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Sonntag, IS. (Oktober ISIS.

Eine Wende im fernen Osten?

Von einem der besten Kenner der japanischen Poli- tti wird uns geschrieben:

Die Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen nehmen naturgemäß unser Interesse so sehr in Anspruch, daß daneben alles andere in den Hintergrund tritt, und doch sind die Ereignisse, die sich jetzt im fernen Osten abspielen, von so weittragender Bedeutung, daß es sich lohnt, ihnen einige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Rücktritt des Kabinetts Okuma und die Ernennung des Grafen T e r a u ch i zum japanischen Ministerpräsidenten bedeuten nichts weniger als einen völligen „ Umschwung der japanischen Politik.

Bekanntlich war das Ministerium Okuma nach dem großen Flottenskandal ans Ruder gekommen, durch den dre konservative Partei aufs schwerste kompromittiert war. Okuma und sein Außenminister Baron Kato standen vollständig unter englischem Einfluß, und bezeichnenderweise wurde Kato in japanischen Zeitungen ganz offen englischer als Sir Grey genannt. Als der Weltkrieg ausbrach, wareii die Liberalen von vornherein entschlossen, sich auf die Seite Englands zu stellen und Kiautschou uns zu nehmen. Die konservative Partei, die namentlich iin Heer und in der Marine ihre festeste Stütze hat, ver­trat dagegen den Standpunkt, daß man einen Bruch mit Deutschland unter allen Umständen per- meiden müffe, da sie auf die militärische Kraft Deutschlands das Vertrauen setzte, daß es seinen Fein­den gewachsen sein werde. In deni Rat der alten Staatsmänner gelang es den Liberalen, den jungen Kaiser unter ihren Einfluß zu bringen und zur Kriegs­erklärung an Deutschland zu veranlassen. Es ist aber bezeichnend für die Stimmung der breiten Masse der japanischen Bevölkerung, daß schon damals der Ruf nach Terauchi, nach dem starken Mann, in Japan er­scholl und daß sowohl das H e e r als auch die F l o t t e Deutschfreundlichkeit in zahlreichen Fallen bekundet haben. Es sind von ihnen mehrfach Eingaben an die Regierung gerichtet wor­den uni ste zu einer Änderung ihrer deutschfeindlichen Haltung zu veranlassen, und in den Zeitschriften, die von Offizieren herausgegeben werden, ist immer wie­der betont worden, daß die deutschen Waffen doch den Sieg davontragen würden.

Sehr hat das Ansehen der Liberalen dann unter der ^^uapolilik Okumas gelitten. Okuma ist nach Ansicht der Konservativen in feinen Forderungen an China vrel zu nachgiebig gewesen und hat die günstige Gelegenheit nicht benutzt, um die I a p a n i s i e r u n g Chinas restlos durchzusetzen. Man schreibt das in erster Linie dem englischen Einfluß zu. Bekanntlich ist ^apan m seiner Eisenzufuhr auf die Aangtse- Dergwerke angewiesen, da es selbst nur etwa ein Achtel der notwendigen Eisenmengen im eigenen Lande erzeugt. Eine der Hauptforderungen der japanischen Imperialisten ist es daher gewesen, das Aantsetal unter die japanische Kontrolle zu bringen. Hier aber stößt .^apan naturgemäß auf den schärfsten Widerstand Englands, das ja gerade das Pangtsetal als seine Interessensphäre betrachtet und dort schon völlig als Herr schaltet.

