Verlag Langgafse 21
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Montag. 23. Oktober 1916. IslvvgeN-KUZgab^. Ur. SI2. . 64. Jahrgang.
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Die starken Stützpunkte Topraisar und Lobadin« erobert.
Auch an der sirbenbürgischen Grenze weitere Erfolge über die Rumänen.
Erbitterter Zortgang der Sommeschlacht.
Die Nüssen an der Narajowka erneut geworfen.
Über 750 Gefangene.
Tagesbericht vom 22s Oktober.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 22. Oft. (Amtlich.) ., , .
Westlicher Kriegsschauplatz.
$ront des Generalfeldmarschalls Kronprinz Nupprecht von Bayern.
Die Sommeschlacht wird mit Erbitterung fortgesetzt. Beiderseitige stärkste Entfaltung artlllcristlscher Mittel gab auch gestern vornehmlich auf dem Nordufer das
&t Knmclfeuer auf Gräben und Hintergclände leiteten englische Angriffe rin, die von der Ancrc \\9 Courcelette und beiderseits von Gucudeconrt in oft wiederholtem Ansturm vorbrachen. Unter dem rücksichtslosen Menscheneinsatz entsprechenden Opfern ge- lang es dem Gegner, in Rlchtnng Grandcourt-Phs Boden zu gewinnen; bei Gncudecourt wurde er abge-
^^Heftiae Kämpfe bei Sailly blieben ohne Erfolg für die Franzosen.
Südlich der Somme brachte ein Gegenstoß uns m den Besitz einer Anzahl kürzlich verlorener Graben zwischen Biaches und La Maisonnrtte: wir nahmen den Franzosen hier 3 Offiziere, 172 Mann und fünf Maschinengewehre ab.
In den Waldstücken nördlich von Chaulnes wird seit gestern abend erneut gekämpft.
Front des deutschen Kronprinzen.
An der Maas hält das lebhafte Artilleriefeuer an.
östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Vor der Mitte der Heeresgruppe des Generalobersten v. Woprsch und westlich von Luck steigerte sich in einzelnen Abschnitten die beiderseitige Feuertatrg-
Vorfeldkämpfe westlich der oberen Strypa verliefen für uns günstig.
Unter Führung des Generals der Infanterie von Gerok haben deutsche Truppen nach räumlich eng begrenzten erfolgreichen Vorstößen der letzten Tage in einheitlichem Angriff zwischen Swistelntkl-Skomorochy- Rowo den Feind erneut geworfen; nur ein kleines Ge- ländestück auf dem Westnfer der Narasowka ist noch un Besitz des Gegners; seine zwecklosen Gegenstoße scheiterten. Er hatte schwere blutige Verluste. Wrr machten 8 Offiziere und 745 Mann zu Gefangenen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Trotz zäher Verteidigung der Zugänge ihres Landes sind rumänische Truppen an mehreren Stelle» geworfen worden; den bereits erstrittenen Gelandegewmn konnten uns Gegenstöße nicht entreißen.
Balkan - Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarfchallr von Mackensen.
Die am 19. Oktober begonnene Schlacht in der Dobrudscha ist zu unseren Gunsten entschieden; der russisch-rumänische Gegner ist nach schweren Verlusten auf der ganzen Front aus seinen schon im Frieden ausgebauten Stellunaen geworfen; die starken Stützpunkte Topraisar und Cobadinu sind genommen. Die verbü». deten Truppe« verfolgen.
Mazedonische Front.
Die Kämpfe im Cernaboqen sind noch nicht abge- schlofle«; deutsche Truppen haben dort eingegriffen.
Der erste Generalquartrermeister: Lndendorsj.
Die amtlichen bulgarischen Berichte. Die Beute bei der siegreichen Dobrudscha» schlacht. — Der rechte bulgarische Flügel vor Constantza.
W.T.-B. Sofia, 21. Oft. Amtlicher Bericht.
Mazedonische Front: Im Abschnitt Dorf
Mezdjeli und Eisenbahn Bitolra (Monastrr)-Lorm (Florina) Artillerietätigkeit. Der von unseren Truppen unternommene Gegenangriff im Cer na- Bogen entwickelt sich erfolgreich. Der Kampf dauert an. Im M o g l e n i c a - T a l ist dir Lage unverändert und nichts von Bedeutung zu melden. Auf beiden Seiten des War dar vereinzelte Kanonenschüsse. Am Fuße der Belasica-Planina Ruhe. An der Struma-^ront lebhafte Tätigkeit. Elne Erkundungsabteilung der feindlichen Artillerie beschoß mehrere bewohnte Orte vor unserer Front und setzte das Dorf Barakid Dschumaja in Brand. Unsere Artillerie zersprenqte bedeutende feindliche Trupps, die an dem Brückenkopf von Eniköj arbeiteten.
