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Donnerstag, 19» Oktober 191b.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 305. . 64. Jahrgang.
Wieder ein erfolgreicher Großkampftag an der Somme.
Vereitelung eines englisch-französischen Durchbruchs» ersuchs.
Angriffe russischer Gardetruppen bei Budno abgewiesen.
Tagesbericht vom 19s Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Ottober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Nördlich der Somme gestern wieder ein erfolgreicher Großkampftag!
In schwerem Ringen ist ein neuer Durchbruchsversuch der Engländer zwischen Le SarS und Morval n e r e i t e l t worden. Ihre Angriffe, die dort vom Morgengrauen bis znm Mittag gegen unsere zähe verteidigten, im Nahkampf gehaltenen oder durch Gegenstoß wieder genommenen Stellungen geführt wurden, sind zum Teil schon in unserem starken» gut geleiteten Artilleriefeucr gescheitert.
Unbedeutender Geländegewinn der Engländer nördlich von Eancourt-L'Abbay und Guevdecourt, der Franzosen in S a i l I y und auf dem südlichen Ufer der Somme zwischen Vieches und La Maisonnette bei einem Angriff in de» Abendstunden gleichen die schweren blutigen Verluste der Gegner nicht ans.
Lstlicher Kriegsschauplatz.
Zront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Nördlich von S i n i» w k a wnrden feindliche Gräben auf dem Weftnfer de« Stochob genommen, bei B u d n o w Angriffe russischer Gardetruppen verlustreich für den Gegner abgewiefen.
Zront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Au den Päffen über die rumänische Grenze sind erfolgreiche Kämpfe im Gange.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Bei der
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen
keine besonderen Ereiguiffe.
Mazedonische Front.
An der C e r n a haben sich neue Kämpfe entwickelt.
Der erste Generalgnartiermeister: Ludendorff.
In
Der Kaiser in der Champagne.
VouzierS, 18. Okt. Prof. Wegener, der .Kriegsberichter
statter der „Köln. Ztg.", drahtet von hier: Vouziers erwartet den Besuch des Kaisers. Äußerlich erscheint der kleine Ort fast unverändert, seit ich vor einem Jahre während der großen Champagne-Offensive der Franzosen längere Zeit hier berweilte. Nur durchwehte ihn damals der glühende Atem her furchtbaren Schlacht. Tagsaus, tagein scholl der Donner des Trommelfeuers von der nahen Front herüber; unablässig raffelten die langen Züge der Lastkraftwagen durch die Straßen; leichte und schwere Batterien, Regimeiper zogen nach vorn, mit Laub geschmückt uird singend- Andere kamen von dort, bedeckt mit Staub und Kreideschlamm, flammend noch in der Glut des eben bestandenen Kampfes, erfervoll davon erzählend, und einer wie der andere das stolze, verächt gliche Wort auf den Lippen: „durch kommen sie nicht! Damals schien das Schicksal der Welt an den Ausgang der wachsten Tage, ja Stunden geknüpft. Der Gegner verkündet: die Gewißheit seines Sieges in die Welt, wie heute an der Somme. Und zwölf Monate steht seitdem hier die Front, unerschüttert wievonErz. Der Kaiser kommt, um dessen zu gedenken, gerade um Mittag. Jetzt do§ Kommando: „Präsentiert das Gewehr!" Die kaiserlichen Autos rollen zwischen den Truppenreihen heran uiid halten vor dem Armeeoberkommando. Dem ersten Wagen entsteigt der Monarch im Helm und nach ihm der Kronprinz ,n Husarenmütze. Empfangen und geleitet vom Oberkommandierenden der Champagne-Armee, Generaloberst v. Einem, und seinem Stabschef, Oberst v. Oldershausen, schreiten sie in das Kasino, wo der Monarch dem Oberkommandierenden, deur Verteidiger der Ehampagnefront, das Eichenlaub zum Orden ?c>ur 1e merite überreicht. Im Anschluß on einen Vortrag des Stabschefs bespricht der Kaiser mit den Leitern des Stabes unter Ausschluß der Öffentlichkeit die militärische Lage an der Ehampagnefront. Bei dem daran sich schließenden Frühstück siel es auf, wie ausgezeichneter Stimmung der Kaiser war, augenscheinlich von der größten Klarheit und Zuversicht. Unter anderm äußerte er seine lebhafte Ge nugtung über die schweren Verluste des Gegners. Gegen 2'J/ 2 Uhr setzte der Monarch die Reise fort, während der .Kronprinz in-sein Hauptquartier zurückkebrte.
Griechenland.
