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Verlag Laaggasse 21

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^mi»g«^iürdie M»r«en-«u-, Hl 3 Udr nuchmiiiu,« Berliner Abteilung des Wiesbabeuer TagilattS

13 Ausgaben.

Fernruf:

.,T«z»Inti»,«s" Nr. «Ü50 -58.

Särni 8 Uhr morgend bis 7 Uhr abends, außer Könnings,

äfUf : l“ f f9 ' f “ c ? vtli 5 e Anjeigen im „Arbeiidmarkt" und .«leiuer Aiijeiger" d!», in da»,n abweichender SaS-uSsndruna. sowie für -Le übrigen orriichen SSVSZ’ ”-***• '!£,??' «^»«^ 3 « anifi 9 y. l m für öriliche Reklamen-. S SRI. rüt auswärtige öteriomeit. ©anjf, halbe, bnttel unb viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Sei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlatz.

Constantza

Mackensen im Vormarsch auf Cernawoda!

Vas weitertoben der Somme-Schlacht.

Starke Angriffe der Engländer «nd Franzosen blutig abgewiesen, d, ~~ feindliche Flugzeuge abgeschlossen. Gänzliche Vertreibung der Russen vom Westufer der Narajowka.

Tagesbericht vom 23* Oktober.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

. Mit unverminderter Stärke ging gestern der gewal­tige Artilleriekampf auf dem Nordnfer der Somme werter.

Bom Nachmittag bis tief in die Nacht hinein griffen von Le «ars und Lesboeufs die Engländer, anschließend bis R a n e o u r t die Franzosen mit sehr starken Kräften an.

Unsere tapfere Infanterie, vortrefflich unterstützt durch dre Artillerie und Flieger, wies in ihren zufammengeschosse- »en Stellungen alle Angriffe blutig ab. Rur noch nordwestlich von Sailly ist der Franzose in einem schmalen Grabenrest der vordersten Linie beim Nachtangriff einge­drungen.

Südlich der Somme gelang am Bormittag unser B o r- stoß im Nordteile des Amboßwaldes, nördlich von Ehaulnes. Hente nacht ist dort befehlsgemäß unsere Ver­teidigung ohne Einwirkung des Feindes in eine östlich des Waldstückes vorbereitete Stellung verlegt worden.

Heeresgruppe Kronprinz.

Zwischen Argonnen und Woevre war das Artillerlefeuer -lebhaft.

Nahe der Küste, im Somme- und Maas-Gebiet sehr rege Fliegertätigkeit.

2 2 feindliche Flieger sind durch Lusttampf und Abwehrfeuer a b g e s ch o s s e n. 11 Flugzeuge liegen hinter nnseren Linien. Hauptmann Boelckc bezwang seinen 57. und 38., Lentnant Frankel den 14. Gegner im Luftkampf.

Flugzeuge des Feindes bewarfen Metz und Ortschaften in Lothringen mit Bomben. Militärischer Schaden ist nicht entstanden, wohl aber starben 5 Zivilpersonen und erkrankten 7 weitere infolge Einatmung der den Bomben entströmt--« Giftgase.

östlicher Kriegsschauplatz.

Krönt des Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern.

Außer zeitweiligem lebhaftem Feuer westlich von Luck und der jetzt durchgeführten gänzlichen Vertreibung der Russen vom Westufer der Narajowla keine beson­deren Ereignisse.

Krönt des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Kerne Änderung der Gesamtlage. Im P r r d c a l - P a ß machten wir 500 Rumänen, dabei 6 Offiziere, zu Gefangenen.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Trotz strömenden Regens, bei aufgeweichtrm Boden, haben in unermüdlich schnellem Nachdringe» die ver­bündeten Truppen in der Dobrndscha, vereinzelten Widerstand brechend, die Bahnlinie östlich von Murfatlar weit über­schritten.

C o n st a » tz a ist genau 8 Wochen nach der Kriegser- klärung Rnmäniens von deutschen mrd b n l g a ri scheu Truppen genommen.

