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Mittwoch, 18. Oktober 1916.
Private Mitwirkung in der Lriegrfürsorge.
Man schreibt uns: Die dem Reichstag unter breitete Vorlage über den Namensschutz der Nationalstiftung und Marinestiftung hat der sozialdemokratischen Presse Anlaß gegeben, der Reichsregierung den Vorwurf zu machen, sie beabsichtige, durch eine gesetzliche Förderung dieser beiden großen privaten Organisationen der Kriegsfürsorge sich eines Teiles ihrer Verpflichtungen auf dem Gebiete des Versorg ungs wese ns zu entziehen. Ganz abgesehen davon, daß der vorliegende Gesetzentwurf nicht im mindesten Anlaß zu solchen Ver dächtigungen bieten kann, ist es schwer verstand lich, daß von irgendeiner Serie Bedenken gegen eine weitgehende private Mitwirkung in der Kriegsfürsorge für Witwen und Waisen erhoben werden können. Die lange Dauer des Krieges und die schweren Verluste, denen alle Armeen ausgesetzt sind, werden den beteiligten Staaten, und somit auch Deutschland, auf dem Gebiete des Versorgungswesens ganz außerordentlich hohe. Lasten auferlegen, zu deren Deckung das Reich viele und große Einnahmeguellen erschließen muß.
Diesen Verpflichtungen kann sich selbstverständlich das Reich niemals entziehen, denn sie sind bekanntlich in allen Teilen gesetzlich geregelt. Wenn trotzdem die private Wohltätigkeit in weitesten Umfang bemüht ist, über die gesetzliche Versorgung hin- us für die Witwen und Waisen unterer Krieger Mittel ^ reitzustellen, so geschieht dies, weil in zahllosen Fällen die gesetzliche Versorgung bei weitem nicht ausreicht, um die wirtschaftlichen Verluste zu ersetzen, die die.Hinterbliebenen unserer gefallenenKrieger erleiden. — Der Reichstag hat unter Zustimmung auch der Sozialdemokraten den Grundsatz aufgestellt, die Versorgung der Kriegswitwen und -Waisen müsse möglichst so gestaltet werden, daß kein-- Familie durch den Verlust des Ernährers einen sozialen Abstieg erleidet. Soll dieser Grundsatz zur Durchführung gelangen, so Und dazu Mittel von außerordentlichem Umfang er forderlich. Diese Mittel müssen aufgebracht werden m einer Zeit, wo das Reich durch die Verzinsung und Tilgung der Krieqskredite und die N mbeschaffungen für Heer und Flotte Aufwendungen zu machen hat, die ebenfalls in die Milliarden gehen. Das Reich steht also nach dem Kriege finanziellen Verpflichtungen gegenüber, die die stärkste Anspannung aller nur verfügbaren Abaabeguellen unerläßlich machen. Das deutsche Volk wird mithin auf lange Jahre hinaus an Steuern jeglicher Art Abgaben zu tragen haben, me das bisherige Maß um ein vielfaches übersteigen. Diese Leistungen wachsen selbstverständlich nnt jeder Erweiterung, der gesetzlichen Kriegsver wrgung bei der großen Zahl der Versorgunysberechtiq ten sehr erheblich.
An die Durchführbarkeit der für die künftige ffinanzreform von sozialdemokratischer Seite gestellten Forderung, nur direkte Steuern zu erhoben, glaubt auch m sozialdenwkratischen Kreisen heute niemand '"ehr. Es müssen also alle Kreis? des Volkes '"'5 Tragung der aus dem Kriege entstandenen Lasten vertragen. Je höher man diese Lasten gestaltet, um so mehr wächst die Inanspruchnahme aller Schichten der Bevölkerung. Und von diesem Gesichtspunkt aus kann man es nur mit großer Genugtuung begrüßen, wenn >won heute die private Wohltätigkeit ben'üht ist, durch L?mmlung möglichst großer Mittel einen -reu der Kriegsfürsorge zu übernelmien. .Hiergegen iMkampfen. ist ein Zeichen großer Kurzsichtigkeit, sncht das Reich, sondern das deutsche Volk hat die holten der Kriegsversorqung zu zahlen. Je inehr die wohlhabenderen Kreise davon in freier Liebes- patrgkeit aufbringen, um f o mehr wird dm großo Mape des Volkes entlastet. Jede Spende für' die urieasfurwrge ist also eine freiwillige Reichs- l 1 ’ e ö r 1Ti , e . nftcilct , die zu bekämpfen die Sozialdemokratie kernen Anlaß hat, da sre nur dazu dienen ^nn den inmderbemittellen Kreisen einen Teil der
"snen auf dem Wege indirekter Steuern zu leistenden Aogaben abzunehmen.