Griechenland gibt es zurzeit genau genommen drei Regierungen, nämlich l. das Geschasts» ministerium L a m b r o s, welches sich aber wergert, die — Geschäfte des Vierverbandes zu besorgen, 2. das Kabinett der Gegenregierung oder, wre es sich nennt, der provisorischen Regierung, das aber noch nicht offiziell von der Entente anerkannt ist, und 6. dav sogenannte Salonikier T r i u m v i r a t, das aus Vem- zelos und seinen Knappen besteht. Über das mert- würdige Verhältnis dieses Triumvirats zur proviiort- schen Regierung gibt die venizelistische Presse dre Aus- kunst, daß es sich hierbei um „ein letztes Entgegenkommen Venizelos' gegen die Krone" handele; „da» Triumvirat sei bereit, sich vor dem König zuruckzu- ziehen, sobald dieser das Wohl des Vaterlandes der Salonikier Regierung anvertranen wird". Das scheint aber König Konstantin nicht zu beabsichtigen, denn, wie berichtet worden ist, hat der König ernem Diplomaten gegenüber erklärt, er wolle I i e b e r d e n Thron verlieren, als Griechenland rn Gefahr bringen; wenn Griechenland nach der Eroberung Rumäniens in den Krieg zöge, dann lvürde es das Los Serbiens und Rumäniens teilen. Man _ steht, daß König Konstantin die Mahnung des deutschen Reichskanzlers beherzigt, die Schlußfolgerungen aus der Krieaslage und der Krwgskarte zu ziehen. Wenn er nach dem RaubderFlotteder Hoffnung Ausdruck gegeben hat, daß die griechische Flagge bald wieder über den grünen Wassern wehen möge, so zeugt das gewiß nicht davon, daß er durch die Drangsalierung der Entente und durch den Landesverrat der Vemzelo^ Partei mürbe geworden ist, sondern daß er immer noch hofft, das leck gewordene Staatsschiff, durch die Szylla Sarrails und die Charybdis Venizelos hindurch- lavieren zu können. .
Vielleicht wird chm die Arbeit dadurch erleichtert werden, daß allem Anschein nach erhebliche Unstimmigkeiten innerhalb der Bedränger Griechenlands einerseits und zwischen diesen und den dem zelistischen Handlangern andererseits bestehen. Zwar Engländer und Franzosen scheinen darin einig zu fern, daß man den Griechen die Daumschrauben bis zupl äußersten ansetzen,, daß man erforderlichenfalls auch vor der Vertreibung des Monarchen nicht zurückschrecken soll, ein Ziel, das besonders dem roten Republikaner Sarrail des Schweißes der Edlen wert zu sein scheint. Hier ist aber der Punkt, wo Väterchen Zar als Hemmschuh wirkt, denn er fürchtet, daß das Vertreiben von Fürsten Schule machen könnte, und so arbeitet der russische Einfluß den Königsstürzern unverhüllt entgegen. Endlich verfolgen auch die Italiener ihre Sonderinter- essen, denn wenn die Engländer sich für immer rn Saloniki fesffetzen, das sie offenbar zu einem zweiten Gibraltar und — Calais ausbauen wollen, so würde das einen weiteren Strich durch die italienffchen Mittel meerplänc bedeuten. , ,
Offenbar sind diese Unsftmmrgkerten der Grund, daß sich die „Schutzmächte" noch immer nicht über die Anerkennung der provisorischen Regierung geeinigt haben, und daß sie trotz der Fortsetzung der brutalen Gewaltpolitik sich wenigstens an die Person des Königs noch nicht heranwagen, wenn dieser sich auch bereits genötigt gesehen hat, sich in Tatoi zu verschanzen. Möglich ist es auch, daß man vor den,letzten Schritten, nämlich vor der Vertreibung des Königs und der zwangsweisen Rekrufterung der Griechen, aus einer gewissen Scheu vor den Neutralen, zurückschreckt. Denn nach den großen Worten des Vierverbandes, daß er den „Kampf für die Rechte der kleinen Naftonen" führe, muß ja das heimtückische, verräterische und bru tale Verhalten gegenüber Griechenland nicht nur aufklärend, sondern aufreizend aus alle Neutralen wirken, soweit diese nicht, wie jetzt Nor- weqen, vor dem Vierverband auf dem Bauche rutschen. Betont doch sogar die „New Aorker World", die dem Washingtoner Kabinett nahesteht, daß Griechenlands Unabhängigkeit vernichtet und die Verträge, durch die sie gewährleistet worden war, rücksichtslos verletzt worden seien. • r . „ _
Vielleicht aber wirkt, wenn man letzt nach dem Raube der Flotte doch mit den letzten Schritten zögert, noch mehr als die Scheu vor den Neutralen dievorGrie chenlandselbst mit. denn ein Heer, das man gegen die Mittelmächte bewaffnet, könnte sich zum Schluß vielleicht gegen die Feinde im eigenen Lande kehren. Anscheinend fürchten Sarrail und die . Seinen, daß die Griechen, wenn sie zum Äußersten getrieben werden, sich doch des berühmten althellenischen Kriegsliedes erinnern könnten, welches durch den Engländer Lord Byron bekannt geworden ist und das die recht zeit gemäß klingende Mahnung enthält: „Laßt uns nun als Männer brechen die verhaßte Tyrannei, daß das Land von allen Schwächen und von Schande werde
frei. Aus aus tiefem Totenschlaf! Sei ein Wolf und sei kein Schaf!" Die Eigenschaften des Wolfes haben ja die Nachkommen des Leonidas und der anderen altgriechischen Nationalhelden im bisherigen Verlauf der Sarrail-Jnvasion gegenüber der Vierverbandsknute nicht an den Tag gelegt. Aber wenn man wie jetzt, nach zwei Jahren Weltkrieg, nach dem Zusammenbruch Serbiens und Montenegros und angesichts des Schick- sals Rumäniens, höflichst auffordert, mit von der Partie zu sein, dann dürfte am Ende die altgriechrsche Mahnung doch auf die Neugriechen wirken: Sei ein
o I f und sei kein Schaf!