An der ägäischen K ü st e die gewöhnliche Kreuzfahrt. ,
Rumänische Front: Längs der Donau Ruhe. In der Dobrudscha fanden am 19. und 20. Oktober ziemlich ernste Kämpfe statt. Alle borge- schobenen Stellungen des Feindes und ein seiner Hauptstelluna sind in unserem Be- sitz. Wir nahmen bisher 24 Offiziere und über 3500 Mann gesanaen. Außerdem erbeuteten wir 2 G e- schütze, 5Munitionswagen, 22 Maschinengewehre und einen Minrnwerser. *
An der Küste des Schwarzen Meeres beschoß ein feindliches Schiff die Stadt Mangalia.
W.T.-B. Sofia, 22. Oft. (Drahtbericht.) Amtlicher Heeresbericht.
Mazedonische Front: Keine Änderung der
Lage. Zwischen dem Prespa-See und der Cerna starkes Artilleriefeuer Im Cerna-Bogen entwickelte sich der von uns unternommene Gegenanariff erfolgreich. Wir schluaen einen schwachen Angriff gegen das Dorf Tornoval ab. . .
Fm M o g l c n i e a - T a l „nd auf beiden Seite« des War dar schwaches Artilleriekeuer. Am Fuß der Belasica-Blanina „nd an der Strnmafront ftellen- weikes schwaches Geschützfeurr und Gefechte zwischen Ausklärunasabteilunaen.
An der ägäischen Küste beschoß der Fcmd die Höbe bei Orfano nnd Leftera.
Rumänische Front: An der Donansront bei Kladova und Silistria Beschießung von beiden Seite«. Fn der Dobrudscha brachen wir endgültig den Widerstand des Feindes ans seiner Hauptstellnnq. Die star^ bekesti-ten Hanvtviinkte Eobadinu und Topraisar sind in unserem Bests. Der Feind erlitt bei seiner Niederlaae schwere Verluste nnd befindet sich in vollem Rückzuo. Unsere Truppen versol- aen ihn. Unser rechter Flügel besäte das ^D"rs Tekiraiol und kani bis etwa 10 Kilometer südlich von Constantzn. Die bisher einnebrachte Beute beträ-t 8 Kanonen, 20 Maschinengewehre «nd viel anderes Kriensmaterial. Wir machte« noch 200 weitere Ge- fanaene. , .
An der Küste des Schwarzen Meeres Ruhe.
Rach dev Befreiung Siebenbürgens.
W. T.-B. Budapest. 22. Oft. (Drahtbericht.) Mit Rücksicht darauf, daß der grösst- Teil Siebenbürgens wieder vollkommen vom Feinde aesäubert ist, wird der Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Armeeoberkommando in den nächsten Tagen die Heimbeförderung der flüchtigen Bewohner in die einzelnen Orte in einem Erlaß anordnen.
Amerikas Neutralität im Krieg gegen Rumänien.
W.T.-B. Wien, 21. Okt. Wie die „Pol. Korrespondenz" meldet, brachte der amerikanische Botschafter P e n f i e l d mit einer Verbalnote vom 19. Oktober dem Ministerium eine cm 18. Oktober erlassene Proklamation zur Kenntnis, mittels deren die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Neu- tralität gegenüber dem Kriege zwischen Österreich-llngarn und Rumänien verkünden.
Die französische Militärmisiion in Rumänien.
W. T.-B. Amsterdam, 21. Okt. Di« „Times" meldet aus B u k a r e >t: Der französische General B e r t h e l o t besuchte am 20. Oktober den König und reiste darauf mit den anderen französischen Offizieren noch der Front.
Die Ermordung de; Grafen Stürgkh.
weitere Einzelheiten über den Hergang der Tat.
Eine gewisse Ankündigung des Attentats.
