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Mittwoch, 25. Oktober 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 516. * 64. Jahrgang.
Die Züchtigung Rumäniens.
Es kommt immer anders, so dürften die Herren Bratianu und Genossen seufzen angesichts des planmäßigen, siegreichen, unaufhaltsamen Vormarsches der Deutschen und ihrer Verbündeten, angesichts des völligen Scheiterns der opferreichen stebenbürgischen Aktion, der katastrophalen rumänischen Niederlage in der Dobrudscha und vor allem angesichts des Falles von Constantza. Was hatten die Rumänen, als sie vor nicht ganz zwei Monaten uns treulos die verbriefte Freundschaft aufkündigten, uns nach italienischem Muster in den Rücken sielen, sich nicht von ihrem Eingreifen versprochen, was hatte der Vierverband nicht ihnen und sich zugleich von der Hilfe des kleinen Rumäniens versprochen! Aber was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe. ....
„Constantza ist genau acht Wochen nach der Kriegserklärung Rumäniens von deutschen und bulgarischen Truppen genommen", so konnte der deutsche Heeresbericht vom Montag verkünden, und er fügt hinzu, daß die verbündeten Truppen die Bahnlinie östlich von Murfatlar weit überschritten haben, kündet verheißungsvoll und vielsagend an: „Auf dem linken Flügel nähern wir uns Cernavod a." Constantza-Cernavoda, welche Erinnerungen knüpfen sich daran! Als am 26. September 1595 die berühmte Brücke von Cernavoda eröffnet wurde, verkündete König Carol in seiner Einweihungsrede: „Durch den Hafen von Constantza öffnet uns die Donaubrücke diese weite Straße, die in ungeahnter Weise unsere Handelsbeziehungen vervielfältigen und unsere niari- time Entwicklung sichern wird. Rurnänien, mit dem Schwarzen Meer vereinigt, fürchtet jetzt keinerlei weitere Hemmnisse seiner Entwicklung." — Aber Rumänien, mit dem.ViLrverband vereinigt und vom Schwarzen Meer getrennt, hat jetzt alles, zu fürchten und nichts zu hoffen!
Und werter. Zwei Jahrzehnte später fand in Constantza jener Besuch des Zaren statt, der (Ssasonow war auch mit von der Partie) bezweckte, Rumänien für die Einkreisungspolitik gegen Deutschland zu gewinnen. König Carol, der nicht nur Hohenzoller, sondern auch ein guter Rumäne war, verweigerte jenen Pakt, den erst sein Nachfolger, dieses Werkzeug in den Händen der Bratianu und der anderen bestochenen „Patrioten", unterfertigte. Jetzt ist das Werk der Einkreisung vollzogen, aber nicht Deutschland ist davon betroffen, sondern Rumänien muß nach seinen beiden Balkangenossen im Unglück, Serbien und Montenegro, daran glauben. Rumänien, d««^ doppelt so perfid wie Italien, doppelt so lange rüstete als jenes, nähert sich schon nach acht Wochen Krieg dem Zusammenbruch. Es wähnte, in krankhaftem Größenwahn befangen, die großen Brüder retten zu können, jetzt steht der Retter vergeblich die Russen, die ihn in den Krieg zogen, um Hilfe an. Der Himmel ist hoch und der Zar ist weit. Die kaltherzigen Briten aber ziehen bereits nüchtern die Bilanz: „Wenn der Widerstand Rumäniens im
Norden nachaibt, so schwinden auch alle auf das Eingreifen Rumäniens in den Krieg gesetzten Hoffnungen", so bemerkt der Militärkritiker des „Manchester Guardian". Was liegt den Briten an diesen weißen — Farbigen? Auch sie sind bezahlte Söldner!