Welche Vorgänge dann zu der letzten Ministerkrise geführt haben, ist bisher noch nicht ganz klar geworden. Wir wissen nur. daß Okuma vorgeschlgaen hatte, seinem bisherigen Außenminister, Barpn Kato, die Bildung des Ministeriums zu übertragen. Statt dessen aber hat man den bisherigen Generalgouverneur von Korea, den Grafen Terauchi, zu^n Ministerpräsidenten ernannt ... Terauchi ist eine ausgesprochen Politische Per- sonlichkert., Er war schon in den Jahren 1902 bis 1911 Kriegsminister im Kabinett Katsura und hat damals an dem Zustandekommen des enalisch-japanischen Bünd­nisses rmtgewirkt. Es ist aber bekannt, daß er in den letzten Zähren eine Schwenkung vollzogen hat und beute entschied-m ein Zusammengehen mit Rußland im fernen Osten befürwortet, wie er denn auch an dem letzten russftch-japanischen Abkamrnen über Ostafien tätigen Anteil hat. Der Außenminister Baron M o t o n o war bisher japanischer Bosichafter in Peters- bürg und ist ebenfalls unbedingter Anhänger eines lapanrich-russischen Zusammengehens im Osten Der neue Minister des Innern. Baron Goto, ist von Haus aus Mediziner und hat seine Ausbildung qröß. tentmls in Deutschland genossen. Wenn in einigen deutschen Zeitungen behauptet worden ist, daß der Baron Kato auch dem neuen Ministerium angehört so ist das ern Jrrtuni. Der Baron Kato im Ministe­rium Terauchi ist Admiral und Marineminister ec stebt m keinerlei Verbindung mit dem ehemaligen Außenminister Kato. mit dem er nur den in Japan sehr gebräuchlichen Namen gemein hat.

Die Tendenz des neuen Ministeriums wird also dadurch bezeichnet, daß es einmal eine e n g e

Morgen-Kusgabe.

A n n ä h e r u n g a n Rußland befürwortet und daß

eä sum andsren eine ausgesprochen i m p e r i a l i st i sch e Politik betreiben wird. Durch beide Tendenzen muß es früher oder später in einen Gegensatz zu ~?9, Q st^hineingezogen werden. Es ist anzunehmen daß Graf Terauchi die Japanisierung Chinas in stär- kerem Maße betreiben wird als Okuma, und daß er deshalb in der Aangtsefrage auf den Widerstand Eng­lands stoßen wird. Terauchi ist aber seiner ganzen Vergangenheit nach der Mann, der sich nicht scheuen wird, auch gegen den Widerstand Englands seine Pläne durchzusetzen, zumal ec ja an Rußland einen Rückhalt hat.

.. 3unt anberen aber wird die Politik Terauchis ihre Rückwirkungen auf das V e r h ä l t n i s z u A m e r i k a haben. Schon jetzt wird in englischen Zeitungen ganz offen ausgesprochen, daß man in Washington eine * e r ^- e ^ * e r u 3 der j ap an i s ch - ameri­kanischen Beziehungen zu erwarten habe. Man weiß, daß Terauchi. ganz im Gegensatz zu Okuma, der aus ferner Englandfreundlichkeit heraus auch hier eme zaudernde Politik betrieb, die kalifornische Land frage wieder aufrollen und die Gleickberech tigung der Japaner in Amerika fordern wird. Natür­lich ist diese Landfrage nicht der springende Punkt für dre Japaner, sondern nur ein Vorwand, um ihre poli tischen Pläne rm Stillen Ozean durchzuletzen, die dar auf hlnzillen. Japan die unbedingte Herrschaft im Stillen Ozean zu sichern. Wie wenig sie sich dab-i auf England verlassen können, hat schon der Abschluß des englisch-amerikanischen Schiedsoerichtsvertraaes gezeigt, der in Japan große Erregung hervorrief, denn aus ihm geht klar hervor, daß Ja^an auf die Hilfe Englands m einem japanisch-amerikanischen Kriege unter kernen Umstanden zählen darf, sondern sogar da mit rechnen muß, daß England sich auf die Seite Ame- rikas stellt, und die Haltung Amerikas im Weltkrieg hat nur dazu beigetragen, das japanische Mißtrauen noch zu vermehren. Auch in diesen! Punkte aber scheint Terauchi die Entente mit Rußland als Rückversicherung gegen em Eingreifen Englands anzusehen.

Es wäre narürlich verfehlt, wenn nwn an- nehmen wollte, daß die Änderung der japanischen Poli- uk jetzt sofort m die Erscheinung treten würde. Auch Graf Terauchi wird nicht von heute auf morgen Japans Haltung von Grund auf ändern können. Immerhin aber ist anzunehmen, daß über kurz oder lang der Interessengegensatz zwischen Japan und England auf der einen und Japan und Amerika auf der anderen L-eite zu einem Zusammenstoß führen wird.