Der Krieg gegen England.
016 Wirkung unserer letzten Zevyelin- angriffe.
W -T,-B. Berlin, 17. Oft. Die englische Presse ist in in besonders auffälliger Weise bemüht, unsere
* 1 chiffangriffe auf England als völlig ergeb unwirksam hinzustellen. Sie wird nicht müde, in ..j .^"püchster Weise der deutschen Kriegssphrung den Rat £“e»etkn, ore.e überflüssigen und kostspieligen Angriffe im Interesse aufzugeben. Damit stimmt es dann schlecht,
.Arbütsmarlt" und „meinet Anzeiger"
««aregaH»THüfiBIBgg
»erlitt W., P°tsi>«ner Str.121 K. Fernspr.: »«t Liitzow 6202 -.8203.
Morgen-Kusgabe.
daß man in England unter Hinweis auf die wachsende englische Luftschiff-Flotte immer erregter die Erwiderung der Angriffe in Aussicht stellt. Recht interessant ist in diesem Zusammenhangs die Tatsache, daß die englische Regierung dem Internationalen Nachrichtenbnreau in London brs auf tt>eiteres das Recht entzogen hat, von London Preßtelegramme nach New Jork zu senden, weil dieses Pressebureau „un- r.c^ige Nachrichten über die Erfolge der deutschen Luftschiffe nach New Dorf gemeldet hat. Über die verheerende Wirkung unserer letzten Luftangriffe, besonders auch über London, rst durch die
Anssagen einwandfreier Augenzeugen
bisher folgendes festgestellt worden: Beim Angriff vom
23. September wurden mehr als 100 Gebäude schwer beschädigt, die zum Teil nur noch Trümmerhaufen sind. Der Schaden wird auf über 2 Millionen Pfund Sterling (40 Millionen Mark) geschätzt. In der Nähe der Eisenbahnstation London-Brighton wurden durch drei schwere Bomben zehn Einfamilienhäuser völlig zerstört. Regent-Street, die Hauptgeschäftsstraße in London, wurtze zum größten Teil nieder- gelegt.' In einer südlichen Vorstadt Londons wurde eine Munitionsfabrik vernichtet. Die Eisenbahnstatton Liverpool- Street sowre Brücke und Vahngleise wurden derart verwüstet, daß die Benutzung unmöglich wurde und die Wiederherstellung längere Zeit erfordern wird. Zwei Konservenfabriken im südlichen Stadtteil wurden vernichtet. Eine Untecgrundbahn- linie, die zum Ptccadillh-Eircus führt, war drei Tage gesperrt. Beim Angriff vom 2. Oktober wurden über 200 Familien in. folge Zerstörung ihrer Wohnungen obdachlos. Bei ThameS haven wurde an den Benzoltanks großer Schaden angerichtet. In Maple-Street ist eine Reihe von 20 Häusern vernichtet Die großen Reislagerräume der Firma Dennh Sons wurden vernichtet. An der Ecke stcatford-High-Street und Bowroad wurde ein Haus völlig zerstört. Die Bombe drang bis in den Keller. Die südöstlich hiervon liegenden Gebäude — fast die Hälfte des ganzen Häuserblocks — wurden gleichfalls zerstört.
