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Samstag, 14. Oktober 1916.
klbend-Kusgabe.
Nr. 497. . 64. Jahrgang.
Fortgang der Sommeschlacht.
Schwere Nahkämpfc bei Morval. Alle Stellungen behauptet, über 600 Gefangene bei erfolgreichen Gegenstößen.
Gute Zortschritte der Verfolgung in Ost-Siebenbürgen.
Der Tagesbericht vom 14. Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Ottobe« ^Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem nördlichen Teile der Front fetzten die Engländer, wie an den vorhergehenden Tagen, ihre rege Auf- Närungstätigkeit fort.
Die Sommeschlacht dauert an. Eine Wiederholung der feindlichen Angriffe nördlich der Somme in der -roßen Breite wie am 12. Oktober gelang in unserem Sperrfeuer nicht. Zwischen der Ancre und Morval kam nur eln starker Teilangriff bei G u e u d e c o u r t zur vollen Entwicklung; wurde aber abgeschlagen. Die aus der Linie von Morval bis südlich von Bsuchavesnes vorbrechenden Angriffe führten fast durchweg zu schweren Nahkämpfen, in denen die französische Infanterie überall unterlag. Dre Truppen der Generale von Boehn und von Garnier sind in vollem Besitz ihrer Stellungen. Am Südteil des Waldes St Pierre Bast wurden den Franzosen bei früheren Angriffen erlangte Vorteile »nieder entrissen. 7 Offiziere, 227 Mann und mehrere Maschinengewehre wurden emge- kracht. Mit befonderer Auszeichnung fochten das Füfilier- Regiment Nr. 36, daS Infanterie-Regiment Nr. 48 und die Divisionen des Generalmajors von DreSler und Scharfenstein. _ . . «...
Südlich der Somme lebte der Kampf m Ablain- c o u r t von neuem auf und brachte «ns Erfolge. Teile lachfifcher Regimenter brockten in einem frischen Handstreich >en Ostteil des Ambos-WaldrS (nördlich von EhaulneS) wieder in unsere» Besitz und nahmen hierbei « Offiziere, 4«0 Mann gefangen.
Im M a a s g e b i e t vorübergehend heftig gesteigerte Artillerietättgkeit. Östtich der Maas einzelue bedeutungslose Handgranatenkämpfe und schwächere ergebnislose feindliche Vorstöße.
Östlicher Kriegsschauplatz.
An vielen Stellen der Front westlich von Lnck rege GefechtStättgkeit.
Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.
Die Verfolgung an der O st front machte gute Fortschritte. Auch an der Sttaße Osik-Szereda-GhnieS- Paß hat der Gegner n a ch g e g e b e n. An den Grenz- väsfen des Burzenlandes gewannen die verbündeten Truppen Gelände. Die Rumänen büßten hier 292 Gefangene, darunter 8 Offiziere, sowie 6 Maschinengewehre ein.
Westlick des Vulkan-Paffes wurden feindliche Angriffe im Gegenstoß abgeschlagen; an einer Stelle hat der Gegner auf der Kammlinie Fuß gefaßt.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Keine Ereignisse.
Mazedonische Krönt.
Im Cerna-Bogen scheiterten die erneuten auch nachts fortgesetzten serbischen Angriffe. Die Lage ist unverändert.
Der erste Generalquartiermeister.
Ludendorff.
Die Säuberung Siebenbürgen;.
