über die befohlenen Endziele vor und brachte uns wiederum namhaften Geländegewinn.
Die Einnahme der Pauzerseste und des Dorfes Douaumont.
Der 25. Februar wurde von entscheidender Bedeutung. Die allgemeine Linie, welche wir erreichten, wird durch die Dörfer Louvement und Bezonvaux gekennzeichnet. Über diese Linie hinaus stieß unser Angriff in der Mitte bis zur Panzerfestc Douaumont durch, welche von zwei Kompagnien des Infanterie-Regiments 24 genommen wurde, während unser Anlauf vor dem aufs stärkste befestigten und mit betonierten Unterständen und Zugangsstollen unterbauten Dorfe Douaumont zum Stehen kam. Nach mehrtägigen heftigen Kämpfen wurde am 2. März auch Dorf Douaumont genommen. Auf dem linken Flügel erreichte der Angriff der nördlichen Gruppe am 8. März das Dorf Baux und die südlich gelegene Panzerfeste: dieser Gewinn konnte allerdings noch nicht dauernd gehalten werden.
4.
Während die oben besprochene Gruppe von Angviffs- bandlunzen von der Linie Consenvoye-Azannes aus die Linie Champ-Donaumont gewann, richtete sich eine weitere selbständige Angriffshandlung von Etain, also von Nordosten her, auf die Höhe der Cöte Lorraine in allgemeiner Richtung auf d>e nordöstliche Kante des Fortgürtels. Der aus der Woevre-Ebene andringenden Nordostgruppe schlug von den Höhen der Cöte herab ein heftiges Artilleriefeuer entgegen und suchte ihr Vordringen zu hemmen. Trotzdem gelang es ihr, am 7. März die Franzosen aus F r e s n e s berauszuwerfen und am 9. März den Fewilla-Wald und die Weinbergshöhe 251 nordöstlich Damloup zu nehmen. Seit- dem hält sie den Fuß der Cöte bis Eparges fest in Händen und hat ihren Besitz ein Vierteljahr später noch drnrh die Erobern ng von Damloup erweitern können.
5.
Der erste große Vorstoß der Deutschen war sonach bis unmittelbar an den inneren Fortgürtel der Festung durchgedrungen und hatte die allgemeine Linie Champ-Louaumont-Feuilla-Wald-Biauzee-Combres erreicht.- Dieser große Erfolg rief eine seiner Bedeutung entsprechende sehr erhebliche
Gegenanstrengung des Feindes
hervor. Etwa seit dem 26. Februar begann diese sich geltend zu machen. Während aber unser Angriff sich bis dahin auf das O st u f e r der Maas beschränkt hatte, nahm die feindliche Gegenwirkung von vornherein ihren Ausgangspunkt von beiden Maasufern und machte sich ganz besonders in Gestalt einer Artillerieflankierung von dem bisher nicht in Mitleidenschaft gezogenen linken Maasufer ans geltend. Woll
ten wir die Errungenschaften auf dem rechten Waasufer behaupten, so ergab sich ine Notwendigkeit, unseren Angriff auch auf das w c it l i ch e Maasufer hinüberzuttayen. Demnach beschränkten -vir uns östlich der Maas für die nächste Zeit auf die Festhaltung und den Ausbau der gewonnenen Linie, und so nahm hier der Kampf zunächst wieder die alle Form des Stellungskriegs an. Auf dem linken Maasuser dagegen haben wir während der nächsten DUonate bis gegen Ende Mai unseren Angriff in zähem Vorwärtsdringen schritt- N-eise, doch ununterbrochen, vorwärts getragen. Im nachfolgenden sollen zunächst die Kämpfe des linken Maasufers im Zusammenhang bettachtet werden.
Das Gelände stellt hier eine von den Argomien her sich langsam zum MaaStal absenkende Hochfläche dar, deren Erhebungen, zum Teil von iveiten Wäldern bedeckt, zum Teil völlig kahl und wasserlos sind. In den flachen Senkungen sind eiine Anzahl Dörfer mit im kvesentlichen soliden Steinhäusern eingebelter. Die Wälder, die Höhen, die Dörfer boten der Verteidigung Stützpunkte, die mit allen Mitteln verstärkt worden waren und immer noch weiter verstärkt wurden. Ter Kampf um diese Punkte bildet den eigentlichen Inhalt des mörderischen Ringens, das sich hier fast ohne Unterbrechung in den Monaten März, April und Mai abspielte. Ihre Wegnahme durch die Angreifer bringt indessen in die Kampfhandlung zwar gewisse Abschnttte, aber doch keine sehr deutlich sich abhebende Gliederung, da jeder Geländegöwrnn die Franzosen zu sofortigen wütenden Gegenangriffen ver- anlaßse, so daß Erfolg und Verlust hin- und herschwankten. Mit diesem Vorbehalt seien im nachstehenden die Hauptmomente unseres Fortschreitens hervorgehoben.
Zunächst gelang am 6. März der Dtaasüdergang und die Einnahme der Dörfer Forges und Regnie- v : l l e. Dann warfen sich unsere Truppen mtt einer Rechtsschwenkung in die zusammenhängenden, hartnäckig verteidigten Dickichte des C u m i e r e s- und Raben Waldes hinein. Beide wurden bis zum 10. März gesäubert und gegen stürmisch anrennende Gegenangriffe gehalten. Schon vier Tage spater wurde die ganze, den Wäldern westlich vor- g-elagerte „Mo r t - H om me - Stel l u n g' genommen uni» trotz wütender Rückeroberungsversuche behauptet.
Und nun griff unser Vordringen noch werter westlich um jene zusammenhängende Gruppe fester Stellungen herum, welche die Dörfer Böthincourt, Waiancouvt und Houcourt zu Stützpunkten und hinter ihrer Mitte die Höhe 30 4 zum