Auf die Beziehungen zwischen Deutschland und ^apan wird der Wechsel im japanischen Ministerium zunächst kauni Einfluß haben. Nur das eine steht nach der ganzen Zusammensetzung des neuen Kabinetts schon jetzt fest, daß Graf Terauchi alles vermeiden wird, was eine weitere Verschärfung des x.? Gegensatzes bedeuten

und daß er es unter allen Umständen ablehnen wird, vzapan zu einer stärkeren Beteiligilng am Welt- krwg zu veranlassen. Wie sich schließlich im Laufe der nächsten Zeit die Beziehungen Deutschlands zu Japan gestalten werden,, darüber etwas Bestimmtes zu sagen ist heute noch , nicht möglich Immerhin aber deuwn die letzten Ereignisse tm fernen Osten darauf hin, daß früher oder spater die Dinge dort eine völlige Verände- rung fahren werden Im iibrigen zeigt auch das japanische Beispiel, daß die Interessen ae oen

Nr. 498. ♦ 64. Jahrgang.

ben, und wo die Bevölkerung aufatniet, von den famosen Be­freiern befreit zu sein. - „Extrablatt" sagt: Die ungarländi- scyen Rumänen wissen genau, daß der K ö n i g l ü g t : van er lugen muß, um seine Verzweiflung zu drapic- r e n, Ware schließlich verständlich. Auffällig ist aber, daß der König selbst sein Land in einen ominösen Zusammenhang mit Serbien und Belgien bringt, die der Entente den Verlust 'vrer --echstandlgkelt zu verdanken haben. Wird man den Hilferuf ui Rußland hören? Wird man in England keine Watte m den Ohren haben? - Das „Neue Wiener Journal­schreibt: so viel Worte, so viel Lüge. Es ist schwer, einen der Erbärmlichkeit dieses Königs würdigen Aus­druck zu finden.

Rumänische Untaten in Siebenbürgen.

Ein Divisi-mär als gemeiner Räuber.

® u§ dem Kriegspressequartier wird ge- «• Ich welch völkerrechtswidriger, ja auch oft unmensch- Ucher Art die Rumänen in Siebenbürgen gehaust haben, dir- uber geben amtliche Feststellungen der Regierungskom- miffare beredten Ausdruck In Fogaras wurde ein Teil der deutschen und ungarischen Bevölkerung von den Rumänen zusammengetrieben, an das Ufer des Altflusses geschleppt und mit Knuten in den Fluß h i n e i n g e j a g t. Auf beiden Ufern standen rumänische Soldaten und trieben die ans Land Kommenden immer erneut mit Schlägen in den an dieser Stelle etwa 20 Meter breit und etwa t,60 Meter tief ist. Die Mannschaften, die sich an dieser Un- -?. beteiligten, sollen sinnlos betrunken gewesen sein. Diese Annahme scheint deshalb sehr wahrscheinlich, weil vom ^^inanischen Militär in Fogaras aller Schnaps und Spiritus in Fässern zusammengebracht worden war. Der Kommandant der 4. rumänischen Division, General S i m i o n e s c u . ließ aus der Privatwohnung des Obecgespans in Fogaras die ge­samte, sehr wertvolle Einrichtung in Wagen zur Bahn bringen, dort verladen und nach Hause schicken. In Fogaras wurden alle deutschen und ungarischen Geschäfte erbrochen und die Waren weggeführt. Bei allen Requisitionen von Pferden, Vieh und größeren Vorräten wurden von der rumä­nischen Militärbehörde den Privatbesitzern weder Zahlung noch Reqnisitionsscheine gegeben.

Massenerkrankungen im russischen & Dobrudschahecr.

Berlin, 14. Okt. Der „L.-A." meldet aus Budapest: Der Bukarester „Diminieta" zufolge nehmen die Krankheiten^ m russischen Dobrudschabeer große Dimensionen an; infolge des großen Mangels an Ärzten st-Ht die Behandlung der Kranken auf unüberwindliche Schwierigkeiten.