Von militärischer Seite wird uns geschrieben:
Der rumänische Vormarsch in Sieben- bürgen, der bekanntlich das große Kriegsziel der Verbündeten, nämlich die Gewinnung der Straße Sofia-Konstantinopel beiseite stellte, hatte ein erhebliches Schwächemoment. Die Rumänen waren, wie General v. Falkenhayn erkannte, für ihre Offen- sive, die die ganze lang gestreckte Grenze Siebenbürgens auf allen Straßen umfassen sollte, offensichtlich zu schwach. Sie hatten sich in einem schwierigen Gelände in das gefährliche Wagnis des Bewegungskrieges begeben, dem die Truppen wie namentlich die Führung nicht gewachsen waren. Sie überschätzten ihre Kräfte und ihr eigenes militärisches .Können und fanden ihren Meister in dem strategischen Genie unseres früheren Chefs des Großen Generalstabes. Von großem Interesse ist der Entschluß unseres bewährten Feldherrn, nach dem er nach dem Siege bei Hermannstadt über die erste rumänische Armee zu wachen hatte. Für seine weiteren Operationen boten sich ihm drei Möglichkeiten. Er konnte sich erstens nach Westen gegen die feindliche Armeegruppe bei Petroseny wenden. Zweitens konnte er über den Roten-Turm-Patz in südlicher Richtung den Krieg nach Rumänien selbst
hineinspielen und drittens schließlich nach Osten sich gegen die zweite rumänische Armee wenden. Ern Angriff gegen Petroseny hätte ohne jede Frage zu emem Erfolge geführt, jedoch n;rr über schwächere feindliche Kräfte. Eine Unternehmung über die transsylvanr- schen Alpen hätte die Operationslinie Falkenhayns verlängert und gefährdet und ferner die Trennung von der österreichischen Armee Arz noch weiter vergrößert, und diese der Gefahr ansgesetzt, durch überlegene feindliche Angriffe zweier starker Armeen isoliert zu werden. Falkenhayn zersplitterte nicht seine K r aste, sondern hielt sie zusammen. Seine zielbewußte und bedachtsam-energische Heerführung verzichtete auf den Glanz eines Einmarsches in die große Walachei. Er wandte sich, die strategische Lage mit Scharfblick durchschauend, mit seinen Kräften nach Osten und ließ sich so nicht zu b ! en d end en Au g en b !i cksop era- ttonen verleiten, die vielfach in Laienkrersen erwartet wurden. Er schwenkte mit seiner Armee rechtwinklig links und marschierte nach^altem Soldatenmuster auf den Kanonendonner von Fogaras zu. Dies? Operationen wurden außerordentlich kurz und ineisterhaft geführt. Zwei Tage bereits nach der Entscheidungsschlacht bei Hermannstadt stand Falkenhayn init der Front nach Osten rechts-rückwärts der österreichischen Armee Arz. In Eilmärschen beiderseits des Alt-Flusses beabsichtigte nun Falkenhayn seine Truppen in gleiche Höbe mit den Österreichern zu bringen, und dabei den Widerstand des linken Flügels der zweiten rumänischen Armee zu^brechen. Mit dieser Operation ging gleichzeiftq die Sicherung der südlichen Flanke der Falkenhaynschen Stoßgruppe vor sich. Je weiter sie am Raum gewann, desto länger wurde die empfindliche Linie, von der aus die Süd- flanke Falkenhayns bedroht werden konnte. General- leutnant von Kraft hielt mit seinen Bayern den Roten-Turm-Paß in einer Stellung südlich des Überganges fest in seiner Hand und unsere Truppen besetzten den Steilabhang des Fogaraser Gebirges. Durch den Sieg am Geisterwalde wurde es nun unserem neuesten Armeeführer möglich, das Fogaraser Gebirge zu überschreiten und in das Burzenlaad ein- zudringen. Hiermit war der Fall von Krön st adt besiegelt. Währenddessen hatte auch die Ar m e e Arz den Feind vor sich hergetrieben. Heute ist Falkenhayn, der zunächst rückwärts der Armee Arzt seine Operationen begann, über die Front dieser Armee weit hinausgerückt. Infolgedessen hat sich auch der rumäni- sche Nordflügel zu einem rascheren Rückgehen gegen die Moldau entschlossen. Dem Können und dem Geschick des Generals v. Falkenhayn ist es zuzuschreiben, daß die Lage in Siebenbürgen sich zu unseren Gunsten gewendet hat. Heute sind die Verteidiger auf ihrer gesamten Front zur Offensive übergegangen und haben den Rumänen mit Nachdruck eine Rückzugsrichtung aufgezwungen, die sie aus freien Stücken niemals gewählt hätten. Das von den Rumänen besetzte siebenbürgische Gebiet wird zusehends kleiner und wir können hoffen, daß bald das österreichische Land von dem treulosen Eindringling befteit sein wftd.