Auf dem östlichen Flügel nähern wir »ns Cerna- woda.

Ein Marineflugzeug landete weit im Rücke« des zurückflutcnden Feindes, zerstörte 2 Flugzeuge am Boden und kehrte unversehrt zurück.

Mazedonische Krönt.

Im Cernabogen ist durch Angriff von deutschen und bulgarischen Truppen der Feind in die Vertei­digung gedrängt.

Östlich des W a r d a r scheiterte ein nächtlicher Vorstoß gegen die deutschen Stellungen.

Der erste Generalguartiermeister.

Ludendorff.

Oie militärische Lage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

Berlin, 23. Okt. (Eig. Drahtbericht.,zb.) Cvnstantza g^e u a m nt e n ! Ein deutsches Bataillon und bulgarische Truppen sind am gestrige» Sonntag in die rumänische Hafen­stadt am Schwarzen Meere eingczvgen. Die klassische Vcr- tcidigungsstrlle am engsten Dobrudscharaum, hinter dem be­rühmten z.rajansval, von den Rumänen schon im Frieden aufs stärkste ausgebaut, wurde unter Mackensen durch­schlagen, der Feind wurde über den Haufen geworfen, die siegreichen Trupe» rücken vor. Die Verfolgung auf dem öst­lichen Teile ist in vollem Gange. Ein Erfolg von größ- terBedeutung wurde erstritten. Noch ist die Beute nicht gezählt, aber wir dürfen diesmal annehmcn, daß hier ansehn­liche Ziffern genannt werden. Als Mackensen seine unver- geffene Meldung von dem „entscheidenden Siege" nördlich Dobritsch erstattet hatte, besagten militärische Kommentare, daß in den Augen des Feldmarschalls das Wort „entscheidend" den Sinn hatte, daß strategisch auf dem Kriegsschauplatz die Wendung zu unseren Gunsten eingetreten und als unabänderlich zu betrachten sei, auch wenn damals noch keine besondere große Gefangenen- und Kanonenzissern nnzugeben waren. Der geschlagene Feind vermochte sich aus die schon sehr stark befestigte Stellung Rasova-Copadinu-Tuzla zurückzuziehen. Inzwischen schickten die Rüsten zu Schiss Ver­stärkungen und warfen die Rumänen selbst noch ans dem Norden eiligst Hilfskräfte heran. Man tonnte auf deutsch- bulgarischer Seite sagen: Um so besser! denn was der Feind auch hier noch ansammeln mochte, war der Vernichtung ansgesetzt. Unsere Fluggeschwader zerstörten mit Bomben­würfen die große Donaubrücke bei Cernawoda und machte« sic zum wenigsten gebranchsunfähig. So wurde schon die direkte Verbindung mit Bukarest sehr erschwert. Dann erfolgte» fast täglich Luftangriffe und U n t e rs e e b v o ts a tta cken auf den Hasen von Con­sta n tz a, wo nach russischen Berichten großer Schaden ge­stiftet „nd ruinschen Kriegs- wie Truppentransportschisfen übel mitgespielt wurde. Ans dem feinen rumänischen See­bad flohen die vornehmen Bukarester Gesellschaften; der Ge­treidehafen war bald verwaist. In größerem Umfange wurde die Räumung der Stadt von der Bevölkerung angeordnet, Wochen hindurch schwankten die Kümpfe in den Vorfeldstellun­gen hin und her. Mitunter rühmten sich die Rumänen, deck. Feind etwas nach Süden znrückgedräugt zu haben. Hier aber wußte man, daß diesen Gefechten keine zu große Be­deutung beizumeffe» war, und daß nach Mvckensenschcr Art alles großzügig für eine» entscheidenden Schlag vor­bereitet würde. Dieser Schlag wurde am 18. und 10. Oktober e i » g e l e i t c t. Nach gründlicher Artillerievorbereitung wurde zum Angriff vorgegangen, zunächst das am Küstensee im engen Winkel liegende T u z l a genommen, dann die große Linie Rasova-Copadinu-Tuzla überschritten, am 21. und 22. Oktober wurden die stärksten Berteidigungspunkte T o p r a i s a r und C o p a d i n u sturmreif gemacht und ge­nommen und vom rechten Flügel in schneidigem Vorstoß die letzte Wegstrecke nach dem befestigte» Constantza etwa 10 Kilometer forciert. Allem Anschein nach erwartete der Feind de» Hauptstoß nicht im Osten, sondern wie bei Tutra- kan und Silistria an der Donau in der Richtung aus die Festung Cernawoda oder in der Mitte der Bahnstrecke, in der Richtung auf die wichtige Stadt M e g i b i a. Nunmehr ist eine der Lebensadern Rumäniens durch- schnitte n. Es bleiben ihi» die Zufuhrwege über G a l a tz und über Jassy. Aber beide Wege sind für Massenbeförde­rungen wenig tauglich, liegen der Hauptstadt Bukarest ferner, stehen auch mit ihr in keiner direkten Bahnverbindung: das rumänische Verkehrsnetz richtet sich gen Norden; erst über das nördlich von der Hauptstadt gelegene P l ö s c i geht eine Bahn in weitgeschweiftem Bogen nach Jassy und eine zweite, ab­zweigend bei Buslu, nach Galatz. Es springt in die Augen, daß die Wegnahme von Constantza Rumänien wirtschaft­lich schon sehr schwer, militärisch noch schwerer trifft. Es ist ein Sieg von einer Bedeutung, der, wie die „Petersburger Börsenzeitnng" in größter Voraussicht sagte, sich auf den anderen Fronten fühlbar machen dürfte.