In G r i m s b y wurde eine Kaserne getroffen und über 400 Soldaten getötet. — Auf dem Humber wurde ein dort ankernder großer Kreuzer mit 4 Schornsteinen durch e,ne Bombe getroffen. Der Menschenverlust beträgt ungefähr 00 Mann. Ebendaselbst wurden zwei englische Kriegsschiffe mit 1 bezw. 2 Schornsteinen schwer beschädigt. — In Hüll wurden schwerste Verwüstungen angerichtet. In einigen Stadtteilen stehen nur die Häuserwände, alles übrige ist ein Schutthaufen. — In Leads wurde enormer Schaden an Munitionsfabriken und Eisenbahnstationen angericbtet. — Im Hafen von Portsmouth wurden zwei Jachten zerstört und ein Wachlokal vernichtet. Ein Dock wurde schwer be schädigt, mehrere Eisenbahnwagen exvlodierten. Die Sprit- brennerei der Firma Pink and Sons und die Frucht- und Lagecspeicher der Firma Elders and Fhffe daselbst wurden gleichfalls getroffen. Ein Güterzug von 12 Wagen voll Pferden wurde vernichtet.
Der englische Postraub.
W. T.-B- Kopenhagen, 10. Oft. Die dänische Generalpust direktion teilt mff, daß von dem dänischen Motorschiff „F a l - sr ri a" die nach Siam bestimmte dänische Post während der Untersuchung des Schiffes in Stornowah von den englischen Behörden beschlagnahmt wurde.
Oer Nrleg gegen Nutzland.
Die schwierige Lage der russischen Heere an der Rigasront.
(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichtcrstatters.
8. Stockholm, 17. Oft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Berichterstatter der Petersburger Telegraphenagentur meldet über die Lage der russischen Heere an der Rigafront: Unaufhörlicher Regen hat begonnen. In einzelnen Gegenden hat sich das stets feuchte Land in unzählige Seen verwandelt. Der Morast ist völlig unpassierbar. Die Flüffe sind gestiegen und bedecken große Flächen. Unter diesen veränderten Verhältnissen mußten die Angriffe eingestellt werden. Der
Aufenthalt :n den Schützengräben ist fast unmöglich geworden, da sich wahre Wasserströme hineinergießen. Das Wasser zerstört auch die Erdverschanzungen, und an ihre Stelle ist eine solche Menge in die Laufgräben gedrungen, daß man die Besatzungen zurücknehmen mußte. Die Deutschen führen trotz der Herbststürme und dem vernichtenden Regen ein vollkommen neues Schützengraben sh st em :urch. Sie transportieren große Mengen Baumstämme nach den Gräben, um Schutzwände gegen das eindringende Wasser herzustellen.
Die üverhandnehmenden Ausschreitungen der russischen Soldaten.
(Drahibericht unseres 3.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 17. Oft. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Armeski Westn.k" veröffentlicht einen Aufruf gegen die überhandnehmende Plünderung der nahe der Front befindlichen Häuser und Geschäftsräume durch Soldaten. General Alcxejew, der den Aufruf Unterzeichnete, erklärt darin, die Regierung wolle die Lage der Bevölkerung erleichtern, die von den Kriegöschäden schwer getroffen wurde. Es wird ihr dies jedoch unmöglich gemacht, wenn das Heer selbst jortgejeHl m mutwWMr Wche alles zerstört. Es ist
Nr. 503. ♦ 64. Jahrgang.
bem:öeerein ä u 'dürfen, daß Hab und Gut der Bevölkerung, welche m schwerer Zeit ihre Heimat verlassen, nicht als voqel- frer betrachtet werden darf. Der Kaiser hat befohlen, bei allen He eres teilen einen Überwachungsdienst einzurichten, E Beraubung des bürgerlichen Lebens durch das Mllnar aushöre und sttenges Gericht über alle Gewissenlosen, g. eich gültig welchen Standes, abzuhalten ist, wenn sie ver- suchen, üch irgend welchen ftemüen Besitz anzueignen. Alle abgefaßten Räuber werden vor Gericht gestellt und auf ' as schwerste bestraft werden.
s*selt von steigendem Wohlstand der russischen Bevölkerung.