Und der Widerstand gibt nach. Ec ist, nachdem die Rumänien, die etwa ein Drittel ihres Heeres eingebüßt haben, sich auch in den stark befestigten Stellungen an den Trajanswällen und der Bahnlinie Constantza- Cernavoda nicht mehr halten konnten, Hoffnung s- l o s. Und der Fall von Constantza muß auch die ver- trauensseliasten Rumänen über den bitteren Ernst der Lage aufklären. War doch der Hafen Constantza als Endpunkt der Bahn über Cernavoda nach Bukarest der wichtigste Küstenpunkt am Schwarzen Meer und zugleich der Haupthafen Rumäniens, der die Znfnhrlinie für die russischen Hilfstransporte darstellte und durch den die Landeshauptstadt Bukarest mit dem Meere verbunden war. Wenn auch setz! die Möglichkeit russischer Subsidien noch auf dem Wege über Jassi und über Basta nach der Norddobrudscha gegeben ist, so ist doch die Süddobrudscha von jeder Hilfe abgeschnitten.
In Bukare st aber, wo seht die Zufuhr vom Meere ausbleibt, wird man mit berechtigtem Schrecken der Weiteren militärischen Entwicklung der Dinge entgegen- Wjert, und dem bereits nmgehäuteten Kabinett Bratianu dürfte vor der furchtbaren Verantwortung, me es auf sich geladen hat, bange werden. Wenn die Macher in Bukarest halbweas gut beraten wären, wür- den sie jetzt, bevor sie das Schicksal Serbiens ereilt, füll wblich unterwerfen und, wie es der Ministerpräsident Voschitsch. der aber von den Russen gewaltsam daran Gehindert wurde, tun wollte, und wie es Montenegro Wnn Schluß getan hat, einen Frieden um jeden Preis erbitten. Aber sie sind wohl durch den
rollenden Rubel und Sterling allzu sehr gebunden, fürchten Wohl auch die Folgen ihrer nicht nur heimtückischen, sondern in Wahrheit vaterlandsverrätcri- schen Politik. Und so werden die wackeren, siegreichen Truppen Mackensens wohl auf rumänischem Boden auch noch das letzte Kapitel in die ehernen Tafeln der Geschichte einzeichnen müssen, das die Überschrift tragen wird: Rumäniens Ende.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
Auch südlich des Roten Turmpasses Fortschritte!
W. T B. Wien, 24. Oft. «Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 24. Oktober, mittags:
östlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Narl.
Österreichisch-ungarische und deutsch? Truppen nahmen nach erbitterten Kämpfen de» Ort P r e d e a l und machten 600 Man» Zu Gefangenen. Südlich des Roten Turmpasses macht unser Angriff Fortschritte.
lseeresfront des Gsneralfeldmarfchallr Prinz Leopold von Bayern.
Die Lage ist uuverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Au der k ü st e n l ä « d i s ch e n Front hält das italienische Geschütz- und Minenwerferfeucr an: namentlich an der K a r st h o ch f l ä ch e sind zeitweise heftige Artillerie- und Minenkämpfe im Gange.
Unsere Flieger belegten ein großes Trarnlagcr bei Savegna erfolgreich mit Bomben.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Au der Bojusa keine Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschallentnant.
Eine französische Betrachtung der militärischen Lage in Rumänien.
(Drahtbericht unseres I<r.-Sonderberichterstatters.)
Kr. Genf, 24. Cft. (zb.) „Eclair" meint in einer Besprechung der militärischer! Lage, General Berthelot müsse unbedingt die Verbindung durch die Moldau nach Betzarabicn aufrecht erhalten, auch falls die Walachei verloren gehe. Der Fall Constantzas bedeute zwar eine Katastrophe für Rumänien, aber noch keinen Zusammenbruch.
Bratianu wird bereits verantwortlich gemacht!
(Drahtbericht unseres dii.-Sonderberichterstatters.)