Weiter bringt uns der Tag aus dem Osten einen schönen Erfolg. Der gestrige Hauptbcricht meldete, daß die deutschen Truppen unter General v. Gerok in einheitlichem Angriff zwischen S w i st e l n i k i und Skomorochy Nowe die Russen erneut warfen und daß nur noch ein kleines Geländc- siück auf dem Westnfer der Narajowka im Besitz des Gegners blieb. Auch dieses Stück ist noch gestern vom Feinde gesäubert worden, sodaß jetzt kein Feind mehr westlich der Narajowka steht. Wärmeres Wetter trat ein, auch in den Karpathen, wo es regnet.

Über die Lage in Siebe nb ü r g e n nichts Neues. Im Anslande wurde behauptet, General von Falkenhayu wäre vorläufig ausgeschiedeu. da er sich den Fuß verstaucht habe. A« dieser Nachricht ist kein wahres Wort.

Aus dem Westen wurde während der letzten Tage von starker Feuertätigkeit berichtet, sie nahm gestern an der Küste bei Biaches-Maisonnettes und auf dem Ostufer der Maas noch zu und war besonders stark gegen S r r r e - St. P i e r r e - B a a st - W a l d. Ein heftiger Angriff er­folgte gegen die Linie Le Sars-Grandcourt, wurde aber trotz mehrfacher Wiederholung abgewiesen. In der Ge­gend von Lille wurde rege Fliegrrtätigkcit beobachtet. Ein französisches Flugzeug wurde im Abschnitt von Arras hinter unseren Linien abgeschoffen, ein anderes in der Gegend von Somme-Pie yernntergeholt.

Die Ermordung der Grafen Stürgkh.