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Trauer in Bukarest. — Kopflosigkeit in ganz Rumänien.
„Wir wissen, das Unglück kommt."
(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Bukarester „Epoca" sckreibt' Seit einigen Tagen hüllt sich unsere Hauptstadt in Trauer. Jeder, der sein Vaterland liebt, ist mit banger Sorge erMt. Jeder weiß trotz der Schweigsamkeit der offiziellen Stellen, daß die Front immer mehr aus die Hauptstadt zurückweicht. Wir alle haben Verwandte an der Front und erhalten jetzt eine Trauerbotschaft nach der anderen, obwohl die offiziellen Verlustlisten noch immer nur ein bis drei Tote täglich aufzählen. Warum verheimlicht die kurzsichtige Regierung alles, wo doch die Front bereits so dicht vor di- Hauptstadt gerückt ist, daß wir täglich die ernsten Nachrichten erfahren? Nach dem Falle von Tutrakan hatte plötzlich große Auftegung die Hauptstadt ergriffen, heute herrscht schon eine ganz andere Stimmung. Wir wissen, das Unglück kommt, nicht heute oder morgen, aber es kann komncen. Darum fordern wir volle Aufklärung. Gewiß ist jeder Rumäne bereit, für sein geliebtes Vaterland das Schwerste zu tragen, aber wir fragen; War dies nötig? Zwei Jahre lang hat die Regierung Bratianus den Krieg vorbereitet und ist doch nie fertig geworden. Zwei Jahre hat sie unzählige Versprechen nach allen Seiten gegeben, bis man uns jetzt kein Versprechen mehr zu halten müssen glaubt. Das ist die Wurzel des nationalen Unglücks, das rumänische Volk büßt heute für die Gewissenlosigkeit seiner Regierung. Es ist eine furchtbare Tragödie, die . sich jetzt in Transsylvanien abspielt. Sie ist eine Folge der Nervosität, welche nach den Dobrudscha- schlachten unsere Heeresleitung ergriffen hatte, als sie alles Kriegsmaterial nach der Südfront warf, weil sie sich vier im Stich gelassen glaubte. Nicht unsere Schwäche, sondern der
Mangel an Organisation ist die Ursache unserer Mißerfolge. — Der „Adeverul" deckt die verzweifelte Lage der rumänischen Landwirtschaft auf. Seit Kriegsausbruch wurde nicht mehr das geringste getan. Der zurückbleibenden Landbevölkerung hat sich ein verhängnisvoller Fatalismus bemächtigt. Jetzt treffen aus allen Teilen des Landes beunruhigende Nachrichten ein. Die Herbstsaat wird fast nirgends vorgenommen, und der Arbeitermangel macht auf den großen Gütern die Bewirtschaftung ganz unmöglich. Die Frauen der Kleinbauern haben gänzlich den Kopf verloren. Schon heute ist ein erheblicher Ernteschaden unvermeidlich. Die agrarischen Kreise fordern eine rücksichtslose, auf alle Stände auszudehnende Fraueurequi- sition und die Einstellung von Schülern für die leichteren Arbeiten.
Der König von Rumänien in übler seelischer Verfassung.
Br. Wien, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Wiener Ayg. Ztg." meldet aus Budapest; Hier sind Meldungen aus Rumänien eingegangen, welche die schwere seelische Aufregung des Königs schildern. Nach diesen Meldungen hat König Ferdinand das Oberkommando durchaus nicht freiwillig niedergelegt, sondern wurde hierzu nach den andauernden Mißerfolgen der rumänischen Armee von den Vertretern der Entente gezwungen. Diese Demütigung hat auf den König furchtbar eingewirkt, der sich daraufhin von allen Staatsgeschäften nahezu gänzlich zurückgezogen hat.
Rumänien fühlt sich von Rußland im Stich gelassen.
Eine Petersburger Mission des Fürsten Cantacuzenu.
(Drahtbericht unseres F.-Sonderberichterftatters.)