„ . W ; T " B - Kopenhagen, 17. Oft. (Drahtbericht.) Wie aus Petersburg gemeldet wird, sagte Finanzminister Bark in einer Begründung des BudgeLvoranschlags: Der steigende Wohlstand der Bevölkerung ist auf die gewaltigen ^'^uftrage zuruckzuführen. über die Hälfte der .Milliarden Rubel, die für Kriegszwecke ausgegeben wor- fc “ ^"'.blreb in Rußland selbst, so daß es un- E'll l?) sein würde, die Steuern und Abgaben zu erhöhen. Zur Erfüllung der Aufgaben, die sich nach dem Krieg einstelleii wurden, sei bereits eine Anzahl neuer Steuern geplant.
Österreichisch-ungarischer TagesderrchL
V, ^ien, 17 Oft. (Drahtbsricht.) Amtlich
verlautet vom 17. Oktober, mittags:
östlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generals der Navallsrie Erzherzog Uarl.
In den Grenzräumen südlich von Ragiszeben (Hermannftadt) und Brasso (Kronstadt) blieb dre Kampftage unverändert. Im Gycrgyo-Gc- birge halt der rumänische Widerstand an. In der r e r l a n d e r e lk e, südlich von Dornawntra, ver- trieben wir den Feind von den Höhen östlich der Ncagra. In den W a l d k a r p a t h c n und südlich des Dnreftr wurden vereinzelt: Vorstöße der Russen abgeschlagen.
Heeresfront der Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Die Schlachten an der R a r a j o w k a und in IT-? 1 * * e " dauern fort. Der Fcind holte sich in
belden Raumen abermals schwere Niederlagen. Sudlrch von.Llpn'ca Dolna stürmten die russischen Massen brs tn dre Nacht hrnein gegen die Stellungen der deutschen Truppen an; alles war vergebens. Deutsche Gardebatarllone stießen dem geworfenen Feind bis ur serne Graben nach und setzten sich dort fest. Die. Russen ließen 36 Offiz,ere, I960 Mann und zehn Maschlnengewehre in der Hand unserer Verbündeten.
In Wolhynien rrchteten sich dir rnssischen Angriffe wieder gegen die deutschen und österreichisch-,mgarrschen Strertkrafte des Generalobersten v. Tersztyanfki Nach heftiger Beschießung brachen nachmittags zwischen Pustomeyty und Sw in in chy, wcstlicki von Bubnow, sudlrch von Zaturcy und zwischen Zaturch und Kissrelin die russischen Kolonnen los. Die feindlichen Anstürme erneuerten sich trotz ungeheuerer Verluste an einzelnen Stellen dreimal, nördlicki von Zaturcy sogar bis zu zehnmal. Aber auch diese stoßkraft überlegener Massen reichte nicht hin, di- tlchferen Verteidiger zu erschüttern. Der Feind drang nirgends durch; unsere Truppen errangen einen vollen Erfolg.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des GenrralstabS: v. Höser, Feldmarschalkeutnant.
Oie Lage im Westen.
Das Ergebnis der Lustkämpse im Weste«.
535 feindliche Flugzeuge innerhalb Jahresfrist vernichtet. Die Lustkänipfe an der Westftont haben, wie in einem amtlichen Schriftsatz ausgeführt wird, im September einen alle bisherigen Vorgänge übertreffenden Umfang und eine bislang nicht erreichte Heftigkeit angenommen. Von französischer und englischer Seite war ein Massenaufgebot an Zahl und Güte im Kampfgebiet der Somme zusammengezogen, dem gegenüber auch auf unserer Sette starke Luft- streitkräste eingesetzt wurden. Trotz der erheblichen Überlegenheit der Feinde an Zahl sind die beispiellos heftigen LuMmpfe, die sich sowohl über unserem als auch über feindlichen. Gebiet abgespielt haben, z n u n s e r e n Gunsten entschieden worden, wie aus dem Heeresbericht vom 9. Oktober 1916 zu ersehen ist. Besonders ist darauf Hinzuwersen, dag dem Gegner über seinem eigenen Gebiet nicht weniger als 47 Flugzeuge verloren gegangen sind, was eine Behauptung unserer Gegner, daß sich deutsche Flugzeuge nicht mehr Aber die Linie wagten, blutig Lügen gestraft hat. Wie in den vorjgen Monaten, wird auch diesmal die O'«»; LM ögc