Das ruchlose Attentat des „Kampst'-Radikalisten Adler gibt dem feindlichen Ausland natürlich wieder den willkommenen Anlaß, vom politischen Zusammen­bruch unseres österreich-ungarischen Verbündeten zu reden. Eine der beliebtesten Redensarten war ja stets die von Österreichs Zerfall, von seiner inneren Not und Gefahr, bis das große Wunder der kriegerischen Er­hebung und unerschütterlichen Einheit nach außen den Gegnern den Mund stopfte. Aber im Innern frißt doch der Wurm, werden fte jetzt angesichts der Bahre des Grafen Stürgkh frohlockend verkünden. Dagegen ist vom Standpunkt ruhiger Sachlichkeit zu erwidern, daß die Wiener Mordtat keinesfalls, aus dem österreichischen N a ti o n al i tä t e n k o n f l i kt geboren wurde, also mit dcni „Zerfallsproblem" der Donaumonarchie gar nichts zu tun hat. Der Atten­täter verspricht, wohl um sich besonders interessant zu machen, seine Begründungen erst für die Stunde der Gerichtsverhandlung, aber aus seiner Peilönlichkeit, seiner Herkunft, seinem bisherigen Wirken und Ver­halten heraus ergibt sich alles zur Erklärung des Ver­brechens Nötige. Die Ermordung Stünchhs sollte zu- nächst ganz äußerlich die Rache dafür sein, daß der österreichische Ministerpräsident mit der Einbe­rufung der Delegationen oder ' doch des Reichsrats zögerte und überhaupt grundsätzlich dw P a r l a m e n t s t ä t i g k c i t, solange der Krieg tobt, möglichst zu beschränken such te. Aber der Urgrund, aus deni der Fanatiker Adler seinen Haß und serueu Entschluß zur Tat schöpfte, liegt dock tiefer und seelisch verwickelter. Dr. Friedrich Adler — die aka­demische Würde stammt von physikalischen, nicht von juristischen odxr politischen Studien her — hat als Sohn des. ehemaligen Arztes und Sozialistenführers Dr. Viktor Adler die sozialistische Weltanschaunna schon m der .Kinderstube in sich ausgenommen. Aber während man dem Vater die Anerkennung eines be­sonnenen und vorsichtigen Politikers nicht versagen kann, bietet sich in dem Sohn das abstoßende Bild eines in groteskem Radikalismus verzerrte,'. Eiferers und Ehrgeizlings. , Die Ähnlichkeit mit der Dynastie Liebknechts drängt sich unabweisbar auf: Der Vater eine starke, auch dem volitischen Gegner sympathische Persönlichkeit mit übersichtlichem Hori­zont und bei aller Schärfe großem Verantwortlichkeits­gefühl, der Sohn ein wirrer Hitzkopf ohne B e h e r r- schung und Gewissen. Tatsächlich gehört Dr. Friedrich Adler zum radikalen Flügel der österrechi- schen sozialdemokratischen Partei und stand in der Dis­kussion, die sich in der letzten Zeit über die Haltung der deutschen Sozialdemokraten auch in der österreichischen Presse entsponnen hat, auf seiten der Haase-Licbknecht- Richtung. Mit seinem Vater und dessen Gesinnungs­genossen lebte er in Unfrieden und Widerspruch. Aber es bleibt die für seinen Vater und die Pratei peinliche Tatsache bestehen, daß der Mutterleib, in dem sich der politische Charakter des Attentäters entwickelte, die Sozialdemokratie war. Der Sozialismus als Partei steht während des Krieges unter dem Schutze des Burg- friedens wie jede andere Gruppe, solange sie fest zum Vaterlande hält. Der fanatische Radikalis­mus, der mitten im Kampfe um alles der Regierung meuchlings in den Rücken sticht, ist nicht geschützt, soll und darf cs nicht sein, so wenig wie der Anarchis­mus, der sich bewußt abseits von Recht und Ordnung stellt. Und deshalb muß das Verbrechen Adlers des Jüngeren als politische Äußerung beleuchtet und ge­brandmarkt werden. Ein Wort Treitschkes über das Attentat des Bürgermeisters Tschech aus Friedrich Wilhelm IV. fällt uns ein, das nierkwürdig aut auf Adlers abscheuliche Tat paßt: „Aus ihr redet dieselbe freche, jede Obrigkeit, jede gegebene Ordnung des Menschenlebens verachtende subjektive Überhebung, dir sich seit den Zeiten der Jakobiner und der Unbedingten in allen Wandlungen des modernen RadikaÜSmns be-