Ni. Sofia, 24. Okt. (zb.) Die rumänische Bevölkerung macht Bratianu für die Niederlagen des rumänischen Heeres und das völlige Versagen der russischen Hilfe verantwortlich. Der König soll erklärt haben, er sei von Bratianu rrrezeführt worden. Bratianus Stellung ist nunmehr unhaltbar geworden. Die Freunde Peter C a r p s verweisen darauf, daß es nunmehr jedermann klar sein müsse, daß die Schuld der Kriegshetzer Rumäniens offenbar sei.
Russische Geständnisse zur Überrcnnnng der Trajanslinie.
Lr. Karlsruhe, 24. Okt. iEig. Drahtbericht. zb.) Der Berichterstatter des „Rußkoje I Slowo" an der rumänischen Grenze drahtet, daß die rumänischen und russischen Kräfte in ihren Verteidigungsstellungen an den Trajansstellungen überrascht wurden. Der Feind habe fast unvermittelt mit einem über- wältiaenden Artilleriefeuer die rumänischen Stellungen überrascht, wobei der linke Flügel der Verteidigungslinie zuerst am schwersten gelitten. Einzelne Heeresteile gerieten durch den überraschend schnell einsetzenden und mit großer Wucht ausgefübrten gleichzeitigen Frontal-, Rücke i- und Flankenangriff des Feindes in Ve r w i r r .t n g, die zur Folge hatte, daß zwischen den Teilen des mittleren und des linken Flügels einerseits und zwischen denjenigen des mittleren und rechten Flügels andererseits die Verbindung unterbrochen wurde.
Rumänische Greueltaten gegen die Muselmanen in der Dobrudscha.
■ W. T.-B. Konstantinopel, 22. Okt. Zwei muselmanische Notabel» aus der Dobrudscha, die wie ein Wunder von dort entkommen und bierher gelangt sind, schildern die cmiiöien« teil Greueltaten, die von den Rumäneil nach den Niederlagen vonTutrakan und Dobritsch gegen die Muselmanen verübt norden sind. Sämtliche muselmanische Soldaten des
rumänischen Infanterie-Regiments wurden in Ven vor bersten Schützengrä Verum von Turrakmi postiert, mit
Maschinengewehren ■ bedroht und sodann buchstäblich niedergemäht. In Dobritsch wurden zahlreiche Greise. Frauen und Kinder hingemetzelt. Der von dem rumänischen Kommandanten nach der Niederlage erteilte allgemeine Niedermetzelungsbefehl wurde nicht vollständig auS- geführt, aber die ganze Bevölkerung mehrerer muselmanischer Dörfer getötet. Die Rumänen plünderten die Feld- fiuchtvorräte und stahlen Arbeitstiere. Auf Befehl dcr rumänischen Regierung wurden 7 muselmanische Notabel» von Constantza und 6 muselmanische angesehene Bürger von Medschidie. darunter ein Arzt, ein Professor, der türkische Vizekonsul und sein Bruder, und in Tuzla sämtliche Hodschas und andere Notabein unter Eskorte nach Bukarest verbracht und ihr Vermögen konfisziert. Die Armee von Constantza und Medschidie zeigten besondere Wildheit.
Zur Einnahme von Cobadinu und Topraisar
Br. Budapest, 24. Okt. (Gig. Drahtbericht. zb.) Der Sofioter „Az Eft"-Berichterstatter meldet- Cobadinu, der Mittelpunkt der feindlichen Verteidigungslinie, wurde durch Umgehung genommen. Der Ort war sehr stark befestigt. Noch stärker waren die feindlichen Stellungen bei Tropraisar, die geradezu uneinnehmbar erschienen. Der Feind fühlte sich hier ganz sicher. Mit Tropraisar fiel daher die ganze Verteidigungslinie von dort bis Rasova und der über einmonatige Widerstand des Feindes an dieser Linie war dadurch gebrochen.
Mn Sohn Peter Carps gefallen.