König Konstantin will in Larissa Zuflucht suchen.
Ein Rat des alten königstreuen Ministerpräsidenten.
W. T.-B. London, 18. Okt. „Daily Mail" meldet aus Athen vom 17. Oktober: Das Schicksal des Königs und dev Negierung hängt an einem Faden. Als der Ministerpräsident gestern dem König meldete, daß Admiral Fournet sich weigere, die jüngsten Forderungen der Alliierten zu mäßigen, sielen heftige Worte. L a m b r o k begab sich hierauf nach dem Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten, wo er sagte, er beabsichtige, zurückzutreten Schließlich entschloß er sich aber doch, nicht um seim Demission zu ersuchen. — Als abends französische Seeleute landeten, eilte Lambros rasch zum König. Er fand ihn in einem Zustand der höchsten Entrüstung. Der König sagte, es bleibt mir nichts anderes übrig, als mit den Meinen nach Larissa zu gehen. Der Ministerpräsident der- mochte den König nicht von diesem Entschluß abzubringen.
Er begab sich deshalb schleunigst nach Athen und beratschlagte mit Skuludis, Gunaris und Dragamis. die ans 'ein Ersuchen nach Tatoi gingen, um den König zu beschwören, er möge diesen Schritt nicht tun. Der König versprach nun, dw Abreise nach Lariffa vorläufig noch aufzuschrebrn. Inzwischen geht aus allem, was geschieht, ferne Absicht hervor, Larissa alles zur Verteidigung fertig zu machen. — Der Berichterstatter der „Daily Marl" will erfahren haben, daß an einer der Stationen der Lariffa-Linie 16 000 Geschosse, 30 000 Kisten Patronen und 40 Feldkaironen angesammelt seien, an zwei anderen -Stationen lägen 4000 bis 5000 Gewehre.
Ein Handschreiben König Konstantins an Wilson?
(Von unserem O.-Sonderlwrichterstatter.)
U. Haag, 19. Okt. (zb.) „Daily News" melden aus Athen: Unter der Bevölkerung läuft das Gerücht um, daß önig Konstantin mit einem kürzlich ausgelaufenen griechischen Dampfer ein Handschreiben an Präsident Wilson gerichtet hat, in dem er diesen ersucht, gegen die völkerrechtswidrige Behandlung Griechenlands durch die Entente aufzutreten. Viele Häuser Athens hißten darauf die amerikanische Flagge. Bor der amerikanischen Gesandffchast wurden Sympathiekundgebungen abgehalten.
Anrufung des amerikanischen Gesandten gegen das Vorgehen der Entente.
W. T.-B. London, 18. Okt. Die „Times" meldet aus Athen: Der amerikanische Gesandte, dem eine Abordnung ein Protestschreiben gegen das Vorgehen der Entente übergab, antwortete darauf, seine Regierung könne unmögliche ingreifen. Er stimme aber zu, das Dokument nach Amerika weiterzuleiten.
Ein Anschlag der Entente auf den Königspalast in Athen?
W. T.-B. London, 18. Okt. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) „Daily News" meldet auS Athen vom 17. Oktober. Eine Abteilung französischer Soldaten verließ das Theater und lagerte sich in den Zappalecngärten in der Nähe des Königlichen Palastes. Sie marschierte in aller Stille durch die Hauptstraße. Eine halbe Stunde später umringte ein Bataillon griechischer Infanterie den Palast.
Die Kundgebungen am Tage der Königsparade.
W. T.-B. Bern, 18. Okt. Der Mitarbeiter des „(formte della Sera" drahtet auS Athen noch folgende Einzelheiten über dw Ereignisse am Montag: Es wurde eine Truppenbesichtigung auf dem Marsfeld abgehulten, das von Truppen umstellt war und auf dem über 2000 Marinesoldaten den König erwarteten. Die Bevölkerung war zahlreich erschienen. Der König wurde von der Menge lebhaft begrüßt. An einigen Stellen durchbrach die Zuschauermenge die Truppenketten, um vor dem Zelt, wo die königliche Familie verweilte, Huldigungen darzubringen. Nach dem Verlesen eines Tagesbefehls richtete der König selbst unter allgemeinem Beifall einige kurze Worte an die Soldaten. Nach der Truppenbesichtigung bildete sich ein großer Zug, der unter Vorantragen des Bildes des Königs und unter Hochrufen auf deii König zur Stadt zog. Hier löste sich der Zug. ohne Zwischenfall aus, so daß nachmittags in Athen die größte Ruhe herrschte. Erst als sich abends die Nachricht verbreitete, daß französische