8. Stockholm, 14. Okt. (zb.) In Petersburg traf nc außerordentlicher Mission der rumänische Fürst Canta - c u z e n u ein. Er hatte eine längere Konferenz mtt dem Ministerpräsidenten Stürmer. Kriegsminister Schuwajew reifte darauf in das Hauptquartier ab. Der Mission des Fürsten Cantacuzenu wird in rumänischen Militärkreisen große Bedeutung beigelegt. Sie ist sozusagen ein letzter Versuch Rumäniens, Rußland zur Einhaltung der Militär- kanvention zu bewegen. Sogar die Bukarester Zeitungen berichten heute alle, was seit drei Wochen allen enrgeweihten Kreisen bekannt war, daß Rußland die militärischen Berein-
- arungen schmählich g e b rochen habe. Diese Konven- rion wurde, wie mir von glaubwürdiger Seite mitgeteilt wird, erst kurz vor dem Eingreifen Rumäniens in den Wettkrieg in Kiew abgeschlossen. Sie besttmmt, daß Rußland, welchem nach einem diplomatischen Verttag fteie Hand auf dem Balkan gelassen werden sollte, den Schutz der rumänischen Dobrudscha-Grenze zu übernehmen habe. Weiter besttmmt der Verttag daß Rußland e>ne enffprechend starke Armee an der doppelten Front stets aufrecht erhalten müsse. Beide Voraussetzungen für die 'Ausführungen des Vertrags fehlen aber. Es sei also nicht recht verständlich, warum der Krieg überhaupt begonnen habe. „Rußkoje Slowo" bringt sogar einen ironffierenden Bericht über das unglücklich abgelaufene Abenteuer des DonauüberqangS, welcher von dem Berichterstatter des Blattes durch Vermittlung der russischen Ge- iandffchast unzensuriert nach Moskau befördert wurde. Der rumänische General Averescu habe drei Tage lang in einem Aeroplan das ganze Ufer der Donau besichtigt und schließlich R a h o v o als durchaus geeigneten Übergangspuntt ausgewählt. General Averescu habe diesem seinem Unternehmen enffcheidende Bedeutung beigemessen. Zuerst seien nur 5000 Mann über die Donau übergesetzt worden, jedoch wurden bedeutende Truppenverbände in der Haupfftadt zu- iammengezogen, welche den vorhergehenden Truppen Nachfolgen sollten. Jedoch schon vorher wurde die Expedttion abgebrochen. Nachdem dieser verzweifelte Bluffversuch gescheitert war und überall die rumänische Front znsmnmen- vricht, soll Cantacuzenu jetzt bei den kalten Russenfteunden Hilfe holen.
Zur rumänischen Rahovo-Niederlage«
Die schnelle „Korrekttir" der französischen Presse.
W. T.-B. Berlin, 13. Okt. Die „Nordd. Allg. Ztg." nimmt eine vergleichende Übersicht französischer Blättersttmmen nach dem mißglückten rumänischen Donauübergang vor und sagt: Die französische Fachkritik begrüßte die Nachricht von dem rumänischen Donauübergang bei Rahovo mit größter Freude. Man erwartete von dem Ereignis einen Umschwung der Lage auf dem Balkan. Sein rühmloses Ende führte dazu, es nur als eine strategische Demonstration zu bezeichnen. Vor dem Unternehmen sagten die „Humanits" vom 4. Ottober: Die Lage der Bulgaren kann sich sehr schnell kritisch, gestalten.
— „Oeuvre' vom 4. Oktober: Die rückwärtigen Verbindungen der Armee Mackensen sind bedroht. — „Progres" vom 5. Oktober: Die rumänische Armee, die die Donau übersetzte, wird eine sehr bedeutsame Rolle spwlen. — „Croix" vom 5. Oktober: Militärische Kreise legen der neuen Meldung außer- ardentlicke W'chtigkeit. bei. — Älmlich äußerten sich „Figaro" und „Temps". Nach dem mißglückten Übergang der Donau schrieben: „Liberte" vom 5. Oktober:. Nur einige wenige Regimenter hatten den Fluß überschritten. — „Petit Journal" vom 6. Oktober:'Der Donauübergäng sollte nur eine Demonstration darstellen. — „Echo de Paris" vom 7. Oktober: Die