Der Kronstadter Berichterstatter des „A Rap" meldet, daß ein Sohn Peter Carps, Leutnant Aurel Carp, im Gyer- gyo-Gebirge vor einigen Tagen gefallen ist. Unsere Truppen bestatteten mit großem Pomp den Sohn des hervorragenden Freundes der Monarchie. An der Bestattung nahmen Generalität und Offizierkorps der in dieser Gegend im Kampf stehenden Infanteriedivisionen teil.
Die Freude in Ungarn.
W. T-B. Budapest, 24. Okt. (Drahtbericht.) «Sämtliche Blätter geben der freudigen Genugtuung über den Fall von Constantza Ausdruck. Der „Pester Lloyd" schreibt: Vor zwei Monaten ist die rumänische Arnree ausgezogen, um durch einen in der Geschichte beispiellosen Verrat ein Groß-Rumänien zu schaffen. Heute sind seine Armeen zum Teil vernichtet, zuni Teil entscheidend geschlagen. Aus dem rumänischen Angreifer ist ein in Not und Todesangst zitternder Verteidiger geworden, der nicht einmal mehr die Kraft aufbringt, den heimischen Boden er- folgrerch zu schützen. — „Pester Hirlap" schreibt: Con- stantza war der Augapfel Rumäniens. Der Fall dieses bedeutenden Zentrums bedeutet zugleich der Fall des erträumten Groß-Rumä niens und ein endgültiges Scheitern der russischen Anschläge auf Konstantinopel. — „Az Ujsag" schreibt: Der Fall von Constantza ist eine neuerliche Lehre für alle Balkanvölker, wohin sie durch blindes Vertrauen in die zarische Protektion und Hilfeleistung geraten. _
Der UsBootsKrieg.
Zahlreiche weitere Schiffe versenkt oder eingebracht.
Das menschenfreundliche Verhalten der deutschen
U-Boote gegen die Besatzungen. ,
W. T.-B. Bergen, 23. Oft. (Ritzausches Bureau.) Die Besatzung des englischen Dampfers „Nola" ist gestern hier eingetroffen. Sie teilte mit, ein deutsches U-Boot habe am Donnerstag nördlich von Vardoe die „Zola" versenkt, die von Cardiff nach Archangel mit Kohlen unterwegs gewesen ist. Die Mannschaft erhielt reichlich Zeit, um in die Boote zu gehen. Infolge Sturmes nahm das U-Boot die Rettungsboote ins Schlepptau und brachte sie in die Nähe »er Küste. Als das «Schlepptau riß, nahmen dre Deutschen die Engländer an Bord und lieferten sie später einem norwegischen Wachtschiff ab, das sie nach Vardoe brachte.
W. T.-B. Vardoe, 23. Okt. Von sechs Frachtdampfern, die gestern nach Archangel ausgesahren sind, kehrten vier hierher z u r ü ck, weil sie von U-Booten gesichtet worden waren. D'e Besatzungen teilen mit, daß sie gesehen Hülben, daß ein Fischdampfer versenkt wurde. Man fürchtet, daß die beiden nicht zurückgekehrten Dampfer versenkt worden sind.
W. T.-B. Christiania, 23. Okt. Der Dampfer „Secunda" von Haugesund (1512 Bruttoregistentmmen) ist versenkt worden. Der Dampfer „Edam" aus Christiania wurde nach Emden aufgebracht. Ebenso wurde der Dampfer „F j a l d l i" auS Bergen nach einem deutschen Hafen gebracht. Der Dampfer „Groenhaug" (667 Bruttoregistertonnen) wurde 100 Meilen von der englischen Küste versenkt. Das Schiff war von Goetheburg nach Hüll mit einer Ladung Eisen unterwegs und wurde bei Tagesanbruch von einem U-Boot angehalten. Die Mannschaft erhielt 2 Minute» Zeit zum Verlassen des Schiffes. Sie wurde später von dem norwegischen Dampfer „Losna" ausgenommen.