Eine neue Ergebenheitskundgebung der ungarländischen Rumänen.

W. T.-B. Budapest, 14. Okt. Das in Budapest erschei­nende Organ der ungarländrschcn Rumänen „Destaptalia" macht über den Feldzug gegen Rumänien folgende Bemerkun­gen: Dem neuen Feind gegenüber, der zufällig unsere Schwesteruatiou ist, wird jeder Rumäne seine patriotische Pflicht zu erfüllen haben, denn die Vaterlandsliebe ist größer als die Bruderliebe, und das ungarische Vaterland ist unsere Mutter. Darum mag der neue Feind es sich merken, daß wir unser Vaterland «is zum letzten Bluts­tropfen auch gegen die e i g e n e n'B r tt d e r ver­teidigen werden, und daß der Weg, den er bis Ghulafe- hervar zurücktegen wollte, nur über rumänische Leichen hin- wegführt. Wenn die Einbrecher nach einem solchen Ruhm dürsten, so mag ihr Wille geschehen. Diesen traurmen Gruß schicken wir den Brüdern von jenseits der Berge in diesem kummervollen Augenblick. Im übrigen werden die Helden von Jwangorod und Doberdo ihre Pflicht restlos erfüllen.

auch insofern ist die japanische Kabinettskrisis ein' leb'-- reiches Zeichen. _

Die wirren in Griechenland.

Oer ttrieg Rumäniens.

Der Notschrei des Königs von Rumänien.

Scharfe Kritik der Wiener Presse.

.. w - as i en ' 14. Okt. Zu den Äußerungen des Königs von Rumänien gegenüber dem Berichterstatter W-rWurn schreibt das „Neue Wiener Tagbl.": Die einmüti­gen Kundgebungen aller Kreise der ungarländischen Rumänen nach dem verräterischen Überfall und ihre Versicherungen der unbedingten Treue für den Monarchen und das Reich wider­legen hinlänglich die lächerlichen Behauptungen des Königs, der bester getan hätte, sich um das eigene Volk zu nunmern, das notorisch unter dem schwersten Druck der Bojaren leidet. Wahnwitzig ist es aber, wenn der König ion Ba-rbarei der Gegner zu sprechen wagt. Das jeder Gesittung hohn,'prechende Auftreten der rumänischen TMpven und die entsetzlichen Grausamkeiten in ffer D o b r u d s ch a sowie gegen unverwundete Gegner wer­den du-ch das Gefasel des Königs nicht aus der Welt geschaffi. Vergeltung für die rumänischen Schandtaten er­folgt durch das siegreiche Vordringen der verbündeten Truppen m Siebenbürgen, die überall jubelnd begrüßt wer-

,Lieber den Thron verlieren als Griechen­land in Gefahr bringen."

W. T.-B. London, 14. Okt. (Drahtbsricht.) „Daily Telegraph" meldet aus Athen: Eine diplomatische Per­sönlichkeit wurde vont König in Audienz empfangen und beichwor ihn, seine Politik zu ändern., Der König antwortete darauf, er wolle lieber den Thron verlieren, als Griechenland in Gefahr bringen. Er sei überzeugt, daß Rumänien in kurzer Zeit nicht inehr bestehen würde. Wenn sich Griechenland am Kriege beteilige, würden nach der Er­oberung Rumäniens die deutschen Streitkräfte nach Griechenland geschickt werden und dieses würde das Los Serbiens und Rumäniens teilen.

' Neue Gewaltakte der Entente.

W. T.-B. Athen, 14. Okt. (Reutet.) Admiral Fournet bat eine neue Note an die Regierung gerichtet, in der er das Recht verlang!, eine Kontrolle über die griechi­sche Polizei ausüben zu können, und fordert, daß cs den griechischen Bürgern verboten werde, Waffen zu tragen. Ferner wird die Beförderung von Kriegs­material nach Thessalien untersagt und die Weizenausfuhr nach Theffalien mit Beschlag beleA Me Forderungen wurden angenommen.