Br. Wien, 22. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Es werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt, aus denen hervorgeht, daß Dr. Friedrich Adler das Attentat auf den Grafen Stürgkh bereits plante, ehe er mit diesem im Hotel Meißl und Schaden zusammentraf. Friedrich Adler stand bekanntlich in heftiger Opposition zur Parteileitung der österreichischen Sozialdemokratie. Dies kam am Samstagvormittag, also am Tage der Tat, wieder in einer Vertrauensmänner- bersammlung zum Ausdruck. Er griff die Leitung sehr heftig an und erklärte, die Partei werde nach dem Kriege die Führer für ihr Schweigen verantwortlich machen. Man müsse Kundgebungen veranstalten. Die übrigen Vertrauensmänner bekämpften seine Auffassung, worauf er erregt auf den Tisch schlug und das Zimmer mit den Worten verließ: „Wenn ihr nicht wißt, was zu geschehen hat, ich weiß es!" Jetzt kann man hi-ein eine Ankündigung seines Attentats sehen. In diesem Augenblick legte man jedoch seinen Worten keine Bedeutung bei, da man an derartig Ausdrücke des exaltierten Mannes gewöhnt war und Adler gerade in der letzten Zeit überaus nervös und aufgeregt war nnd wiederholt stürmische Szenen bei Parteiberatungen provozierte.
Die bisherige Vernehmung des Mörders.
Br. Wien, 22. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Mörder des Grafen Stürgkh gab bei seiner bisherigen Vernehmung nur an, daß er die Tat aus politischen Motiven verübt habe und sich ihrer Tragweite vollkommen bewußt sei. Graf Stürgkh sei ein Schädling gewesen und hätte daher fortgeschafft werden müssen. Er habe immer gegen ihn einen mächtigen Groll gehabt nnd behauptete stets, daß er ein schlechter Politiker sei. Stürgkh hätte sterben müssen. ErbereueseineTatnichtimgeringsten und werde sie schon zu verantworten wissen: Am meisten sei seine Tat beeinflußt gewesen durch das Verbot der für den Sonntag angesetzten Versammlung, denn dieses Verbot habe dem Faß den Boden ansgeschlagen. Dr. Friedrich Adler machte bei seinen Aussagen den Eindruck eines politischen Fanatikers, der selbst seine Mordtat nur vom ideellen Standpunkt aus betrachtet. Es muß hervorgehoben werden, daß Dr. Adler in der letzten Zeit eine überaus nervöse Gereiztheit zur Schau trug. Sein Benehmen war exaltiert.
Der Bericht eines Augenzeugen.
W. T.-B. Wien, 21. Okt. über den Revolveranschlag ans den Grafen Stürgkh erfährt die „Wiener Allg. Ztg." von einem Augenzeugen folgende Einzelheiten: Graf Stürgkh saß. wie alltäglich, in dem Spnsesaal des Hotel Meißl und Schaden m Gesellschaft des Statthalters Grafen Toggenburg sowie des Barons Aehrenthal, des Bruders des verstorbenen Ministers des Äußern. Die Herren hatten ihr- Mahlzeit gerade beendet, als der Wiener Schriftsteller Friedrich Adler, der drei Tische entfernt saß, plötzlich aufstaud, drei Schritte vorwärts ans den Tisch, wo der Graf saß, zuging und drei Revolverschüffe abfeuerte. Graf Stürgkh sank sofort tot zusammen. Graf Toggenburg drang mit einem Sessel auf den Täter ein. Der Oberkellner versuchte, Adler den Revolver zu entwenden. Dabei gingen zwei «eitere Schüsse los, von denen einer den Kellner, der andere Baron Aehrenthal leicht am Fuße verletzten, Baron Aehrenthal fing den Grafen Stürgkh auf. Als die Schüsse fielen, stürzten sofort anwesende deutsche und österreichisch-ungarische Offiziere auf den Täter und zogen ihre Säbel. Ter Täter gab seinen Namen an und sagte: „Ich litte, meine Herren, ich weiß, was ich getan. Ich lasse mich ruhig verhaften." Auf die Frage eines Offiziers, warum ec dies getan habe, antwortete er: „Das werde ich vor Gericht reibst zu verantworten haben." Der eingetroffene Jnsp-ktions- arzt der Rettungsgesellschaft konnte nur noch den Eintritt des Todes bei dem Grafen feststellen. Wenige Minuten später trafen der Leiter des Ministeriums des Innern, Statthalter Bleyleben, Landmarschall Prinz Lichtenstein und Polizeipräsident Gorup am Sckauvlatz der Tat ein. Der Täter wurde verhaftet und in das Sicherheitsbnreau geschafft.
Die Aufbahrnnq der Leiche.
W. T.-B. Wien, 21. Ott. Die Leiche des Grafen Stürgkh »ourde in das Gebäude des Ministerpräsidenten verbracht und dort aufgebahrt. Der M i n i ft e r r a t, der für heute nach- mittag 4 Uhr einberufen war. versammelte sich unter dem Eindruck deS traurigen Ereignisses und hielt eine kurze Beratung ab. K a i s e r F r a,l z I o s e p h wurde das Ereignis kurz nach Bekauntwerden nach Schöubrunn gemeldet.
