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Nr. 246.

) Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts.!

Kreitag, 20. Oktober.

18 . gortsetzuns-t

Wenn die Blätter fallen.

Ronnrn von Han» von velgard.

! (Nachdruck verbot««.)

Alle Oldens dienten nun schon seit Bestehen dieses Regimentes in demselben, und nie wäre einem Olden der Gedanke gekommen, in einem anderen billigeren Regiments einzutreten oder gar Infanterie oder Ar­tillerie zu wählen — nein, der Kavallerietick vererbte

6 h von Generation zu Generation, gleichwie die vielen orgen und die große Liebe zur Heimatscholle.

Claus Olden als einziges Kind dünkte sich im Be­sitze von Oldenshöhe nach den knappen sorgenvollen Leutnantsjahren so reich und unabhängig, daß er frisch und fröhlich um seine Marie-Luise , das Regiments­töchterlein der H'er Kürassiere, warb und sie strahlend zur Herrin von Oldenshöhe machte.

Und besaß Marie-Lmse auch keinen roten Heller, so hatte sie dafür ein goldenes Gemüt und ein Herz so voll von Liebe und frauenhafter Wärme, genug, um ein langes Leben reich und warm und glücklich zu ge­stalten.

So bereute Baron Olden es niemals, nur seinem Herzen gefolgt zu sein, und nicht nur er und ihre bei­den Söhne Claus und Werner wußten, daß an ihrem mütterlichen Herzen Rat und Beistand in jeder Lebens­lage zu finden, sondern auch die Leute des Dorfes fan­den bald den Weg zu ihr mit ihren großen und kleinen Sorgen, und ihre verarbeiteten, vor der Zeit gealter­ten Gesichter strahlten, wenn sie von „uns' gnä' Fruke" sprachen.

Ganz besonders aber schlossen sich die vier mutter­losen Kinder des Oberförsters von Malten an sie an, und mit all ihren kleinen Leiden und Freuden wand- ten sich diese im eigenen Hause ziemlich wild und unbe­aufsichtigt Heranwachsenden Kinder an das weiche mütterliche Herz der Herrin von Oldenshöhe..

Oberförster von Malten war ein ernster, vor der Zeit gealterter Mann, dem nur wenige Blumen auf seinem harten Lebenswege sproßten.

Aus armer, kinderreicher Familie stammend, hatte er mühsam unter vielen Entbehrungen sein Ziel, Ober­förster zu werden, erreicht, und trotz des knappen Ge­haltes heiratete er sofort nach seiner Anstellung seine Jugendliebe, ebenso arm wie er, und auch ebenso wie er schon in der Blüte des Lebens durch die Sorgen und Mühen des Alltags geknickt.

Dennoch war es eine schöne Zeit, die Zeit seines nur acht Jahre währenden Eheglücks, denn gab es auch keine strahlende Sonne, so doch auch wenig Schatten.

Als dann die stille, sanfte Frau die Alleen für Lmmer schloß, da merkte Malte Malten erst, wre schön Doch die gleichmäßig freundliche Wärme seines häus­lichen Glückes gewesen, und wie im Innern erstarrt, Aog er sich ganz in sich zurück, ein menschenscheuer, ^melancholischer Mann. Seine Kinder waren ihm und kr war ihnen kein Trost. Mit tiefem Bedauern emp­fand er selbst, wie wenig Anziehendes er für liebe- chedürftige Kinderherzen besaß, und selbst seine kargen Liebkosungen hatten in ihrer herben Art mehr Zurück­schreckendes als Anlockendes für die Kleinen.

Da war es denn für alle ein Glückszufall, daß ein halbes Jahr nach dem Tode seiner Frau seine Der- setzung in eine größere bessere Oberförsterei erfolgte, die m der Nähe von Oldenshöhe gelegen.

Als da Marie-Luise zum ersten Male die vier ver­lassenen verschüchterten Kinder sah, die in ihren mehr als einfachen schwarzen Kitteln still und ernst im ober- försterlichen Garten spielten, erfaßte sie ein großes Mitleid. '

Kinder und Blüten brauchen Ruhe und Stille, um sich zu entwickeln, doch auch viel Liebe und Wärme, um sich voll zu entfalten.

Darum entzog sie die scheuen Waldvögel, wie sie sie scherzend nannte, der kalten Einsamkeit, langsam und zart, und bald kam auch der Frohsinn über die schüch- ternen Kinder.

Sie tummelten sich um die Wett? mit den beide» lustigen Söhnen von Oldenshöhe, und wenn sie von „zu Hause" sprachen, so meinten sie damit das alte, von wilden Wein und Kletterrosen umrankte Herrenhaus mit seinem altmodischen Garten, in dem man nach Herzenslust auch über den Rasen laufen durfte.

Und auch Frau. Marie-Luise hatte die Kinder so warm und vollständig an ihr Herz genommen, daß sie lächelnd nur von ihren „Sechsen" sprach.

Damals, zu der Zeit ihrer ersten Bekanntschaft, waren die Maltenschen Söhne Hans Malte und Hans Magnus sieben und sechs Jahre, in demselben Alter wie Claus und Werner Olden, während die kleinen Mädchen Maltrarit und Erika vier und drei Jahre zählten.

Die Zeit ging dahin, Jahr reihte sich an Jahr, und es war fast kein Tag, den die Kinder nicht gemeinsam verlebten. Bald hatten sich zwei Parteien unter ihnen gebildet, und ging es bei dem älteren Kleeblatt, das aus Waltraut Hans Malte und Claus bestand, meistens ziemlich ruhig und sittsam her, so tobten die „Kleinen" um so toller, und manch übermütiger Streich wurde von ihnen ausgeführt.

Doch niemals hätten die Knaben den gestrengen Vätern .gegenüber Klein-Erikas Mitschuld zugegeben, als echte kleine Ritter nahmen sie stets alles auf sich.

Doch wenn diese zuweilen auch fast stolz ihre Mit­wirkung bei den tollen Streichen bekannte, so streng, fast hart Oberförster von Malten nrit seinen Söhnen, so weich, fast zart war er seincrb kleinen Mädchen gegen­über, und fast niemals hatte er ein tadelndes Wort für diese.

So wuchsen dieselben heran, frei wie die Blumen des Waldes, und wenn nicht Mutter Marie-Luise als gute Gärtnerin mit weicher, milder Hand die jungen Pflänzchen gezogen und ihnen die feste Richtung ge­wiesen, dann wäre vielleicht ein böseS Unkraut aus den so lieblich erblühenden Knospen geworden.

So gingen mehrere Jahr w treuer t Fpnmdschafk dabin.